xp*^ '^A*" t "W ;t^- "C V^:'^ r 1.:^r\ -*-?t;^*^^^'t.j^ . v-t;; \ -^ r ...#:-S^ri ' ..V, *' ^ -:f . ^^''^'. V-^-"^*' '^' J^:^. '^>-. ..^^.''''v?^ 1^ -'^ 1 '^' ttiG^ *-> :v4-li.. J^> Redigiert von Dl*. II. Potonie. ZWEITER BAND ^ (April 1888 bis September 1888). ^- -> H^H"-^' BERLIN. Verlag von Hermann Riemann. Inhalts-Verzeiehnis. Seite Allgemeines und Verschiedenes. Dreher, Der Zweck der Natiu*- wissenscliaft und die Art und Weise, wie sie betrieben wird ... 73, 83 Mller, Karl, Die Verwertbarkeit des His'schen Embryographen . . 171 Ptz, Die knstliche Beleuchtung in der Photographie 121 Raab, Ueber Verwendung des Torfs 140 Amerikanisten Kongress 205 Ansiclit Darwin's von der Er- scliaffung der ersten Wesen . . 47 Anthropologen-^'ersammlung . . . 151 Anwendung der lateinisclien Nomen- klatur 143 Brcke ber ilen Kanal 22 Chamisso's Stellung zur Lehre von der Verwandlung der Arten . . 182 Chamisso, Adalbert von 161 Fixierung des Stickstoffs durcli den Pflanzenboden 118 Humboldt-Akademie 14 Klub- u. Vereinsliaus-Aktienge.sellscli. 8 Lombroso, Studie ber den Hypno- tismus 174 Mannesmann'sches Elu'enwalzver- fahreu 31, 39 Naturgeschiclite des Verbrechers 81 Neues Mittel gegenKesselsteinbildiuig 103 Papiei'ertindung, Zur Geschiclite der 14 Pliotograpliische Aufnalime eines Eegenbogeus 150 Spencer's Ablehnung eines Eliren- doktorats 181 Spiritus, Denatui'irter 62 LXI, Versammlung deutscher Natur- forsclier und Aerzte zu Khi 1888 181 Zoologie. Dewitz, Aufgaben grosser zoolo- gischer Landesmuseen 158 G r i e s b a c h , ungebetene Gste unserer Tafel 90, 98 Kolbe, Aus dem Gesellschaftsleben der Ameisen 173 Ueber die Entwicklungsgeschichte der spanischen Fliege und anderer Blasenkfer 137 Mhrenthal, von, Wie benutzen die Zoologen die Einbettungswinkel . 199 Melsheimer, Abnorme Schnabel- bildung bei Vgeln 57 Nehring, Das Skelett eines weib- lichen Ur. (Bos primigenius) . . 130 Seite Neliring, Wolf und Htmd . ... 1 Peiter , Zwei seltene Gste des hohen Erzgebtrges 180 Schaff, Zum Seelenleben der Tiere 39 Schneider, Robert, Descendenz- frage und Urweltsforschimg . . 135 Staby, Das Schweben und Kreisen der Vgel 196 Alpenlmmergeier, Vorkommen des- selben 23 Bastard zwischen Wolf und Hund . 69 Biber an der Elbe 134 Byssusorgang derLamellibranchiaten 7 Gloake beim Hausscliwein .... 62 Coruiiirautischen in Japan .... 118 Fauna der Azoren 125 Giftige Fische der Marschall-Insebi . 157 Giftige Spinnen Russlands .... 45 Hausente mit Entevichgefieder . . 77 Kfei' auf Ulex europaeus .... 31 Kegelrobbe in der Gefangenscliaft . 54 Lebenszhigkeit unserer gemeinsten Ssswasserfisclie 125 Leuchtende Insekten ... .93, 103 Massenvertilgung von Vgeln ... 61 Miesmuscheln, giftige 55 Milben auf Nekropliorus germanicus 62 Missbildungen an niederen Tieren . 181 Moscliusochse , geographische Ver- breitung desselben 69 Nahrung des ;Maulwurfs 103 Parasiten in Hlinereiem .... 142 Physiologische Wirkung des Methaus und seiner Chlorderivate .... 142 Spargelfliege 126 Steppenhttliner in Deutschland . 69 Verein von Aquarien- u. Terrarien- Liebhabern 207 Vertreibung von Ameisen .... 207 Verwandschaft der Fllie .... 151 Wie stellt man Skelette dar . . . 205 Botanik. Ascherson, Der Farbeuwechsel des Saftmals in den Blten der Eoss- kastanie 129 C a m ]i b e 1 1 , Paraffin - Einbettungs- nietliode fr pflanzliclie Objekte 61 Frank, Ueber die Symbiose der Pfianzenwurzeln mit Pilzen . 3, 10, 76 Hennings, Ueber das Konservieren imd Prparieren fleischiger Hutpilze 20 Huth. die Verbreitung der Pflanzen durcli Meeresstrmungen .... 105 Klein, Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen 28 Seite Kohl, Arbeitsteihiiig und Geuossen- schaftsleben im Pflanzenreicli 153, 163. Ludwig, Die Feigen und ihreLiebes^ boten 113, 123, 159 Einige Notizen ber die Doppel-, natur der Flecliten 29 Potonie, Praktisclie Winke ber das Pflanzensammeln 52 Praktische Winke ber die An- legung eines Herbariums .... 188 Soll wendener, Rede zur Gedchtnis- ' feier Knig Friedricli Wilhebns III. in der Aula der Universitt Berlin am 3. August 1888 .... 177, 185 Algen auf den Haaren von Faultieren 103 Aufbewalirung von Pilzen .... 23 Bedeutung und Ursaclie des Honig- taues auf Laubblttern .... 176 Bezieluuigeu zwiselien Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen 44 Dngung von Zimmer- und Garten- pflanzen 78 Ein neuer Flechtentypus .... 166 Entdecker der insektenfressenden Eigenscliaften der Pflanzen ... 39 Flora der egyptiscli-arabischen ^Vste 142 Generalversammlung der Deutschen botanischen Gesellschaft .... 199 Keimung von durch den Verdauungs- kanal gegangenen Samen . . . 190 Latliraea squamaria und Bartsia al- pina keine fleisclifresseude" Pflanzen 77 Pilze als Weinveredler 22 Eaphiden, Physiologisclie Bedeutung der 7 Sarracenia piu'purea 117 Ueber den Getreidekrebs . . . . 111 Unterschied zwischen Raps-, Rbsen-, Rben- imd Kolilsamen .... 198 Ursprung der baumlosen Grasprrien Nordamerikas 166 ^Veshalb reclmet man die Flechten jetzt zu den Pilzen? .... 55, 71 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Berendt, Die Soolquelle im Admi- ralsgarteubad zu Berlin .... 9 Die sdliche baltische Endmorne des ehemaligen skandinavischen Eises in der Uckermark und Mecklenbiu-g-Strelitz 130 Frech, Ueber die Entstehung der Alpen 86 Ueber Eiszeiten in frheren geo- logischen Perioden 109 Seite Heim, Zur i'roiihezeiluuig der Erd- beben 193, 201 Krause, Anrel, Fossiles Eis . . 7, 23 Foto nie, lieber Stigmaria ... 74 W a li u s c h a t'fe , Die Entwicklung der Glazialtheorie in Nord- deutschland 4 lieber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberficbe liegenden Steine 145 Zimmermann, Zeclistein auf dem Kamm des Thringer Waldes und seine Bedeutung fr die Frage nacli dem Alter des Gebirges . . 65 Ammonit, Der grsste 46 Ausbreitungsgeschwindigkeit unter- h-discher Ersclitterungen ... 93 Bildung von Haarsilber . . . 134, 198 Diamant in einem Meteorstein . . 78 Fortptlanzungsgescliwindigkeit des Erdbebens bei Charlestone . . . 126 Gneiss mid Granit 14 Httinger Breccie 149 Internationaler Geologen-Kongress . 139 Kubine, Knstliche 22, 39 Physik. Dessau, Nene Phonographen. . . 116 Dreher, Das Beharrimgsgesetz . . 70 Gutzmer, Ueber die Klangfiguren quadratischer Platten .... 51, 95 Ueber einen Fernsprech- apparat 156 J r d a n . Die Wirksamkeit der dynamo- elektrischen Maschinen . . 107, 198 Apparat ti- Experimente bei hoher Temperatur in Gasen unter hohem Druck 118 Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen 14 Astatische Nadel, Eine neue Foi-m der 30 Ausbreitungsgeschwindigkeit des Sclialles 150 Ausntzung des Niagarafalles zur Elektricittserzeugung 46 Beobachtungen ber Hhe, Lnge und Geschwindigkeit der oceani- schen Wellen 205 Beziehungen zwischen der Elektricitt und dem Licht 174 Brechungsexponent der Metalle . . 7 Die Grsse der Sterne und das psycho- physische Grundgesetz .... 94 Durchgang des elektrischen Stromes durch Schwefel ...... 110 Eindringen des Lichts in das Wasser des Genfer Sees 69 Einuss der Intensitt des Lichts auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit desselben 8 Eiuuss der Temperatur auf die Magnetisierung des Eisens . . . HO Elektrische Erscheinung an Berg- kiystall und Glasgewichten . . 70 Elektricitt und Mathematik ... 70 Entstehungsgeschichte der Spektral- analyse HO Seite Hrte von Sletallen 30 Ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes von der Bewegung des Mittels, in welchem die Licht- scliwingungen vor sich gehen, ab- hngig'? 135 Konstitution der I>sungen .... 150 Leitungsfhigkeit des Vakuums fr Elektricitt HO Leitmigsvermgen beleuchteter Luft fr Elektricitt 30 Lichterscheinungen durch mecha- nische Einwirkung 175 Mathematisches Pendel 174 Messmig niedriger Temperaturen 204 Seefischerei mit elektrischem Licht . 23 Seismograph mit elektrischem Ee- gistrierapparat 30 Totah-eflexion, Eine neue Erschei- nung der 109 Ueber den infraroten Teil des Sonneu- spektrums 93 Versuche ber die elektrische Ab- stossung 198 Warum bleibt die von der Sonne ausgestrahlte Wrmemenge be- stndig dieselbe trotz des infolge der Strahlung stattfindenden Wrme- verlustes, den die Sonne erleidet? 166 Welches ist die geringste Lichtstrke, welche ein normales Auge noch wahrzunehmen vermag? .... 126 ^Virk^^Ilgen des elektrischen Stromes auf feine Wagen 134 Zerstuben glhender Metalle ... HO Mathematik. Schlegel, Ueber den sogenannten vierdimensioualen Eaum 41, 49, 58, 67 Schubert, Die Quadratur des Zii-kels 97 Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnitts in Natur und Kunst .33 Astronomie. Albrecht, Einrichtung zur ffent- lichen Zeitregulierung . . . . 17, 25 Bestimmung der Bewegiuig von Sternen im Visiousradius ... 86 Das grsste astronomische Fei-nrohi- der Erde 46 Fixsternhimmel, Populrer Fhrer durch den 22 Helligkeitszunahme von i;" Argus . 198 Kalender, Astronomischer 8, 14, 22, 31, 46, 54, 62, 71, 78 Komet Sawerthal ... 22, 31, 62, 175 Mondfinsternis, Totale 14 Nachrichten vom Lyck-Observatory 167 Neuer Planet 31, 62, 71, 87 Ueber den neuen" Stern" im Schwan 167 Vernderlichkeit zweier Sterne . . 71 Vernderungen auf der Oberflche des Mars 135 A'ei-such, welcher die Axendi-ehung der Erde beweist 159, 207 Vomntersuchungen zur Herstellung photographischer Himmelskarten . 22 Seite Meteorologie. Bendt, Ueber die niedrigste Tempe- ratur der folgenden Nacht und die Mittel - Temperatur des knftigen Tages 68 Jordan, Unter welchen Umstnden und in welcher Weise geschieht die Bildung von Sclmeekrvstallen? 27 Less, die Erhaltungstendenz im Wittermigscharakter aufeinander- folgender Winter 8 Wagner, Das Aspirations-Thermo- meter 22 Polymeter 70 Wolken und Nebel 169 Abgeprellter Meteorit 167 Atmosplir.-optische Strung, Ueber die Entstehung und den Verlauf der 54 Beeinflussung der Eichtung von Ge- wittern durch Flsse und den Mond 119 Blitzableiterfrage 86 Donner und Blitz 46 Drehung der Windbahnen .... 93 Fhn luid Bora 181 Polarlichtes, Eine neue Erklrung des 62 Eegenverhltnisse der westlichen Staaten der Nordamerikanischen Union 62 Wetterprophet 23 Zur Vorausbestimmung der Tempe- ratur HO Chemie. Koppe, Ueber die Eaoult'sche Methode der Molekulargewichts- bestimmung 89 Bleikannuerprozesses, Theorie des . 38 Braunkohlenbildung in Dampfkesseln von Zuckerfabriken 167 Chlorstickstoffes, Zur Kenntnis des . 175 Knallgas-Explosion . 21 Langsame- Verbrennung organischer Substanzen 126 Liebreich's toter Eaum" .... 78 Saccharin 29 Theophyllin 166 Umwandlung von Hyoscyamin in Atropiu 109 Ursprung der chemischen Grundstoffe 38 Zur Kenntnis des Frbnugsvorganges 118 Geographie. Beschaffenheit der algierischen Sahara 204 Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Schneekoppe 7 Deutscher Geographentag .... 8 Hilfsmittel fr den geographischen Unterricht 14 Miclucho Maclay 151 Eeise nach dem Janalande und den neusibh'ischen Inseln .... 4.5, 71 Eio Xing, Erforschung des . . . 108 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Bischoff, Arsen in Bierkouleur . 8 Gutzmer, Eine pathologische Wirkung des elektrischen Lichts 115 38812 Seite N u s s b a u m , Krperliche imd geisti ge Arbeit im leichgewiclit .... 12 Schmitz, Wirkuugsart der krauk- heiterregeiideu Mikroorganismen im tierischen Krper 148 British niedical association .... 151 Deutscher Aerztetag 199 Deutscher \'erein fr ffentliclie Ge- sundlieitspflege 190 Einuss der Genussmittel auf die Magenverdauuug 134 Einwirkung von Gasen auf den Organismus 93 Gesundheitssclidlichkeit melu-erer hygienisch und teclmiscli wichtiger Gase und Dmpfe 134 Giftigkeit der mensclilicheu Aus- dnstung 166 Kongress fr innere Medizin ... 14 Krankljeitskeim des gelben Fiebers und Schutzimpfung gegen dasselbe 85 Medizinalbeamtenverein, Preussisclier 205 phtlialmologischer Kongress . . . 151 Tuberkulose-Kongi-ess 135 Seite Vermeintliclie Giftigkeit der ver- nickelten Gebrauchsgegenstnde 181 Litteratur und Bcherschau. Beetz, Leitfaden der Physik . . . 143 Claus, Lamarck als Begrnder der Descendenzlehre 151 Der kleine Pilzsammler 167 Engler und Prantl, Die natrlichen Ptlanzenfamilien 78 Fritsch, Allgemeine Geologie . . 55 Gizycki, Autoritten 206 Hlzel, Geograpliische Cliarakter- bilder 23 Jordan, Goethe und noch immer kein Ende 190 Kerner, Pauzenleben 119 Nussbaum, Neue Heilmittel fr Nerven 95 Potonie, Elemente der Botanik . 87 Remseu, Einleitung in das Studium der Chemie 8 Riese, Wolinungsgrtnerei . . . 207 Runge, Die Mineralogie in Schule und Haus 111 Seite Schaff, Leitfitden der Zoologie fr Studierende der Naturwissenschaf- ten und der Medizin 103 Schubert, Pflanzenkunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen- seminare 63 Schwalbe, Griech. Elementarbuch 47 Urbanitzky, von, Elektricitt des Himmels und der Erde ... 39, 199 V ihn or in ' s Illustrierte Blumengrt- nerei. II.Autl. Ergnzungsband, Die Neuheiten des letzten Jahrzehnts 176 Weiss, Die Sigillarien der Preus- sischen Steinkohlengebiete . . . 135 Wittwer, Grundzge der Molekular- physik u. d. matlieraatischenCliemie 31 Die thermischen Verhltnisse der Gase mit besonderer Bercksichti- gung der Kohlensure 31 Zenker, Die Verteilung der Wrme auf der Erdoberflche 159 Bcherscliau 23, 31, 47, 55, 63, 71, 79, 87, 95, 103, 111, 127, 136, 143, 152, 159, 167, 176, 183, 191, 199, 207. v^ ujCI^-IB Verlag von Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Priedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 1. April 1888. Nr. 1. - Abonnement: Mau abonniert bei allen Buclihaudlungen und Post- ^ Inserate: Die _ viergespaltene Petitzeile 30 4. Grssere Auftrge anstalteu, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2. ; elp entsprechenden Rabatt. Beilagen nacli ebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 15 -j extra. Jl annhme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger ttHellenanoabe gestattet. Inhalt: Pml'. Dr. A. Neliring: Wolf und lUiiiJ. Prof. Dr. B. Frank: Uelier die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. (Mit Abbild.). Dr. F. Wahn schaffe: Die Eutwickelung der Glacialtheorie in Norddeutschland. (Mit Abbild.). Kleinere Mit- teilungen: Fossiles Eis. Ueber da.s Byssusorgan der Lamellibranchiaten. Die physiologische Bedeutung der Raphiden. Ueber die Brechungsexponenten der Metalle. Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Schneekoppe. Astronomischer Kalender. Die Erhaltnngstendenz im Witterungscharakter aufeinander folgender Winter. Arsen in Biercouleur. Deutscher Geographentag. CUib- und Vereinshaus-Aktien- Gesellschaft". Fragen und Antworten: Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes. LItteratur: Ira Remsen; Einleitung in das Studium der Chemie. Briefkasten. Inserate. Wolf und Hund. Von Prof. Dr. A. Nehring. Ueber die Abstammung der Haushunde und ber ihr Verhltni.s zu den Wlfen und Schalialen ist schon sehr viel geschiieben und gestiitten worden. Viele namhafte Autoi-en betrachten den Haushund mit Linne als eine besondere zoologische Species (Canis familiaris), andere nehmen fr die verschiedenen Gruppen von Hunderassen verschiedene fossile Stammarten an, welche schon im Diluvium als wilde Arten ausgestorben sein sollen, andere betrachten die noch jetzt lebenden Wlfe und Schakale oder doch gewisse Arten derselben als die Stammvter der Haushunde. Manche Autoren glauben auch die Fchse als Stammvter gewisser Rassen mit in Rechnung ziehen zu mssen. Langjhrige Studien an reichem Materiale haben mich zu der Ueberzeugung gebracht, dass Wolf und Schakal oder genauer gesagt: mehrere der noch jetzt lebenden Wolfs- und Schakal-Arten als die Stammvter der Haushunde zu beti'achten sind. Selbstverstndlich filUt die Domesticierung der betreffenden Wlfe und Schakale in eine weit entlegene Vorzeit*), und nur selten wird heutzutage gelegentlich eine direkte, selbstndige Domesticierung junger Wlfe und Schakale ausgefhi-t. *) Also genau genommen betrachte ich die diluvialen und altalluvialen Vorfahren der heutigen Wlfe und Schakale als die Stammvter der Haushunde. Dass die Zhmung und Abrichtung junger Schakale keine besonderen Schwierigkeiten bietet, steht fest; aber auch mit jungen Wlfen hat man noch krzlich manche erfolgreiche Versuche gemacht. Abgesehen von den dressierten Wlfen, welche vor wenigen Jahren hier in Berlin dem grossen Publikum vorgefhrt wurden und welche thatschlich einen hohen Grad von Zhmung resp. Ablichtung zeigten, sind mir mehrere sonstige Flle bekannt geworden. Besonders interessant erscheint in dieser Hinsicht eine Mitteilung von C. Ronge, welche krzlich unter der Ueberschrift : Zhmbarkeit der Wlfe" in Hugo's Jagd-Zeitung, 1887, Nr. 8, S. 243245 ver- ffentlicht wurde. Heir Ronge schildert in sehr an- sprechender, anschaulicl;er Weise, wie er einen jungen Wolf aufgezogen und derart gezhmt hat, dass er ihm folgte, wie ein Haushund. Wir knnen hier die sogenannte Hundefrage", d. h. die Frage nach der Herkunft der Hunde-Rassen, nicht nher verfolgen; wir woUen nui' die vielfach angefhrten und als specifisch betrachteten TJntei'schiede zwischen den Wlfen und den grsseren Haushunden ein wenig ins Auge fassen. Blasius sagt in seiner Naturgeschichte der Suge- tiere Deutschlands: Will man den Haushund als Art von den brigen Wlfen ti'ennen, so giebt es auch noch Natiu wissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. l. kein besseres Kennzeichen, als das des links gekrmmten Schwanzes der lakonischen Diagnose Linnes: C. cauda sinistrorsum recurvata." Ist diese Schwanzlialtung wirklich ein specifischer Unterschied zwischen Hund und Wolf? Durchaus niciit. Denn erstens giebt es zahlreiche Haushunde, welche den Schwanz fin- gewhnlich abwrts hngen lassen und ihn nur im Affekt aufwrts krmmen, zweitens tragen ihn viele Hunde nicht nach links, sondern nach rechts ge- ki'ramt, und drittens gewhnen sich fast alle Wlfe, welche in der Gefangenschaft aufwachsen und lange Jahre mit Menschen verkehren, das Wedeln und Auf- wrtskrmmen des Schwanzes an. Ich habe letzteres bei den meisten Wlfen, welche in Menagerien oder zoolo- gischen Grten aufgewachsen waren, beobachtet, nament- lich dann, wenn ihr Wrter mit ihnen sprach. Ein alter Wolf, welcher fnfzehn Jahre im Berliner zoologischen Garten gelebt hat und von mir Jahre lang beobachtet worden ist, trug den Schwanz fast immer nach links aufwrts gekrmmt. Eine noch jetzt im hiesigen Garten vorhandene Wlfin, welch schon ber sieben Jahre in Gefangenschaft lebt, richtet regelmssig den Schwanz auf und wedelt mit ihm, wenn der Wrter oder ein ihr sonst Bekannter sie freundlich anspiicht. Dasselbe berichtet Professor Landois von den Wlfen des zoologischen Gartens in Mnster. Wo bleibt da der specifische Unterschied in der Haltung des Schwanzes? Ebenso hinfllig erscheinen die brigen Differenzen zwischen den Wlfen und den grsseren Hunderassen, namentlich, wenn man nicht nur den Lupus vulgaris von Europa, sondern auch die zierhcheren, schwchei'en Arten resp. Lokalrassen, wie Lupus pallipes (den indischen Wolf), Lupus japonicus (den Wolf von Nippon), Lupus mexicanus (eine kleinere Variett des Lupus occidentalis), Canis latrans (den Prairiewolfj, C. anthus etc. zum Ver- gleich heranzieht, und wenn man vor allem die tief- eingreifenden Wh-kungen einer Jahrtausende whrenden Domestication bercksichtigt. Es ist vollkommen richtig, dass bei den Haushunden das Gebiss durchweg schwcher und namentlich die so- genannten Reisszhne (Sectorii) kleiner sind, als bei Wlfen gleicher Grsse; ebenso weicht die Schdelform bei manchen Hunderassen (z. B. beim Bulldog) wesentlicli von derjenigen der Wlfe (und Schakale) ab. Ich habe aber vor einigen Jahren nachgewiesen, dass diese Ab- weichungen sich auf die AVirkungen der Domestication (Beschrnkung der Freiheit, veinderte Nahrung, Inzucht etc.) zuickfhren lassen, da die in der Gefangenschaft geborenen und aufgewachsenen Wlfe meist eine deut- liche Verkleinerung der Reisszhne und nicht selten auch Abweichungen in der Form des Schdels, wie z. B. ein gewisses Uebergreifen des Unterkiefers ber den Ober- kiefer zeigen. Auch felilt nicht selten der vorderste oder der letzte Backenzahn im Gebiss solcher, in der Gefangen- schaft geborener Wlfe, was ausnahmsweise auch wohl bei freilebenden Exemplai'en vorkommt, bei Haushunden aber relativ hufig beobachtet wird. Wenn man ferner die grssere Lnge des Darm- kanals als ein wichtiges Merkmal der Haushunde gegen- ber den Wlfen angefhrt hat, so kann ich auch diesen Unterschied nicht als specifisch betrachten. Die grssere Lnge des Darml^-anals bei den Haushunden gegenber den freilebenden Wlfen erklrt sich ebenso, wie die gi'sseie Darmlnge der Hauskatzen im Vergleich mit den Wildkatzen, der Hausschweine im Vergleich mit den Wildschweinen ; sie ist lediglich eine Folge der mehr oder weniger vorwiegenden vegetabilischen Nahrung bei den genannten Haustieren gegenber der fast ausschliess- lichen Fleischnalu'ung bei Wolf und Wildkatze, beziehungs- weise der lelativ stark in Betracht kommenden animaschen Kost des Wildschweins. Landois glaubt in der unersttlichen Fressgier und in dem hastigen Hinabschlingen der Nahrung einen charak- teristischen Unterschied zwischen Wolf und Hund gefun- den zu haben. Ich kann aber auf diesen Punkt kein besonderes Gewicht legen; die Art des Fressens ist im wesentlichen Sache der Gewhnung, des Temperaments, der Besorgnis vor neidischen Konkurrenten und der- gleichen. Ich besass frher einen Hund, der seine Nahrung stets, auch ohne starken Hunger zu haben, mit wahrer Wolfsgier verschlang, obgleich ihm Niemand die- selbe streitig machte; anderseits habe ich gefangene Wlfe beobachtet, welche ohne Hast mit aller Gemch- lichkeit ihr tgliches Futter verzehrten. Da nun ferner beobaclitet ist, dass sich Wlfe mit grsseren Hunden fruchtbni- vermischen, und auch die Bastarde sich durchweg wieder fortpflanzungsfhig er- weisen, so bestellen meines Erachtens keine anderen Unterschiede zwischen den oben genannten Wolfsarten und den gi'sseren Hunderassen, als solche, welche dui'ch langdaueinde Domestication unter vielfacher Kreuzung der entstandenen oder absichtlich produzierten Rassen hervorgebracht sind. Dass bei dem Zustandekommen der zahlreichen, mannigfaltigen Hunderassen, welche wir bei den Cultur- vlkern finden, Liebhaberei und Spoit neben den prak- tischen Bedrfnissen eine Hauptrolle gespielt haben, ist unverkennbar. Die Naturvlker, welche auf der Stufe des Jger- oder Hirtenlebens verblieben sind, haben sich im Allgemeinen mit ihren primitiven wolfs- oder schakal- hnlichen Hunden begngt und sich nicht bemht, die- selben umzumodeln. Ich schliesse meine Betrachtung mit dem Ausspruche Cardaus: ,, Lupi cicures post multas generationes in Canes transeuut." Nr. 1. Natufwissenschaftliclic^ Wodiensclnift. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. Von Professor Vor drei Jahren liabe icli nachgewiesen, dass ganz allgemein die Wurzeln unserer wichtigsten Waklbume eine wesentlich andere Organisation besitzen als die ge- whnlichen Wurzeln der anderen Pflanzen, indem sie regelmssig mit einem Pilz vergesellschaftet sind, welcher wie ein lckenloser Mantel die ganze Obeiflche der Saugwurzel bis zu deren Spitze nicht nur berzieht, sondern dabei auch in fester organischer "Verwachsung mit der Wurzel sich befindet. Die letztere ist daher hier auch kein einfaches, nur der Pflanze angehi'iges Organ, sondern ein aus zwei heterogenen Wesen zusammen- gesetztes Gebilde, dem ich deshalb den Namen Pilz- wurzel oder Mykorhiza gegeben habe. Genauere Untersuchung berzeugt uns, dass hier Pilz und Wurzel ein gemeinsames Ganze bilden, dass sie in gegenseitiger Abhngigkeit zusammen leben und zusammen weiter wachsen und augenscheinlich auch gemeinsame Punktionen ausben. Es ist also einer der in anderen Formen schon bekannten Flle von Symbiose zweier heterogenen Lebe- wesen. In welcher Weise hier die beiden Symbionten, die Baumwurzel und der Pilz, vereinigt sind und mit- einander loben, soll in nachstehendem beschrieben werden. Es ist bekannt, wie die gewhnlichen unverpilzten Pflanzenwurzeln gebaut sind: ihre usserste von der Wurzelhaube bedeckte Spitze ist aus lauter in Vermeh- rung begriffenen Zellen zusammengesetzt und bewirkt daher lediglich das weitere Lngenwachstum der Wurzel. Die rckwrts von der Wurzelspitze liegenden Partieen der Wurzel sind oberflchlich mit zahllosen Haarbildungen, den Wurzclhaaren, bekleidet, welche hauptschlich die Nahrungsstoft'e aus dem Erdboden in gelster Form auf- saugen. Pei der Mykorhiza dagegen ist die ganze Oberflche von einem dichten Pilzgewebe eingehllt, welches, eben weil es die Oberflche einnimmt, auch allein die Ueber- tragung der Nahrung in die Wurzel vermitteln muss, so dass die letztere dafr auch ihre eigenen Aufnahme- organe gar nicht ausbildet; denn die Mykorhiza ist vllig ohne WurzeUiaare, die sich unter dem dichten und fest angewachsenen Pilzmantel auch nicht wrden bilden knnen. Auch gestaltlich erscheinen die Mykorhizen ab- weichend von den gewhnlichen Pflanzenwurzeln, indem sie bei einer verhltnismssig dicken und kurzen Gestalt eine hohe Neigung zur Verzweigung zeigen, so dass sie mehr oder weniger korallenfrmig oder bschelfrmig aussehen. Fig. 1 unten. AVenn wir diese Gebilde strkerer Vergrsse- rnng unterwerfen, so sehen wir ihre ganze Obeiflche von einer verworrenen, filzigen oder feinzelligen Masse gebildet, Fig. 1 oben, die bei genauerer Betiachtung von pilzlicher Natur sich erweist, d. h. aus Pilzfden besteht, die ent- weder so verwoben sind, dass man ihre Fadenstruktur noch unterscheiden kann, oder auch so innig sich zwischen- Dr. B. Frank. einander pressen, dass ein sogenanntes Pseudoparenchym entsteht, in welchem man den Verlauf der Fden nicht mehr verfolgen kann. Eine gengende Vorstellung von dem Ganzen gewinnen wir erst, wenn die Mykorhiza im Lngs- durchschnitte betrachtet wii'd. Fig. 2, links. Man unter- scheidet innerlich den Wurzelkrper, welcher, wenn man von dem Fehlen dei- Wurzelhaare absieht, in der Haupt- sache einer gewhnlichen Wurzel gleich gebaut ist. Aus- Fig. L Onten : Wurzelstck mit Mykorhizen. NatrUclie Grsse. Oben: Spize einer Mykorhiza. 146fach vergrssert. Fig. 2. Links: Lngsschnitt durch die Spitze einer Mykorhiza von Hainbuche. p Pilzmantel, r Kinde, f Fibrovasalstrang. 240facli vergrssert. Rechts: Stck eines Lngsschnittes durch einen lteren Teil derselben Mykorhiza. p Pilzmantel. e Epidermis, darunter Itindezellen. 240 fach vergrssert. wendig geht ringsherum eine bald dickere, bald dnnere kon- tinuierliche Lage des Pilzgewebes, welche auch nicht einen Punkt der Wurzel frei lsst. Die Oberflche dieses Pilz- mantels ist manchmal ziemlich glatt, hufiger gehen zahlreiche seiner Fden in freiem Verlaufe weit in die umgebende Bodenmasse hinein, so dass die Mykorhiza oft eine dichte Naturwissenschaftliche Woclipn^;cliiift. Nr. 1. faserige Belileidung zeigt. Bei genauerer Verfolgung sieht man, dass diese Pilzfaden wie gewhnliche Pilz- mycelien die umgebenden Bodenteilchen, den Humus, besonders allerhand verwesende Pflanzenreste, wie Laub, Zweigstckciien etc., offenbar um aus ihnen Nlustofte zu holen, durchwucliern. Fig. 3. Sie sind also die nahrung- aufuehraenden Organe des Pilzmantels und veitreten da- her geradezu die fehlenden Wurzelhaare. Sogar darin sind sie den letzteren hnlich, dass man sie vielfach mit Brd- oder Humusteilchen verwachsen findet und dass sie Fig. 3. StcU-Humus mit My- korlzcn iind von diesen ausgeliendeii Mycel- strngen, die sicli im Humus verbreiten. Natrliche Grsse. daselbst anschwellend diese Teilchen mclii' odei- minder umwachsen. Andi'isolts berzeugen wii' uns aber auch, dass zwischen dem l'ilzinantel und dem Wurzelkern eine innige Vei'einignng besteht. Denn die Pilzfden diingen auch zwischen die luei' besondei's weiten Epideiraiszellen ein und umsiiinnenrtieselben ziemlich allseitig, Fig. 2, rechts. Durch diese Einriclitungen ist oltenbar ein iebliaftei- Stoif- austauseh zwischen Pilz und W'uizel ermglicht. Beide Teile, Wurzel und Pilz, wachsen auch Schritt haltend miteinander foi't: denn auch die ussei'ste die Verlnge- rung des Wui'zelkrpers liewirkende Wurzelspitze ist . von dem IMlzmantel umzogen; aber der letzteie ist an dieser Stelle auch wachstumsfhig, d. h. aus jngeren in lebhafte!' Veimehrung begrilfenen Fden zusammen- gesetzt. El' dehnt sich hiei' also in -dem Maasse mit weiter aus, als der wachsende Wurzelkei'n es verlangt. So kann sich die wachsende Wurzel nicht aus dem Pilzmantel befreien, beide wachsen zusammen gleichsam wie ein einheitliches Organ, und auch durch diese That- sache erweisen sich beide Symbionten als Teile eines hheren Ganzen. (Schluss folgt.) Die Entwickelung der Glacialtheorie in Norddeutschland. Von Dr. F. Wahnschaffe. Kol. Laiidesgeologe und Privatdocent an der Universitt Berlin. Die lockeren Ablagerungen von Gebirgsschutt, welche das norddeutsche Flachland bedecken, wurden in den ersten Anfngen der geologischen Wissenschaft nm- wenig beachtet. Man hielt sie fr Abstze einer grossen katastro phonartig hereingebrochenen Flut, welche man meist mit der biblischen Sintflut in Zusammenhang brachte. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung Diluvium fr das sogenannte aufgeschwemmte Land". Die erratischen Blcke (AVanderblcke. Find- linge), jenes bunte Gemisch von Trmmern der verschieden- artigsten Felsarten, welche im ganzen norddeutschen Flachlande verbreitet sind, lenkten zuerst die Aufmerk- samkeit auf sich und gaben Veranlassung zu vielfachen Hypothesen ber ihre Herkunft. Obwohl einzelne Forscher schon sehr frh zu der Erkenntnis gelangt waren, dass die Hauptmasse dieser Blcke und Gerolle" aus Skan- dinavien und den brigen baltischen Gebieten zu uns gelangt sein msse, hat es doch noch langer Zeit be- dui'ft, bis diese ^''liatsache allgemeine Anei'kenniuig fand. Wir begegnen im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts noch zwei andei'en Ansichten, welche sich Geltung zu verschafien wussten. Nach der einen sollten die Blcke sdlicher Herkunft sein und von den deutschen Mittel- gebii'gen stammen, whrend sie nach der anderen Trmmer der im Unteigiunde Norddeutschlands vermuteten an- stehenden Gesteine waren, folglich einheimischen Ur- sprunges htten sein mssen. Diese zweite Auffassung wurde in betreff der versteinerungsfhienden Geschiebe noch um die Mitte dieses Jahrhunderts mit vielem Eifer von E. Bell vertreten, nachdem auch Klden, der un- ermdliche Durchforscher der Mark Brandenbung, 1834 ei'klrt hatte, dass die Fiage nach dem Vaterlande der Geschiebe der Lsung feinei' denn je sei und dass Schweden unmglich als die Geburtssttte unserer Pe- trefakten betrachtet werden knne. Gleichzeitig mit der Frage nach der Heimat der Geschiebe beschftigte man sich auch mit der Art und Weise ihres Transportes und dieser Punkt musste haupt- schlich fi' die Vorkmpfer der Ansicht von der nor- dischen Herkunft der Findlinge von Wichtigkeit sein. Die meisten der hier in Betracht zu ziehenden lteren Hypothesen kommen darauf hinaus, dass die Geschiebe durch eine grosse gewaltsame Flut oder durch Treibeis zu uns gebracht wurden. Bereits im .Jahre 1775 war Hauptmann v. Arenswald, welcher den ver-steinerungs- fhrenden Geschieben in Pommern und Mecklenbui'g grosse Aufmerksamkeit gewidmet hatte, durch Reisen in die das Diluvialgebiet umgrenzenden Lnder zu dei' Auf- fassung gelangt, dass die Versteinei'ungen eine grosse Aehnlichkeit mit s c h w e d i s c h e n Vorkommnissen besssen. Er leitete daraus den zu damaliger Zeit leider zu wenig beachteten Schluss ab, dass ein grosser Teil unserer Ge- schiebe durch eine Flut in Schweden losgebrochen und zu uns herbergefhrt worden sei. G. A. v. Winter feld wies im Jahre 1790 in einem Aufsatze vom Vater- lande des mecklenburgischen Granitgesteines" darauf hin, dass der nchste anstehende Granit in Schweden zu finden sei und dass der Blocktransport bei einer allge- meinen Meeresbedeckung durch Treibeis stattgefunden habe. Wie weit jedoch die Anschauungen auseinander gingen, beweist ein von dem Berhner Gelehrten Silber- schlag im Jahre 1780 verffentlichtes Buch, in welchem Xr. l. isatiu'wissenschauiiche Wochensclirift. derselbe ausflulicli darzulegen suchte, dass die erratischen Blocke samt dem nordischen Sande durch vulkanische Krfic aus grossen Kratern, welciie er in den kesscl- a;rg-en IMuhlen unseier Diluvialplateaus zu erkennen glaubte, hervoigeschleudert worden seien. Und noch im Jalire 1846 kommt der um die Geognosie der deutschen O-stseelndei' sehr verdiente E. Boll iiuf hnliche An- sichten zurck, nur dass er den Herd der vulkanischen Thtigkeit nach Skandinavien verlegte. Bei dem daselbst stattgehabten Durchbrach der Gianite soll sich ein Regen vulkanischer Bomben im weiten Kreise ber die luii- liegenden Lnder verbreitet haben. Ais hervorragende Vertreter der Fluttheorie bei d'T ^"elfrachtung des nordischen Materials mssen wir noch L. V. Buch (ISll) und den schwedischen Geologen Sef strm (183G) erwhnen. Letzterer nahm eine grosse Rollst einsflut an, welche sich ber Skandinavien und Norddeutschland fortwlzte und diu-ch die mitgefhrten Steine die Schrammung auf dem Felsuntergrunde her- voig-erufen haben sollte. Dui-ch Lyell, der die geologischen Vorgnge ihres katastrophenartigen Charakters entkleidete, indem er zeigte, dass die Krfte, welche noch heute wirksam sind, auch in frheren Erdperioden thtig waren und nur dui'ch die Lnge der Zeit grosse geologische Veinderungen hervorriefen, ist auch die erwhnte Fluttheorie fr immer beseitigt worden. Nachdem durch die Glacialforschung in den Alpen, namentlich durch die Untersuchungen von Agassiz, die Lehre von der Eiszeit begrndet w'orden war, iand die von Lyell zuerst 18.35 aufgestellte und spter weiter ausgefhrte Drifttheorie immer mehr An- hnger. Was insonderheit das norddeutsche Flachland betriift, so nahm Lyell eine allgemeine Meeresbedeckung desselben bis zum Nordrande der deutschen Mittelgebirge an, whrend zu gleicher Zeit Skandinavien von mchtigen Gletschern bedeckt war, die in dieses Meer ausliefen. Auf dem Rcken der von den Gletschern sich ablsen- den Eisberge sollte das nordische Material nach Nord- deutschland transjiortiert und bei der Strandung und Ab- schmelzung derErsteren abgelagert worden sein. Infolge der Autoritt, welche Lyell wegen seiner grossen Ver- dienste um die geologische Wissenschaft besass, gelangte seine Drifttheorie bald zu unbedingter Herrschaft, und sie hat mehrere Jahizehnte hindurch alle im norddeutschen Flachland ausgefhrten Forschungen beeinflusst. Diese Theorie, welche die ganzen Diluvialbildungen Nord- deutschlands, gleichgltig ob dieselben aus Geschiebe- meigeln, Sanden oder Thonen bestanden, als durch den Treibeistransport veimittelte Abstze des Diluvial- meeres ansah, hatte schliesslich einen gewissen Grad von Starrheit angenommen, sodass auf dieser Grundlage kein weiterer Fortschritt in der Entwickelung der Quartr- geologie mehr mglich war. Vom .Jahre 1875 an vollzog sich jedoch ein bedeut- samer Umschwung. Eine neue Theorie, die Gletscher- oder Glacialtheorie, die von Schweden aus zu uns herberkam, hat usserst befruchtend auf alle Forschungen im norddeutschen Diluvium eingewirkt und es sind so viel l'.eweise fr die Richtigkeit derselben erbracht worden, dass wir die ehemalige Vereisung Norddeutschlands gegen- wrtig als eine feststehende geologische Tliatsache be- trachten knnen. Dem schwedischen Geologen Otto Torell gebhrt das grosse Vei'dienst, diese Auffassung zuerst in Deutschland ausgesprochen und begrndet zu haben. Allerdings hat er in dem dent>clien Foischer Bei'uhardi bereits einen Vorlufer besessen, doch blieben die schon im Jahre 1832 geusserten Ansichten d^s Letzteren vollstndig unbeachtet und unbekannt. Gesttzt auf reiche Erfahrungen, die sich Torell durch ein eingehendes Studium der skandinavischen Glacial- bildungen, sowie auf grossen Reisen nach Sjiitzbergen, Grnland, Nordamerika und den Alpen erworben, halte er schon lange die Vermutung gehegt, dass Norddeutsch- land von Skandinavien aus mit Landeis berzogen w'orden sei, welches die Scluittmassen seines Ausgangs- gebietes im norddeutsdien Flachlande als Grundmorne verbreitete. Diese Grundmoine stellt eine scliichtungs- lose, lehmig-sandige Masse dar, in der die nordischen "'~<- Blcke, welche bei :55j ihrer Fortbewegung ^ ilui'ch das Eis hufig ' * mit Schrammen und , :. Kritzen versehen wurden, eingebettet sind. Fig. 1 zeigt ein derartiges Ge- schiebe. Die kanten- gerundete Form die- __^^^^^^^ ses silurischen, dem tm.n i\ti, Geschiebemergel " Fig. 1. von Hohenw^ai'the an der Elbe entstammenden Blockes ist fr die Diluvial- geschiebe charakteristisch und beweist, dass sie nicht durch Wasser transportiert sein knnen, denn dieses ist stets bestrebt, die Steine bei der Fortbewegung gleich- massig abzurunden. War die Annahme Torell's richtig, so mussto an den Punkten, wo sich fester Felsuntergrund in Nord- deutschland fand, eine Schrammung durch die unter dem Eise transiiortierten Gesteinstrmmer hervorgerufen sein. Dieser Nachweis wurde von ihm 1875 durch die Auf- findung von typischen Gletscherschrammen auf den Schichtenkpfen des Rdersdorfer Muschelkalkes gefhrt, und unter Vorlegung dieser Beweisstcke trug er an dem- selben Tage seine Ansichten in der Novembersitzung der deutschen geologischen Gesellschaft vor. Die beigegebene Abbildung Fig. 2 stellt ein Stck dieses in ost-westlicher Richtung geschrammten Muschelkalkes dar. Von deutschen Gelehrten waren es in der ersten Zeit besonders Berendt, Herm. Credner, Dames, Ortli und Penck, welche die Bedeutung der neuen Theorie erkannten, und wir woUen nicht unerwhnt lassen, dass Professor Dames Natunvissersc'Iiaftliche Woelienseliiift. Nr. 1. zuerst auf deutsclien Hochschulen die neue Lehre vor- getragen liat. w. ^ 0. /0!J!^>.>S''5i5;'''*"^**''^^?^^ Nachdem durch Torell die Anregung gegeben war, meinten sich seit 1879 schnell die Beweise fr die Richtig- keit seiner Ansichten. Zunchst war es Herrn. Credner, welcher durch eine Reihe wich- tiger Arbeiten ber die Diluvialbildungen Sachsens die Giacial- tlieorie wesentlich ge- frdert hat. Er zeigte, dass die von ihm und Penck auf den Por- phyrkuppen bei Leipzig, spter auch an anderen Punkten Sachsens von Dathe, Dalmer und Herrmann nachge- wiesenen Schliffe nur durch das Voircken des Landeises und sei- ner Grundmorne her- vorgerufen sein konn- ten. Er hob die Wichtig- keit der gekiitzten ein- heimischen Geschiebe hervor, welche sich nur durch eine Vereisung Norddeutschlands erklren lassen, beschiieb Schichten- strungen im Untergrunde des Gescliiebelehmes, die dui'ch den Druck der sich fortbewegenden Eismassen verursacht wurden und brachte den Geschiebetrans- port der dem schsischen Unteigrunde entstammenden Gesteinsbruchstcke in Beziehung zu den Schrammen- richtungen auf anstellendem Gestein. Ausser diesen Untersuchungen Credner's brachten die nchsten Jahre noch mehrere Arbeiten, die fr die Fortentwickelung dei' Glacialtheorie von Bedeutung waren. Fi.?. In dem Gletschertheorie oder Drifitheorie in Nord- deutschland?" betitelten Aufsatze surlite Berendt eine Vermittlung zwischen jenen beiden Theorien anzubahnen, whrend Heiland, Penck und Dames die Bildungen des norddeutschen Flachlandes mit den glacialen Ab- lagerungen Skandinaviens verglichen und aus der voll- kommenen Uebereinstimmung derselben eine gleichartige Entstehung folgerten. Angeregt durch die Untersuchungen, welche der Verfasser im Herbst 1880 mit Torell und De Geer in Rdersdorf ausfhrte und welche namentlich eine genaue Feststellung der Schrammenrichtungeu bezweckten, begab er sich nach dem bei Oebisfelde gelegenen braun- schweigischen Orte Velpke, um den daselbst im Abbau befindlichen Bonebed-Sandstein auf Glacialerscheinungen zu untersuchen. Es gelang ihm aucli alsbald, in ver- schiedenen Steinbrchen eine deutliciie G 1 a c i a 1 - schrammung nachzuweisen, welche nach Abdeckung des Geschiebelehms berall auf den Schichtoberflehen hervortrat und sich auf zwei Sj'steme zurckfhren Hess. Eine durch den gewal- tigen Druck des sich vorschiebenden Eises hervoi'gerufene Erschei- nung zeigte sich hier besonders deutlich in dt'r Bildung der Lokal- raoruen. Fig. 3 stellt dieselbe aus einem bei Danndorf unweitVelpke gelegenen Steinbruche dar. Man sieht zu Unterst den regelmssig abge- lagerten dunbnkigen Sandstein und darber ein wirres Haufwerk von Trmmern des- selben, welche fest in- einander gepresst sind. Unter ihnen kommen zerstreut einzelne nor- dische Geschiebe vor. Eins derselben, welches absichtlich in der nach einer Photographie her- gestellten Zeichnung schwarz gegeben ist, war zwischen die noch ungestrten Schichten fest eingekeilt. Derartige Lokalmornen, verbun- den mit Schichtenstiungen, sind vom Verfasser spter auch von Rdersdorf und Gonimern beschrieben worden. An letztgenanntem, sdstlich von Magdeburg gelegenen Orte fand derselbe ausserdem deutliche Gletschersclu-ammen auf. Solche fr die vormalige Vereisung Norddeutschlands hauptschlich beweisende Glacialschrammen wurden ausser den schon erwhnten Fundorten noch bei Landsberg unweit Halle a. S. durch Luddecke, bei Osnabrck Nr. 1. Natui wissenschaftliche Wochensclirift. diiirli Hamm, auf den Sciitarien des Hermsdorfcr Sep- tariontliones bei Berlin durch Lufer und ebenfalls auf einer Septarie bei Joachinistal durch Berendt nach- gewiesen. Die g-enaue Durchforschung des norddeutschen Flach- landes von Seiten der geologischen Landesanstalt hat er- geben, dass die frher von Lyell angeuonnnene allgemeine Meeresbedeckung sich nicht besttigt hat, denn abgesehen von einzelnen Gebieten in der Nhe der OstseekUste, wo Berendt, Jentzsch, Schrder u. A. eine marine Fauna nachgewiesen haben, sind in den sogenannten prglacialen, unter den Grundmornen liegenden Ab- lagerungen ausschliesslich Reste von Pflanzen und Tieren gefunden worden, Avelche das Land und die sssen Gewsser bewohnen. Von grosser Bedeutung fr die ganze Gliederung der glacialen Bildungen ist das Vorkommen von Pflanzen- und Tierresten in Schichten, die zwischen den Grund- mornen gelegen sind. Die Grandschicht mit diluvialen Sugetierresten, deren Lagerung zwischen zwei Geschiebe- mergeln namentlich bei Rixdorf klai- erkennbar ist, sowie ein Torflager bei Lauenburg in gleichem geologischen Niveau, sind zwingende Beweise fr die Annahme einer wiedei'holten Eisbedeckung Norddeutschlauds. Keilhack welcher die fossile Flora jenes Torfes genau untersuchte, konnte den interessanten Nachweis fhren, dass der Charakter dieser Pflanzen auf ein gemssigtes Klima hindeutet und dass mithin eine vollstndige, durch eine Aenderung des Klimas bewirkte Abschmelzung der ersten Vereisung vorausgegangen sein musste, um die Ein- wanderung dieser Flora zu ermglichen. Leider mssen wir es nns versagen, auf die von Dames, Nehring und anderen vielfach hervorgehobenen Beziehungen der Dilu- vialfauna zur Eiszeit sowie auf viele andere interessante Punkte, welche durch die Glacialtheorie eine Erklrung gefunden haben, hier nher einzugehen. Erwhnt sei nur noch, dass ausser der Eisbedeckung, auch die der zweiten Vereisung folgende Abschraelzperiode nach den Untersuchungen von Berendt, E. Geinitz und Klockmann das Relief des norddeutschen Flachlandes wesentlich beeinflusste. Wir schliessen hiermit unsere Betrachtung, deren Hauptzweck es war zu zeigen, durch welche Beweise die Torell'sche Glacialtheorie gesttzt wird und wie dieselbe un- sere Anschauungen ber die Entstehung der norddeutschea Quartrbildungen in ungeahnter Weise erweitert hat. Kleinere ^ itteiliing'en. Fossiles Eis. Im Jahre 1860 wurden von Kotzebue und seinen beiden wissenschaftlichen Begleitern, Chaniisso und Escbsoholtz an der Nordkste von America jene merkwrdigen Eisklippen in der Escbscholtzbai entdeckt, ber deren Bildung- und Entstehung nachmals sehr abweichende Ansichten aui'gestellt worden sind. Nacli der ursprnglichen Schilderung sollte dort ein ganzer Hgelzug' aus klarem festem Eise bestehen, berdeckt von einer dnnen Erdschicht mit einem ziemlich reichen Pflanzenwuchs. Im wesent- lichen ist auch diese anfnglich stark angezweifelte Auffassung durch die neuesten Untersuchungen besttigt worden. Es ist nun Tcin hohem Interesse, dass hnliche Bildungen auch auf den neu- sibirischen Inseln beobachtet worden sind Dr. A. Bunge und Baron E. Toll, welche im Auftrage der Kaiserlichen Akademie in Petersburg im Jahre 1886 die wissenschaftliche Erforschung jener Inseln unternahmen, fanden auf einer derselben, der grossen Ljaohow- Insel. das hgelige Land im wesentlichen aus ungeheuren Eismassen bestehend mit eingelagerten, 'J'ier- und Pfianzenreste fhrenden Erd- schichten. Nach Ansicht von Dr. Bunge sind diese Eisniassen, deren eine eine Jlchtigkeit von 22 m hatte, durch das Gefiieren des in Erdspalten eingedrungenen Wassers entstanden. J)urch die Ein- -wirkung der Sonne ndet eine jhrliclie Abnahme der Eishgel statt, und die aufgethauten Eidmassen flie>spn als dicker Schlammbrei dem Meere zu. Ein starker Moder- und Eulnissgeruch entstrmt diesen Massen, herrhrend von den fossilen Resten, unter denen sich nicht nur noch mit Mark gefllte Knochen, die von den Hunden begierig verzehrt wurden, sondern auch Reste von Weichteilen. Fell und Haare ausgestorbener Sugetiere fanden Eine vorlufige Untersuchung ergab das Vorhandensein des Mamniuths, zweier (?) Nashornarten, des Rindes, Pferdes und Moschusochsen, dreier Hirsch- . arten, des Hasen und des Seehundes. Dr. Aurel Krause. Ueber das Byssusorgan der LamelUbranehiaten teilt stud. rer. nat. Ludwig Reichel im , Zoologischen Anzeiger" (1887 ;p. 488) eine interessante Beobachtung mit. Die Byssusoigane, jene aus der Byssusdrse" in der Fussgegend vieler Muscheln aus- gesonderten, erhrtenden Fden, welche wie ein langer Bart zwischen den Schalen herausstehen, dienen ja den Tieren zu ihrer Befestigung .an fremde Gegenstnde. Nun war man bisher der Meinung, dass die Tiere zeitlebens den einmal gewhlten Platz inne behielten, wenn man auch die Beobachtung gemacht hatte, dass gewaltsam abgerissene Tiere sich unter Umstnden wieder festzusetzen ver- mgen. Der genannte Autor hat jedoch an der Dreissi-na polyniorpha beobachtet, dass diese Muschel zeitweilig wandert, und zwar wird der Byssus in seiner Gesamtheit abgestossen. worauf das Organ durch Neubildung ersetzt wird. Ein solcher Wechsel des Byssus T-findet regelmssig statu mit dem Eintritt der klteren Jahreszeit. Im Sommer sitzen die Tiere dicht unter der Oberflche des Wassers, im Sptherbst jedoch wandern sie unter Zurcklassung des Byssus in die Tiefe. Die physiologische Bedeutung der Raphiden. lu den Zellen der Lauborgane vieler Pflanzen kommen lange, nadei- frmige Krystalle, Raphiden ans Kalkoxalat, vor, welche gewhn- lich in grsserer Anzahl nebeneinander liegen und so ein dichtes ]5ndel herstellen. I)ie meisten Botaniker sehen in den Raphiden fr die Pflanze nutzlose Exkrete. Stahl glaubt jedoch (Biolog. Centralblatt 1887, Nr. 16) dieselben auf Grund von Ftterungsver- suchen mit verschiedenen Tieren als Schutzmittel gegen Tierfrass betrachten zu drfen, da zahlreiche Tiere raphidenfhrende Pflanzen berhaupt nicht oder nur ungern fressen, und einige Tiere z. B. Schneckenarten von Pflanzen, welche Nadeln aus Kalkoxalat fhren, nur die nadelfreien Teile verzehren. Manche Pflanzen, welche fr giftig gelten, z. B. der Aronstab (Arum maculatum), verdanken iliren brennenden Geschmack einzig den sehr zahlreichen Raphiden, welche durch den aufquellenden Schleim aus ihren Behltern liervor- getriebi'n werden und sicli in die weichen Teile der Mundwerkzeuge einbohren. Der durch Filtration gewonnene Saft hat durchaus milden Geschmack. Ueber die Brechungsexponenten der Metalle hat Prof. K undt in den Sitzungsberichten der K. Akademie der Wissen- schaften zu Berlin (16. Februar 1888) interessante Mitteilungen gemacht. Derselbe stellte sich eine grosse Zahl von Prismen aus .Silber, Gold, Kupfer, Platin, Eisen, Nickel und Wismuth mit sehr kleinen Winkeln lier und bestimmte durch sehr zahlreiche Beobach- tungen die Brechungsexponenten dieser Metalle und damit die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes in denselben. Prof. Kundt kommt zu dem sehr interessanten und berraschenden Resultat, dass die Metalle sich in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit in dieselbe Reihe ordnen wie in Bezug auf die Leitung der Elektricitt und Wrme; die besten Leiter fr die letzteren besitzen den kleinsten Brechungsexponenten und somit die grsste Lichtgeschwindigkeit, eine Beziehung, welche die Perspektive auf weitere interessante Untersuchungen erffnet. A. Gutzmer. Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Sehneekoppe. Im nehsten Sonuner ist seitens des k. geo- daetisi-lien Institutes in Berlin die genaue Bestimmung der geo- grapliischen Lnge und Breite der Schneekoppe in Aussicht ge- nommen. Die geographische Lnge ist durch unmittelbare astrono- mische Beobachtungen berhaupt noch nicht bestimmt worden, da eine solche nur unter Benutzung des elektrischen Telegraphen er- folgen kann, die Schneekoppe aber erst seit einem Decennium mit Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. dem allgemeineu Telegraphennetz in Verbiiidiint gegen ist die geograpliisclie Breite zwar bereits wiederholt ermittelt worden, aber nicht in dem Umfange der Beobachtungen und daher nicht mit der Genauigkeit, welche fr einen Punkt von der Be- deutung der Scbneekoppe als der hchsten Erhebung Deutschlands nrdlich der Donau nothwendig erscheint. Die Beobachtungen werden ca. 3 Monate Zeit in Anspruch nehmen. X. Astronomiselier Kalender. Am 1. April Sonnenauf- gang 5 Uhr 33 Minuten, Sonnenuntergang 6 Uhr 33 Minuten; Slondaufgang 12 Uiir 4'2 Minuten, Untergang 9 Uhr 21 Minuten. Am 7. April Sonnenaufgang 5 Uhr 20 Minuten, Untergang 6 Uhr 43 Minuten; Mondaufgang frh 4 Uhr 24 Minuten, Untergang 1 Uhr 17 Minuten. Am 3. April 1 Ulir 35 Minuten letztes Viertel. Von Planeten sind sichtbar Mars und Jupiter. Fixsternbedeckungen finden in dieser Woche nicht statt. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man zu dieser hinzufgen am 1. April 3 Minuten 46.15 Sekunden, am 7. April 2 Minuten 0,69 Sekunden. Dr. F. Plato. Die Erhaltungstendenz im Witterungscharakter auf- einander folgender Winter. Bei der Untersiiclunig von Fragen nach der Wahrscheinlichkeit, dass der Witterungscharakter aufein- ander folgender Jahre oder Jahresabschnitte der gleiche bleibe oder sich ndere, begegnet man gewhnlich der Schwierigkeit, dass in den dabei in Rcksicht zu ziehenden ausgedehnten Beobachtungsreihen niclit selten die Aufstellung der Instrumente, zuweilen auch diese selbst gewechselt haben, woraus sich systematische Fehler in der Berechnung ergeben mssen. Nach einer von solchen gnzlicli un- abhngigen Methode ist krzlich durch J. Kleiber untersucht worden (vgl. Meteorologische Zeitschrift, Februarlieft 1888), in wie vielen von hundert Fllen auf einen strengen Winter in Russland wieder ein strenger und auf einen milden ein milder folge, nmlich aus der Zeit des Anfangs und Endes der Eisbedeckung der Newa, fr welche fast lckenlose Beobachtungen seit 1706 vorliegen. Im Mittel aus allen Jahren fllt der Tag des Zuganges der Newa auf den ir>. No- vember, der des Aufganges auf den 10. April, und die Dauer der eisfreien Zeit betrgt 219 Tage oder seclis Zehntel des Jahres. Die wahrscheinliche Abweichung der letzteren von ihrem Mittelwerte beluft sich fr den einzelnen Jahrgang auf elf Tage, aber es ist wahrscheinlicher, dass dieselbe hei aufeinander folgenden Wintern im gleichen als im entgegengesetzten Sinne stattfinde. Hat die eisfreie Zeit schon zweimal hintereinander zu lange oder zu kurze Zeit ge- dauert, so wchst noch die Wahrscheinlichkeit, dass das gleiche auch im dritten Jahre der Fall sein werde; und wenn in drei oder vier .Jahren nacheinander die eisfreie Zeit in demselben Sinne von ihrer normalen Dauer abwich, so kann man fast zwei gegen eins wetten, dass auch in dem folgenden Jahre der Sinn der Abweichung derselbe sein wird. Die hierin ausgesprochene Tendenz zur Erhaltung des gleichen Witterungscharakters beschrnkt sich jedoch keineswegs auf Russland, denn schon eine ltere Bearbeitung der Teraperatur- beobachtungen im preussischen Stationsnetz hat auch G. Hell- mann (vgl. Z. S. des k. .statistischen Bureaus 1883) das Resultat ergeben, dass die Jahre mit langen Wintern sehr liufig gruppen- weise aufzutreten ,pfleg-en. Einen neuen Beleg dafr lieferten wie- derum die drei letzten Jahre, deren WinternifunJ drfte kaum zweifel- haft auf die Verwendung unreiner Rohmaterialien zur Strkezucker- fabrikation zurckzufhren sein. Da im verHosseneu Jahre auch von 0. Schweissinger fr Zuckerconleur. die fr Konditoreizwecke als Farbe dienen sollte, die gleiche Beobachtung mitgeteilt ist, drfte das Vorkommen dieser gewiss niclit indifferenten Verun- reinigung weitere Verbreitung haben. Befunde dieser Art beweisen, \vie aus kaum geahnten Quellen in unsere tglichen Nalirungs- und Genussmittel Spuren von Giften einwandern knnen. Dr. C. IBischoff, vereideter Chemiker der Kgl. Gerichte u. des Kgl. I'ulizei-Prsidiums zu Berlin. Deutscher Geographentag. In Folge der in ganz Deutschland herrsclienden tiefen Trauer um das Hinscheiden des Kai- sers ist der VIII. deutsche Geographentag, welcher vom 4. bis 6. April in Berlin abgehalten werden sollte, um ein Jahr vertagt worden. W. Eine Club- und Vereinshaus Actien-Gesellschaft" ist in Berlin im Entstehen begriffen. Die Anregung ist vom Prsidium der Deutschen Chemischen Gesellschaft ausgegangen, welches die Bildung eines Consortiums aus Vereinsmitgliedern, Architekten und Finanzmnnern zur Vorbereitung einer praktischen Lsung dieser Frage veranlasst hat. Das Consortium hat sich bereits die Er- werbung eines Grundstckes in geeigneter Stadtgegend (Mauer- Strasse 4446) gesichert, Bauplne entwerfen lassen, eine Renta- bilittsberechnung des Unternehmens aufgestellt und den gesamten Plan einer aus hervorragenden Vertretern der grsseren technischen und wissenschaftlichen Vereine und Finanzmnnern bestehenden Versammlung zur Prfung vorgelegt. Diese hat das Unternehmen als ein zeitgemsses und dem allgemeinen Bedrfnisse entsprechendes begrsst und zur Frderung desselben aus ihrer Mitte ehien Ausschuss gewhlt, der nach Prl'ung und a\if Grund des von den Vereinen eingeholten statistisclien Materials die Ueberzeugung von der Durch- fhrbarkeit des Planes gewonnen, und di(! Verwirklichung desselben auf dem Wege der Bildung einer Aktiengesellschaft innerhalb der Interessenten zur Ausfhrung zu bringen, beschlossen hat. Fragen und Antworten. Hat die Intensitt des Lichtes Einfluss auf die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit desselben ? Diese Frage war bis vor kurzem noch streitig, sie ist jedoch von Dr. Ebert in den Annalen der Physik 1887, N. F. B. XXXil durch genaue Untersuchungen dahin entschieden worden, dass die Wellenlno'e und folglich auch die Furtpflanzungsgeschwindigkeit Litteratur. Ira Remsen: Einleitung in das Studium der Chemie. Autorisierte deutsehe Ausgabe. Bearbeitet von R. Seubert. Laupp's Verlag in Tbingen, 1887. Preis geb. 7 JO. Unter den zum Teil ausgezeichneten Kompendien, Repetitorien, kurzen Lehrbchern etc. der anorganischen Chemie nimmt die Ein- leitung in das Studium der Chemie" von Remsen ohne Zweifel eine hervorragende Stelle ein. Es giebt wenige derartige Werke, die so klar, leicht verstndlich und dabei doch streng wissenschaftlich die Grundbegriffe der Chemie errtern. In der richtigen Erkenntnis, dass ein Uehermass von Einzelheiten sowie ein zu frhes Eing'ihen auf die Theorien geeignet ist den AnfUnger zu verwirren und das Ver- stndnis fr den Gegenstand zu erschweren, beschrnkt sich der Verfasser darauf, nur die wichtigsten Thatsachen mitzuteilen. Erst nachdem an typisclien Beispielen das Wesen der chemischen . Vor- gnge eingehend klargelegt, geht er zur Besprechung der wissens- wertesten theoretischen Grundlehren ber. Das Werk ist durch- aus eigenartig und verdient die weiteste Verbreitung. Die vor- liegende deutsche Uebersetzung resp. Bearbeitung dieses zuerst in englischer Sprache erschienenen Buches ist als eine treffliche zu be- zeichnen. Dr. C. Baerwald. Zur Nachricht! Die Redaktion wird sich bemhen, zeitgemsse und soweit es der Gegenstand nur irgendwie zulsst allgemein -verstndliclie also vor allen Dini^en mit mglichster Fernhaltung von Fremdwrtern geschrie- bene Aufstze und kleinere Mitteilungen aiis dem Ge- samtgebiete der Naturwissenschaft und ihrer praktischen Anwendung zu bringen. Wir bitten alle diejenigen, welchen die Naturwissen- schaft am Herzen liegt, uns ihr Vertrauen zu schenken! Redaktion und Verlag. Briefkasten. Den Entwurf zum Titelkopf verdanken wir der kunst- gebten Hand des Kgl. Preuss. Hof- Dekorations- Malers Herrn Carl Slevers. Hierzu eine Beilag^e. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IJ. Band. Sonnlag, den 8. April 1888. Nr. 2. Abonnement: Mau alioiinifit bei all>'n Bucbliaudlungen und Post- aiistaltPii, wie bei der E.xiieditiou. Der Vierteljabrspreis ist Jl 2. ; Briiigegeld bei der Post l .j extra. ir Inserate: Die viergespalteue Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge c'utsiireclienden Rabatt. Beilagen nach Debereiukunft. Inseraten- annabme bei allen Annonceubureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger (Quellenangabe gestattet. Die Soolquelle im Admiraisgarten-Bad zu Berlin. Voll Professor Dmvli die im Adrairalsgartenbade zu Berlin .statt- gehabte Eibohrung einer .seit dem 10. Dezember vorigen Jalires ununteibroehen tiie,s.senden Soolquelle hat wieder einmal die Geologie einen Tiiuraiih auf praktischem Ge- biete gefeieit und gleichzeitig die Intelligenz wohlver- diente Flchte tjverntet. Nicht umson.st war nmlich von wi.ssen.'^cliaftlicher Seite sclion vor lahren, als die Anstalt, um sich von dem kost.spieligen Leitungswasser frei zu machen, sich durch eine erste Tiefbohrung in den Besitz eines Ssswasser- brunnens setzte, darauf aufmerksam gemacht worden, dass es nur einigen Mutes und eines gewissen Ver- trauens auf die Beobachtungen der Geologie bedrfe, um die Kosten einer grsseren Tietbohrung nach .spring-en- dem Wasser zu wagen. Des damals gegebenen Winkes wusste man sich zur rechten Zeit zu erinnern. Ein von dem Verfasser noch besonders ei-betenes schriftliches Gut- achten stellte bei einer Tiefe von 2.30 bis etwa 300 m springendes resp. sogenanntes artesisches Wasser in einiger- massen sichere Aussicht. Ob die Wasser aber s.sse oder salzige sein wrden hiess es in dem Gutachten msse dahingestellt bleiben; jedenfalls drfte jedoch auch die Erschrotung von Soole dem Bade nur zum Vorteil ge- reichen. Im Juli vorigen Jahres wurde die, nicht unbedeutende Vorkehrungen eifordeinde und mit den neuesten Mitteln der Wa.ssersplung ausgefhrte Bohrung begonnen und schon im Dezembei" unter der Leitung des Bohr- Dr. 14. Jiereiidt. technikers Beyer aus Fleasburg durch dessen Bohr- mei.ster Christian Jenssen bei der angegebenen Tiefe von etwa 2.32 m eine zu Tage ausfliessende Sool- quelle glcklich erreicht. Die Soole ist 3procentig; .sie enthlt nach einer von Dr. G. Bischoff ausgefhrten voiliiutigen Analyse 27,01 Gramm im Liter Kochsalz, 0,1472 0,6631 0,9639 0,1882 Nati'iumsulfat, Chlorcalcium, Chlormaiinesium, Calciumsuifiit. Beiechnet 28,9724 Gramm Gewogen 29,62 Eingehendere, auch auf den Gehalt von Brom, Jod etc. gerichtete Analysen stehen in nchster Aussicht, einerseits durch Pi'ofessoi' Dr. Finkener in Berlin, andei- seits durch den Geheimrat Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden. Die Bohrung durchsank 52 m Sande und Grande der Diluvialformation, 52 88 m Letten, Sande und Kohlen der Braunkohlen- bildung. 88 135 m Glimmersande des marinen Oberoligocn, 135 230) Septarienthon des marinen Mitteloligocn, 230 234 m Glaukonitische Sande und Sandsteinbnkchen, welche wohl dem marinen Unteroligocn zu- zusprechen sein drften. 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. \'un rrufessur Dr. B. Frank. (Schluss) Das eberraschende ist nun, dass diese Wui'zel- verpilzun;.;' kein vereinzeltes Vorkommen, sondern fr die betreffenden Pflanzen allgemeine Regel ist. Zunchst bin ich bei Gelegenheit der Untersuchung der Trffel- entwickelung, wobei es sich auch um ein genaues Studium der r>eschatt'enheit der Wurzeln der Waldbiiume an den Trtt'elorten handelte, auf diese Eigentmlichkeit auf- merksam geworden. Wurzelproben, die ich dann aus den Oberfrstereien des grssten Teiles der preussischen Monarchie erhielt, besttigten die Allgemeinheit der Mykoi'hiza an den Wurzeln dei' wichtigsten Waldbume. "Weitere Nachforschungen zeigten, dass auch in anderen Lndern Europas und auch in anderen Erdteilen z. B. am Kaji der guten Hoffnung die betreffenden Baum- gattungen ebenso verpilzte Wurzeln haben wie bei uns. Diese Mykorhiza ist auf bestimmte Pflanzenfamilien beschrnkt. Vor allen ist sie den Kupuliferen in ilirem ganzen Umfange eigen, also den Buchen, Hainbuchen, Haseln, Eichen und Kastanien; daran schliessen sich die Betulaceen. Ferner ist sie unter den Koniferen, nament- lich unter den bestandbildenden Arten verbreitet: nm- lich bei der Fichte, Tanne, Lrche, gemeinen Kiefer, Krummholzkiefer etc. Auch die Linde gehrt dazu. Dahingegen sind andere Holzpflanzen in ihren Wur- zeln constant unverpilzt, selbst wenn sie neben jenen Bumen .stehen und ihre Wurzeln mit den Mykoihizen benachbarter Bume verflochten sind; so z. B. die Esche, die Ahorne, die Rstern, die Obstbume. Auch die Wurzeln der kleineren Vegetation des Waldbodens sind nicht in dieser Weise verpilzt. Bei der Keimung der Samen jener Bume im Boden ist natrlich die junge Keimwurzel zunchst unverpilzt. Aber nach verhltnismssig nicht langer Zeit flnden sich die Wurzelpilze ein. Oft sieht man schon an einjhrigen Smlingen fast alle Wm-zeln verpilzt, odei- erst mit ei- nigen ist dies der Fall, um erst im zweiten oder dritten Jahre vollstndig zu werden. Augenscheinlich sind es also im Boden lebende Pilze, welche schneller oder lang- samer auf die im Erdboden sich entwickelnde Baumwurzel gelangen. Stei'ilisiert man vorher den Erdboden durch Erhitzen oder zieht man die jungen Pflanzen in Wasser- kulturen, wo die Nhrsalze in reinem Wasser gelst den Wurzeln dargeboten werden, so entwickeln sich die Wui'zeln pilzfrei und bilden Wurzelhaare, ernhren sich also selbstndig. Sind einmal die Saugwurzeln einer jungen Baumpflanze zu Mykorhizen geworden, so setzt sich dies Verhltnis auch in die knftigen Lebensjahre frt und das ganze Wurzelsystem des Baumes bildet Mykorhizen. Denn abgesehen davon, dass bei der Er- starkung der Wurzelentwickelung an immer neuen Punkten die Bodenpilze auf die Pflanzenwurzeln berwandern, folgt schon aus der Fortentwickelung einer Mykorhiza, dass der Pilz mit ihr selbst weitergebildet wird, indem er dem Lngenwachstume folgt und auch die neuen Zweige, welche die Mykorhizen treiben von Anfang an bekleidet. Wird die Wurzel lter und strker, so ent- steht an ihrer Obei-flche das regelmssig in dieser Periode auftretende Kork]ieriderm , durch welches die Pilzhlle abgestossen wird; in diesem Entwickelungszustande, wo die Wurzel eine Korkhaut bekommen hat, ist sie ber- haupt nicht mehr zur Aufnahme von Nhi'stoffen geeignet. Meine jngsten Untersuchungen haben mich nun weiter gelehrt, dass eine constante Wurzelsymbiose mit Pilzen auch noch weiter in der Natur besteht, wenn auch in anderen Formen. Bedenkt man, dass bei der bishei' beschriebenen Art der Mykorhiza der Pilz ausser- halb der Wurzel sich befindet, weshalb man hier- von einer ectotrophischen Pilzwurzel reden kann, so ist nun auch der andere Fall denkbar, dass der die Nahrung fi' die Wurzel aufnehmende und zubereitende Pilz ins Innere der Wm-zel, wenigstens in ihre peri- pherischen Gewebeschichten sich zurckzieht, so dass man einen solchen Fall als endotrophisehe Myko- rhiza bezeichnen kann. Thatschlich habe ich diesen Fall nachgewiesen in dem ganzen Umfange dei- Familie der Ericaceen, nmlich bei C'alluna vulgaris, Vacciniiun myr- tillus, vitis idaea, uliginosum, oxycoccus, Andi'omeda poli- folia, Ledum palustre, Azalea- und Rhododendron-Aiten. also bei Pflanzen, die teils auf humushaltigem Sand, teils auf Moorboden wachsen. Gestaltlich sind diese Myko- rhizen von den vorigen sehr verschieden. Die Wui'zel hat hier bei grosser Lnge eine haarfrmige Dnne und ist sehr sprlich verzweigt. Diese Wurzeln haben auf- fallend weite Epidermi-szellen , die aber wiederum niemals Wurzelhaare bilden. Wohl aber enthalten die meisten in ihrem Jnnern eine dichte, trbe Masse, die bei genauerer mikroskopischer Prfung sicli als ein Komplex miteinander vei-flochtener Pilzfden erweist. Fig. 4. Nicht selten wachsen einzelne dieser Fden durch die Membran der Eiiidermiszelle nach aussen und sjiinnen sich weiter ber die Wui'zel- oberflche hin, ohne sie jedoch wirklich mit einem vollstndigen Pilzmantel ber- ziehen zu knnen, oder sie wachsen auch von der Wurzel weg in den Boden hinein. Als endrotrophische Mykorhiza muss auch der schon bekannte Fall des Vor- kommens von Pilzen in den Orchideen- wurzeln betrachtet werden. Diese Pilze "ilo-'* '^'^^^0 '^^^^*^^ hau])tsclilichen Sitz in einer rhiza von^A.^^p^^ die ^(jg,. mehreren kontinuierlichen Schichten ^tn e zeigend '''" '^^'' usscren Rindenzellen, welche wiederum i75fach vergJsseit. dureh grosse Weite ausgezeichnet sind und in ihrem Innern gewhnlich einen mchtigen Knuel locker Fig. 4. Oben: Epidermis- zell.-iKU-rMykorliiza von Amhome\isseiisL'luiftlicIie \^'Olllenslll^il 13 I Wir wissen, dass jodrs Organ, \velrlu>s linnut/.ti wird, biutn'iclier wii'd, dass sicli seine Adrrn i'rwcili'rn; und wenn l)ereits bewiesen ist, dass durcii einen arbeitendiui Muskel viel mehi' Blut luft als durch einen rulienden, so gilt g-anz bestimmt das Gleiche beim (iehirn. Wird das Gehirn blutreiclier, so kann dit's nur auf Ko.sten anderer Organe gescliehen. Deshali) werden Arme und Filsse blutarm und kiliil, wenn das (iehirn vom Blute strotzt. .Te melw abei- dies Zenti'alorgan belastet und je blutiiuei' die Peripherie wird, desto unbehaglicher ist unser Befinden. Je frher feiner solche Mis,sverhiiltnisse im mensch- lichen Krper auftreten, je jnger das Individuum ist, desto verderblicher sind die Folgen solch mangelnden Gleichgewichtes. Ist einmt.1 der Krper ganz fertig, sind seine Ge- webe bereits solidere geworden, so sind auch alle Mem- branen, alle Gefsshute nicht mehi- so leicht ausdehnbar, wie bei ganz jungen zarten Naturen. Deshalb leistet der fertige Mann viel mehr Wider- stand als der Jngling und das Kind. Kommt es schon beim Kinde zu solchen Missver- hltnissen, so ist der Schaden ein unverkennbarer und bleibender, und eine Rckbildung zum gesunden Gleich- gewicht nur durch Opfer an Zeit und Geld mglich, die selten gebracht werden knnen. Soll ich es mit klaren Worten sagen, so muss ich behaupten, dass die ganze Zukunft eines Menschen eine unbehagliche werden kann, wenn sich die angedeuteten Uebei'reizungen schon im kindlichen Alter einbrgerten. Es ist durcli und durch eine fehlerhafte Beobachtung, wenn man glaubt, dass ein neunjhriges Knbchen in 7 8 Stunden tglich mehr lernt als in 4 5 Stunden. Ich habe sehr oft das Experiment gemacht und einem Kinde an einem Vakanztags-Moi'gen, nachdem es gut geschlafen, eine Stunde im Garten herumgelaufen, etwas ausgeruht und etwas genossen hatte, das in einer Viertelstunde eingelernt, was das arme Kind am Vorabende, trotz zehnmaligem Vorlesen, nach einei' Stunde noch nicht mei'ken konnte, nachdem es whi'end des Tages sieben Stunden gesessen hatte und mit heissem Kopfe, blden Augen, mde und erschlafft heimge- kommen war. Man spricht immer von Ueberbrdung, der Eine vei-steht dieses, der Andere jenes darunter. Einer meint, die Lehrgegenstnde trgen die Schuld, ein Anderer glaubt, die Lelumethode. nein. Beides ist unschuldig und biingt die Ueberbrdung nicht. Man gehe abends 9 Uhr in die Familie; dort findet man, was Ueberbrdung ist. Der Vater ist fort in seine Gesellschaft und unterhlt sich gut, die Mutter und Tchter haben einen kleinen Kreis von Freundinnen bei sich und erheitern sich; das neunjhrige Knbchen, das nun in das Bett gehrt, sitzt allein am Schreibtisch und hlt mit seinen kalten Hndchen den heissen Kopf, dem er nicht mehr iiineinl)ringt, was er morgen i'rii 8 Uhr wissen soll. Mancinual fllt eine Thrne aufs Bucli, und das, was den kleinen Mann freuen soll, sein Studium, das ist ihm eine Marter. Das ist die Ueberbrdung. Wenn vom Abend bis zum Morgen Aufgaben gelst werden mssen, welche vielleicht nui' von dem talentvollsten Zehntel der Schler ohne Beeintrchtigung des absolut notwendigen Schlafes bezwungen werden knnen. Das heisst das Gehirn ruinieren, nervs machen. Man frage die Vter und Mtter, ob dies nicht Wahrheit ist, ob die .armen Kinder nicht bis 9 und 10 Uhi' am Schreibtische sitzen, frh 5 Uhi' schon wiedei' aufstehen, weil sie abends absolut nicht mehr auffassten. Leider aber wird es dann morgens oft zu schnell 8 Uhr, die Aufgabe ist nur halb fertig, die Strafe folgt auf dem Fuss und bringt fr heute noch mehr Arbeit. Schon in den letzten Klassen der deutschen Schule, aber vorzglich in Latein-, Gewerbeschulen und Gymnasien und in hheren Tchterschulen und Instituten kann man die erzhlten Missstnde berall finden. Kinder gehren nach 9 Uhr in das Bett, und vor 5 Uhr lasse man sie ja nicht aufstehen, sonst rulit ihr Gehirn nicht ge- ngend aus. Ein Bauer, ein Tagelhner reicht bekanntlich leicht mit fnf Stunden Schlaf, aber wer Kopfarbeit leistet, soll mindestens sieben bis acht Stunden schlafen ; Kinder noch mehr. Ich halte das gegenwrtige Prinzip, ein Kind den ganzen Tag zu beschftigen, fr ein recht gutes; allein ein grosser Teil der Zeit sei der krperlichen Ausbildung gewidmet, wenn mglich in frischer Luft. Es war ein guter Anfang, das Turnen obligatorisch zu machen; allein, ich mchte die gegenwrtige Dosis dieser herr- lichen Arznei eine nahezu homopathische nennen, die nur weniges ntzen drfte. Ich bin fest berzeugt, dass die Zukunft lehren wird, dass man tglich stundenlang krperliche LTebungen mit geistiger Arbeit wechseln muss, wenn ein Kind gesund bleiben soll. Ich bin ebenso berzeugt, dass das Lernen viel leichter geht, wenn der Krper mehr gekrftigt wird, wenn die geistige .Spannung nicht so viele Stunden betrgt, wie jetzt fast in allen Lehranstalten. Mit Ausnahme einzelner hervorragend talentierter Kinder tritt bei den meisten jetzt oft schon nach- mittags, aber fast immer abends, eine stumpfe, mde Hirnfunktion ein, womit sie nur wenig melir fassen, hchstens nach langer Marter mechanisch einlernen, ohne denn Sinn zu berdenken. Diese meine Ueberzeugung wurde ganz besonders auch durcli Erfahi'ungen in mehreren hohen Familien besttigt, wo man schwchliche Kinder auf meinen Rat bis zum achten und neunten Jahre ganz frei aufwachsen liess, sich nur mhte, ihren Krper durch langen Auf- enthalt und Arbeiten in gesunder Luft zu strken und hchstens spielend vom Hofmeister den lteren Knaben 14 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 2. lue und da eine von ilmen selbst erbetene kurze Lektion geben lies. Als diese Kindei- im zehnten Jahre das Lernen mit Lust und Freude antingen, ging es so schnell vor- wrts, dass sie im sechszehnten Jahre so ausgebildet waren, wie ihre lteren Brder im sechszehnten Jahre gewesen waren, nur, dass ihnen das Lernen Freude machte und ihr Krper nebenbei kiftig war, wlu'end bei den lteien Brdern das Zanken und Strafen vom sechsten Jaln-e nicht mein- aufgehrt hatte und ihr Krper ein sehwchliclier geblieben war. Das Resume meiner Erfahrung geht also dahin, dass die Zukunft den Krper der Kinder durch Spiele und Arbeiten im Freien zum Lernen vorbereiten und whrend des Lernens die Ausbildung des Krpers energisch befrdern wird, damit die Belastung des Gehirnes, welche bei Tausenden zur Ursache ihres un- behaglichen Betindens wird, verlndert weiden kann. Trotz dieser Zeitopfer darf nun aber keine geringeren Lernergebnisse befrchten. Hingegen wird das Lernen, das jetzt vielen eine Marter ist, den meisten Freude machen; und es wird nicht schon in der Kindheit der Grundstein zu dieser jetzt so sehr berhand nehmenden und unglcklich machenden Nervenerregungen gelegt werden. Man haut bekanntlich keinen Baum mit einem Streiche um. Die Einfhrung des Turnens war der erste glckliche Griff zum Bessern. Man wird nun alsbald die staubigen Turnhallen mit der freien Luft vertauschen und wii'd eine eingreifende Aenderung der Schulordnung anstreben mssen; aber ich bin der festen eberzeugung, dass man es nie bereuen wird. Kleinere Mitteilungen. Einen neuen Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen, weldier sich sein- triit zur Demonstration bei Vorlpsnnui'n uiul in Sclnilen eignet, besclireibt Dr. Bergniaim in den Mitteilnnaren ans dem iiaturwisseiiscbaftlicben Verein fr Nen- Vor- pommern nnd Rgen in Greifswald". Der Apparat besteht .aus einer Tertil^alen, mittels einer Kurbel drehbaren Scheibe nnd einer Steuerunir. Diese letztere wird aus einem Kreuz, dessen Arme vertilial bezw. horizontal gerichtet und dnrcli Lngsschnitte zu Schienen umgewandelt sind, gebildet. Die Vertil^alschiene ist ganz durchbroclien. wlirend die Horizontalscluene in der Mitte eine lr Mittelpunkt des Kreuzes sichtbar. Der erstere fhrt bei gleiclifOrniiger I)rehung der Kurbel eine gleichfrmige Bewegung in dem Kreise ans. wh- rend der letztere stets die Bewegung der Projektion desselben auf einer Horizontallinie versinnbildlicht. A. Gutzmer. Finsternis vom 4. Oktober 1884 sich beziehen. Es wurden an 3.5 (41) vom Wetter begnstigten Orten von 83 (.46) verschiedenen Sternen 564 (399) Kontakte mit der Mondscheibe beobachtet, nm- lich '27(3 (234) Eintritte und 288 (10.5) Austritte; unter den Kontakten waren 128 (63) gepaarte, d. h. jedesmal Ein- uiul Austritt desselben Sternes notiert. Fr den Durchmesser und eine etwaige Abplattung- der Mondscheibe, die nur minimal sein kann, lassen sich wahrschein- lich Anhaltspunkte aus diesen Beobachtungen gewinnen. Ein neuer Planet, der 273. in der Reihe der kleinen, zwischen Mars nnd Jupiter kreisenden Gestirne, ist in Wien am 9. (10.) Mrz von Palisa entdeckt worden. Plassmann. Zur Geschichte der Papiererfindung. Professor Dr. .lulius Wii'siier in Wien hat in seiner .Schrif! Die mikroskopische Untersuchung des Papieres" nachgewiesen, dass die allgemein ver- breitete Annahme, das Hadern- oder Lumpenpapier sei im 13. oder 14. Jahrhundert nach Christi Geburt in Fhiropa erfunden, ebenso grundlos sei wie eine zweite gleichfalls gelufige Annahme, nach welcher die frheren, lteren Papiere aus ruber Baumwolle herge- stellt sein sollten. Nacli der Untersuchung von Hunderten der alten Papiere kam er zu dem Schlsse, dass jene alten Papiere, welche man als Baumwollenpapiere bezeichnete und aus roher Baumwolle erzeugt annahm, keine JJaumwollenpapiere, sondern meist ans Leinen- hadern, weit seltener teilweise aus Hanfhaderu liergestellt .sind, whrend Baumwollhadern hierzu nur selten liezw. in ganz unterge- ordneter Menge verwendet wurden. Die ltesten dieser Papiere stammen aus Aegypten oder dem Orient und es erscheint hierdurch festgestellt, dass die Ei-findung der Papiererzeugung aus Hadern orientalischer Herkunft ist. G. Brelow. Astronomische Nachrichten. Leber die Beobachtung der totalen Mondfinsternis vom 28. Januar liegen jetzt zu- sammenfassende Notizen voi-. Wir geben dieselben nachstehend wieder und bemerken, dass die eingeklammerten Zahlen auf die Astronomischer Kalender. Am 8. April Sonnenaufgang 5 Uhr 17 Minuten, Untergang Uhr 45 Minuten; Mondaufgang morgens 5 Uhr 8 Minuten, Untergang nachmittags 3 Uhr 33 Minuten. Am 15. April Sonnenaufgang 5 Uhr 2 Minuten, Untergang 6 Uhr 57 Minuten; Mondaufgang morgens 7 Uiu' 51 IMinnten. Untergang abends 11 Uhr 7 Minuten. Am 10. April 10 Uhr 1 Minute vor- mittags findet Neumond statt. Eine richtig gehende Uhr zeigt mehr wie eine Sonnenuhr am 8. April 1 Minute 43,9 Sekunden, am 15. April weniger 5,9 Sekunden. Sternbedeckungen finden auch in dieser Woche nicht statt. Dr. Plato. An der Humboldt- Akademie zu Berlin werden im 2. Quartal dieses Jahres die fulgenden naturwissenschaftlichen nnd philosophischen Vorlesungen abgehalten: Dr. H. Loni/e: Die Bewegung und die Einheit der Natur- krfte. (J^eginn 9. April, 7 Uhr abends), Dr. M. Wcifz: Experimentalchemie (Metalle). (Beginn 9 April, 8 Uhr abends), J?. Schneider: Die Umgestaltung der Erdoberflche und ihre Ursachen (Beginn 10. April, 7 Uhr abends). H. Pofonir: Die Pflanzenwelt unserer Heimat. (Beginn 10. April, 7 Uhr abends), Dr. F. Kirchner: Psychologie. (I3eginn 11. April. 8 Uhr abends), Dr. H. Spatzier: Einfhrung in die Lektre philosophischer Werke. (Beginn 10. April, 7 Uhr abends). Hegels Leben nnd Lehre (Beginn 10. April, 8 Uhr abends). Die Vorlesungen linden in den Rumlichkeiten des Domtheen- stdtischen Real-Gynmasiums (Georgenstrasse 30/31) statt. Anmel- dungen werden in der Buchhandlung in Berlin NW., Centralhtel, Laden 14 entgegengenommen. Jeder Cykhis besteht aus etwa 10 Vorlesungen. Das Honorar betrgt fr den ersten belegten Cyklus 5 JC. fr jeden weiteren, von demselben Hrer belegten Cyklus 4 JC. Dr. Dr. Der 7. Kongress fr innere Mediein findet vom 9 12. April zu Wiesbaden statt. Vorsitzender; I'rof. Leube aus Wrzl.iurg. Fragen und Antworten. Welches ist der Unterschied von Gneiss und Granit? Granit und Gneiss sind ihrer mineralogischen Zusammensetzung nach idente Gesteine; beide fhren die gleichen Gemengteile: Feld- spat, Quarz, Glimmer, in einigen Abarten auch Hornblende und Nr. _>. Naturwissenschaftliche Wochenscl i ril't. 15 Aiij;itals wcsciitlichi'. A]Kitit, /ii'kini, Mii^iictriscii. ('(irclicrit, (iraiiat 11. s. w. als iin\voseiitli<'lii' ndcr ziililllii^i' ( Ji'inongteili'. Nafli Apv Arr des (Jlimmtrs iiiul nach dem N'drliaiuli'iisiMM vim HorMljli'iidf und Augit gliedert man diesellien, den (iranit in Totitgranit. auch (iianitit genannt, Mnseovitgranit, Oranit im engeren Sinne mit Biotit und Jlnscovit. Hornblende- und Angitgranit; dem ganz entspre oder n hin durch Parallellagerung der Glimmerblttchen gneiss- artigen Habitus an, anderseits gehen Gneisse durch Abnderung im und einen Tiefstand V. Im Hochstand A'^ steht er ilher der Erdbahn i z E, wie das angelegte Lineal L L deutlieh angiebt. Der Schatten des Neumcuides N fallt darum, wie Fig. 4. I deutlicher zeigt, ber die Erde /? hinweg nach 1, ohne sie zu verKnstern; ebenso geht der Vollmond V unter dem Erdschatten 2 unverfinstert hindurch, weil der Vollmond sich im Tiefstand, also unter der Erdbahn, ereignet. WS' jVi" s^ s-jr s-y s'A' y- IT M' m jr i Fig. 2. Verlauf einer totalen und ringfrmigen Sonnenfinsternis. In Fig. 4. ir dagegen entsteht der Neumond N nicht ber, sondern in der Erdbahn (also in seiner Mittelstellung). Der Schatten Hilfsmittel fr den geographischen Unterricht. Die von Adolf Mang erfundenen und durch den \'erlag von Fr. Ackennann in Weinheim (Baden) zu beziehenden methodischen Lehrmittel fr den Unterricht in der astronomischen <.ieographie sowohl fr die Beobachtung der Himmelskrper als auch fr die plastische Darstellung der Himmelserscheinungen sind als sehr brauchbar und zweckmssig zu bezeichnen. Namentlich empfiehlt sich der einfachste zerlegbare Gesamtapparat fr den Unterricht in den Grundlagen der astronomischen Geographie sowohl durch die sehr anschauliehe Darstellungsweise der kosnnschen ]5e- wegungen. als auch durch die leichte Ausfhrbarkeit der darzustellenden Versuche. Ausserdem ermglicht die Billig- keit des Apparates <22 JC) die Anscliaf- iQ M fang in allen Ele- mentarschulen. Die hier zum Abdruck ge- brachten Figuren m- gen einen Teil dieses 'Universal - Apparates Teranschaulichen und zeigen, in wie zweck- mssiger Weise uns hier beispielsweise die Entstellung der F' i n s t e r n i s s e vor Augen gefhrt wird. Der Verfasser giebt F'g' 1- Folgen, wenn die Mondbahn mit der Erd zu diesen Abbildun- gen folgende Erklrung: bahn zusammenfiele. von N fallt finsternii ^^ daher auf die Erde E und es entsteht eine .Sonnen- Z/Z ~IL Fis Hocli- und Tiefstand des Mondes. Von der Erde E aus gesehen tritt die schwarze Mond- scheibe 'N vor die helle Sonnenscheibe und bedeckt sie nach und nach so, wie Fig. 2 angiebt. Der Vollmond F Fig 4, II ereignet Seh Scfv der Finsternisse. sich ebenfalls in der Erdbahn und geht darum so durch den Schatten der Erde hindurch, wie dies auf dem Schirm Seh daneben gezeichnet ist. Finsterni.sse entstehen also, wenn der Neu- oder Vollmond sich weder im Hoch- noch im Tiefstand, sondern in der Erdbahn sich ereignen. Dr. F. Wahnsohaft'e. Briefkasten. Allerdings lautet der von der Redaktion benutzte Satz in Sohwendener's akademischer Antrittsrede anders als das nach diesem gebildete Motto unserer Naturwissenschaftlichen Wochenschrift^' Mit welchem Rechte dennoch die Unterschrift des Herrn Professor Schwendener benutzt worden ist, zeigt die folgende Korrespondenz. Berlin, den 20. Februar 1888. Hochgeehrter Herr Professor! Wrden Sie mir wohl gestatten mit Vernderung eines Wortes eine Stelle aus der Rectorats-Rede als gedrucktes Motto mit Ihrer Unterschrift zu benutzen? Ich meine den Satz auf Seite 28 29: Was sie ... . schmckt", in welchem ich an Stelle des sie" setzen mchte die naturwissenschaftliche For- schung." Der Satz wrde dann heissen: Was die naturwissen- schaftliche Forschung aufgiebt .... schmckt." Ihr dankbarer Schler Antwort: H. Potonie. Geehrter Herr Doktor! Ich habe nichts gegen die beabsichtigte Vernderung ein- zuwenden, obschon ich 1. c. nur von der mikroskopischen Forschung rede. Das Gesagte gilt aber von der Naturforschung berhaupt. Berlin, den 27. Februar 1888. Ergehenst Ihr Schwendener. 16 Naturwissenscliaft Helle WoeliPiisi lirit't. Xr. Herder'sche Verlagshandlung, Treiburg (Breisgau). Sdfbfii ist ersi'liit'iieii u, diii'rli ;illi' Hiirlili;iiiilliiiij;i'ii zu iM'zii'lii'ii ; Plss, Dr. B., Unsere Bume und Strucher. ^ Fhrer durch Wald und Busch. Anlririnig' zum Hr-itiinuuMi unsiu-cr liiiunjr und Stniucbpr uacli ilirora Laube Zweite Auflage, mit 80 Holzschnitten. 12" (Vll u. 120 S.) . 1. i:iegaiit ycli, in Halblfiu\v:iiia mit Goldtitel und Buohdi'urk- nder lirouze-rm^idda^; . If 1.20. Inhalt: I. Die Teile der Holzgewchse. II. Erklrung der bota- nischen Ausdrcke. III. Anleitung zum Bestimmen. IV. Bestimmungs- tabellen. V. Kurze Beschreibung der Kolzgewchse. Das sehr rcicit il/it&hierlc und splviid'ul ausgestattete Biichleiii soll ein Wegweiser sein, mittelst dessen jeder imsere irildivachsenden BiDiie und Strucher. u-ie er sie rlirti auf einem Spaziergange trifft, sellisfnilig nach dem Lauhe luslimnien katiu. In Bruhn's Verlag (liiliaber: Eugen AppelUcaus) in Hraun- schweig' ist soeben erscliienen: NatiirpscMclite fr k eiiifaclie Vollsscliule, XaturkOrper der ^eimat iiuierlialb natrlicher Gruppen vorgetulirt und von eiulieitlicliem Gesiclitspinikte aus be- trachtet. Nebst Anleitung zu zahlreichen Beobachtungen. Ein Handbuch fr Lehrer. In 2 Kursen ju je 40 Lektionen bearbeitet von l>r. Franz Kie^sling: u. Kg^niont Pfalz. Mit zahlreichen Holzschnitt*Abbildungen. Preis 2 Jf, geb. 2,50 JL Das Buch ist in demselben Geiste gearbeitet wie das rijhmlichst bekannte grossere Handbuch derselben Verfasser, des ersten, welches den gesamten naiurgeschichtlichen Unterrichtsstoff innerhalb natrlicher Gruppen (Lebensgemeinschaften) auf Jahreskursc verteilt brachte. Wie das grssere Handbuch sucht auch das oben angezeigte das Verstnd- nis der Gesetzmssigkeit in der Natur, zu deren Beobachtung es an- leitet, sowie eine sinnige Naturbetrachtung zu frdern. ^^^^^1 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie ^^^^^| auch direkt gegen Franko-Einsendung des Be- trages von der Verlagshandlung, Aif/A vull.stiiiidi;^ ri'srhirm'ii Fr Wiederverkufer! ^^^^ Tafelraesser u. -Gabeln Nr. Sil. gute Ware Dtzd. . 3,80; do. Nr. SIL', feine Ware, Dtzd. J( 8,.50. Taschenmesser Nr. 142, mit 2 Klingen, Dtzd. .1/ 2,S0; do. Nr. 150, mit 1 schwer. Klinge, stark. Messer f. Land- leute, Dtzd. Jt 4; do. mit 2 Klingen u. Korkzieher, sehr fein, Dtzd. Jt 7,.W. Brot- messer, gute Ware, Dtzd. 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Behrendt: Die .Soohiuelle im Admiralsgarteiihad zu ISerlin l'r.if Hr. li. Frank: Ueber die ^jymbiose der Ptlanzenwurzeln mit Pilzm. (Mit ,\hbild.) Schluss. Gebeimrat von Nussliainn in Jlnclieii: Krperliche und geistige Ar- beit im Gleichgewicht. Kleinere Mitteilungen: Einen neuen Apparat zur DarstolhiuL'- einfacher Schwingungen. Zur Geschichte der l'apiererfindung. Astruuomische Nai'hricliten. Astroiiomisrhcr K'iilenilrr. - Verzeichnis von Vorlesungen an der Humboldt- Akademie zu Berlin. 7. Kongrcss fr innere Medicin. Fragen und Antworten: unterschied von Gneis und Granit. Unter- richtsmittel: Tlillsinittil fr den gengraphischen rnterricht. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur; Dr. Henry Potonit:'. Verkag: Riemaiin & Mller. Druck: Gebrder Kiesau. SUmtlich in ]?erlin. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Hand. Sonntag', den 15. April 1888. Nr. 8. Abonnement: Jlaii abonniert bei allen Bucliliandlnngen und Post- aiistalTen, wie bei der i-]xiiedition. Der A'ierteljabrsiireis ist ^U 2. ; Bringegeld liei der Post l."i .j extra. ir f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 3u ^. Grssere Auftrge entspreelienden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft, Inseraten- annahnie bei allen .\nnoneenbureaux, wie bei der Expedition. AImIi-iicU i!t mir mit vollitiidijg^er ({uellenani>'abe ^OMtattet. Einrichtungen zur ffentlichen Zeit-Regulierung. Von Professur J )r. Tli. Alljreclit, Sektion l)a.s Bedrfnis der Her.stellung von Einriclitiingen zur ltentliclien Zeit-Regiiliening- zu dem Zwecke, die Zeitangaben einlieitlicli zu gestalten, i.st be.sonders in den (ji'o.s.s.stdten zu einem diingliclien geworden. Die Au.s- deluuing die.ser Stdte und der be.stiindig wachsende Ver- kehr inneriialb derselben lassen es nicht mehr angngig erscheinen, die Zeitangaben auf eine einzige Noimaluhr zu basieren, soiuk-rn liaben eine Vervielfltigung der genauen Zeitangaben als ein unabweisbares Bedrfnis | hei'ausgestclit. Dieser Notwendigkeit ist bereits in ver- 1 scliiedenen Stdten Recimung getragen worden; Berlin, Wien, Neufchtel, Paris, London und verschiedene \ amerikanische Grossstdte besitzen mehr oder minder ausgedelinte Systeme einheitlich regulierter ffentlicher ' Ulircn. Am weitesten ist man in dieser Bezieliung in Pai'is vorgegangen, indem daselbst an ein grsseres Netz ffentlicher' Lliren ein ausgedehntes System privater Uhren angeschlossen ist. In Berlin sind bereits im Ijaufe des vorigen Jahr- zelints auf Veianiassung des Direktors der Sternwarte Professor Dr. Foerster seitens der Stadtverwaltung auf ffentlii-liiMi Pltzen seclis Normaluhren aufgestellt worden, welche \"on der Sternwarte aus elektrisch reguliert werden und die richtige Zeit bis auf die Sekunde genau angeben. Doch hat sich gegenwrtig- mit dei' wachsenden Aus- dehnung di^r Stadt die Notwendigkeit einer noch weiter- g-ehenden ^'elvi('Ifltigllng lierausge.stellt. Um eine der- artige En\('iteiung- der bestehenden Einrichtungen anzu- bahnen, hat Dr. Leman im Auftrage des Direktors der Sternwarte ein (iutaditen ber die fr die ffentliche fhef am k. geudtisclien Institut in lierlin. Zeit-Reguherung in Betracht kommenden technischen Einrichtungen ausgearbeitet, welches gegenwrtig in \'er- bindung mit Vorschlgen dos Herrn Professor Foerster, betreffend die knftige ( Jestaltung der ffentlichen Zeit- Regulierung in Berlin, publiziert worden ist. Diese Schrift ist zwar in erster Linie zur Information fr die betreffen- den Interessentenkreise bestimmt, da es sich hierbei aber um Errterungen von weitergehendem Interesse handelt, erscheint es angezeigt, im folgenden an der Hand dieser vSchrift eine fr weitere Kieise bestimmte^ Darlegung der einschlgigen Verhltnisse zu geben. Je nach dem Pi-zisionsgrad , bis zu welchem das Problem der Regulierung gelst werden soll, sind drei verschiedene Arten von Uhren zu unterscheiden. Erstens die Przisionsuhren, welche in ihien Angaben nur um Bruchteile einer Sekunde differieren; zweitens die ffent- lichen Uhren auf Trmen, Bahnhfen u. s. w., bei denen dei' Fehler bis zu 1 Sekunden anwachsen kann ; drittens endlich die Llireu iiu Innern von Gebuden, bei welchen selbst ein FeMer bis zu 20 30 Sekunden zulssig ist, da fr den gewhnlichen Verkehr die Minute als die kleinste Zeiteinheit angesehen werden kann. Als Mittel fr die Regulierung ist bisher fr die erste und zweite Art der Uhren ausschliesslich die Elektricitt in An- wendung gekommen, als solches fr die dritte Art aber neben der Elektricitt auch komprimieite oder verdnnte Luft. Welches dieser beiden Hilfsmittel mit Vorteil an- zuwenden ist, hng-t wesentlich von der Ausdehnung der ganzen Anlage ab. Ist dieselbe bedeutend, so kann die Regulierung nur auf elektri.schem Wege eifolgen, weil Natiu-wissenschaftliclie Wochensclirift. Nr. 3. die Fortiitianzung piieumatischei- Wirkungen niclit mit derjenigen Przision vor sich geht, welche erforderlich ist, um eine ausreichende Zuverlssigkeit der Zeitber- tragung auch fr grssere Leitungslngen zu sichern. Die lteste Methode der Zeitbertragung basiert auf der Anwendung der sogenannten elektrischen Zifferbltter. Die riir auf der Centralstation ist mit einei' selbstthtig wirkenden Vorrichtung versehen, durch welche im Ver- laufe einer jeden Sekunde ein elektrischer Strom ge- schlossen und wieder unterbrochen wird. Tn diesen Strom- kreis sind eine Anzahl P^lektromagnete eingeschaltet, deren Anker bei jedem Stromschluss angezogen werden und dni'ch Uebertragung dieser Be^\egung auf die neben den Elektromagneten betindlichen Zeigerwerke die Se- kundenzeiger derselben jedesmal um eine Sekunde vor- wrts bewegen. Diese Einrichtung leidet aber an dem Uebelstande, dass es fast unmglich ist, metallisclie Kon- takte fr den Stromschluss herzustellen, welche bei der Krze ihrer Zeitdauer (nur den Bruchteil einer Sekunde umfassend) und der stai'ken Inanspruchnahme (einmal whrend jeder Sekunde, also 86i00mal im Laufe eines Tages) nicht zeitweilig infolge Oxj-dation der sich be- rhrenden Metallflchen versagen. Jedes Ausbleiben eines Stromsclilusses hat aber zur Folge, dass die Anker der Elektromagnete nicht angezogen werden und infolge- dessen die Sekundenzeiger nicht weiterrcken. Die An- gaben der elektrischen Ziiferbltter werden dadui-ch un- richtig und bleiben im Laufe einer gegebenen Zeit um so viele Sekunden zurck, als whi'end dei'selben Kon- takte ausgeblieben sind. Man hat diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen gesucht, dass man die Zahl der im Laufe eines Tages eintretenden Kontakte wesentlich ver- minderte und die Zeitdauei' eines jeden betichtlich er- hhte, indem man die Anker nicht mit den Sekunden-, sondern mit den Minutenzeigern in Verbindung setzte. Man erhlt dann eine springende Minute und bedarf im Laufe eines Tages nur 1440 Kontakte. Dieses System ist gegenwrtig vielfach auf Bahnhfen in Anwendung und in ausgedehntem Masse auch bei dem J3etriebe der Berliner Stadtbahn eingefhrt. Durch dieses Hilfsmittel ist allerdings eine Besserung erzielt, abei' eine volle Be- seitigung der Uebelstande dieses Systems auch auf diesem Wege nicht erreicht worden. Man hat auch eine pneu- matische Auslsung des Zeigei'wei'kes in Vorschlag ge- bracht, doch ist eine solche wegen der geringeren Zu- verlssigkeit in der Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei Anlagen von geiinger Ausdehnung der Leitungen mit Erfolg anzuwenden. Im allgemeinen hat sich aber das System der elektrischen Zifterbltter nicht bewhrt und nui- dort gute Resultate geliefert, wo fr aufmerk- same Uebenvaehung und Unterhaltung der elektrischen Einrichtungen in umfassender Weise Sorge getragen ist. Dieser Unvollkommenheit des Ziflerblattsystemes ist in neuerer Zeit dadui'ch abgeholfen worden, dass man die zu regulierenden Uliren als wirkliche Pendeluhren konstruiert und den elektrischen Strom nur dazu benutzt, _*Vfl^/ej J^wf^, eine Synchronisation, d. i. eine volle Uebereinstunmung der Pendelschwingungen dieser Uhren mit denen dei' Hauptuhr herzustellen. Es entspiicht dies dem System der sj'mpathischen Uhren, welches fr die Przisions- bezw. die Noimaluliren in Berlin und l'aris adoptiei't worden ist und sich nach jeder Richtung hin bewhrt hat. Die folgende Figui' stellt das System dar. welches bei den Berliner Normaluhren in Gebrauch ist und das abgesehen von einigen Modifikationen demjenigen ent- spricht, welches im Jahre 1858 von Jones in Chester angegeben wurde. Die Normal- uhi-en sind voll- stndige Pendel- uhren, welche in der gewhnlichen Weise aufgezogen werden und so justiert sind, dass sie im Laufe des Tages bis auf eine geringe Anzahl Sekunden genau nach richtiger Zeit gehen. Die Pen- del tragen aber an Stelle der Linse einen Hohlcylinder, welcher mit iso- liertem Draht um- wunden ist, dessen Enden an der Pendelstange in die Hhe fhren und mit der Telegraphenleitung nach der Sternwarte oder der Erde in Verbindung gesetzt sind. Ferner ist seitlich an jeder Normaluhr ein stab- frmiger permanenter Magnet so angebracht, dass ilin die Drahtrolle bei der grssten Amplitude des Pendels gerade umschliesst, ohne ihn aber zu berhren. Die Hauptuhr auf der Sternwarte, welche so genau als mg- lich (bis auf Bruchteile einer Sekunde) auf richtiger Zeit erhalten wird, ist mit einer Vorrichtung (zeitweilige Be- rhrung eines am Pendel befestigten Metallstiftes mit einer seitUch aufgestellten Metallfeder) versehen, zufolge deren sie selbstthtig alle 2 Sekunden einen nur einige Zehntel -Sekunden andauernden Stromschluss bewirkt. Infolge dieser sich stetig wiederholenden Stromschlsse umkreist im Verlaufe jeder Doppelsekunde ein elektrischer Strom die Drahtrolle der Normalulir und ruft dadurch eine magnetische Anziehung mit dem permanenten Magnet, ber welchen die Rolle hinwegschwiugt, hervor. Diese magnetische Wechselwirkung wnd nur dann ohne Ein- fluss auf die Schwingungen des Pendels bleiben, wenn sich die Rolle im Moment des Stromschlusses genau in der Mitte des Magnet befindet, in allen brigen Stellungen aber wird dieselbe die Schwingungen des Pendels be- schleunigen oder verzgern. Nimmt man an, das Pendel habe sich in der neutralen Lage befunden, die Uhr zeige Fig. 1. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 aller iiilolgi' uiivollkoiiiiiieiier .iustirriHi' oder aniler- weitlficr iiassero' Elntlsse die Tendenz, gegen die lich- tiire Zeil vorzueilen oder zurckzubleiben. In diesem Falle wird das Pendel bestrebt sein, seine chwlugungs- liliase zu verndern: da aber bei jeder Aenderung cler- selben sofort die verzgernde oder beschleunigende mag- netische Anziehung zu wirken beginnt, wird das Pendel in seine richtige Lage zurckgcfhit und tiotz der Tendenz der Uhr. vorzueilen oder zurckzubleiben, eine voll- kommene eberelnstunmung der Pendelschwingungen der Normaluhr und der Hauptuhr erzielt weiden. Aus diesen Dailegungen geht, ferner hervor, dass ein Ausbleiben eines oder selbst mehrerer Kontakte aus dem (i runde keine Beeintrchtigung der Ang-abe der Normaluhr be- wirkt, well die geringe Abweichung in der Schwingungs- phase des Pendels, welche infolge des Versagens selbst einer massigen Reihe von Kontakten eintreten kann, duii-li die folgenden Kontakte binnen krzester Frist wieder beseitigt wird. Zur Sicheiung des Betriebes sind auf der Zentral- station in die nach den einzelnen Normaluhren fhren- den Leitungen Galvanoskope eingeschaltet, an denen bei jedem Stiomschluss eine Bewegung der Nadel wahrzu- nehmen ist. Die regelmssige AMedei'kehr dieser Nadel- au>schlge nach Ablauf von je zwei Sekunden bietet eine Gewhr, dass die Leitung intakt ist und die Re- gulierung in vollem Pmfange erfolgt. LTm indess volle (iewissheit zu erlangen, dass die Angaben der einzelnen Normaluhi'en streng mit denen der Hauptuhr berein- stimmen, ist ferner die Einrichtung getrofi'cn, dass jede Uhr allstndlich nach der Sternwarte ein Kontrollsignal abglebt. Zu diesem Behufe ist auf der ;Mlnutenwelle jeder zu regulierenden Uhr ein Stift angebra(^ht, welcher einmal im J^aufe jeder Stunde bei einer im A'oraus be- stimmten Stellung des Zeigers eine Feder beihrt, hier- durch einen elektrischen Strom schliesst und durch Vei'- mittelung desselben auf der Sternwarte ein Signal ver- zeichnet. Trifl't dieses Signal zu der i'ichtlgen Minute und Sekunde ein, so gewhrt dies eine volle Sicherheit dafr, das die Zoitregulierung vollkommen zuveiissig funktionleit. Sollte jedo<'h infolge vorbeigehend wirken- der Hindernisse oder einer zeitweisen Unterbrechung der Leitung ein Zurckbleiben odei' Voreilen einer der Normaluhren erfolgt sein, so wird der Fehler der betreffen- den Uhi' \on der Sternwarte aus auf folgende Welse beseitigt. Die \'erbindung der Ncnuialuhr mit der Haupt- uhr wird aufgehoben und an Stelle der letzteien eine flilfsuhr eingeschaltet, deren Pendel, je nachdem die zu regulierende Uhi' zurckgeblieben oder vorgeeilt ist, etwas rascher bezw. langsamer schwingt, als das Pendel der Haui>tulu'. Dadurch wird die Normaluhr so lange zu einem rascheren bezw. langsameren Gange gentigt, bis der Fehler beseitigt ist, worauf die Hilfsuhr ausgeschaltet und die Verbindung mit der Hauptuhr a\ leder hei gestellt wird. Grssere Hindernisse werden freilich auch auf diesem Wege nicht zu beseitigen sein, wenn man nicht zu dem Hilfsmittel der Anwendung sehr starker gal- vanischer Batterieen seine Zuflucht nehmen will. Da aber dieses Auskunftsmittel anderweitige Unzutrglichkeiten im Ciefolge hat, und bei staikem Vorelleu oder Zurck- bleiben die Gefahr nahe liegt, dass es sich um eine dauernde Betnnflussung des Ganges dei' betieffendcn Uhr handelt, wird man bei Eintritt eines solchen Falles auf Beseitigung des Fehlers von der Sternwarte aus ver- zichten und statt dessen an Ort und Stelle die Ursache der Abweichung zu ermitteln suchen. In l'aris ist ein System der Reguhcrung in (iebrauch, welches im Jahre 1847 von Foucault angegeben wurde und gleichfalls daiauf basiert, unter Vermlttelung elektri- scher Stromimpulse eine volle Uebei-einstimnuuig der Pendelschwingungen der Normaluhren und der Hauptuhr zu erreichen. Die Pendel der Normaluhren tragen an Stelle der mit Draht umwundenen Hohlcylinder gewhn- liche Pendellinsen, unterhalb derselben aber noch ein Stck weichen Eisens, welches sich bei den Schwingungen des Pendels an zwei zu beiden Selten aufgestellten Elektro- magneten in sehr geringer Entfei'nung vorbeibewegt. Der Stromimpuls wiid in diesem Falle nicht auf das Pendel selbst, sondern auf die feststehenden Elektromagneten bertragen, im biigen aber in analoger Weise wie bei dem System .) ones durch die in jeder Sekunde wieder- kehrenden magnetischen Anziehungen eine volle Syn- chronisation der Pendelschwingungen eizielt. Auch bei diesem System ist es aber nicht unbedingt erfordei'lich, die regulierende AVirkung von beiden Seiten aus auf das Pendel ausben zu lassen ; man kann den einen Elektro- magnet weglassen und daduirh die Anordnung gleichwie bei dem in Berlin angewandten S,ysteme zu emov ein- seitigen machen. Dadurch wird nicht allein eine Vei- einfachung der ganzen Einrichtung erzielt, sondern auch eine grssere Unemptindllchkeit geg-en Variationen in der Stromstrke erreicht, sowie an Kosten fr die Erhaltung der Batterieen gespart, da bei einseitiger Anordnung die Stromimpulse nur alle zwei Sekunden erfolgen. Welches der beiden in Berlin bezw. Baris adop- tierten Systeme den ^orzug verdient, ist schwer zu ent- scheiden; im allgemeinen wird nicht zu leugnen sein, dass das System Foucault in seiner Anordnung einen eleganteren und geflligei'en Eindruck macht. Nicht allein, dass die Handhabung der ganzen Einrichtung bei dem letztgenannten System dadurch wesentlich \ereinfacht wird, dass der Strom nicht an der Pendelstange herab- luft, sondern es wird auch eine etwaige Umkehrung der Stromrichtung bei demselben einflusslos sein, wh- rend eine solche bei dem System Jones zu sehr empfind- lichen Strungen Anlass giebt.*) *) In neuester Zeit hat Cornu (Coinptes Rendus, Tome CV, pag. 1106) fr die Synchronisation ein System vorgesclilagen, dessen Anwendung- gegenber denjenigen von Jones und Foucault wesent- liche Vorteile in Aussicht stellt. Dasselbe ist in gewissem Sinne eine mkehrung des Systems von .Jones, indem Cornu den seit- lich aufgestellten permanenten Magnet und die am Pendel be- festigte Drahtrolle miteinander vertauscht. Der etwa 15 ci lange Magnet, welcher unterhalb der l'endellinse angebracht ist. bilder 20 Natiir\vis.senschaftliche Wuclieuschrift. Nr. 3-. Was brigens die Aufstellungsweise der Normaluliren anbelangt, so wird in Berlin besonders bei einer Ei-wei- terung der Anlage eine Abnderung geboten sein, da die Uliren bei dei' gegenwrtigen Ai't der Aufstellung in zu hohem Grade strenden F]inttssen ausgesetzt sind. einen Kreisbogen, dessen Mittelpunkt dem Anflingepunkt des Pendels entspricht. Die Drahtrolle, welche alle 2 Sekunden vom Strura durch- laufen wird, ist soweit seitlich aufgestellt, dass im Moment der grssten Amplitude nur die auf der zugewandten Seite gelegene Hlfte des Magnet von derselben umschlossen wird. Dieser Rolle gegenber steht auf der anderen Seite eine zweite von gleichen Dimensionen, deren Drahtwindungen aber nicht mit der Hauptuhr in Verbindung gesetzt, sondern in .sich selbst geschlossen sind. Sobald das Pendel nach dieser Seite hin schwingt, tritt der andere Pol des Magnet in diese Rolle ein und induciert in derselben einen Strom, welcher infolge seiner Rckwirkung auf den Magnet eine Dmpfung der Schwingungen des Pendels herbeifhrt. Der An- ziehung des einen Magnetpoles infolge der stetig wiederkehrenden Stromimpulse auf der einen Seite steht daher eine fortgesetzte Dmpfung der Schwingungen auf der anderen Seite gegenber, wo- durch eine noch wesentlich przisere S.ynchronisation erzielt wird als bei den Systemen Jones und Foucault. Selbst bei Anwendung nur schwacher Batterieen ist die Wechselwirkung zwischen der Rolle und dem Magnet eine so intensive, dass das Pendel aus voll- kommener Ruhe in Schwingungen versetzt werden kann und die Synchronisation ist eine so krftige, dass es C'ornn selbst gelungen ist. eine pro Tag um 6 Minuten 30 Sekunden fehlerhaft gehende Uhr zu vollkommen bereinstimmendem Gang mit der Hauptuhr zu bringen, whrend bei den Systemen Jones und Foucault schon ein Fehler im tglichen Gange der Uhr von etwa einer lialben Minute die Grenze dessen bezeichnet, was bei Anwendung nicht zu starker Batterieen durcli diese Regulierungssysteme noch zu com- pensieren ist. Dieselben participieren nicht allein an allen Temperatur- schwankungen der freien Luft, sondern sind infolge der einseitigen Bestrahlung des Gehuses durch die Sonne und der Erwrmung durch die Ga.sflamnien, welche wh- rend der Nacht zum Zwecke der Beleuchtung der Ziffer- bltter im Innern des Gehuses angezndet werden, Temperaturdifferenzen in noch erhhtem Masse ausgesetzt, und es ist bei der jetzigen Aufstellungsweise kaum mg- lich, die Uhren hinreichend voi' dem Verstauben zu schtzen. Um diese nachteilig wirkenden Einflsse auf ein mglichst geringes Mass abzuschwchen, schlgt Dr. Leman vor, das Ulu'werk unter das Strassenniveau in eine gemauerte und berwlbte Kammer zu legen, welche mit einem Einsteigeschacht versehen ist, und bei' diesei- Kammer ein Postament zu errichten, welches allein das Zifferblatt und Zeigerwerk enthlt. Die Uhr wird dann einem geringeren Temperaturwechsel ausgesetzt, sowic^ \or ussei'en Strungen und dem Verstauben besser ge- schtzt sein. Man wird indes denselben Erfolg in ein- facherer Weise und vielleicht noch erhhtem Masse erzielen, wenn man dai'auf verzichtet, die Uhren auf ffentlichen Pltzen aufzustellen, und sie statt dessen in J'arterre-Lokalitten so unterbringt, dass das Zifferblatt von der Strasse oder dem l*latze aus zu sehen und ab- zulesen ist. (Schluss folgt.) Ueber das Konservieren und Prparieren fleischiger Hutpilze/') Von P. Hennings, A.ssistent am Mit wie grossen Schwierigkeiten das Konservieren mancher ffutpilze fr wissenschaftliche Sammlungen ver- bunden ist, weiss jeder, der Gelegenheit hatte, sich hiermit zu beschftigen. Es wird auch wohl schwerlich jemals ein Verfahi'en ei'sonnen werden, durch welches die fleischigeren Ai'ten derselben vllig unverndert in ihrer Form und Farbe erhalten bleiben. Der ungemein grosse Wa.ssergehalt vieler Pilze bedingt schon eine grosse Veinderung beim Trocken- werden. Ausserdem sind die einzelnen Arten sowohl, als auch grssere Gruppen dei' Hutpilze, so die Corti- narien, Maiasmien, Russuleen, Lactarien von der eigent- lichen Gattung AgaricHS durch Merkmale verschieden, die wohl im frischen Zustande recht gut kenntlich sind, durch das Trocknen oder Aufbewahren in Spiritus aber zum Teil oder ganz verschwinden. Hierzu kommt noch, dass eine und dieselbe Pilzart hutig infolge Witterungs- einflsse, des Standortes, Substrates u. s. w. in Form und Farbe sehr variieit, und ein und dasselbe Individuum ausserdem, je nach seinem Entwicklungs-Stadiura, sekr verschieden sein kann. Ich will hier niu' au den be- kannten Fliegenpilz erinnern. Whrend \iele Arten, besonders aus den Familien der Helvellaceen, Pezizeen, Phalloideen, Tuberaceen u. s. w. sich ziemlich gut in Alkohol konserviei'en lassen, ohne ihre charakteristischen Kennzeichen we.sentlicli zu verndern, werden die meisten *^ Vcrgl. iiiirli li:ind I iliescr /eilscliril't. Seite 147. Red. Kgl. biitaiiischen (iarten zu ]5erliii. Boletus- und .Vgaricus-Arten hierin vllig unkenntlich. Eine Amanita- oder Kussula-Species zu konservieren, ist mir bishei' nicht gelungen. Manche Art liis.st sich dadurch ziemlich unverndert eihalten, dass ich sie sehi" kurze Zeit in sch\\'ache schwefelige Surelsung lege, sie dann auswssere und in Spiritus setze. Derartig pflege ich fast smmtliche Helvellaceen, Pezizeen und manche Agaricineen zu behandeln. Selbst Russula adusta und R. nigricans, die in Alkohol tief schwarz werden, bleiben auf diese Weise jirpaiiei-t, nebst der Flssigkeit unver- ndert. Was nun das Prparieren fleiscliiger Hutpilze fr das Herbar anbelangt, so verfahre ich mit diesen in fol- gender Weise: Jede Pilzart wird mglichst in mehreren Exemplaren und in verschiedenen Entwickelungs- Stadien gesammelt. Die Hte einzelner sporenreifer Exemplare werden an der Ansatzstelle \on den Stielen abgeschnitten und be- hufs Erlangung von Sporenjirparaten auf entsprechende Papierstckclien gelegt. Von den brigen Pilzen suche ich mglichst dnne Lngsschnitte zu fertigen. Nachdem ich mehrere gut erhaltene, sich gegenberstehende La- mellen auf der Unterseite des Hutes aufgesucht, fhre ich mittelst flachei', scharfer Messerklinge einen Schnitt von oben durch den Hut und Stiel aus und zerspalte damit den Pilz in zwei gleiche Lngshlften. Von beiden erden dann ein odei' mehreie dnne Lngssclinitte, Nr. 3. Natiirwissenschaftliclie Woclienschrift. 21 wi'k-lie ingliclist nur rinr Lamelle besitzen, yefertigl. Diese Schnitte werden auf einen glatten Seiden- oder l-'esspapieiiiogen geleg-t und dann zwiselien Flie.ssi)a])iei- lag-en geti'oclinet. Die beiden Hutluilften lst man vom Stiele ab und entfernt dui'cli Ausselineiden und Aus- schaben die Lamellen und das Fleisch soweit als mglich, iiline die Oberhaut zu verletzen. Ist letztere schmierig oder mit Waizen bedeckt, wie es beim Fliegenpilz der Fall ist, so leg-e ich die ausgefleischten Hte mit der Fnterseite auf Fliesspapier und lasse die Oberseite ent- weder in der Luft etwas trocken werden, oder erziele dieses durch sorgfltiges Abtupfen mit einem weichen Tuche. Alsdann werden die einzelnen zusammengelegten Teile auf Bogen zwischen Fliesspapierlagen gebracht und getrocknet. Fi' gewhnlich ist nui- ein einmaliges Wechseln der Lagen erforderlich. In manchen Fllen ist es rtUch, einzelne Exemplaie nur zu halbieren, die Lamellen nicht zu entfernen und sie schwcherem Diuck auszusetzen, um sie spter lose in Papierkapseln beizufgen. Klei- nere Arten mit wenig fleischigen Hten, wie viele My- cenen, Omphalien, Marasmien u. s. w. sind ebenfalls teils halbiert, teils ganz, ohne dass Fleisch und Lamellen aus- geschnitten werden, einzulegen. Die trockenen Exemplare werden, wenn ntig, mit der Scheere etwas beschnitten und auf der Unterseite mit in Alkohol gelstem (Queck- silber-Sublimat mittelst eines feinen Pinsels bestrichen. Seilten Papierreste an den Hten festgeklebt sein, so lsen sich diese beim Durchdringen der Sublimatlsung gewhnlich ab, oder sie lassen sich leicht abziehen. Um die Pilze auf Papierbogen zu befestigen, ver- wende ich am besten einen gut zerriebenen Strkemehl- kleister, der mit einem \'ierteil aufgelsten Gummi ara- bicum gleichmssig gemischt wird. Zuerst wird der Stiel und dann der Hut aufgelegt, so dass das Priiarat die Form des lebenden Pilzes im Profil zeigt. Gewhnlich klebe ich die verschiedenen Entwickelungsstadien der Reihe nach auf, und daruntei- in gleicher Weise die Lngs- schnitte, alsdann die Sporenprparate und etwaige Kapseln mit losen Exemplaren derselben' Ai't. Am besten ist ein starkes, festes Papier oder Kartonpapier zu ver- wenden und zwai- in entsprechenden Formaten. Die aufgeklebten Pilze werden zwischen Papierlagen gut ge- presst. Was nun die Anfertigung dei- Spoi'enprparate be- trifft, so wende ich je nach der Sporenfi-bung verschie- dene Methoden an. Die vom Stiel getrennten Hte mit unveiletzten Lamellen werden, falls sie farbige Sporen besitzen, auf weisses Schreibpapier gelegt, dagegen die mit weissen Sporen auf blaues Papier, dessen Farbe aber konstant sein muss und dann mit einer Glasglocke und Schachtel bedeckt. Kleinere Arten, die leicht trocken werden, kann man auf Blumentpfe odei' Schsseln, die etwa 1 oder -2 an unteihalb des Randes mit feuchtem Sand gefllt sind, legen und diese dann mittelst einei- Gla.sscheibe oder eines Brettes bedecken. WJuend grssere Pilze gewhnlich schon nach 6 12 Stunden so viele Spoi'en abgi'worfen haben, dass auf dem Papier- blatte ein deuthches Abbild des Hyni(;niums sichtbar ist, dauert dieses bei sehr kleinen Pilzen oft 1 bis 2 Tage. Um fai'bige Sporen auf dem Papier zu fixieren, so dass sie nicht verwischbar sind, nehme ich soviel Kolophonium, als sich im Alkohol bestei' Qualitt auflst, und bestreiche mit dieser Lsung das Papier mit dem Sporenprparat von unten. Die Flssigkeit muss das Papier und die Sporen hinreichend durchdiingen. G. Heipell in St. Goar, welcher das Fixieren dei' Sporenprjiarate zu- erst bekannt gemacht hat, wendet zu diesem Behufe compliciertere Lsungen von verschiedener Sti'ke an, doch drfte das einfachei-e Verfahren, wenn es den Zwet'k gleich gut erfllt, das bessere sein. Fr die weissporigen Pilze ist in manchen Fllen die Heipell'sche Fixierungs- flssigkeit, bestehend in einer Auflsung von einem Teil Mastic, in dreissig Teilen Aeter ganz vortrefflich. Bei vielen Tricholoma-, Clitocybe-, Mycena-, CoUybia-Arten aber wei'den die Sporen durch diese Behandlung meistens durchsichtig oder durch zu starken Zusatz von Mastic gelblich gefrbt. Fr diese Arten verwende ich letzt- zeitig ein besonders prpariertes Paiiier, welches mit der oben beschiiebenen Kolophonium-Lsung ein- oder mehr- mals getrnkt whd. Dieses Papier kann man stetig vor- rtig halten und in Benutzungsfllen ein entsprechendes Stck abschneiden. Der Pilzhut wird darauf gelegt und wenn gengend Sporen abgeworfen sind, sorgfltig ab- gehoben. Das Papier wird von unten ber einer Gas- flamme gleichmssig erwrmt. Hiei'durch wird das im Papier enthaltene Harz flssig und bindet beim Erkalten die Sporen, welche ihre Farbe unverndeii bewahren und schwer verwischbar sind. Kleinere Mitteilungen. Ueber die Knallgas -Explosion liattc Bnnseii bereits 1867 auf i-irund experimenteller und tbeoretischer Untersueliungen die Behauptung aufgestellt, dass dieselbe aus einer Reihe aufein- ander folgender Partial-Explosionen bestehe, (regen dieselbe war von einigen Seiten Widerspruch erhoben worden, so dass man ber diesen Punkt unklar war. I)aber haben A. v. Oettingen und A. V. (iernet neue Versuche zur Feststellung des Vorganges liei einer Knallgas-Explosion unternommen, und sie kommen (Ann d. Phys. u. t'hem.) zu dem Resultat, dass die Pefunde der experimen- tellen Untersuchungen sich mit Bunsen's Aimahme gut deuten lassen. L)ie Explosion wurde dabei mittels eines elektrischen Funkens hervorgebracht und auf einem rotierenden Spiegel, welcher mit einer photographischen Camera in Verbindung stand, beobachtet. Die pbotographischen Aufnahmen zeigen drei verschiedene Arten von Lichtwirkungen, welche sich als Wellenzge zu erkennen geben. Ferner ergiebt sich, dass die Kxplosion selbst lichtlos vor sich geht; die beobachtete gelbliche Lichterscheinung rhrt von anderen Teilen (Natrium) her, welche bei der liolien Temperatur aufleuchten. Der fehlenden Licbter.scheinung wegen kann die Kxplosion auch keine AVirknng auf die photographische Platte ausben, whrend man durch Hinzufgen von Metallsalzen gute Aufnahmen erhlt. Die Explosion geschieht von der Funkensfelle aus in einer Reihe auf- einander folgender Partial-Fjxplosionen, welche sich auf dem photo- graphischen Pilde in den sogenannten Nebenwellen" erkennen 22 NatinTV'issenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. lassen. ]>ie nhere quantitative \'ei\venung der Resultate (le- stimmung- der Explosionsgeschwindigkeit u. s. w.) knnen wir in diesem kleinen Rahmen nioht ausfhrlich angeben und mssen auf das Original selbst verweisen. A. (iutzmer. Knstliehe Rubine. Die Bedeutung, welche die Ver- suche, Mineralien knstlich darzustellen, lr die Wissenschaft haben, liegt hauptschlich darin, dass dieselben geeignet sind, eine Erklrung der natrliclien Entstehung der Mineralien und Gesteine anzuhahnen und zu geben, ber die Art ihres Auftretens und endlich ber die genaue chemische Zusammensetzung gewisser Mineralien Licht zu verbreiten. Dass die Darstellung der Edelsteine fr das praktische Leben von hoher Bedeutung sein muss. liegt auf der Hand. Nach- dem die knstliche Erzeugung von Korund (AI- 0') schon auf ver- schiedene Weise gelungen ist, hat im letzten Jahre Freniy in Paris in Gemeinschaft mit dem Chemiker Verneuil (V'ergl. l'omptes rendus) eine schon frher von ihm und Feil angewandte Methode weiter verv(]llk(imranet. Dieselbe beruht auf der Anwendung von Fluoriden, die sich bei der knstlichen Erzeugung verschiedener Mineralien- fruchtbar erwiesen hat vermge der erkannten niineralbildenden Kraft der Flusssure. Fi-i-my erhitzte Fluurbaryum und Thonerde, der winzige Mengen von doppelchromsauren Kali beigemischt waren, zusammen etwa 50 g, in einem Tiegel. Das Chrnuisalz hat nur den Zweck, die rote Farbe des entstehenden Korunds hervorzurufen, die Vdii Spuren von Chromoxyd herrhrt. Die Hhe der Temperatur und die Zeit des Erhitzens ist genau abzumessen (aber zunchst noch nicht bekannt geworden). Aus der weissen, porsen Schmelze sind die gebildeten roten Korunde (Rubine) durch Ausschtteln mit Wasser leicht zu isolieren. Die Grsse der Krystalle erreichte 0,6 bis 0,75 mm. Die chemische Analyse ergab nur Thonerde mit Spuren von Chrom. Die Krystalle gleichen in Schwere, Hrte, Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit und Lichtbrechung durchaus den natrlichen Rubinen, gleich denen sie auch rhomboedrisch krystalli- sieren. Interessant ist dabei, dass nach den krystallographischen Untersuchungen, welche Des toizeaux vornahm, ausser Rhomboeder und Basis sich Flchen vorfinden, die wohl an dem mit dem Korund isomorphen lOisenglanz (Fe^ 0-''), aber nicht am natrlichen Korund beobachtet worden sind. l'",s sollen nun Versuche angestellt werden grssere Krystalle zu erzielen. in einer der folgenden Numniern der Naturw. W. werde ich mich ber die Bedeutung und die Ergebnisse der knstlichen Er- zeugung Von Mineralien aussprechen. Dr. It. Scheibe. Das Aspirationsthermometer. Eine der schwierigsten Aufgaben der meteorologisi'hen Beobachtungskunst, nmlich die Ermittelung der wahren Lufttemperatur eines gegebenen ( )rtes ist neuerdings durch die Untersuchung-en des Dr. R. Assmann, Ober- beamten des Kniglich Preussischen Meteorologischen Instituts, einer vllig befriedigenden Lsung nahe gerckt worden. Da die An- gaben der Thermometer in festen Aufstellungen, d. h. in melir oder wein'ger gut ventilierten Gehusen resp. Htten durch vielfache Fehlerquellen strend beeiiitlusst werden, ferner das von Arago an- gegebene Schleuderthermometer" neben seinen Vorzgen leichter Handhabung und grosser EmpKndlichkeit dennoch erhebliche Mngel besitzt, erscheint die Konstruktion eines Thermometers das von den Nachteilen sowohl der festen Aufstellung als auch des Thermometers fronde" frei ist. als ein erheblicher Fortschritt. Da die erste Bedingung zur Erhaltung der wahren Luft- temperatur die bestndige Berhrung des Thermometergeflisses mit den der freien Atmosphre angelirendeu Luftmasseu ist. erwies sich als einzig zum Ziel flirendes Verfahren die Aspiration der zu untersuchenden Luft, indem diese durch ein lihrensystem an dem Thermometer vorbeigefhrt wird, ohne vorher durch Wrme- wirkung fremder, grssere Masse besitzender Krper beeinflusst werden zu knnen. Der zweiten Beditigung, nmlich der Fern- haltung jeglicher Erwrnmng durch Strahlung wurde nach langen Versuchen durch Anwendung hochp(dierter MetallHlichen gengt, welche zur Umhllung des Thermometers verwendet werden. Danach besteht das Aspirationsthermometer aus zwei Haupt- teilen: dem Thermometer, umschlossen von einem hochpolieiten Metall- rohr und dem Aspirator, der mit demselben durch einen (Jummi- schlauch verbunden wird. Als bequemster Aspirator dient ein mit sehr exakt schliessenden Ventilen versehener .Saugebalg (als um- gekehrt wirkender Blasebalg zu denken), mittelst dessen ein Luft- strom von konstanter Geschwindig-keit aus der freien Atmosphre durch die Umhllung des Thermometers hindurchgesaugt wird. Zur Verhtung eines etwaigen Ilestes von Strahlung kann das Thermo- metergefUss mit einer zweiten polierten Metalllrlse versehen werden, durch welche gleichfalls die Aspiration stattfindet. Ein so kon- struiertes Instrument zeigt bei gleiohmssiger Aspiration im Schatten und im vollen Sonnenschein keinen wahrnehmbaren Unterschied seines Standes die Verwendung desselben Instruments als Psychro- meter, indem ein ebenso konstruiertes befeuchtetes Thermometer da- eben geschaltet wird, ermglicht es, endlich zuverlssige und brauch- bare Bestimmungen der Feuchtigkeit der Luft zu erhalten, was mich den bisherigen Methoden nanientlii-h bei Frostwetter oft unaus- fhrbar ist. Wir hoffen die Eigenschaften des neuen Apparates spater ein- gehend durzulegen, und bemerken nur, dass er wegen seiner grossen EmpfiiuUichkeit. mit welcher er jede Aenderung der Temperatur sofu't anzeigt, bei Ballonfahrten und auf Reisen als einzig biauchbar erscheint, aber auch fr die gewhnlichen Aufgaben klimatohjgischer Forschung der ausgedehntesten Verwendung fhig ist. Dr. Ernst Wagner. Astronomisches. I. Astronomische Neuigkeiten; Voruntersuchungen zur Herstellung photographisclier Himmelskarten. Bei dem im Frhjahr 1887 stattgehabten astronomischen Kongress in Paris wurde liesclilossen, photographische Aufnahmen des gesamten Sternenhimmels zu machen. Einen grossen Teil der hierzu titigen Vorarbeiten bernahm das Potsdamer astrophysikalische Observatorium zu Potsdam. Die bezglichen Aufgaben waren die folgenden: 1. Herstellung pliotographisrher ( iitter zur Ausmessung der Plat- ten. Diese Gitter sollten zunchst dem Zwecke dienen, Verzerrunpen der lichtempfindlichen Schicht nachzuweisen, um bei den Messungen dieselben in Rechnung stellen zu knnen. Whrend der Unter- suchung zeigte es sich, dass sie aiicli direkt zu Messungszwecken sich vorzglich verwenden Hessen. Bei der Ausfhrung der Netze versah man zunchst Glasplatten mit verschieden gefrbten Lack- berzgen, in welche feine Linien eingerissen wurden. Allein die Kopien fielen nicht zur Zufriedenheit aus, ebensowenig wie die von Netzen, die dadurch hergestellt wurden, dass man feine Platin- drhte ber einen Rahmen spannte. Vorzgliche Gitter dagegen wurden von Dr. Scheiner bei der Verwendung stark vei-silberter Glasplatten erhalten, allerdings auch ntir bei besonderer Form und Anwendung des Reissers. 2. Untersuchungen ber die Vernderung der empfindlichen Schicht in Folge der durch Hervorrufung und Fixierung bedingreu Manipulationen. Die Untersuchungen des Dr. Scheiner haben gezeigt, dass trotz des hohen Genauigkeitsgrades der Messungen, der Betrag der Verziehnngen ein ausserordentlich geringer sei bei der Anwendung von Gelatineschicliten, dass er dagegen bei Kol- lodiumschichteu unter gewissen Umstnden recht erheblich werden kann. Komet Sawerthal. Dieser Komet ist nun auch in Europa, gesehen und zwar auf der Sternwarte in Palermo am 13. Mrz. Der Kern erscheint glnzend, der Schweif breit, divergent und nach AVSW gerichtet. Populrer Fhrer durch den Firsternhimniel. Unter diesem Namen bringt Vogtherr in Bamberg ein Instrument in den Haiulel. das in der einfachsten Weise dem Laien eilaubt jeden Stern am Himmel aufzufinden. Der Apparat ist von Lieldiabern der Astronomie und aucli fr Unterrichtszwecke recht gut zu verwertheu. IL Astronomischer Kalender. Am 10. April Sonnenauf- gang 4 Uhr 59 Minuten, Untergang 6 Uhr 59 Minuten; Mondaiifgang morgens 8 Uhr 32 Minuten, Untergang abends 12 Uhr 5 Minuten. Am 23. April Sonnenaufgang 4 Uhr 44 Minuten, Untergang 7 Uhr 11 Minuten; Mondaufgang nachmittags 3 Uhr 18 Minuten. Unterg-ang frh 4 Uhr 22 Minuten. Am 19. April mittags 12 Uhr 45.8 Minuten erstes Viertel. Von Planeten sind Mars die ganze Nacht und Jupiter sechs Stunden sichtbar. Um lirgerliche Zeit aus der waliren Sonnenzeit zu erhalten muss man von letzterer abziehen am 16. April 20.3 Sekunden, am 23. April 1 Minute 50.1 Sekunden. In der Zeit vom 19. bis 23. April findet ein verhltnismssig bedeutender Stern- schnuppenfall mit mehreren Sfrahlung.spunkten statt, dessen Bahn mit der des Kometen I von 1861 ziemliche Uehereinstimmung zeigt. Dr. F. Plato. Pilze als Weinveredler. Unsere Kenntnis derjenigen Pilze, die durch ihre Lebensprozesse bei der Bildung unserer Genuss- mittel sich beteiligen, ist neuerdings vermehrt worden durch eine Arbeit von Dr. H. Mller - Thurgau ber den Traubenpilz Botrytis cinerea. (Landwirtschaftliche .Jahrbcher 1888.) Dieser Schimmelpilz, eine Conidienform der zu den Ascomyceten gehrigen Peziza Fuckeliana, befllt die reifen Trauben und versetzt sie in einen Zustand der Fulnis. Whrend nun andere Schmarotzerpilze der Trauben . wie das Oidium Tuckeri oder selbst der gemeine Pinselschimmel (Penicillium glaucum), den Ertrag der Beeren er- heblich schdigen, kann die Botrytis cinerea unter gnstigen Um- stnden im Gegenteil eine wesentliche Verbesserung des Weins zur Folge haben. Dass die faulen Trauben vielfach bedeutend edlere Weine liefern, wissen die Winzer der deutschen Rhein- und Mosel- gegend lngst, sie lassen daher in guten Jahren die Trauben am Stock, bis sie faul geworden sind, und lesen die faulen Beeren ans, um .sie gesondert zu verkelteru. Mller-Thurgau hat nun nach- gewiesen, dass die Ursache der Veredlung in den Lebensprozesseu des Pilzes zu suchen ist, und dass diese Fulnis, die Bdelfule", eine au.sschliessliche Wirkung der Botrvtis cinerea ist, nicht aber Nr. ;?. Naturwissenscliaf'tliclie Wochenschrift. 23 diiroli aiidi're I'ilze. 7. V> iiiclit dmcli reipilliiim trlauoiim. das auch auf den Trauben vorkuniint, liervdiijeriileii werden kann. Der Pilz verlirauclit zu .einer Ernillirun!,' /ucker. Siiure und Stiekstnii' aus der Heere, die beiden letzteren aber in viel liliereiu Verliltni.>i, und da zugleich au.s den edell'aulen Beeren mehr Wasser verdun.tet, als aus den g'esunden. so erhlt man aus jenen zwar eiiii' g-pi-jHcrere Menpe Most, aber einen solchen von viel edh-rer Besehatt'enheit, mit hherem Zucker- und viel geringerem .Sure- und .StiekstoffgehaU. Daraus entstehen mildere und zugleich langsamer und weniger voll- stndig verghrende, daher sssere Weine. Dieses Resultat wurde durch chemische l'iitersueliung gesunder und fauler Trauben, sowie durch einknltur des liotrytispilzes in vorher sterilisiertem Most gewonnen. Iteinkultureii des renicillium brachten im Gegensatz zu solchen der Hotrytis eine erhebliclie \'er.schlechteruiig hervor. Die Veredlung des Weines dureli den Pilz betriti't nielit mit die (brigens nach Mller von dem Aroma" zu unterselieidendeii) eigentmlichen Bouquetstoffe", die den deutschen Uieslingweinen den lieblichen Duft und liesclnnack geben; im Gegenteil wirkt die Fulnis auf diese zerstrend ein. aber um so weniger, je edler die Traube, d. h. je zuckerreicher sie ist. Ueberliaupt machen sieh die gnstigen Wirkungen der Fule nur bei edlen Reben, in guten Lagen und bei gnstiger Witterung voll geltend; weniger gnte Trauben werden von der Fulnis leicht zu sehr ergriften, und bei feuchter Witterung kann leicht ein erheblicher Schaden durch Aus- waschen der faulen Beeren tntstehen. Der Winzer wird daher mit den Verhltnissen seines Weinbergs und insbesondere mit dem Wetter zu rechnen haben, wenn er sich entscheidet, ob er seine Trauben gesund oder edelfaul ernten will. Dr. IP Klebahn. Eine Brcke ber den Kanal ist neben dem unterseeischen Tunnel schon ein altes Projekt, um England mit Frankreich zu verbinden. Dasselbe musste frher mit Recht fr unausfhrbar gehalten werden, soll aber nach den neuesten Erfahrungen ber Eisenkonstruktionen als vollkommen mglich zu betrachten sein. Xach dem Plane des Unternehmers der Arbeiten heim Suezkanal. Hersent, wrde diese Brcke in Frankreich am Kap Gris-Nez be- ginnen und in zweimal gebrochener Linie bei der Lnge von 37,5 A'r bei Folkestone in England enden. Die Kosten dieses Riesenprojektes werden im ganzen auf etwa eine Milliarde Franks geschtzt wird es ausgefhrt werden? wird sich eine solche Summe durch den Ver- kehr verzinsen? Seefischerei mit elektrischem Lichte wird jetzt in Ame- rika in grsserem Masse betrieben. Zu dem Zwecke wird in dem Xetz eine Glhlampe angebracht, durcli deren Lichtschein die Fische angelockt und so leicht gefangen werden. Aehnlich hat man das elektrische Licht zur Aufiuchnng von Gegenstnden verwendet, welche sich auf dem Grunde des Wassers befinden. Fragen und Antworten. 1 . In der Fragebeantwortung Seite 210211, Band I, bezglich des Vorkommens des Alpenlmmergeiers oder Bartgeiers geht uns folgende Ergnzung zu: Vom Bartgeier Bosniens und der Herzegowina habe ich ein alti's Paar und einen jungen Vogel, von jenem des Kaukasus ein altes Mnnchen in Hnden gehabt; alle diese Exemplare stimmten mit solchen aus den Alpen, aus Siebenbrgen und Spanien bis auf die durch das Alter bedingten Verschiedenheiten vollstndig berein. Der afrikanische Bartgeier, von dem ich selbst je ein Mnn- ehen ad.. Mnnchen und Weibchen med. und Mnnchen juv. besitze, unterscheidet sich konstant vom europischen durch etwas geringere Grsse und durch die Befiederung der Tarsen, welche bei ihm nicht so tief an die Zehenwurzel hinanreicht, wie bei jenem. Aber auch er bildet nur eine klimatische Variett (Gypaetus barbatus, var. meridionali .Schlegel), keine Art. In den sterreichischen Alpen Iiat das letzte Paar im Jahre 1880 gehorstet, [m Retyezat, dem Grenzgebirge zwischen Rumnien und Siebenbrgen, wo alljhrlich 12 Stcke geschossen werden, ist der Bartgeier noch regelmssiger Brutvogel. E. Ritter v. Dombrowski, Chefredakteur der Zeitschrift Der Weidmann." 2. i\ach eiller Angabe soll ein Witferungswcchsel auf eine luft- dicht abgeschlossene Mischung von Salmiak: Sal2>eter, Kampher. Spiritus, Wasser, mehrtgig digeriert und dann abgegossen, derartig verndernd einwirken, dass man das kommende Wetterviei-undztcanzig St)(nden vorher bestimmen kann. Es wurden genau nach Vorschrift zweiWetterglser hergestellt ; aber absolut keine Vernderung infolge von Witfenuigswechsel an denselben wahrgenommen. Wie stellt sich die Wissenschaft zu dem geschilder- ten Wetterpropheten? Derartige Hausmittel zur Vorausbestimmung der Witterung pfle- gen meistens auf mangelhafter Statistik oder Beobachtung zu beruhen. Auf eine luftdicht abgeschlossene .Salzlsung knnten, abgesehen von der Temperatur, hclistens Aenderiingeu iu der Intensitt oder Qualitt der Sonnensfralilung Einfluss ben, aus denen sich jedoch nach unseren heutigen Kenntnissen noch keinerlei Schlsse auf das kommende Wetter ziehen lassen. Dr. E. Less. 3. Bezglich der Frage: In welcher Flssigkeit kann man Pilze aufbewahren? Oder kann man sie auch noch auf andere Weise konservieren? vergl. den Artikel des Herrn Hennings in dieser Nummer der Xaturwissenschaftlicheu Wocliensclirift." Litteratur. Hlzel's Geographische Charakterbilder. Kleine Hand- ausgabe. 30 Chromolithographische Tafeln mit beschreibendem Text von Prof. Dr. Fr. Umlauft und V. v. Haardt. Wien. Eduard Hlzel. Preis 7,50 Mark. Die vor kurzem erschienene und fr den Handgebrauch bestimmte kleinere Ausgabe von Hlzel's Geographischen Charakterbildern kann als eine vortieffliche litterarische Gabe bezeichnet werden. Auf 30 Tafeln werden uns die hauptschlichsten geographischen Landschafts-Typen vor Augen gefhrt, deren Farben- gebung zum Teil eine so ausgezeichnete ist, dass uns die eigen- tmlichen Charaktere der Landschaft in voller Naturwahrheit ent- gegentreten. Von diesen Darstellungen zeichnen sich durch be- sondere Schnheit aus ; der Canon und Wasserfall des Shoshone aus der nchsten Nachbarschaft des Nationalparks in Nordamerika, die Wste Sahara mit dem gelblichen Ton ihrer Sanddnen, das Pano- rama des Bemer Oberlandes, der heisse Sprudel tukapuarangi in Neuseeland mit seiner rosarothen Sinterterrasse, das Panorama des Golfes von Neapel, der Gross-Glockner mit dem Pasterzengletscher, das Sulenkap auf Kronprinz Rudolfs-Land, der Hafen Nagasaki auf der japanischen [nsel Kiu-Siu, die eigentmlichen Erosionsformen der Weckelsdorfer Felsen, das Stettiner Haff, der Tafelberg mit der Capstadt und der Grand Cafion des Colorado. Eine allgemein ver- stndliche kurze Beschreibung macht uns auf die Eigentmlichkeiten jedes einzelnen Bildes aufmerksam. Auf diese Weise stellt das Buch ein treifliches Hilfsmittel fr den geographischen Anschauungs- unterricht dar und kann berhaupt jedem Freunde der Erdkunde auf das Wrmste empfohlen werden. Mge es bei seiner grossen Wohlfeilheit die weiteste Verbreitung finden. Dr. F. Wahnschaffe, Kgl. Landesgeologe und Privatdocent an der Universitt Berlin. Archiv der natiirivissenschaftlichen Landesdurchforschung von Bhmen. 6. Bd. Nr. 6. (Botanische Abtlg.) gr. 8". Preis QM-. Inhalt: Prodromus der Alpenflora von Bhmen. 1. Tl. (Enthlt die Rhodophyceen, Phaeophyceen u. Chlorophyceen). Von A. Hans- girg. 2 Hft. (m. lUustr.) Fr. Rivne in Prag. Goldschmidt, V., lieber krystallographische Demonstrationen mit Hilfe von Korkmodellen mit farbigen Nadelstiften, gr. 8". (20 S. m. 6 Taf) Preis 3 JC. Julius Springer in Berlin. Index der Krystallformen der Mineralien. 2. Bd. 1. 3 Hft. u. 3. Bd. 1. Hft. gr. 8. Preis 12^ 80 -j Inhalt: H. 1. Pahl- erz Frieseit. (64 S.) Preis 3 JC 60 -^. 2. Gadolinit Gyps. (S. 65128) Preis 3 JC- 60 -j. 3. Haidingerit Jarosit. (3. 129192). Preis 3 M 60 -j. III. 1. Quarz. (25 S.) Preis 2 JC. Julius Springer in Berlin. lieber Projektion und graphische Krystallherechnung. gr. 8'. (IV, 97 S. m. lUustr.) Preis 6 Jt. Julius Springer in Berlin. Gegen Einsendung des Betrages (atich in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung lifterarischen Bedarfes halten wir uns bestens e)nj)fohlen. Berlin S\V. 48. Die Expedition der Xatnrwissensciiaftiichen. \%'o<'liensohrift". Briefkasten. Herrn Lehrer 0. Bick. Vielleicht gengt Ihnen; H. Wendt, Ueber Schul-Excursioneu mit besonderer Rcksicht auf grssere Stdte. Verlag von Appelius in Berlin. Preis 0,30 JC. Berichtigung. Die Reise um die Welt mit der Romanzotfischen Entdeckungs- Expedition, an der Chamisso und Eschscholtz als Naturforscher be- teiligt waren, fand bekanntlich 1815 1818 statt: auf Seite 7 Bd. II. Fossiles Eis" muss es daher in der ersten Zeile nicht 1860 sondern 1816 heissen. 24 Natiirwissenscliaftliche Wochenscluift. Ni'. 3. S^^Q^a^'b namentlich Anzeigen allei' optischen, chemischen, physikalisclien etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bchei-anzeigen finden weiteste und passendste Verbieitung. Seit Aufang dieses Jalires ersclipint 'lip PFaktisehe Physik Zeitschrift fr Experimentalphysiker, Studierende der Physik. Mechaniker. Optiker u. s. w uiiil Organ fr den physikalischen Unterricht. Unter Jlitwirliung liervorra;^eiuler Autoritiiten uiul bewlirtev Faclimnuer lierausgegeli. vnn Dr. M. Krieg. Mouatlicli 1 IV2 Bogen. Preis lialhjilhrlicli 3 M. Die Pralitisclie Pliysili" enthlt Original-Artikel, welehe sich auf die Praxis der Pliysik beziehen, untersttzt die Vertt'entlieimng guter und brauchbarer, teils verbesserter, teils neu konstruierter Aiiparate und ist eine Central.stelle aller Bestrebungen zur Frderung der physikalischen Technik und der physikalischen Demonstrationen. 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Friedrichstrasse 226 emptiehlr sieh zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen Werken und Zeitschriften. ( Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. )* liehufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen b^iiiseuduiig von JC 4,20 (in liriefinarkeu) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Emsendiing von .//f 2,10 (in Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 ,j. Die Expedition der Naturwissenschaftliciien Wociienschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. [nserate fr Nr. 5 Bei Benutzung der der Naturwissenschaftlichen Inserate bitten Wir un- Wochensehrift" mssen spte- sere Leser hfliclist, auf stens bis ^Sonnabend, 21. April in die NaturwiSSeDSChaftChe "" ' Wochenschrift" Bezug neh- unseren Hnden sein. Die Expedition. men zu wollen. Inhalt: l'rof. I)r. 'J'li. All)recht; Einrichtung zur OIFeutlichen Zeit-Regiiliernug. (Mit .Abbild.) unil l'riiparieren fleisebiger Mutpilze. Kleinere Mitteilungen: Ueber die Knallgas-Kxplosion. r. Hennings: Ueber das Konservieren Knstliche ilubine. Das Aspiration.s- therniometer. Astronomisches. Pilze als Weinveredfer. Eine Brcke ber den Kanal, Seefischerei mit elektrischem Lichte. Fragen und Antworten. Litteratur: Hiilzel's Geographische Charakterbilder. Bcherschau. Briefkasten. Berichtigung. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henrj' Potonie. Verlag: Riemann & Mller. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag-, den 22. April 1888. Nr. 4. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandluugeu und Post- nstalten. wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 2. ; Bringegeld bei der Post l-f extra. 1 Inserate: Die viergespalteiie Petitzeile 30 -j. Grssere Auftrge eiatspreclieiulen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkanft. Inseraten- annahnie bei allen Annoncenbureaiix, wie bei der Expedition. Abdrnck it nur mit vollitnclijfer 4{nellenans:al>e g;e!!itattet. Einrichtungen zur ffentlichen Zeit- Regulierung. Von I'rofpssnr Dr. Tli. .\lbrpclit, Spktion.schef am k. geodtischen Institut in Berlin. Whieiul fr die Pici.siuii.suliii.'ii uQstreitig das System der sympathischen Uhren als die beste Lsung des Pi'oblenis der Zeit-Regiiliei'ung anzusehen ist, wird man fr die in viel grsseiei- Zahl vorhandenen ffent- lichen L'hien zweiter Art, bei denen ein Fehler bis zu 10 Sekunden zulssig ist, entsprechend diesem geringeren Genauigkeitsgrade einfachere Lsungen de.s Problems in Anwendung bringen knnen. Im Vordergrunde stehen in dieser Beziehung die sogenannten Stundensteiler, welche dai-auf basieren, dass allstndlich oder nach Ablauf einer gewissen Anzahl von Stunden durch Aermitthing eines elektrischen oder pneu- matischen Stromes dei' Minutenzeiger richtig eingestellt (Scliluss) .Je nach der Art und Grsse der zu regulierenden Uhr sind fr den Regulierungsmechanismus sehr ver- schiedenartige A'orrichtungen in Vorschlag gebracht woiden. Am einfachsten ist die in neben.stehender Figur dargestellte Einrichtung. Auf der Achse des Minutenzeigers ist dicht hinter dem Zifferblatt ein Arm angebracht, der zur Zeit der Regulierung d. i. bei Beginn einer jeden vStunde senkrecht nach abwrts gerichtet ist. Unter demselben befindet sich, um eine horizontale Achse drehbar, ein Ankerhebel, des.sen freies Ende nach oben hin gabelfrmig aus- geschnitten ist. Sobald nun zur vollen Stunde die Centraluhr den Kontakt schliesst, wiid dieser Ankerhebel und somit der in der Zwischenzeit entstandene Fehler ! durch den Elektromagnet nach oben gezogen, die Gabel wiederum beseitigt wird. Da der Minutenzeiger nur durch Reibung auf seiner Achse aufsitzt, kann diese Manipulation vor sich gehen, ohne dass hierdurch eine Strung auf den Gang des Uhrwerkes ausgebt wird. Fig. 2. umfasst den Hilfsarm und flirt in, falls er um diese Zeit nach der einen oder der andern Seite geneigt steht, genau in die senkrechte Lage zurck. Da bei dieser Konstruktion die Kraft des Elektromagnet unmittelbar zur Zeigerstellung benutzt wird, kann diese Einrichtung nui' zur Regulierung kleinerer Uhren angewendet werden, wenn man nicht unverhltnisrassig starke und grosse Elektromagnete benutzen will. Dieselbe lsst sich aber ohne Schwierigkeit auch auf grssere Uhren bertragen, wenn man davon absieht, den Elektromagnet direkt auf den Ankerhebel wirken zu lassen und ihn niu- zur Aus- lsung eines Hilfsmechanismus verwendet, welcher unter dei- Wirkung eines Gewichtes oder einer Feder die Richtigstellung des Minutenzeigers bewirkt. Das Auf- zieJien dieses Mechanismus erfolgt gleichzeitig mit dem 2(1 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Aufzielien der Uhr in analogei' Weise wie das des Schlagwerkes bei den gewhnlichen LThren. Ausser dieser einfachsten Vorrichtung zui- Regulierung sind noch andere mehi- oder mindei' komplizieite Ein- richtungen in Vorschlag gebracht worden, welche gleich- falls auf dem Prinzip basieren, den voigeeilten oder zurckgebliebenen Minutenzeigei' nach Ablauf bestimmter Zeitintervalle wiedei' in seine richtige Lage zurck- zufhren. Andere Einrichtungen gehen von der Er- wgung aus, dass es einfacher ist, eine Uhr von Zeit zu Zeit richtig zu stellen, bei der die Abweichungen immei' nur nach deiselben Seite gerichtet sind, welche also von Hause aus so justiert ist, dass sie tglich um ein bis zwei Minuten voreilt odei' zurckbleibt. In diesem Falle wird die Regulierung an das [Rdeiwerk verlegt; dasselbe wird entweder so lange angehalten bis der durch die Voreilung entstandene Fehler wiederum beseitigt ist, oder bei jeder Regulierung das P^chappement ausgelst, bis dei' fehlende Betiag wieder eingeholt ist. Bei der Beurteilung des Wertes derartiger Einiichtungen ist zu bedenken, dass es unnatrlich ist, ein Pendel gleich von vornherein mit einem Fehlei- zu behaften. Alle Vor- richtungen dieser Art sind berdies ziemlich kompliziert und funktionieren kaum mit g-rsserer Zuverlssigkeit als die Regulierung mittelst dh-ekter Einstellung des Zeigers, bei der eine unrichtige Justierung des Pendels nicht vorausgesetzt ist. Endlich giebt es noch Systeme, bei denen jeder Eingrilf auf die Zeiger und das Rderwerk vennieden wird und die Regulierung durch ein kleines lngs der Pendelstange verschiebbares Gewicht erfolgt. Im PrinzriJ sind Einrichtungen dieser Art deshalb am vorteilhaftesten, weil sie auf mglichst natrlichem Wege die Aufgabe zu lsen suchen; ob sie aber auch in dei' praktischen Ausfhrung am besten funktionieren, ist gegenber der Einfachheit in der- Konstruktion und Wirkungsweise der eigentlichen Stundensteller um so mehr in Zweifel zu ziehen, als die bisher in Vorschlag gebrachten Ein- richtungen dieser Art der wnschenswerten Einfachheit entbehren. Ein System (Redier-Tresca), welches sich auf dieses Prinzip grndet, ist bei der Regulierung der ffentlichen Uhren in [Paris eingefhrt. An jeder Uhr sind zwei durch Windflgel regulierte Laufwerke an- gebracht, welche sich in entgegengesetzten Richtungen drehen und durch Vermittlung einer Rolle eine Hebung oder eine Senkung des an der Pendelstange verschieb- baren Gewichtes bewirken. Bei richtigem Gange der Uhr laufen am Schlsse jeder Stunde beide Laufwerke nacheinander je 15 Sekunden lang, das Gewicht wh-d unter der Wiikung dieser Bewegungen um ebensoviel gehoben als gesenkt und infolge dessen keine Aenderung dei' Schwingungsdauer des Pendels hervorgebracht. Wenn aber die Uhr voreilt oder zurckbleibt, findet das Anhalten des einen und das Auslsen des anderen Laufwerkes nicht in der Mitte der Zeit, sondern um so viel frher oder spter statt, als dei' Fehler [der IThr betrgtj; das Gewicht verndert infolge dessen seine Stellung, und das Pendel schwingt in der Zwischenzeit zwischen dieser und der nchstfolgenden Regulieiungsepoche langsamer oder rascher, wodurch der Fehler allmhlich wieder ein- gebracht wird. Ein anderes System (Aron) schliesst sich mehr dem- jenigen an, welches bei der Regulierung der Berliner Normaluliren in Gebrauch ist. Das Pendel trgt an seinem unteren Ende an Stelle der Linse eine Drahtrolle, welche bei jeder Regulierungsepoche, sobald ein Fehler der Uhr eingetreten ist, je nach der Glosse dieses Fehlers krzere odei' lngere Zeit von einem konstanten positiven oder negativen elektrischen Strom duichlaufen wird. Da die Rolle ber einen permanenten Magnet schwingt, der aber in diesem Falle nicht seitlich sondei'n senkrecht unter dem Auflingepunkte des Pendels aufgestellt i.st, erfhrt das Pendel fr die Zeildauer der Einschaltung des Stiomes eine konstante Verzgerung oder Beschleuni- gung, durch welche der Fehler der Uhr allmhlich wieder beseitigt wird. Diese Einrichtung hat den Uebelstand, dass die Regulierung in hohem Grade von der Intensitt des elektrischen Stromes abhngig ist und daher bei einer Aendeiung der Stromstrke leicht einmal versagen kann; auch ist die Mglichkeit nicht ausgeschlossen, dass in- folge der magnetischen Anziehung zwischen der Draht- rolle und dem Magnet eine so staike Dmpfung auf die Pendelschwingungen ausgebt wird, dass das Echappe- ment nicht mehr auslst und die Uhr stehen bleibt. Was die Anordnung der ganzen Anlage betrifft, so wird man bei allen Systemen der zweiten Art von dem Verfahren Gebrauch machen, eine grssere Anzahl Uhren in ein und dieselbe Stromschleife zu legen; anderseits Avird man aber die Uhren nicht von einem einzigen Centralpunkte aus leguheren, sondern sie an die einzelnen Noimaluhren anschliessen, weil hierdurch der Umfang der Leitungen und somit auch der Kostenbetrag der ganzen Anlage wesentlich herabgemindert wird. Endlich sind noch die Uhren im Innern von Ge- buden zu erwhnen, welche fr den Privatgebrauch bestimmt sind. Zur Regulierung dieser Uhren ist, ab- gesehen von dem nicht sehr zuverlssigen System der elektrischeil Zift'erbltter, nui' das System von Mayrhofer mit wirklichem Erfolg in Anwendung gebracht. Bei diesem System wird die Regulierung durch den Druck komprimierter oder verdnnter Luft bewirkt, und diese Kraft ausser fr die Zwecke der Regulieiiing auch zum selbstthtigen Aufzielien der Uliren verwendet. Hier- durch wird der grosse Vorteil erlangt, dass die nach diesem System regulierten Uhren gar keiner Beaufsichti- gung bedrfen. Als Motor ist in einfacher und sinn- reicher Weise der Druck der Wasserleitung in der Art verwendet, dass die Centraluhr selbstthtig zur betref- fenden Zeit einen Hahn ffnet und das Wasser in einen Windkessel oder einen Ejektor ausstrmen lsst. Hier- durch entsteht eine Verdichtung oder Verdnnung der oberhalb des ausfliessenden Wassers befindlichen Luft, Ni'. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 welche sich in krzester Fi'ist durch das stanze Kiu'en- system fortpflanzt, an das siimmtliclie Uhren angeschlossen sind. Die nach den einzelnen Ulu'en fhrenden Zweig'- rohre endigen in Metallkapseln, welche durch Membranen abgeschlossen sind. Wenn diese unter dem Di-ucke dei- Luft gespannt werden, tritt ein Hebel in Thtigkeit, der nach dem System der Stundensteiler den Minutenzeiger in seine richtige Lage zurc^k fhrt. Sobald dies ge- schehen ist, gleitet der Hebel ab und fllt in seine Ruhelage zurck, worauf infolge der fortgesetzten Km- pression oder Evakuation ein zweiter Hebel die Winde- oder Federtrommel der Uhr um soviel vorwrts bewegt, als sie seit der letzten Regulierungsepoche abgelaufen ist. Dieses System ist zwar in der Ausdehnung der An- lage gewissen Beschrnkungen unterworfen, weil die Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei massigen Leitungslngen mit der erforderlichen Prcision voi' sich geht; es gestattet aber anderseits, eine grosse Anzahl Uhren a dieselbe Leitung anzuschliessen und diese Zahl beliebig zu verndern, ohne die Sicherheit im Betriebe der Anlage zu gefhrden. Es knnen auch Uhren von sehr verschiedener Grsse in ein und dieselbe Leitung eingeschaltet werden, da man bei grsseren Uhren nur eines weiteren Zufhrungsrohi'es und einer Membran von grsserem Durchmesser bedarf, um den zur Regulierung und zum Aufziehen derselben notwendigen Mehrbedarf an Kraft zu erhalten. Bei ganz grossen Uhren (Turm- uhren u. s. w.) ist es zweckmssiger, die Regulierung nicht mehr dii-ekt zu bewh-ken, sondern de pneumatischen Impuls nur zur Auslsung eines mittelst Gewichtes be- triebenen Hilfsmechanismus zu benutzen, welcher letztere die richtige Zeigerstellung ausfhrt. Der Wasserverbrauch ist selbst fr ausgedehnte An- lagen nur ein geringer und auf nicht mehr als 10 30 Liter pro Regulierung zu veranschlagen. Da das be- nutzte Wasser bei'dies in keiner Weise vei'unreinigt wird, ist es fr die meisten gewerblichen und Haus- haltungszwecke noch weiter verwendbai'. Die Uhren sind als Pendelulu'en konstruiert, welche nach vollem Aufziehen acht Tage lang gehen und es wii'd daher eine zeitweise Absperrung der Wasserleitung kein Versagen der ganzen Anlage zur Folge haben, sondern nur bewirken, dass die Uhi'en whrend dieser Zeit uni-eguliert weitergehen. Um nichts desto weniger liinsichtlich des ungestrten Funktionierens der ganzen Anlage eine fortlaufende Kontrole zu haben, ist sowohl an der Centraluhr als auch an der entferntesten Stelle des Leitungsnetzes je ein Zhlwei-k angebracht, von denen das Erstere von dei' Centraluhr direkt, das Letztei'e in hnlichei' Weise wie die Stellvorrichtungen an jeder Uhi- mittelst einer Membran ausgelst jwird. So lange die Angaben beider Zhlwei'ke untereinander berein- stimmen, hat dei' Apparat ohne Strung gearbeitet; zeigt sich aber eine Dirterenz, so ist aus derselben zu ersehen, wie lange die Strung angehalten und innerhalb welcher Zeit weder eine Regulierung noch ein Aufziehen der Ulii'en stattgefunden hat. Es bedarf bei lngeier Dauer des Versagens nur einei' nachtrglichen Prfung des Standes der Uhren und dines gelegentlichen dii'ekten Aufziehens dei' Uhi'werke bis zum vollen Betrage, um jeden nachteiligen Einfluss einer derartigen Strung zu beseitigen. Eine besonders ausgedehnte Veiwendung hat dieses System zum Betriebe der Privatuhren in Paris gefunden, aber auch in Berlin ist in der Brse seit dem vorigen Jahre eine ziemlich umfangreiche Anlage dieser Art, 30 gewhnliche und 2 gi'osse mit Schlagwerk versehene Uliren umfassend, in Betrieb. Eingehende Prfungen diesei' letzterwhnten Anlage haben einen Genauigkeits- grad ergeben, welcher die Anwendung dieses Systems sogar zum Betriebe ffentlicher Uhi'en als geeignet und zweckmssig erscheinen lsst. Die Vorzge dieses Systems beruhen hauptschlich darin, dass bei demselben drei Paktoren in sehr zweckentsprechender Weise verwertet sind: die Elektricitt zui' Regulierung der Centraluliren, die komprimiei'te Luft zur Signalbertragung auf die einzelnen Punkte und zur Ausbung einer massigen Ej'aftusserung, und der Druck der Wasserleitung als bequemer, billiger und zuverlssiger Motor. Das vorteilhafteste System der Zeitregulierung besteht daher darin, von einem Centralpunkte aus eine geringe Anzahl auf die einzelnen Stadtgebiete verteilte Prcisions- uliren nach dem System Jones, Foucault oder Cornu zu regulieren ; diese wieder als Ausgangspunkte einer grsse- ren Zahl ffentlicher Uhren anzusehen, welche gleichfalls unter Anwendung des elektrischen Stromes nach einem der hieifr angegebenen Systeme allstndlich in ihren Angaben berichtigt werden, und an Letztere endlich die nach dem System von Mayi'hofer regulierten Privatuhren anzuschliessen, welche unter Benutzung des Druckes der Wasserleitung auf pneumatischem Wege nicht allein reguliert, sondern auch aufgezogen werden. Unter welchen Umstnden und in welcher Weise geschieht die Bildung von Schneekrystallen? Vuii Hr. K. Wenn in der Atmosphre die Temperatur untei' den Gefrierpunkt gesunken ist, so hlt sich das Wasser da- selbst im festen Zustande auf, vorausgesetzt, dass solche Umstnde nicht felilen, welche eine Unterkhlung ver- hindern. (Vergl. darber meine Mitteilung ber Raulireif F. Jio'rdan. und Glatteis in Bd. I Ni'. 25 dieser Zeitschrift.j In den hchsten Luftschichten sind nach neueren Beobachtungen auf Luftschiffahi'ten wahrscheinlich immer Eiski-ystaUe vorhanden, auch wenn sie ihrer Feinlieit wegen von der Erde aus nicht gesehen werden, ebenso gut wie 28 Natunvissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. die niederen Schichten oft Wasserdunst oder Nebel, siclier aber stets Wasserdanipf fliren; diese Eiskrystalle schweben oberhalb einei- mannig-fach in ihrer Gestalt wechselnden, im ganzen wagerechten Flche, in welcher die Luft die Temperatur Grad besitzt der soge- genannten Isothermflche Null. Wenn in der kalten Jahreszeit oder in kaltei' Gegend die Isothermflche Null sich gesenkt hat, so dass auch auf der Erdoberflche negative Temperaturgrade henschen und wenn sich nun ein Niederschlag dei- Feuchtigkeit ereignet, so erscheint derselbe statt in der Form der Wassertropfen in der- jenigen der wohlausgebildeten Schneekrystalle, der dich- teren Schneeflocken oder der festen Graupelkrner; auf den Hagel woUen wir an dieser .Stelle nicht eingehen. Die schn ausgebildeten Schnee- oder Eiskrystalle treten in selteneren Fllen auf; meist hngen unvollkommen entwickelte oder zertrmmerte Eisndelchen oder -bltt- chen in dichten Haufen aneinander und bilden so die Schneeflocken, welche wegen der lockeren Anhufung der Bestandteile und der zahlreichen, zwischen ihnen eingeschlossenen lufthaltigen Zwischenrume die bekannte undurchsichtige, weisse Beschafl'enheit erhalten. Die Schneeflocken entstehen wahrscheinlich immer in Wolken, welche entsprechend ihrer dichten Beschafl'enheit in dem niedrigen Gebiete des Haufengewlks dem Cumulus- gebiete schweben; die anfangs vorhandenen kleineren Eiskrystalle werden durch fortwhrende Verdichtung von Wasserdmpfen grsser, fgen sich aneinander und wachsen dann noch beim Herabfallen durch die untersten Luftschichten. Die Schneeflocken tieten meist bei reich- licherem Schneefall auf. Ihnen knnen die Graupelkrner zur Seite gestellt werden, da auch diese aus zusammen- gehuften Eisndelchen bestehen, die aber ziemlich fest zusammengeballt sind. Sie eischeinen hauptschlich in der strmisch bewegten Uebergangszeit vom Winter in den Fihhng oder auch vom Herbst zum Winter. Wenn die Umstnde in der Atmosphre eine ruhige Krystallbildung vor sich gehen lassen, so werden feine, Karte Schneekiystalle von schnster Ausbildung gezeitigt. Aus ihnen besteht das hoch schwebende, wenig massige Feder- oder Cirrusgewlk. Bei sprlichem Schneefall und mehr oder minder trockener Klte gelangen sie an Stelle der Schneeflocken zur Erdoberflche herab. Einige trocken kalte, zugleich stark windige und fast heitere Tage im vei-flossenen Febiuar (der 22. und 24.) brachten den Niederfall von Schneekiystallen mit sich, welche nach dem, was ich beobachtete, die in Fig. 1 bis 6 ab- gebildeten Formen aufwiesen. Dieselben gehren dem drei- und einachsigen oder hexagonalen Kiystallsystem an, einesteils bestehen sie aus feinen Nadeln, die wahrscheinlich sechsseitige Sulen sind und zu sternartigen Figuren zusammentreten (Fig. 1 bis 3); andernteils sind sie sechseckige Tfelchen oder Blttchen, denen oft Verstrkungsrippen aufgesetzt sind, und die in verschiedenen Verbindungen beobachtet werden knnen (Fig. 4, 5 und 6). Wann die einen, wann die anderen Formen in der Atmosphre entstehen, lsst sich bisher mit vlliger Sicher- heit nicht sagen. Erwhnt sei, dass die grossen Mond- und Sonnenringe auf das Vorhandensein der Eisnadeln, die irisierenden Wolken auf dasjenige der Eistfelchen in der Atmosphre hinweisen. Die Eisnadeln beobachtet man ferner bei Schneefllen, die nicht bei allzu niedrigen Temperaturen auftreten, whrend bei strengei'er Klte die Eisblttchen hufiger werden. In seltenen Fllen werden neben den genannten Formen auch krperliche Gebilde, sechsseitige Pyi-amiden und dergleichen gesehen. Kleinere Mitteilungen. Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen. Allver- breitet in stehenden und fliessenden Gewssern, namentlich in solchen, in welchen organische Stoffe faulen, wie Fabrikabwsser, aber auch im Meere wie z. B. in dem sogenannten toten Grunde der Kieler Bucht, und ganz besonders in schwefelwasserstoffhaltigen Quellen finden sich grosse Spaltpilze, die Beggiatoen und ihre Verwandten, ausgezeichnet durch meist reichliche Einlagerung von stark licht- brechenden , dunkelcontourierten Krnchen, die durch Gramer' s Untersuchungen von 1870 als Schwefelkrnehen erkannt wurden Diese reichliche Schwefeleinlagerung in Verbindung mit dem Umstnde, dass die Beggiatoen in schwefelwasserstofireichem Wasser am besten gedeihen und selbst dann noch am Leben bleiben sollten, wenn Schwefelwasserstoff bis zur Sttigung in dem betreffenden Wasser gelst ist Verhltnisse, die fr alle anderen Organismen unbedingt tdlich sind fhrte Cohn 1875 dazu, einen causalen Zusammenhang zwischen der Lebensthtigkeit der Beggiatoen und dem Schwefelwasserstoffgehalt des betreffenden Wassers anzunehmen. und bis in die neueste Zeit sah man allgemein die Beggiatoi'U als Organismen an, welche Sulfate unter Bildung von Schwefel und Schwefelwasserstoff zu reducieren vermchten, wobei .sie den Schwefel in ihren Zellen aufspeicherten. Dabei blieb es zweifelhaft, ob Schwefel in den Beggiatoazellen direkt aus Schwefelsure abge- schieden wrde oder durch Oxydation von Schwefelwasserstoff ent- stnde. Letzterer Annahme standen indess schwern-iegende Bedenken chemischer Natur gegenber, da nicht wohl in einer und derselben Zelle neben energischer Sulfatreduktion, wie sie die Entstehung des Schwefelwasserstoffs voraussetzt, eine Schwefelwasserstoff Oxy- dation stattfinden kann. Hoppe-Seyler (1886) fand dann bei seinen Untersuchungen ber Celluloseghrung, dass dieser Prozess im Sommer in jedem wasserdurchtrnkten Boden stattfindet und als Produkte dieser Ghrung Kohlensure und Methan zu gleichen Teilen gebildet werden, dass dagegen bei Gegenwart von leicht re- ducierbaren Krpern wie Bisenoxyd, Manganoxyd und Sulfaten ein Teil des Methans im Status nascens Sulfate unter Schwefel- Nr. 4. Natiiiwissenschaftliche Wochenschi-ift. 29 wassprstoffiiusscheidung: reduciert. Dns gleiche gfilt auch fiir andere bei Luftausschluss voreichg-ehende Ghruiigeii, bei denen Methan und Wasserstoff gebildet werden. Demgemss ist diese Reduktion der Sulfate fr sich allein nicht denkbar und stets ein sekundrer Prozess", kann also darum auch nicht ein von 15eggiatoen hervorgerufener Vorgang sein, wie er berhaupt nicht an irgend eine bestimmte Species geknpft sein kann. Durch diese Resultate wurde natrlich die Schwefelfrage der Beggiatoen aufs neue verdunkelt, indess nur af kurze Zeit, denn die ganz vorzgliche Experimentaluntersuchung von Winogradsk.v (Botanische Zeitung 1887. Nr. 3137) brachte auf einmal neues und unerwartetes Licht in die Sache. Diese Arbeit ist es, auf die sich vorliegende Mitteilung als Quelle sttzt. Winogradsky fand unabhngig von Hoppe-Seyler und auf anderem Wege, dass die Beggiatoen, und die anderen, Schwefel- krnchen in ihren Zellen enthaltenden Bakterien, die er unter dem Namen Schwefelbakterien zusammenfasst, keinen Anteil an der Sul- fatreduktion und Schwefelwasserstoffentwickelung nehmen, vielmehr den Schwefel nur infolge von Oxydation des aufgenommenen Schwe- felwa.sserstoffs im Plasma der Beggiatoen eingelagert wird in Form von kleinen Kgelchen, welche aus amorphem, weichem Schwefel bestehen und innerhalb der lebenden Zellen w\e in den krystallini- schen Zustand bergehen. Er kam ferner zu dem berraschenden Resultate, dass freier Schwefelwasserstoff, fast fr alle andere Orga- nismen ein heftiges Gift, nicht nur gnstig auf die Beggiatoenent- wickelung einwirkt, sondern vielmehr fr das Leben derselben ganz unentbehrlich ist, indess nur dann, wenn der Schwefelwasserstoff- gehalt des Wassers noch ziemlich weit von Sttigung entfernt ist. Dieser Konzeutrationsgrad ttet auch die Beggiatoen. Bei Schwefel- (resp. Schwefelwasserstoff-) Entziehung werden Lebensprozesse und Bewegung sistiert und es tritt frher oder spter der Tod ein. Dem- gemss kann auch der Sohwefelgehalt kein morphologisches Merkmal sein, wie frhere Beobachter glaubten und ebenso wenig kann davon die Rede sein, dass die Beggiatoen, wie Hoppe-.Seyler noch an- nahm, den Schwefelwasserstoff' unter .sonst fiir sie gnstigen Be- dingungen ertragen", indem sie Schwefel aufspeichern. Die Beggiatoen begngen sich aber nicht damit, den Schwefelwasserstoff' zu Schwefel zu oxj'dieren. sondern dieser ( ).\ydationsprozess wird noch weiter gefiilirt der in den Zellen ausgeschiedene Schwefel wird noch weiter in denselben oxydiert bis zur hchsten Oxydation.sstufe, der Schwefel- sure und zwar weit (ungefhr 20 mal) energischer als die Oxydation von .Sehwefelpnlver im Wasser vor sich geht, so dass man sie hier- mit nicht vergleichen kann. Die so gebildete Schwefelsure wird von den Zellen wieder ausgeschieden und verwandelt die kohlen- sauren Basen des Wa.ssiTs in schwefelsaure, hauptschlich kohlen- sauri-n Kalk in schwcfi-lsaurpu Kalk, ein Vorgang, der sich hchst wahr>rhiMnlich schon innerhalb der ISeggiatoenzelle abspielt, denn mit dem Verbrauch der im Wasser gelsten Karbonate steht auch die ]Jeggiatoeneiitwickelung still und niemals lssi; sich dann freie Schwefelsure im Wasser nachweisen. Darum ist auch das Leben der Beggiatoen an die Gegenwart von Karbonaten geknpft. Ein starker Schwefelverbrauch findet auch bei langsamem Wachstum und sellist dann noch statt, wenn das Wachstum ganz stille steht. Die eingelagerten Schwefelmengen sind im Verhltnis zur Masse des Fadens und namentlich im Verhltnis zur Masse des Plasmas sehr gross und zwar um so grsser, je gerundeter und beweglicher der Faden ist; sie knnen sicher bis zu 80 mitunter vielleicht bis zu 9.5*'/o des Gesamtgewichtes betragen. Mit diesen Eigentmlichkeiten stehen die Sohwefelbakterien ganz vereinzelt da. Zur Synthese der Eiweissstoffe knnen diese Schwefelmassen nicht verbraucht werden, dazu sind sie viel zu gross und ausserdem werden sie fortwhrend aufgelst, die Beggiatoen verbrauchen tglich das 2 bis 4 und mehrfache ihres Gewichtes an Schwefel. Winogradsky's Versuche die Beggiatoen mit organischen Substanzen zu ernhren, gestatteten auch hierfr die Erklrung zu finden. Die Beggiatoi^n brauchen nmlich au.sserordentlich wenig organische Substanz zur Erhaltung ihres Lebens, so wenig, wie es bis jetzt fr keinen chlorophj-llfreien Organismus bekannt ist, und knnen dabei als Kohlenstoffquelle noch solche Substanzen benutzen, wie Ameisen- und Propionsure, welche das Leben anderer Organis- men nicht zu erhalten vermgen. Sie knnen leben und sich sehr ppig vermehren in einer Flssigkeit, die kaum nac^hweisbare Spuren von organischer Substanz enthlt, wie viele natrliche Schwefel- quellen. Dagegen sind die gewhnlichen Bakterienkulturflssigkeiten, berhaupt alle sogenannten guten" Nhrstoffe wie Kohlehydrate, in erster Linie Zucker, also Stoffe bei deren Zerfall resp. Verbrennung viel Wrme frei wird die Haupt-Kraft-Quelle fr die brigen Organismen fr die Beggiatoen geradezu schdlich. Sie be- gnstigen eine rapide Vermehrung anderer Bakterien, deren Kon- kurrenz sie rasch erliegen. Die Erklrung fr diese in ihrer Art einzig dastehenden Ver- hltnis.se findet Winogradsky wohl mit Recht die der oben er- whnten Schwefeloxydation, Sie bildet hier die Kraftquelle, sie ersetzt hier die normale mit Kohlensureausscheidung verbundene Athmung, iibwohl ein chemisch ganz verschiedener Prozess, physiolo- gi.sch doch vollkommen. Eine solch normale Atmung findet bei den Schwefelbakterien hchst wahrscheinlich berhaupt nicht statt und wenn, dann jedenfalls in ganz untergeordnetem Ma.sse, Die Sohwefel- bakterien passen eben nicht in das gewhnliche ernhrungsphysiolo- gische Schema und stellen eine eigenartige Anpassungserscheinung dar, die es diesen Pflanzen ermglicht an Orten und unter Bedingungen zu leben, wo alles sonstige Pflanzenleben und damit auch jede Kon- kurrenz ausgeschlossen ist. Dies siiul aber nur die hauptschlichsten Resultate, Bezglich der zahlreichen interessanten Details und der sinnreich ausgedachten und kritisch durchgefhrten Experimente, die zu obigen Resultaten fhrten, muss auf das Original verwiesen werden. Dr. L. Klein, Privatdocent in Freiburg i, B, Einige Notizen ber die Boppelnatur der Flechten. Auf Seite 78, Bd, I dieser Zeitschrift hat Herr Dr. Kienitz- Gerloff die Leser ber den gegenwrtigen Stand der Flechtenfrage unterrichtet und ber die wichtigen Arbeiten, welche neuerdings im Laboratorium Brefeld's ausgefhrt worden sind, berichtet. Es ist hiernach festgestellt, dass durch geeignete Kulturen nicht allein der eine Bestandteil der Flechte, die Alge, sundern auch der Pilz fr sich zu .selbstndiger Entwickelung gebracht werden kann. Whrend jedoch die in den Flechtenarten aufgefundenen Gonidienbildner schon seit langer Zeit als selbstndige freilebende Algen bekannt sind, hat man in freier Natur die Flechten-Pilze nur zusammenlebend mit ihnen gefunden. Eine Arbeit der letzten Jahre, an die mich die neueren Kulturen des Pilzelementes der Flechte erinnern, behauptet jedoch auch das isolierte Vorkommen eines Flechtenpilzes. Die Roesleria hypogaea Thm et Pass., eine Discoraycetenform, die bald als Ursache, bald als Begleiterin der Wurzel faule des Weinstockes auftritt, ist nach den eingehenden Untersuchungen, welche der belgisc'ie Botaniker E. L;Hurent angestellt hat, nichts als ein unterirdischer go nidienloserZust an d des Flechten- konsortiums Coniocybe pallida Pers. Auch der berhmte englische Mykologe Cooke, zieht den Pilz in die Entwicke- lung der Flechte Coniocybe pallida Pers. (vgl, Laurent, E., Di- couverte en Belgique du Coniocybe pallida (Pers,) Fr. (Roesleria hypogaea Thm. et Pass.) (Compt. rend. d. seances de la s, bot. Belg. T. XXHLII 1884 S. 1727 u X. G i 1 1 o t , Notes mycologiques, Revue myc. VI p. 65 68). Die bekannten einheimischen Flechten gehren ihren Pilzele- menten nach ausschliftsslich zu den Schlauchpilzen (Ascomyceten), whrend die grosse Gruppe der Basidioniyceten, die z. B in der Gattung Telephora die Pilze der von Mattirolo und Johow ent- deckten westindischen Hymenolichenen bilden, bei uns Flechten nicht zu bilden scheint. Dass sich indessen auch hier wenigstens Ueber- gnge irgend welcher Art finden mssten, vermutete ich fters, wenn ich an feuchten Stellen des Waldes und nach anhaltend feuchtem Wetter Exemplare von Trametes, Daedalea, Telephora, Polyporus (z. B. versicolor) von grnen Algen ppig durchwuchert fand. G. V. Lagerheim hat nun thatschlich in hnlichen Fllen eine Beeinflussung der Algen seitens der Pilze Trametes Pini, Daedalea quercina, Polyporus lucidus beobachtet, die der in bekannten Flech- ten der Ascomyceten ganz gleich ist. Die Alge Stichococcus bacillaris Ng. nimmt nmlich auf und in jenen Pilzen eine Form an, wie sie von Neubner im Flechtenthallus der Oalicien bei derselben Alge beobachtet worden ist. Von Lagerheim hat diese Form, die er in Deutschland und Schweden antraf und welche De Toni und Levi neuerdings in Italien fanden (Intorno ad una Palmellacea nuova per la flora veneta. Notarisia 1887 p. 281) als Stichococcus bacillaris Ng. b. fungicola Lagerh. bezeichnet (vgl. Algologiska och mykolo- giska anterkningar fran en botanisk resa i Lule Lappmark, Ofvers. af k. vet, Akad. Frhandl. 1884 p. 106. Flora 1888 Nr. 4). Prof. F. Ludwig. Das Saccharin. Seit einiger Zeit wird von der Firma Fahlberg, List & Comp*, in Salbke a. Elbe ein chemisches Pr- parat unter dem Namen Saccharin*) in den Handel gebracht, welches durch seinen ausserordentlich sssen Geschmack und seine ander- weitigen physiologischen Wirkungen ausgezeichnet, die Aufmerksam- keit weiterer Krei.se auf sich gelenkt hat. Dasselbe, ein Benzol- derivat, wird unverndert vom Organismus wieder ausgeschieden und ist deswegen geeignet als Versssungsmittel fr die Nahrung der Diabetiker zu dienen. Auch wird es als Verss.sungsmittel fr Arzneien angewendet. Ferner zeichnet es sich durch seine anti- septischen Eigenschaften aus. *) Dieser Name ist insofern unglcklich gewhlt, als bereits ein anderer organischer Krper diesen Namen fhrt. Es ist dies das Anhydrid der Saccharinsure C^ Hio O.5, Dasselbe ist isomer mit Strke. 30 Natui-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Ueber die Darstellung'sweise dieses iiiteressaiiteii Krpers ist bisher folgendes bekannt geworden ; Tohiol wird bei einer Temperatur unter 100". unter starkem Rhren mittelst gewhnlicher konzentrierter Schwefelsure sulfuriert. Wird das entstandene Gemisch von Ortho- und Paratoluolsulfosure mit Oxydationsmitteln behandelt, so erhlt man ungefhr gleiche Teile von Ortho- und Parasulfobeiizoesure. Die getrockneten Alkali- salze dieser Suren gehen beim Behandeln mit Chlor liei Gegenwart von Phosphortrichlorid in die Dichloride C(, Hi (SO., Gl) (C O Ol) ber. Setzt man zu diesen, nachdem das entstandene Phosphoro.xi- chlorid abdestilliert ist. Ammoniumcarbonaf, so wird das Dichlorid der Parasure in das unlsliche Diamid bergefhrt, whrend das Orthosulfobenzoesuredichlorid in das wasserlsliche Ammouiumsalz der Ortho.sulfaminbenzoesure bergeht. Laugt man nach beendeter Reaktion mit Wasser aus und setzt Salzsure zu dieser Lsung. so erhlt man das Saccharin. Dasselbe hat die Zusammensetzung C'e H4 CO SOo NH, ist also das Anhydrodrivat der Orthosul- faminbenzoi^sure. Von einigen Seiten ist die Ansicht ausgesprochen wurden, dass dieser Krper der Zuckerindustrie gefUbrIich werden konnte. Dies muss jedoch bezw^eifelt werden. Denn, abgesehen davon, dass noch keine Erfahrungen darber vorliegen, ob nicht ein Antiseptikum wie das Saccharin bei fortgesetztem Gebrauch dem Krper schadet, so ist im Auge zu behalten, dass das .Saccharin stets nur als Genussmittel dienen wird, whrend dem Zucker doch als Nahrungsmittel ein betrchtlicher Wert zukommt. Dr. K. Baerwald. Neues aus der Elektrieittslehre. 1) Eine neue porm der astatischen Xadel. Um sehr schwache elektrische Strme nachzuweisen und zu messen, fhrt man bekanntlich den Strom in vielfachen Windungen \im eine Magnetnadel, wodurch die Wirkung desselben auf die letztere sehr verstrkt wird. An .Stelle der einfachen Magnetnadel verwendet man die von Nobili ange- gebene, viel emptindlicbere astatiscbe" Nadel, welche aus zwei fest verbundenen, gleich grossen, gleich schweren und mglichst gleich stark magnetisierten Nadeln besteht, welche in derselben Ebene einander parallel sind, und deren Pole entgegengesetzt gerichtet sind, wie (}ie schematisehe Figur erkennen lsst. J S_ Eine neue Eorm der astatischen Nadel j giebt nun Herr- Oberlehrer A. H e m p e 1 1 in der wissenschaftlichen Beilage zum -^ ^ Programm der Priedrichs-Werderscben '- Ober-Realschule zu Berlin: ber elektrische Induktion" an. Die- selbe besteht aus einem Paar hufeisenfrmiger, magnetischer Stahl- nadeln, die in ihren indifferenten Teilen fest miteinander in der Weise verbunden werden, wie es die Figur darstellt. Ein solches Nadelpaar von Hufeisenmagneten lsst sich natrlich auch als eine obere und eine untere Nadel auti'assen, so dass dasselbe wie- der eine astatische Nadel darstellt. Es gelang A. Hempel durch geeig- netes Abschleifen der Schenkel u. s. w. ein nahezu vUi} N S N symmetri- sches Nadelpaar herzustellen, das nur sehr langsame Schwingungen machte. Die so konstruierte Nadel zeigt, wenn sie in das Galvano- meter eingehngt wird, eine sehr grosse Empfindlichkeit und giebt sogar bei dem Strom einer Holtz'schen Maschine einen Ausschlag. Als Hauptvorteile dieser neuen Form der astatischen Nadel bezeich- net A. Hempel a. a. O.: 1) dass die Nadel auf die Dauer nahezu gleich stark astatisch bleibt; 2) dass dem Nadelpaar leicht ein vor- geschriebener Grad von Astasie erteilt werden kann derart, dass das Paar an einem Coconfaden von gegebener Lnge aufgehngt in der Zeiteinheit eine vorgeschriebene Zahl von Schwingungen macht. 2) Ueber das Leitungsvermgen beleuchteter Luft hat Arrhenius im neuesten Heft von Wiedemann's Annalen d. Phys. u. Chemie interessante Mitteilungen gemacht. In einem Glas- rohre, welches mit Luft gefllt war .und zur Regulierung des Druckes mit einer Luftpumpe in Verbindung stand, waren zwei Platindrhte eingelohtet. Dieselben waren durch eine Leitung verbunden, in der ein empfindliches Galvanometer eingeschaltet war. Die in dem Glas- rohre befindliche Luft konnte nach Belieben durch elektrische Funken von au.ssen beleuchtet werden, welche von einer Holtz'schen Maschine erzeugt wurden. Die Versuche von Arrhenius zeigen nun. dass der Druck sowohl als auch die Beleuchtung auf die elektrolytische Leitung der eingeschlossenen Luft von starkem Einfluss ist. Es ergiebt sich nmlich, dass bei Drucken von etwa 1 20 mm die Luft bei Bestrahlung mittels geeigneten Lichtes sich wie ein Elektrolyt verhlt. Dies wurde noch in einer etwas vernderten Versuchsan- ordnung besttigt, indem hier ein Draht aus Platin und einer aus Zink verwendet wurden. Es wurde in allen Fllen beobachtet, dass in der durch Beleuchtung leitend geraachten Luft ein Strom vom Zink zum Platin ging, ganz in derselben Weise als ob statt der Luft Wasser zur Vereinigung von Zink und Platin verwendet worden wre. Wie Ar rhenius selbst hervorhebt, ist es ihm nicht gelungen, diese Erscheinung bei hheren Drucken zu beobachten, doch unterliegt es seiner Ansicht nach keinem Zweifel, dass eine solche Wirkung der Beleuchtung auf die Leitnngsfhigkeit der Luft auch dann stattfindet. Es sprechen allerdings die interessanten Versuche von Hertz fr eine solche An.sicht: denn aus denselben geht mit Sicherheit hervor, dass in Luft von gewhnlichem Druck die elektrischen Funken sich leichter ausbilden, wenn die Funkenstrecke beleuchtet wird, als wenn dies nicht der Fall ist. Es ist mit diesen Versuchen ein neues Feld schner Unter- suchungen erffnet worden, welche vielleicht geeignet sein werden, uns nhere Aufschlsse ber das Wesen der Elektricitt zu geben, wie sich auch erwarten lsst. dass die Lehre von der Elektricitt der Atmosjjhre und die Meteorologie ihnen Fortschritte verdanken werden. 3) Seismograph mit elektrischem Registrierapparat, Dr. Carl Prhlicli giebt in Exner's Repertorium der Physik, Bd. 24 Heft IL die Beschreibung eines neuen, von ihm selbst er- fundenen Seismographen. Das Wesentliche desselben besteht in folgendem. An einer Spirale hngt frei ein Gewicht aus Metall, welches mit einer Spitze in ein Quecksilbergefiss taucht und da- durch mit einem Elemente verbunden ist. Dem Gewichte stehen, den vier Himmelsrichtungen entsprechend, vier Kuntaktfedern gegen- ber. Bei der geringsten Erschtterung des Bodens wird das Ge- wicht eine oder zwei der Kontaktfedern berhren, dadurch wird aber eine elektrische Leitung geschlossen, denn jede der Federn steht in Verbindung mit je einem Elektromagneten , welche Auslsevor- richtungen besitzen, hnlich den in Hotels und Wohnungen blichen elektrischen Einrichtungen. Ebenso wird eine Hebung oder Senkung des Gewichtes .angegeben. Der Apparat steht ferner mit einer Regulatoruhr in Verbindung, welche bei einer eintretenden Er- schtterung sofort zum Stillstehen gebracht wird. Dadurch wird die Zeit des ersten Anstosses und durch die an einem Elektm- magneten herabfallende Signalscheibe die Richtung desselben ange- geben. Damit wird zugleich ein Lutewerk geschlossen, das so lange ertnt, bis die Hemmungsvurriclitung der Uhr -wieder zurckgestellt ist. Die nhere Einrichtung des Apparates knnen wir hier nicht ausfhrlich angeben. Wir wollen nur bemerken, dass der Apparat 1) die Himmelsrichtung der horizontalen Erdbewegung (und zwar die Richtung, in welcher eine Senkung stattfindet), 2) die vertikale Richtung (aber nur falls der Apparat sich zufllig gerade ber der Zentralstelle der Bewegung befindet) und 3) die Zeit des ersten Stosses angiebt. Sind mehrere solcher Apparate an verschiedenen Stellen aufgestellt, so lsst sich aus ihren Angaben der Ort einer Senkung oder Hebung bestimmen. Da der Apparat die kleinsten, sonst gar nicht bemerkten Erschtterungen der Erdoberflche an- giebt, so empfiehlt Dr. Frhlich denselben in vereinfachter Form als Warnungssignal fr vulkanische Gegenden, wobei dann auf die Richtungsbestimmungen kein Gewicht gelegt zu werden braucht. A. Gutzmer. Die Hrte von Metallen. Wenn man nach der lteren Methode, welche Calvert und Johnson (1859) und Bettone (1873) zur Bestimmung der Hrte fester Krper angewendet haben, eine belastete Stahlspitze bis zu einer bestimmten Tiefe in den KOrper eindringen lsst, so ergiebt das zur Verwendung gelangte Belastungs- gewicht kein reines Mass der Hrte; sondern eines Widerstandes, der sich aus der Hrte und der Zhigkeit zusammensetzt; denn zum Eindringen der Stahlspitze gehrt nicht nur ein Vorsieh herschieben, sondern auch ein Seitwrtsdrngen der kleinsten Teilchen des festen Krpers Th. Turner (Beibl. z. d. Annal. d. Phys. u. Ch. 1887. Bd. XI. S. 752.) hat sich daher eines anderen, schon von See- beck, Franz und Pfaff vorgeschlagenen Verfahrens bedient, um die Hrte unabhngig von der Zhigkeit zu bestimmen. Ueber die polierte Flche des zu untersuchenden Metalls wird eine belastete Diamantspitze gefhrt, welche einen Strich einritzt; alsdann wird die Belastung so weit vermindert, bis kein Einritzen mehr zu be- obachten ist. Die letzte Belastung, welche noch einen Strich hervor- brachte, gilt als Mass der Hrte. Aus den nach diesem Verfahren vorgenommenenUntersuchungen ergab sich die interessante Beziehung, dass bei den Metallen im amorphen Zustande die Hrte proportional dem Quotienten s/a ist, worin s das specifische Gewicht, a das Atom- gewicht bedeutet. Derselben Grsse zeigte sich auch die Zhigkeit proportional, fr welche die absolute Festigkeit als Mass genommen wurde. Bei krystallinischen Materialien findet keine Proportionalitt zwischen Hrte und Zhigkeit statt. Was lehrt dies Ergebnis? Die Grsse s/a ist, wenn wir s und a auf dieselbe Einheit beziehen, nichts anderes als die relative Anzahl der in der Volumeinheit enthalte- nen chemischen Atome des untersuchten Metalls. Je grsser die.se An- zahl ist, je dichter also die chemischen Atome in einem Metall bei- einander ' liegen, desto grsser ist sofern der amorphe Zustand vsrhanden ist die Hrte und auch die Zhigkeit des Metalls. Dr. K. F. Jordan. Nr. 4. Naturwissenschaftliche "Wochenschrift. 31 Mannesmann'sches Rhrenwalzverfahren. Kin neues Heiirlieituiipsvei't'iihreM fr delnibare Metalle. (Las sof^-eiiuinite Maniies- maiin'srlie Klireinvalzverfahreii veiilieiit wes! seiner fast ans Wuiiderliare grenzenden Leistungen auch ber den engeren Kreis der Teelmiker liinaus bekannt zu werden. Mittelst desselben ist man niinilich im Stande volle Metallstiibe dbne ein ins rnnere der- selben dringendes Werkzeug, nur iluroh Kimvirkung auf die ussere berrtitelie in Rliren von beliebigen usseren und inneren Durch- messer zu verwandeln. niese dem Uneingeweihten ganz unmglich erscheinende Wir- kung wird dadureb hervorgebracht, dass der Oberflache des Metall- stahes. der sich in dehnbarem oder teigartigem (z. B. als Eisenstab in glhendem") Zustande befinden muss, mittelst zweier sich unter spitzem Winkel kreuzender, in Umdrehung versetzter Walzen von Kegelstunipf-Oestalt eine schrauhentormig fortschreitende Bewegung erteilt wird, deren Geschwindigkeit in der Richtung der Fort- Schreitung zunimmt. Hierbei muss notwendiger Weise eine Dehnung oder Streckung der OberfSche in derselben Richtung erfolgen und das darunter liegende Metall vermiige seiner Kohsion an dieser Dehnung teilnehmen. Wenn Jedoch ein Krper in einer Richtung ausgedehnt wird, so ist damit stets eine Zusammenziehung in der Querrichtung verbunden, wie man an jedem angespannten Gummi- band oder -Schlauch beobachten kann. Diese Zusammenziehung er- folgt nun bei unserem Metallstabe in der zu allen Windungen der schraiibenformigen Fortschreitungslinie senkrechten, d. i. in der ra- dialen Richtung derart, dass das Metall sich rings um die Stabachse nach aussen etwas zurckzieht. Da nun alle .Stellen der Stabober- flftche, nacheinander zwischen den Walzen hindurchgehend, gleich stark gedehnt werden, so wird auch berall im .Stabe eine gleiche radiale Zurckweichung des Materials von der Achse stattfinden oder mit anderen Worte im Innern ein cylindrisches Loch und aus dem Stab eine Rhre gebildet werden. Durch Vorstellung der Walzen lsst sich der ussere und innere Durchmesser des Rohres verndern, so dass man mit einem und demselben Walzenpaare Rohren von den ver.schiedensten Durch- messern, oder Rhren mit beliebig abwechselnden Verengungen und Erweiteningen oder auch mit eingeschalteten vollen Stcken her- stellen kann. Das ist in kurzen Worten das Princip des Walzverfahrens, welches, eine deutsche Erfindung, bestimmt zu sein scheint, eine vollstndige Umwlzung in der Metallindustrie, soweit sie auf der Walzarbeit beruht, hervorzurufen. G. Brelow, Ingenieur und Docent an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Astronomisches. I. Astronomische Neuigkeiten. Wiederum ist die Anzahl der kleinen Planeten zwischen Mars und .lupiter um ein Exemplar vermehrt worden. In der Nacht vom 3. zum 4. April entdeckte Palisa in Wien den 274. Stern dieser Gattung im Sternbilde der Jungfrau. Das Objekt ist aus.serordent- lich lichtschwaeh und nur 13. Grsse, seine Bewegung ist nach Nord- westen gerichtet. rer Komet 1888 (Sawerthal) ist Ende Mrz und Antkng April in Turin, Nizza, Rom, Strassburg und Kiel be- obachtet. Da seine Nordpoldistanz sich immer mehr verringert, so nimmt die Dauer seiner Sichtbarkeit fr die nrdlichen Gegenden zu, leider aber nimmt seine Helligkeit in gleichem Masse ab. Schon Ende Mrz war sein Kern nur noch so hell wie ein Stern fnfter Grsse. II. Astronomischer Kalender. Am 24. April Sonnen- aufgang 4 Uhr 42 Minuten, Untergang 7 Uhr 13 Minuten; Mond- aufgang nachmittags 4 Uhr 42 Minuten, Untergang morgens 4 Uhr 46 Minuten. Am 1. Mai Sonnenaufgang 4 Uhr 28 Minuten, Unter- gang 7 Uhr 25 Minuten; Mondaufgang nachts 1 Uhr 22 Minuten, Untergang abends 9 Uhr 56 Minuten. Am 25. April abends 7 Uhr 15,7 Minuten findet Vollmond statt. Um die brgerliche Zeit aus der wahren .Sonnenzeit zu erhalten, muss man von diesen abziehen am 24. April 2 Minuten 1,2 Sekunden, am 1. Mai 3 Minuten 4,9 Sekunden. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. Kommen auf Ulex europaeus L. Kfer vor, welche nur diese Pflanze beherbergt? Nur auf Ulex europaeus L. lebt Apion Ulicis Schh.; auf Ulex nanus L. Apion scutellare Kirby (=ulicicola Perr.), der nach Kalten- bach aufU. europaeus vorkommt. Wahrscheinlich ist auch das nur aus Frankreich bekannte Apion uliciperda Pand. ein alleiniger Be- wohner von Ulex. Man vergl. E. Perris. (Jbservations sur les insectes qui habitent les galles de l'Ulex nanus et du Papaver dubius (Ann. .Soc. Ent. France 1840 S. 8999 Taf. 6). und Goureau, Note pour servir l'histoire des insectes q\ vivent dans les gousses du genet epineux (Ulex europaeu.s) (Ann. Soc. Ent. France 1847 S. 245253 Taf. 3 Nr. U). H. .T. Kolbe. Litteratur. 1) W. C.Wittwer: Grundzge der Molekular -Physik und der mathematischen Chemie. Stuttgart, Verlag v(ni K. Wittwer. l'reis 5 , K 2) W. C.Wittwer: Die thermischen Verhltnisse der Gase mit besonderer Bercksichtigung der Kohlensure. 8". 56 Seiten. Verlag von K. Wittwer. Stuttgart. 1887. Preis 1 ./^ 80 .j. 1) Obwidil dieses Werk, welches uns soeben von der Verlags- handlung zugeht, bereits vor lilngerer Zeit (1885) erschienen ist, wollen wir doch nicht unterlassen, unsere Leser auf dasselbe auf- merksam zu machen. Verfasser sucht tiefer in die Erkenntnis der Konstitution der Materie einzudringen und studiert zu dem Zwecke ganz besonders den Aether" im Verhltnis zu den Massenteilchen". D.ahei wird manche der bisherigen Anschauungen ber den Aether, als, mit den Erfahrungsthatsachen im Widerspruch stehend, durch neue ersetzt. Besonders bemht sich Verfasser, den Aether in der Chemie einzubrgern, wo er bisher gar nicht bercksichtigt worden ist. WeTingleich Verfasser teilweise auf dem lteren Standpunkte der Physik steht und z. B. dem Gesetze der Wrmequivalenz keine allgemeine Bedeutung zuerkennt, bietet das Werk doch manche An- regung, und empfehlen wir dasselbe der Beachtung. Die Au.s- stattung in l'apier und Druck seitens des Verlages muss als vor- zglich bezeichnet werden. 2) Dieses Heft bildet gewisserniassen eine Fortsetzung der Molekulargesetze" (Leipzig 1871) und der vorstehend besprochenen mathematischen Chemie" desselben Verfassers. Es wird hier der Aether in die Wrmelehre eingefhrt und besonders bei den ther- mischen Verhltnissen der Gase bercksichtigt. Die Kohlensure studiert Verfasser eingehender, weil dieselbe das bestbekannte Gas ist. Verfasser steht nicht auf dem Standpunkte der kinetischen Gastheorie und nimmt deshalb nur Oscillationen" der Atome inner- halb enger Grenzen als Grundlage der Wrmeerscheinungen der Gase an. Der originelle Versuch eines tieferen Eindringens in das Verstndnis der noch so wenig aufgeklrten Molekularverhltni,s.se enthlt mancherlei Anregungen und ist der Beachtung sicher wert. A. Gutzmer. Anton, F., Specielle Strungen u. Ephemeriden fr die Planeten Cassandra u. Bertha. gr. 8". Preis 60 ^. G. Preytag in Leipzig. Beitrge zur Antliropologie u. Urgeschichte Bayerns. Organ der Mnchener Gesellschaft fr Anthropologie, Ethnologie und Urge- schichte. Red.: J. Ranke u. N. Rdinger. 8. Bd. 1. u. 2. Hft. gr. 8". (105 S. m. lUustr.) Preis pro kplt. 24 JC. Literarisch- artistische Anstalt (Theodor Riedel) in Mnchen. Ellenberger, "W., Grundriss der vergleichenden Histologie der Haussugetiere, gr. 8". (VL 270 S. m. Illustr.) Preis geb. IM. Paul Parey in Berlin. Grofe, G., Ueher die Pendelbe^vegtmg an der Erdoberflche. 4". Preis 1 JC 20 -j. E. J Karow in Dorpat. . Pinner, A., Bepetitorium der organischen Chemie. 8. Aufl. gr. 8". Preis 6 Jt 50 4. Robert Oppenheim in Berlin. Bath, G. vom, Durch Italien und Griechenland nach dem heiligen Land. Beisebriefe. 2. Ausg. 2 Bde. 8". Preis 6^. geb. SJt: C. Winter in Heidelberg. Reich, E., Das Heilbestreben der Natur im Organismus der Ge- sellschaft, gr. 8". Preis 2 JC. Verlagsverein fr Wissenschaften, (Rothermel & Co.) in Karlsruhe. Sarasin, P., u. F. Sarasin, Ergebnisse naturioissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon in den Jahren 1884 1886. 1. Bd. 2. Hft. Fol. (Mit 4 Taf.) Preis in Mappe 14 JC. C. W. Kreidel's Verlag in Wiesbaden. Sitzungsanzeiger der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Jahrg. 1888. Nr. 1. (gr. 80.) pro kplt. Preis 3 JC. G. Freytag in Leipzig. Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturivissenschaft- lichen Gesellschaft Isis in Dresden. Jahrg 1887. Juli Decbr. gr. 8". Mit 1 Taf. Preis 3 JC. Warnatz & Lehmann in Dresden. Steinbruch, Der Darwinismus und seine Folgerungen. Ein Vor- trag, gr. 8". Preis 30 ..f. Ludwig Wiegand in Hilchenbach. Tollens, B., kurzes Handbuch der Kohlenhydrate. 8". (M. Illustr.) Preis geb. 9 JC. Eduard Trewendt in Breslau. Zaengerle, M., Gnmdriss der Mineralogie. Anh. zum Grundriss der anorgan. Chemie. 3. Aufl. gr. 8". Preis 1 JC. 20 ..f. Gustav Taubald in Mnchen. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franlto. Zur Besorgung litter arischen Bedarfes halten urir uns bestens empfohlen. eilin S\V. 48. Die Kxiteflitioii der KatnrM issensohaftlifhen VVocliensclirift". 32 Naturwissenschaftliche Wochenscliiift,. Nr. i. X^^m^^^%& namentlich Anzeigen aller optischen, chemisclien, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemiivalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Veibieitung-. Im Bruhn's Verlag (Inhaber: Eugen Appellians) in Hraiin- sfhweig ist soeben ersoliieiien : NaturpscMclite fr k mkk Yolksscliiile, Naturkrper der Heimat innerhalb natrlicher (iruppen vorgefhrt und von einheitlichem Tesichtspunkte aus be- trachtet. Xebst Anleitung: zu zahlreichen Beobaehtungen. Ein Handbuch fr Lehrer. In ;; Kursen zu je 40 Lektionen bearbeitet von I>r. FraiiK Kiesf^ling: u. l^s:niont Pfalz. Mit zahlreichen Holzschnitt-Abbilctungen. Preis 2 J{ . geb. 2.50 .//. Das Buch ist In demselben Geiste gearbeitet wie das riihmlichst bekannte grssere Handbuch derselben Verfasser, des ersten, welches den gesamten naturgeschicbtlicben Unterrichtsstoff innerhalb naturlicher Gruppen (Lebensgemeinschaften) auf Jahreskurse verteilt brachte. Wie das grossere Handbuch sucht auch das oben angezeigte das Verstnd- nis der Gesetzmassigkeit in der Natur, zu deren Beobachtung es an- leitet, sowie eine sinnige Naturbetrachtung zu fordern. HHmH Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie ^gm auch direkt gegen Franko-Einsendung des Be- trages von der Verlagshandlung. , Brockhaus' ConversationS' Lexikon. Mit Abbildungen Tund Karten. > , 76 Bnde und 1 Supplementband. Kein Nachahmer Imt notariell I hestiit. lobende Anerkennungen wie zu Tausenden nur B. Becker in Seesen a. Harz l)er k. HoU. Taback. 10 Pfd. frk. 8 Mk. [35] Der Wetterprophet, j Eine Anleitung, das Wetter ! 24 Stunden vorausznbestimmen und wie sich jedermann ein Wetterglas fr noch nicht 50 Pfennige herstellen kann, von l>r. W. I$$chalz. i Elegant brosch. Preis 50 ..j. 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'V, Ansichtssendungen stellen .jederzeit zu Diensten 5 Behufs anhaltender Verbindung vrolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (i Briefraaiken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von ,/? 2,10 (m Briefmarken-) Einzelne Nnniniern kosten 25 .'. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. S N \ S N N N VV>N,I Der heutigen Nummer der .Naturwissensch.aftlichen Wochen- schi'ift" liegt ein vierseitiger Pro- .'^pekt der Verlagsbuchhandlung von Ferdinand Hirt i. Breslau b. Natur- geschichtliche Lehrbcher" bei. \ s s s \ v;.K;','n Uebergang von der Natur zur Kunst vei'mittelt, und die Natur, besonders abei- auch die menschliche Hand, den goldenen Schnitt zeigt, so muss ihn auch die Kunst zeigen". In der Ai'chitektur ist es den Aposteln des goldenen Veililtnisses nicht schwer geworden, Bauwei'ke, namentlich all-rlnistiiclie Kirchen, auslindig zu machen, bei denen die Breite und die Lnge, letztere, wie es am besten passte, teils mit Vorhalle, teils ohne Vorhalle ge- messen, das gewnschte Verhltnis haben. Auch in Auf- rissen lassen sich natrlich Lngenpaaie finden, die dem Gesetze gehoi-chen. Um zu zeigen, wie in der Plastik und Malerei die passenden Beispiele mit den Haaren heibeigezogen werden, whlen wii' folgendes Beispiel. Auf dem Abendmal" von Leonardo da Vinci befinden sich rechts und links vom Heiland zwei Grappen von je drei Aposteln. Der Raum nun, welchen auf jeder Seite die Kpfe der di'ei nheren Apostel einnehmen, hat zu dem Rume, welchen die Kpfe der drei entfernteren Apostel einnehmen, das Verhltnis 3 : 5, also ein Ver- hltnis, das als Nherungswert des goldenen Schnittes aufgefasst werden kann. In der Musik will Pfeiffer den goldenen Schnitt schon durch die Schwingungszahlen der Tne eines gewhnlichen Akkordes besttigt finden. Diese Zahlen verhalten sich aber bei c, e, g, & wie 4:5:6:8. Besser passt daher nach des Referenten Ansicht der erweiterte Akkord c, g, e', e", dessen Schwingungszahlen sich wie 2:3:5:8 verhalten, also vier aufeinanderfolgende Zahlen der Lame' sehen Reilie geben. In der Poesie sieht Pfeiffer den goldenen Schnitt in dem Gesetze der ,.Vermittelung''. Die vermittelnde Rolle spielt z. B. in der antiken Tragdie der Chor, in Schiller's Brgschaft" der Freiind, der also nicht bloss mittlere Proportionale zwischen Moros und dem Tyrannen, sondern auch gleich der Differenz beidei' ist. Gegen die Unteisuchungen, die den goldenen Schnitt als morphologisches Naturgesetz hinstellen wollen, lassen sich manchei-lei Bedenken geltend machen. Die wesent- lichsten Bedenken sind wohl folgende. Erstens ist das Vorherrschen des goldenen Schnittes in Natur und Kunst so lange nicht bewiesen, als nicht durch Beobach- tungen und Messungen klargelegt ist, dass nicht auch jedes andere N'erhltnis, etwa 1 : 2, wenn man es nur ebenso eifrig sucht, ebenso hufig zu finden ist. Zweitens sind alle solche l'ntersuchungen so lange mehi- Spielereien als wissenschaftlich wertvoll, als sie nicht von dem Streben begleitet werden, den inneien Giund dieses Vorkommens mechanisch oder biologisch zu erklren, d.h. das vermeintliche Gesetz mit den feststehenden Natui'gesetzen in logischen Zusammenhang zu bringen, um dadurch dem Vorherrschen des goldenen Schnittes den Charakter des Zuflligen und Unbegi'eiflichen zu nehmen. Descendenzfrage und Unterweltsforschung. Vdii |)r. Rober Bekannthch gipfelt die moderne Naturanschauung, wie sie besonders durch Darwin und seine Schule zur Geltung gekommen ist,^ im Prinzipe der Descendenz, d. h. in der Auffassung, dass alle heute lebenden Tier- und Pfianzen- arten allmhUch im Laufe der unendlich langen geologi- schen Zeitrume aus anderen, meist niedriger organisierten t Seh neider. Formensich auf natrlichem Wege entwickelten; dass nahe verwandte Formen (Gattungen, Arten) auch stets in gene- tischem Zusammenhange stehen, d.h. von geraeinsamen Vor- fahren abstammen mssten. Die Vernderlichkeit der Ar- ten" ist die fundamentale Voraussetzung, die Entstehung der Arten" die nchste Konsequenz dieses Natursystemes. 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. .5. Es liegt nun nahe, dass die Aniinger und Verfech- ter dieser natrlichen Entwickelungslehre in ei'ster Linie darauf bedacht sein mssen, nicht nur auf dem Boden eines Theoremes stellen zu bleiben, sondern ein mglichst reiches Beweismaterial fr die Richtigkeit ihrer Anschau- ung im einzelnen beizubringen. Solches Beweismaterial erglebt sich aber der exakten Forschung in erster Linie da, wo es gelingt, Vermittel ungs- und Uebergangsformen zwischen mehreren sich verwandtschaftlich nahestehenden, i aber doch artlich unterschiedenen Organismen nachzu- weisen, sodass der Weg, welchen die Entwickelung, die Abnderung im einzelnen Falle genommen, gewisser- massen aufgedeckt und beleuchtet erseheint. Je mehr derartige Flle von genetisch verwandtschaftlicher Be- ziehung, also positiver Beweiskraft, bekannt werden, desto besser fr die Begrndung und Sicherung der Descendenz- lehre. Dieselbe kommt insofern lediglich auf eine Zeit- frage, auf ein Additionsexempel hinaus. Bis jetzt nun freilich ist es der Wissenschaft erst gelungen, eine relativ geringe Zahl solcher wh'klich be- weiskrftigen Bindeglieder zwischen bestimmten sich nahe- stehenden Tier- oder Pflanzenarten aufzufinden. Darwin selbst legt seinen eigenen Erwgungen und Entwickelungen in dem berhmten Werke : On the origin of species" als Ausgangspunkt die Thatsache zu Grunde, dass die mancherlei im Laufe der Kulturent- wickelung dem Menschen zu eigen gewordenen Haustiere und Kulturpflanzen, von ursprnglich wild lebenden, die als solche meist nicht mehr vorhanden, also ausgestorben, abstammen; dass deren gezhmte und gezchtete Nach- kommen ihrerseits wieder unter dem verschiedenartigen Einflsse der Menschen in eine oft grosse Zahl ver- schiedener sogenannten Rassen und Spielarten ausein- ander gegangen seien, und das alles in mindestens geologisch gesprochen kurzen, zuweilen nachweisbar sehr kurzen Zeitrumen. Was aber der Mensch, der hier gewissei-massen selbst neue Arten gemacht hat, innerhalb verhltnismssig beschrnkter Zeitdauer vermag, sollte dies nicht, fragt Danvin, durch die allmchtig und un- aufhaltsam wirkende Werde-Eneigie der Natur innerhalb der ungeheueren geologischen Zeitspannen weit gross- artiger zm\ege gebracht worden sein? Wir htten also hier eine Gruppe von Thatsachen, welche die Abstammung, die Abnderungs-Fhigkeit, ja -Notwendigkeit der Lebewesen unter vei-nderten usseren BedQgungen darthun. Indessen wird hiergegen von ge- wisser Seite mit einer Art Recht der Einwand erhoben, dass es sich hier gar nicht um spontane Abnderungen, um natrliche Entwickelungsprozesse einer Art in eine andere und neue handele, sondern um knstlich er- zwungene, auf dem Wege der sogenannten knstlichen Zuchtwahl zu Stande gebrachte, was sich mit dem Ver- laufe der Dinge im Frei- und Natiuleben gai' nicht ver- gleichen lasse. Ja, man hat sogar berhaupt alle Hausrassen schlechthin als krankhafte Missbildungen im Vergleiche zu ihren wildlebenden Vorfahren hinstellen wollen! Mag man nun diese Bedenken teilen oder nicht, von besonderem, durchgreifendem Werte werden jeden- falls im Frei- und Naturleben beobaclitete Uebergangs- und Vermittelungsstadien sein, und auch solche auf- zudecken ist der Forschung der letzten Decennien mehr- fach gelungen. So hat man, um einige Beisi)iele zu er- whnen, in der Krebsgattung Art emia (Blattfusskrebse) zwei Arten kennen gelernt, welche frher als vllig selbst- stndig und getrennt galten, von denen in Wahrheit aber die eine durch eine natrliche und allmhliche Reihe von Zwischenstadien in die andei'e bergehen kann, und zwar, was in diesem Falle besonders interessant, unter dem rein physischen Einflsse salzhaltigen Wassei's, in welches sie versetzt wird oder worden ist. Ferner entdeckte man bei einer sdamerikanischen Erd-Orchideen-Gruppe, dass drei usserst verschiedene Angehrige derselben, die sogar als gnzlich verschiedene Gattungen beschrieben worden waren, (Gatasetum, Monachanthus und Myanthus) ineinander bergehen knnen, oder wie laienliafte Berichte schon vorher erwhnt hatten, Neigung htten, sich in- einander zu verwandeln". Es ist begreiflich, dass, nachdem die ersten Anre- gungen dieser Art einmal gegeben waren, besonders die Vorwesenkunde es sich angelegen sein liess, bei ihrem Durchforschen der im Laufe geologischer Vergangenheit abgelagerten Erd- und Gesteinschichten nach fossilen Tier- und Pflanzenresten, die x\hnen und Urahnen unserer heute lebenden Geschlechter aufzusuchen und auch hier womglich die heute fehlenden, weil ottenbar ausgestor- benen Bindeglieder zwischen verwandten, aber nicht mehr direkt vermittelten Organismengruppen ausfindig zumachen. Da ist es besonders den unermdlichen Anstrengungen amerikanischer Forscher neuerer Zeit gelungen, in ihren weiten, bisher nur wenig aufgeschlossenen Gebieten die wichtigsten und wertvollsten Funde ans Tageslicht zu frdern. Da hat man in den unzhligen dort aufge- huften Knochenresten und Versteinerungen der palaeo- und mesozoischen Formationen die eberbleibsel von Ge- schpfen erkannt, welche die grossen, heute vllig zu- sammenhangslos erscheinenden Hauptste des Wh'bel- tierstammes in schnster Weise vermitteln und zu ihrem gemeinsamen Ursprnge wieder zusammenleiten: so direkte Uebergnge zwischen Vogel und Reptil, zwischen Am- phibium und Sugetiei' etc., wie solche heutzutage nicht mehr vorkommen. Nachdem man schon vorher in unserem Vateiiande den berlimten Archaeopteryx, ein direktes Mittelglied zwischen Vogel und Eidechse, aufgefunden hatte, unterlag es keinem Zweifel mehr, dass die Vor- wesenkunde ganz besonders dazu auserlesen war, in Zu- kunft eine der vornehmsten Sttzen der modernen Ent- wickelungslehre zu werden. Neuester Zeit scheint auch die Untersuchung der unterirdisch, also in Hhlen, Grotten, Brunnen und Schchten lebenden Wesen dazu berufen, eine gewisse Rolle in der Descendenzfrage zu spielen und Beitrge im obigen Sinne zu liefern. Nr. NTatuiwissenscliaftliche Wocliensclnift. 37 Schon Danvin widmet diesem Gcirenstande eine wenn auch nui' kurzgefasste Besitrechung-. Es musste fi- ihn uusseroidentlicli naiie liegen darauf hinzuweisen, dass jene lieutzutage im Dunkel der Untei-welt ein- heimischen Tiere, meist durch Kn)erbleichheit und ver- kmmerte Sehorgane gekennzeichnet und von den nchst- verwandten oberirdischen Arten somit scharf unterschieden, nicht gleich von Anfang an dort gelebt haben konnten, sondern ursi>rnglich von normalen, oberirdisch lebenden P'ormen abstammen raussten, welch letztere in alter Zeit durch verschiedene Ursachen in jene, zum Teil Schutz gewhrenden Tiefen der Erde liinabgefhrt worden waren. Die Bedeutung dieseV Erscheinung fr die Abstammungs- lehre liegt also klar zu Tage. Dass alle jene merkwrdig abgenderten Untenveltsbewohner in der That erst von obenher hinabgelangt sein werden, dafr spricht schon der Umstand, dass jene Grotten, Hhlen etc., in denen sie besonders vorkommen, vorwiegend Tropfsteingebilde sind und als solche erwiesenennassen einer nicht allzu- weit zurtickgelegenen geologischen Vergangenheit ihre Entstehung verdanken. Ferner hat man bei genauerer Untersuchung gefunden, dass viele jener bleichen und blinden Hhlenbewohner noch deutlich nachweisbare Reste eines Gesichtsorganes besitzen; so hat der berlimte Grottenmolcb der Ki-ainer Kalksteinhhlen, der 01m oder Proteus, in seinem verkmmerten, unter der Haut ver- steckten Auge noch alle Teile aufzuweisen, nur die Linse fehlt. .Jene vorhandenen Bestandteile aber knnen nicht wohl vom Organismus bei stetem Leben im Dunkel er- worben worden sein, sondern nur als verkmmerte Reste ursprnglich noimal, d. h. im Lichte funktionierender Organe erklrt werden. Gerade hier haben wir also schlagende Beispiele einer wirklichen natrlichen Neu- Entstehung von Arten innerhalb geologisch nicht allzu bedeutender, wenn auch nicht nher bestimmbarer Zeit- rume. Trotzdem ist es usserst schwierig, die unmittelbare Abstammung solcher stark und eigentmlich abgenderten Unterweltsarten von bestimmten noch vorhandenen und bekannten oberweltlichen Foimen nachzuweisen. Kein Mensch weiss bis jetzt, von welchem oberirdischen Molche der 01m, von welchem Ahnen der merkwrdige Blind- fisch (Amblyopsis) aus der Mammuthhhle von Ken- tucky abstammt: die nchsten oberirdischen Verwandten dieser einzig dastehenden Gattungen sind eben allem Anscheine nach nicht mehr am Leben. Nur- auf Um- wegen oder durch glckliche Fossilfunde drfte man vielleicht den hier fehlenden Mittelgliedern noch auf die Spur kommen knnen. Nhei- lag die Mglichkeit eines Abstammungs-Nach- weises bei einigen typischen Vertretern unserer vater- lndischen Hhlenfauna, besonders dem bleichen und blinden Grotten-Flohkrebs (Niphargus puteanus) und der Hhlen-Wasserassel (Asellus cavaticus). Beide, obwol als selbstndige Arten vllig bestimmbar, haben eine entschieden nahe Veiwandtschaft mit zwei ganz bekannten oberirdischen Arten aufzuweisen: ersterer mit dem gewhnlichen Bachflohkrebse (Gammarus pul ex), letztere mit der gewhnlichen Wasserassel (Asellus aquaticus). So allgemein verbreitet diese beiden Tiere bei uns in ihren oberirdischen Bezirken, sind auch jene in ihren unterirdischen. Die Haupt- Eigentmlichkeit beider Dunkelbewohner besteht auch hier wieder in der vollkommenen Ki-perbleichheit, d. h. dem Fehlen von Haut-Farbstoffen, und dem Mangel der Gesichtsorgane, whrend die beiden oberirdischen Arten sehr lebhafte Frbung und wohlentwickelte Augen be- sitzen. Dazu kommen noch feinere, weniger ins Auge springende x^bweichungen. Sollte sich, nun in diesem unserem Falle eine Ab- stammung der beiden Hhlenarten von der entsprechenden oberirdischen Form oder einer ihr sehr nahestehenden mit annhernder Sicherheit erweisen lassen? sollten irgendwo vermittelnde Uebergangsstufen zwischen den je zwei entsprechenden Extremen zu finden sein? Diese Fragen sind durch Untersuchungen der letzten Jahre im bejahenden Sinne entschieden worden. Die Stollen und Bauten unserer ltesten Bergwerke haben fr beide Tierformen solche Zwischenstadien geliefert, Clausthal im Oberharze fr die Flohki-ebse, Freiberg im Erz- gebirge fr die Wasserasseln. So leben in den alten Stollen von Clausthal Scharen bleicher Gammariden, die seit ca. 300 Jahi'en dort eingebrgert sein' mssen und, wie die noch deutlich vorhandenen Augenflecke und der brige Krperbau zeigen, vom gewhnlichen Flohkrebse abstammen. Die Bleichheit aber weist sie wieder mehr zu den Hhlentieren hin, und die genauere Untersuchung des Auges lehrt, dass dasselbe schon un- verkennbare Spuren von Verkmmerung, speziell der Linsenkrper, an sich trgt. Bezeichnend ist es dabei, ' dass die auch in den jngeren Stollenstrecken lebenden Flohkrebse diese Abweichungen erst in weit geringerem i Grade aufzuweisen haben und schliesslich stufenweise zu der normalen oberirdischen Form bergehen. Eine ganz entsprechende Mittelstellung zwischen den beiden Extremen nimmt auch die im Alten tiefen Frstenstollen" von Freiberg entdeckte bleiche Wasserassel ein; auch sie zeigt uns, in welcher Weise die Dunkeltiere aus den gewhnlichen Formen entstanden 1 sind. Grabenbewohner, soweit sie in sehr alten Schchten nachzuweisen, drfen also ganz allgemeinhin als Mittel- stufen zwischen der oberudischen und der Hhlenform gelten und bieten ausserdem den wichtigen Anhalts- punkt, dass man bei ihnen mit annhernder Genauigkeit die Dauer ihrer unterirdischen Existenz ermitteln kann, was bei Hhlenbew^ohnern kaum mglich ist. Uebrigens ist es gleichzeitig auch gelungen, andere dem kleineren Tierleben angehrige Schachtbewohner als Anpassungs-Mittelglieder zwischen den entsprechen- den oberirdischen und den unterirdischen Arten zu er- kennen, so gewisse dort lebende Cyclopenkrebse, Daphniden oder Wasserflhe u. a., bei welchen allen 38 Natunvissenscliaftliclie Wocliensclirift. Xi auch vorherrschend Auge und Krperfarbstoff die be- Avussten Anklnge an Hhlenformen verraten. Auf die stark umgestaltende Kraft jener wichtigen Verhltnisse, welche dort in den dunklen Erdtiefen so unverkennbar auf den Organismus einwirken, kann ich hier nur hindeuten; so auf den bedeutsamen Eintluss der Finsternis an sich, den Fortfall jahreszeitlicher Unter- schiede, den iibernormalen Eisen- und Kalkgehalt dei- Grund Wsser. Mag die jngst von einem Forscher ausgespiochene Hoffnung in immer reicherem Masse in Erfllung gehen : dass einer jenei' zur Autheilung der natrlichen Sciipfungs- geschichte beitragenden Lichtstralileu aus dem Dunkel heiaufzudringen bestimmt sei. Kleinere Mitteilungen. Der Ursprung der chemischen Grundstoffe. Ueber dieses Thonia bat ili;r eiiglisclie Forscher WiUiam Crookes. der durch die Erfindun g des Radiometers und noch mehr durch die Ent- deckung Afv strahlenden Materie" auch in weiteren Kreisen hekannt geworden ist, in der Royal Institution" zu London einen Vortrag*) gehalten, iu welchem er die gemeinsame Herkunft aller unserer chemischen Grundstotte aus demselben Urstoft' verkndet. Der Ge- danke, den er hiermit vertritt, ist nicht neu; schon Hingst hatte man vermutet, dass den Elementen jene starre Unveriinderlichkeit. welche wir als ihre Griindeigenschaft ansehen, nicht von^ Ewigkeit her zu- kommt, da.ss sie nicht das schlechtliin und in letzter Hinsicht Ein- fache in der Welt des Stolfes sind; auf diese Vermutung war man dnrch die Thatsache hingewiesen worden, dass die Spektren der Gi-undstoffe aus einer grsseren oder kleineren Anzahl von Licht- liuien zusammengesetzt sind und diese Linien sich verschiedenen Bedingungen gegenber verschieden verhalten. JJem genannten Gedanken, der indessen bisher nur ein loser, tmsicherer war, geben die C'rookes'schen Versuche ber die Yttrium- Metalle eine neue wissenschaftliche Sttze. Die Scheidung dieser Metalle, die sich im Samarskit. Gadolinit und einigen anderen Mine- ralien finden, ist eine usserst schwierige, weil die Eigenschaften der ]'',leiiiente wie ihrer als seltene Erden" bezeichneten Sauer>;toi}- verbindnngen nur wenig verschieden voneinander sind. Man glaubte bishei- dre^ jener Metalle zu kennen: Yttrium, Erbium und Ytterbium, doch wurde neben ersterem wohl noch das Samarium als besonderer Grundstoff genannt; und im Jahre 1866 hatte Nordenskjld dazu die merkwnidige Entdeckung gemacht, dass sich jene drei Elemente nicht nur immer in Gesellschaft, sondern auch stets in demselben Mengenverhltnis vorfinden : das in den verschiedenen Mineralien ent- haltene Gemisch der Oxyde der drei Elemente zeigte nmlich stets das gleiche Molekulargewicht. Deswegen war Nordenskjld auch berechtigt, ihm einen einheitlichen Namen Gadoliniumoxyd zu geben. Jetzt aber ist Crookes zu dem Ergebnis gelangt, dass das alte Yttrium" aus neun Korpern besteht, welche sich durch ihr phosphoreszierendes Spektrum in so bestimmter Weise unterscheiden, dass man gentigt ist, sie als ebenso viele Grundstoffe anzusprechen. Crookes stellte seine Versuche in der Weise an, dass er die Losung der Yttriumerde mit schwachem Amraoniakwasser versetzte und einen Teil des gelsten Oxydes austollte. Das in der Lsung bleibende Oxyd musste dann etwas, aber nur ganz wenig, strkere basische Eigenschaften haben als der Niederschlag. Wurde nun das Oxyd wieder gelst und in beiden Lsungen eine abermalige teil- weise Fllung vorgenommen, so erhielt der Versuchsansteller 4 Oxyde (zwei als Niederschlag, zwei gelst), welche eine regelmssige Stufen- folge der Basicitt einhielten. Auf diesem Wege der Fraktionie- rung" konnte Crookes solche Oxyde erhalten, die in ihren Eigen- schaften so weit als mglich auseinander gehen. Den Yttrium-Metallen gegenber scheinen wir nach dem Ge- sagten den Begriff des chemischen Grundstoft'es nicht aufrecht er- halten zu knnen. Das Nordensk jld'sche Gadolinium benimmt sich wie ein Element und besteht doch aus drei anderen : Yttrium. Erbium. Ytterbium, von denen sich aber das erste wiederum aus neun anderen zusammengesetzt erweist. Crookes erklrt dieses Verhalten durch die Annahme, dass die Atome, aus denen sich das alte Yttrium" (und ebenso das Gadolinium) zusammensetzt, nicht alle gleicher Natur sind; dass vielmehr verschiedene Arten der Atome jener fr Grundstoffe ge- haltenen und in gewissem Sinne ja auch als solche auftretenden Krper unterschieden werden mssen, welche wahrscheinlich in ihrem Gewichte, sicher aber in ihren inneren Bewegungszustnden von- einander abweichen. Letzterer Umstand bewirkt es, dass gewisse Atome diese, andere wieder jene Linien und Bnder des Gesamt- Spektrums des Elementes liefern, so dass bei einer Trennung der Atome verschiedene Spektren erhalten werden. *) Als eigene Schrift erschienen unter dem Titel : Die Genesis der Elemente", deutsch von Dr. A. Delisle. Vieweg & Sohn in Braunschweig 1888. Soweit sttzt sich die Crookes'sche Hypothese fest und sicher auf die beobachteten Thatsachen. Aber auch der weitere Ausblick, den sie uns auf alle brigen Grundstoffe und auf das periodische System derselben gewhrt, scheint mir ein rfurohaus klarer und be- friedigender zu sein, wenn auch mit ihm noch nicht das Rechte ge- troffen sein sollte. Nicht nur das Gadolinium und das alte Yttrium", sondern alle Grundstoffe sollen aus Atomen von verschiedener Be- schaffenheit, aber in feststehenden Verhltnissen zusammengesetzt sein; aus ihnen entspringen die verschiedenen Spektralstrahlen, wel- che in ihrer Gesamtheit erst das Spektrum des Elementes, wie wir es zu sehen bekommen, bilden. Aber auch diese Bestandteile sind nicht das Letzte, sie bringen uns demselben nur nher. Die letzten Bestandteile alles Stoft'es sind gleichartig beschatt'ene Atome (ver- gleichbar den i)hilosophischen Atomen" Fechner's), welche in ver- schiedener Anzahl und Lagerung zusammentreten, um so die Atome der Elemente zu bilden. Den Stoff, welchem jene Atome angehren, nennt Crookes Protyle" oder Protyl"; ich mchte den deutschen Namen Urstoff" whlen. Dieser Urstofl^ erfllte einst den Welt- raum, und er ist es vielleicht, der noch heute als Welt- oder Licht- ther uns Kunde von den brigen Himmelskrpern giebt, denn ohne ihn wrden die Strahlen, die sie aussenden, nicht zu uns gelangen. Aus ihm haben die chemischen Grundstoffe ihren einstigen Ur- sprung genommen und zwar infolge fortschreitender Abkhlung und Verdichtung- und unter Mithilfe elektrischer Erregungen. Nachdem eine gewisse Anzahl von Atomen der Grundstoffe entstanden war und zwar derjenigen mit den niedrigsten Atomgewichten: des Wasser- stoffs, Lithiums, Berylliums, Bors, Kohlenstoffs, Stickstoft's, Sauer- stoffs, Fluors, ferner des Natriums, Magnesiums, Aluminiums, Sili- ciums, des Phosphors, Schwefels und Chlors kehrten hnliche Bedingungen der Stoff bildung wieder; nun aber war die Temperatur gesunken und so ist anzunehmen, dass die dann entstehenden Elemente jenen zuerst aufgetretenen zwar hnlich wurden ('so Kalium dem Lithiurn etc.), aber eine Abnderung in gewissem Sinne aufwiesen, vor allem geringere molekulare Beweglichkeit und ein hheres Atom- gewicht hesassen. Spter wiederholte sich die Stoffhildung noch fters, so dass nach und nach Elemente das Dasein gewannen, die in Reihen eines periodischen S3'stems wie es ja von Mendelejeff und L. Meyer begrndet wurde eingeordnet werden knnen. Die zuerst gebildeten Grundstoffe hatten die grOsste chemische Energie, welche indess im Verlaufe der Zeit ebenso wie die Wrme abnahm. Erfolgte in einem gewissen Zeitpunkte der Bildung der Grund- stoffe der Abkhlungsvorgang rasch und unregelmssig, so entstand nicht ein einzelnes Element, sondern es schlugen sich verschiedene Arten von Atomen gleichsam nieder, die zwar Elementen mit hn- lichen Eigenschaften, aber doch mehreren besonderen Elementen zu- zuweisen sind, welche eine Gruppe wie die Yttrium-Metalle oder wie Eisen, Nickel und Kobalt bilden. Wieder ist es somit in erster Linie die Spektralanal.vse, welche wie sie uns vor mehr als einem Vierteljahrhundert lehrte, dass die gleichen Stofl'e, welche die Erde zusammensetzen, auch in den fernsten Himmelskrpern angetroffen werden uns nun auf die Einheit alles Stoffes in Bezug auf seine Herkunft und seine wahren Elemente mehr oder weniger deutlich hinweist, Dr. Karl Friedr. Jordan. Die Theorie des Bleikammerprozesses. Prof. Lunge in Zrich hat vor kurzem die von Raschig aufgestellte Theorie in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft einer Kritik unterzogen und sich berhaupt sehr eingehend mit diesem theoretisch so interessanten und fr die chemische Technik so wichtigen Gegen- stand beschftigt. Raschig nahm im Gegensatz zu seinen Vor- gngern, welche die Theorie des Bleikammerproze.sses aufzuklren versuchten, eine neue unbekannte Substanz an. welche durch Zu- sammentreten von salpetriger und schwefliger Sure entstehen soll. Im Augenblicke des Entstehens soll .sie .sich in Berhrung mit mehr salpetriger Sure in Stickoxyd, Schwefelsure und Wasser spalten. Das Stickoxyd .soll mit Sauerstoff und Wasser wieder salpetrige Sure geben. Lunge hlt die von Raschig angegebene Nr. Naturwissenschaftliche Wociienschrift. 39 Erklrung des Prozesses iiiclit iiufrecht, zei^t vielmehr, tlass diese 'J'lieorie auf imlmltbareii VoraussetziingHii beruht und erkUirt seiner- seits den Przess, ohne irgend eine unbekannte Substanz anzunehmen. Luno-p's Ansicht ist die: Das .S ouenen. 381-383. - II. epfliiiidje ^3tooel= len. 384-386. - m. ataiij5iii(i)e 9!ci. OtDell. 387-389. - IV. 3t(ilitni die 5lo. uellcn. 390 392. - V. (Snglif(i)C 9(oel. len. 473. 474. - VI. StutWie SRoDellen. 47.5. 476. fir8tr,cbiit)lE. 272.273. - 5Dind)t)ujen iHeiicn u. VIbtilt. 30a 801. Sgion, gljilbe ^aroIbS '4)ilgfrtat)tl.398.399. - Sic Snjel. - elJDO. - SJtaui ton 'JlbijDoS. 188. 189. - ^onSuaiu 192-194. - S).ot(ai.-Siata.87.88. - TOonfnl). - floin. 133. 13.3. [159.1 - iHiQjeliba.- SJ.eiiaut./ - SarConapl. 451. -152. eamcrmi, 3)aS gfejima^l tiE tltajer. 334. tf Qatnlfl, ISebii4le.263 - 268. - !IJetet etlemil)!. 92. S^alcoubrianli, 'iltala. - Sene. 163. 164. - DttSeSlebttSlbencic tagtn. 418. Sanle, %(^tev. 432. 3. - ieincIt.^udiS. 186.187. - SleUo. 394. - Sorgualoidfio 89.90. - Sit MWl'cnuanbt. IdiajltiL 103-106. @octliesSil|iUtr, itcnien. 208. tobbt, iapoleon. 3;is- 339. @riromeUtiaufcn, Sim> lUicijflnni 278/283. ^ageborn. (fabeln u. (*t= jQtllmigeii 425-42?. uuff, i^it iteltlerin om SBontbeSSlrtl. 00.61. - 3ub gfe. - OlljeHo. 95. 96. - SD.Ratawane. 137.138. - i;i*lenftein. 34-38. - 3!et Monii im JIonb. 415-417 - 5Die ngerin. - l'e^te SRittet on Woticn. brg. 130. 131. - 3^erc^eiIu.ir^lleMan- btia- 139. 140. - 2!08 SBittsljauS Im Sbeliatt 141. 142. ^tlitl, 6dia^[fUiin be$ r^eini)d)en ^aitl fteunbiS. 286-288. getne, tia Itoa. 410 - Sucllb.l'iebtt.243-245. - SCeutidilanb. 411. - 9!eueebid)te.246.247. - Sie tiatjteiie. 250. - 35.>)lorb|ce. 2o6Sud) L'c (Sianb 45 486. - Momanieto. 248. 249. gfrber.TecCSib. 100. 101. - ber bcn Ursprung ber gprnibe. 321. 322. - oltllieber. 461-464. eiffel. ber bie (51|t, 441-443. ^affmoiin, %ai (Vrulcin oon cuberi. 15. - 5i>.golb2o()f. 161.162. - SDaS Majorat 153. - 5Mci|'ler TOartin. 46. - 3;er un^einilidie aft - Eon 3uan. 129. ^Olbtro, Seppe om SJerge. 308. etlberltn, ebli^te. 190. 191. - J;i)perion. 471. 472. mtr, 3lia8. 261-256. - Obl)!lec. 211-215. Sumbolbt, 9D. D., riefe on eine greunbin. 802-307. al". S>ie 3dger, 3i. 341. - 2 er Siiitlcr. 395.396. 3mmermaiiii, Xer Cbec* bot. 81-84. - 1'.iiEUeitt)gniaIiDn.85. - Irifloii unb ;jioIbe. 42S-43a - Suliriinldien, 477 478. Srbtiig, aqen uu 0er SlUiainbra. 180. 3con <(aul, i^legeljalire. 28-33. - SEier Romet. 144-148. - Siebent.i. 115-120. 3une = Stllliiiae vttien. 310-314. Kam, Son ber;e(0(|t, Irr timlenbeSeu- feL 69-71. [39.1 e||)ng, emilia^alDlti.j - iSebii^te. 241. 242 - l'oofoon. 25-27 - ^linna on 9?am' beim. 1. - 3)ii6 8ara Sainbion. 209. 210. [63.1 - 9!atl)anberiffieife. 62.| - SOabemetumfiirliajtor Vange. .!48. llUtr. ai|*rebeii. 400. mattliifion.Wtbidite 484. 'Jerimtt,(clombo.93.ii4. - RlEiiic vlinifUtii- 13. Dlton, TaS oerlonif 'iiarabieS. 121-124. hhere, Xte gEleljtteii Srauen 109. - Xer Dliiant^rop. Iii5. - Ter Inrliitf 8 SllB(tr,1ilrioli(c6eHtian. taRen. 422-424. OtufSut, l'egenben Don Ubeta^L 72. - 3)olHmdr*en I. 225. 226. [228.1 - ollrardieii IL 227.) - SBolfmri^en llt 229. 230. 9!oDall9. ^einridibon Of- terbiiigcn. 497, 498 Cel]leHirl]liigcr, (iorreg. gio. 49. 470 ipeftaliijjl, iiiEiiljorb unb crtriib. 315-320. qsioten.ojiidiie. 269.270. <))ufit|tin,'J3oriS(iiobunof. 29:1. 'flocUit, llialia. 172. - !i'ritaniiicu. 409. - '|tl)dbra. 440. Woimnnb. 5Det Souer als OTiUionr. 436. - XerSBcridnenbEr.437. 438 9(0111)0, Xer liiarr u. fein Siiiib. 435, Satitt:^icrrr, ^taul unb iirginie. 51. 52. .wallet, "2aien = pange. lium 487-490. anB,tVraiii,ber (Scampi. 97. 98. - Xer ^EutelSjumpf. 47. Silicnicnbiirj, i^ebii^tc. 336. 337. sibillcr, Xie Sraut Bon TOejfina. 184. 1S5. - XoM .(lorlos. 44. 45 - (rjdljlungen. 91. - ie-r-Io. 55. 56. - ytuSQEludlilte lJebid)te. 169. 170 - XetWciflEtWet 21.22. - iie Jungfrau bon Or- leans. 151 152. - < ^' -^yw^i ; =^0. ' IT z!" 2 o z:. =- = ^ ff" Tgliche Zuschriften besttigen, dass der seit IS.S um- vnn mir fabriz. Holland. Taliak (10 Pfd. lose in eiu. Beutel Ico. 8 Mk.) in Gte von kein. Nachahmer erreicht wird. B. Becker in Seesen a. Harz. [31] Inserate fr Nr. 7 der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" mssen spte- steus bis Sonnabend, 5. Mai in imseren Hiulen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir vm- sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. H. Sohnbert: Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnittes in Natur und Kunst. (Mir Abbild.) Dr. Ro- bert Schneider; Descendenzfra- g-e und Unterweltsfurschunt;. Kleinere Mitteilungen: Der Ui- .spriing- der chemischen Grundstotfe. Die Theorie des Bleikamiin-r- jirozesses. Das Seelenleben der Tiere Fragen und Antworten: Wer hat die insektenfressenden" Eigenschaften der Pflanzen ent- deckt und wie viele und welche Pflanzenarten in Deutschland ge- hren zu den insektenfressenden? Litteratur: Dr. A. Ritter von Urbauitzky: Die Elektricitt des Himmels und der Erde. Berichtigungen. Inserate. Verantwortliclier Redakteur: Dr. Henry Potoni6. Verlag: Riemann & Mller. Druck; Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Priedricli-Strasse 226. 11. Band. Sonntag-, den 6. Mai 1888. Nr. 6. Abormement: Mau abonniert bei allen Bucliiiandlungen und Post- anstalten, wie bei der Kxiieditiou. Der Vierteljahrsiireis ist Jt 2. ; Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Inserate; Die viergespaltene Petitzeile 3U ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger 4{nellenang;abc gestattet. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. \mi Dr. V Wenn wir die P'oit.scinitte betrachten, welche die g-eometiisclie \Vissen.schaft gemacht liiit, seit sie durch Euklid in die Form eines logisch begrndeten Systems gebracht wurde,' so lallt uns auf, wie sehr die Bereiche- rung ihres Inhalts diircli neue Waiirheiten und die Er- kenntnis des Zasammenlianges derselben jedeizeit ab- hngig gewesen ist von der Ausbildung ihrer Methoden. Welche Flle neuer Resultate verdankt sie nicht dem genialen Gedanken des Descartes, die Operationen der Aritliraetik und Algebra, deren sie sich vorher nur zu dem beschrnkten Zwecke von Messungen bediente, ihr zum Zwecke systematischer Durchforschung von noch unbekannten Gebieten dienstbar zu machen! Wie sehr wurde nicht die Einsicht in den inneren Zusammenhang dieser Resultate gefrdert durch Steinei's erfolgreichen Versuch, die Geometrie auf ganz neuer Grundlage aufzu- bauen, unabhngig, wie das System des Euklid, von den inzwischen schon oft zur drckenden Fessel gewordenen Rechnungsmethoden, umfassend, und aus dem engen Ge- dankenkreise der Euklidischen Forschung liinausflirend, wie das System des Descartes ! Wir sehen aber auch, wie bei allen diesen Fort- schritten die Geometrie in einer bestimmten Hinsicht den Charakter einer Erfahrungswissenschaft bewahrt. Wenn sie auch lngst ber das in ihrem Namen liegende be- .schrnkte Ziel, die Thatsachen der Ebene zu erforschen, hinausgegangen war und den Raum in den Kreis ihrer Betrachtung gezogen hatte, unseren Weltraum mit der FUe dei- in ihm teils wirklich existierenden, teils ge- dachten krperlichen Gebilde: aus diesem a priori g^gQ- .Schlegel. benen Gebiete war sie nie herausgekommen, ja man wrde, selbst in den Kreisen der Mathematiker, bis in die neuere Zeit jeden Gedanken einer aus.serrumlichen Geometrie als absurd verworfen haben, wie man noch vor 30 Jahren in den Lehrbchern die imaginren Grs- sen, die jetzt ein Gemeingut unserer Rechnungen sind, als unmgliche bezeichnete. Auch die philosophischen Spekulationen und wechselnden Ansichten ber das Wesen dieses Weltraumes hatten auf die Richtung und den Charakter der geometrischen Forschung keinen Ein- fluss gehabt; aus der Erfahrung nahm man die Grund- lagen der Geometrie, in dem Erfahrungsraume vollzogen sich ihre Operationen, entstanden und blieben ihre Gebilde. Wenn nun trotzdem in verhltnismssig kurzer Zeit Begriffe wie vierte Dimension des Raumes" und ,,vierdimensionaler Raum" nicht nur in der Wissen- schaft sich eingebt'gert, sondern sogar die Aufmerksam- keit des grossen Publikums, welches doch sonst von den Spekulationen der reinen Mathematik sich fernzuhalten pflegt, in dem Masse auf sich gezogen haben, dass sie ihm trotz ihrer Rtselhaftigkeit wenigstens gelutige Ausdrcke geworden sind, so drngen sich von selbst die Fragen auf: Woher stammen diese anscheinend so widerspruchsvollen Begriffe? wie konnten sie so populr werden? wie sind sie zu verstehen? und welche wissen- schaftliche Berechtigung haben sie ? Elin Versuch, diese Fragen von dem hier allein massgebenden mathematischen Standpunkte zu beantworten, difte auch den Lesern unserer Zeitschrift nicht unwillkommen sein, zumal da in 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. G. der Regel jeder, der ber die.sen Gegenstand Belehrung sucht, nicht nur den in der Natur der Sache liegenden Schwierigkeiten, sich daiber klar zu weiden, gegenber- steht, sondern auch einer teils durch weitverbreitete, unabsichtliche Missverstndnisse, teils durch bewusste Tusclunigen herbeigefhrten argen Verwirrung der Vor- stellungen und Begriffe. Schon die doppelte Ausdrucksweise: vierte Dimen- sion des Raumes" und vierdimensionalei' Raum" ist ein Zeichen dieser Verwirrung. Wenn man von einer vierten Dimension des Raumes spricht, so stellt man sich vor, dass unserem Weltrume neben den drei Ausdehnungen der Lnge, Breite und Hhe, noch eine mysterise vierte Dimension von gleichartiger Natur mit den anderen zu- geschrieben werde. Dies ist aber ein Unding, und die ganze Ausdrucks weise vierte Dimension des Raumes" beruht auf einem Missverstndnis und ist zu verwerfen. Spricht man dagegen von einem vierdiuiensionalen Rume, so hat zu diesem Begriffe die folgende Ueberlegung ge- fhlt: In der Geometrie wiid uns gezeigt, dass der Punkt keine Ausdehnung hat, die gerade Linie eine einzige, die wir Lnge nennen, die ebene Flche deren zwei, nmlich Lnge und Breite, der Raum dagegen, wie jeder Krper, der ja nur einen Teil desselben vor- stellt, deren drei, wie schon oben bemerkt. Da nun die Gerade, die Ebene und der Raum in gleicher Weise Gebiete sind, in denen wir allerlei geometrische Gebilde konstrieren und deren Eigenschaften untersuchen knnen, \ so knnen wir auch den Begriff' des Raumes erweitern, indem wir die Gerade einen eindimensionalen Raum nennen und die Ebene einen zweidimensionalen, whrend unser Weltraum ein dreidimensionaler Raum bleibt. Und wir knnen uns, zwar nicht in anschaiichei', aber doch in abstrakt denkender Weise zu dem Begriffe eines vier- dimensionalen Raumes erheben, in welchem unser Welt- raum (Erfahrungsraum) neben beliebig vielen anderen seinesgleichen ebenso Platz htte, -vde beliebig viele Ebenen in unserem Weltrume, oder beliebig viele Ge- raden in einer Ebene. Dieser ,,vierdimensionale Raum" ist also ein reines Produkt mathematischer Spekulation, dient nui' mathematischen Zwecken, und um die Frage nach seiner etwaigen wirklichen Existenz kmmert sich kein Mathematiker. Dies rausste zur Klarstellung des Begriffes vorange- schickt werden. Man wird nun fi'agen: Wenn die Ge- ometrie sich 2000 Jahre lang mit den Rumen zufrieden gab, die nur mit einer, zwei oder drei Dimensionen be- dacht sind, und wenn doch von diesen allein praktische Anwendungen auf die Gebilde der realen Welt zu machen sind, wie kam man in dem nach piaktischen Anwendungen alles Wissens gierigsten aller .Jahrhunderte dazu, die Geometrie auf ein so nebelhaftes Gebiet auszudehnen, und lermit einen Schritt ins Abstrakte zu thun, wie er in gleicher Khnheit in der Wissenschaft selten dage- wesen? Die Erklrung ist leicht, wenn man bedenkt, dass zwar die angewandten Wissenschaften in ihrer Ent- wickelung durcli die Forderungen der Zeit beeinflusst, hier gehemmt, da gefrdert werden, dass aber eine reine Geisteswissenschaft, wie die Mathematik, in ihrer Aus- bildung unentwegt vorwrts schreitet, da die treibenden Krfte nur in ihr selbst wirken. Wie diese Krfte nun gerade in unserem .Jahrhundert zur Entstehung einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes drngten, sei der nchste Gegenstand unserer Betrachtung. Schon lange war es den Mathematikern aufgefallen, dass fr einen der elementarsten geometrischen Stze, betreffend die Winkel, welche eine Gerade mit zwei Parallelen bildet, ein strenger Beweis nicht erbracht werden konnte, so dass derselbe als eine unbewiesene Thatsache unter dem Namen Parallelenaxiom" (IL Axiom des Euklid) in den Lehrbchern seine Stelle fand. Dieser Umstand fhrte schliesslich mehrere Geometer auf den Gedanken, die Grundzge einer Geometrie zu entwickeln, in welcher dieses Axiom nicht galt, also auch nicht be- wiesen zu werden brauchte. Natrlich wurden in dieser nichteuklidischen" Geometrie alle diejenigen Resultate, die sonst aus jenem Axiome folgten, durch neue, unseren gewohnten geometrischen Anschauungen und Begriffen widersprechende ersetzt. Namentlich zeigte sich, dass in der nichteuklidischen Geometrie die Winkelsumme eines Dreiecks kleiner als 180" war. Spter fand man, dass noch eine dritte Geometiie erdacht werden konnte, in welcher jene Summe grsser als 180 gefunden wurde. Theoi'etisch erschienen alle drei Arten der Geometrie als gleichberechtigt, aber es mussten die beiden neu gefun- denen Arten so lange als widersinnig betrachtet werden, als man nicht ein Gebiet angeben konnte, in welchem sie wii'klich galten. Nun stellte sich aber heraus, dass die letztgenannte Geometrie keine andere war als die der (konstant positiv geki'mmten) Kugelflche, vorausgesetzt, dass man die grssten Kugelkreise als gerade Linien der Kugelflche auffasste; und auch fr die nichteuklidische Geometrie wuixle eine (konstant negativ gekrmmte) Flche gefunden, auf welcher sie unter entsprechenden Voraussetzungen Geltung fand.*) Diese Flchen erliielten nun durch die besonderen Geometrieen, die man fr sie gefunden, g-ewissei'massen gleichen Rang mit der Ebene (Flche mit der Krmmung Null); und wenn man nun alle drei Flchen als zweidimensionale Rume bezeichnete, die sich nur durch die Beschaffenheit ilrrer Krmmung unterschieden, so konnte es nicht ausbleiben, dass man diese neuen Vorstellungen auch auf den dreidimensionalen Raum zu bertragen suchte, und neben den bisher allein betrachteten Weltraum, der jetzt als einziges uns be- kanntes und zugngliches Exemplar der Gattung drei- dimensionaler Raum mit der Krmmung Null" erschien, *) ]Seispiele fr die oben erwhnten Dreiecke liefern: 1. im Falle der ziiletzfgenannten Geometrie ein Dreieck auf der Erdkugel, begrenzt von einem Aerinatorbogen und zwei aus seinen Endpunkten nach einem l'ol gellenden Meridianbogen; 2. im Falle der nicbt- euklidischen Geometrie ein ebenes Dreieck, gebildet aus drei Kreis- bogen, welche einem in der Dreiecksflche gelegenen Punkte smt- lich ihre convex gekrmmte Seite zuwenden. Nr. 6. Natunvissenschaftliclie Wochensclirift. 43 noch zwei Arten von Rumen setzte, einen positiv und einen neg-ativ g-ekriimraten. Selbstverstndlich verzichtete man hier von vornherein auf jeden Versuch, einen der- aitigen Raum wirklich aufzufinden; auch war man in der Erkenntnis der Bedeutung- der abstrakten Geometrie schon weit genug vorgeschritten, um diese Rume nicht deshalb als widersinnige Denkprodukte zu verwerfen, weil unsere Erfahrung ber die Existenz eines einzigen krmraungslosen Raumes uns verbot, diese Rume als wii-klich existierend anzusehen. Dieselben waren eben Produkte mathematischer Ueberlegung, wie tausend an- dere geometiische Gebilde, nur dass sie der Anschau- lichkeit entbehrten. Nun lehrte aber die Geometrie, dass alle ebenen und gekrmmten zweidimensionalen Flchen in unserem dreidimensionalen krmmungslosen Weltrume existierten, oder konstruiert, oder wenigstens gedacht werden konnten, und es lag daher wieder nahe, fr die drei Arten des dreidimensionalen Raumes ein gemeinsames krmmungs- loses vierdimensionales Gebiet anzunehmen, in welchem sie alle Platz finden konnten, und zwar nicht in je einem, sondern in beliebig vielen Exemplaren. Dieses Gebiet ist der vierdimensionale Raum der Mathematik. Die Methode der Analogie, welche uns hier aus dem Gebiete des dreidimensionalen Raumes in das des vier- dimensionalen gefhrt hat, gestattet sofort den Schluss. dass dieser abstrakte Piozess der Raumbildung beliebig weit fortgesetzt werden kann, und in der That besitzen wii' schon zahlreiche Resultate der Geometrie, welche fr einen Raum von beliebig vielen Dimensionen gelten. Neben den Betrachtungsweisen der nichteuklidischen Cieometrie boten sich aber auch noch andere Wege, um zu einer Ausdehnung des Raumbegriffes auf mehi' als drei Dimensionen zu gelangen. Namentlich htte die von alters her bekannte und seit Descartes, wie im Ein- gange erwhnt, zur Auffindung neuer Wahiheiten plan- inssig ausgenutzte Anwendung des Zahl- und Massbe- griffes auf die Geometrie schon lngst zur Ausfhrung jener Verallgemeinerung fhren knnen, wenn nur irgend eine zwingende Veranlassung dazu sich geboten htte. Bedenkt man nmlich, dass eine einfache Zahl a die ]^nge einer gemessenen Strecke darstellt, die zweite Potenz dieser Zahl, a-, den Flcheninhalt des ber der Strecke a als Seite errichteten Quadrates, und die dritte Potenz a^ den Rauminlialt des ber diesem Quadiate als Grundflche konstruierten Wi-fels, so entsteht naturge- niss die Frage nach der geometrischen Bedeutung dei- folgenden Potenzen a*, a^ u. s. w., und man sieht leicht, dass diese Grssen die Resultate der einfachsten Inhalts- bestimmungen in den Rumen mit 4, 5 und mehr Di- mension sind, sobald man sich nur entscUiesst, diesen Rumen und den fr sie geltenden Geometrieen das Brgeirecht in der Geometrie zu gewhren, trotzdem dass die Anschauung uns hier berall im Stich lsst. Da ferner eine Gleichung als algebraische Ausdrucksform fr einen Punkt, eine Linie oder eine Flche angesehen werden kann, je nachdem sie 1, 2 oder 3 vernderliche Grssen enthlt, so ergiebt sich von selbst die Frage nach der geometrischen Bedeutung einer Gleichung mit 4 und mein- Vei'nderlichen. Und auch diese Bedeutung wird in den Rumen mit 4 und mehr Dimensionen ge- funden. Wenn nun auch, wie gesagt, diese Uebeile- gungen nicht die Veranlassung zur Aufstellung des Be- griffs mehrdimensionaler Rume geworden sind, so sieht man doch, wie einfach diese Rume sich in den Rahmen gelutiger geometrischer Vorstellungen einfgen, und wie brauchbar sie sind, um die sonst nur in beschrnkten Grenzen mgliche gegenseitige Verwandlung algebraischer und geometrischer Betrachtungen und Resultate beliebig weit auszudehnen. Wir haben oben g-esehen, dass die Geometrie ur- sprnglich den Charakter einer Erfahrungswissenschaft besitzt, und zwar nicht nui', weil die Ausgangspunkte ihrer Betrachtungen in dem Erfalirungsraume und der in demselben verteilten Krperwelt liegen, sondern auch, weil sie bestndig in der Lage ist, die Richtigkeit ihrer Ergebnisse durch die Uebereinstimmung derselben mit den Thatsachen der Wirklichkeit messend zu kontrolieren. Da aber anderseits die geometrischen Gebilde neben ihrer Verkrperung (wozu auch Zeichnungen und alle sonstigen Hilfsmittel der Anschauung zu rechnen) auch eine ideale Existenz in unserem Geiste besitzen, und sogar erst in diesen gedachten und vorgestellten Gebilden ihre Eigen- schaften in voller Reinheit zum Ausdruck kommen, so muss es nicht nur mglich sein, die Geometrie, wie lngst blich, in dem Sinne als reine Geisteswissenschaft auf- zufassen und zu entwickeln, dass man, den Begriff des Weltraums und die Grundaxiome abgerechnet, von der Erfahrung gnzlich Abstand nimmt, sondern es muss auch mglich sein, die Anzal der Dimensionen des betrach- teten Gebietes (Gerade, Ebene oder Raum) als neben- schlich anzusehen und eine Geometrie zu entwerfen, deren Wahrheiten in jedem Gebiete von beliebig vielen Dimensionen gelten. Zu dieser abstrakten Wissenschaft wrden dann unsere Geometrieen der Ebene und des Raumes in dem Verhltnis stehen, dass sie specielle Flle derselben darstellen, welche in den Erscheinungen unserer Krperwelt ein reales Geltungsgebiet besitzen. Diese abstrakte Auffassung der geometrischen Wissenschaft ist nun in der That vor mehr als 40 .Jahren durch Grass- mann begrndet und zur Durchfhrung einer solchen n-dimensionalen Geometrie, der Ausdehnungslelu-e", ver- wendet worden, wozu allerdings eine besondere analy- tische Methode erforderlich war, die schliesslich von dem parallelen geometrischen Gedankenprozesse sich niu' durch die ussere Form der Darstellung und die Terminologie unterscheidet. Es ist demnach im Ganzen ersichtlich, dass es sich bei diesem Unternehmen nicht nur um einen vierdimensionalen Raum, sondern um ein Gebiet mit be- liebig vielen Dhnensiouen handelt, und dass in dieser abstrakten Geometrie der anscheinende Widerspruch, in welchen sich der Begriff eines mehr als dreidimensionalen 44 Natunvissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. 6. Raumes mit den sonstigen Tliatsachen der Geometrie setzt, vllig vei'schwindet. Aus der Art und Weise, wie man zu dem Begritie eines vier- und meln'dimensionalen Raumes gelangt, er- giebt sich nun auch die Methode, wie man diese anfng- lich leeren Gebiete mit widerspruchsfreien geometrischen Gebilden fllen und an diesen Gebilden Eigenschaften erkennen kann. Es ist einfach die Methode der Ana- logie, die freilich mit umso grsserer Vorsicht gehandhabt werden muss, da die Kontrole der Anschauung, durcli die wir in der Geometrie gewisserraassen verwhnt sind, liier fehlt. Da wo man eine algebraische Grundlage fr die geometrischen Untersuchungen hat, also namentlicii in der analytischen Geometrie des Descartes, ist diese Methode der Analogieschlsse eine ganz leichte und sichere; denn die Ausdeluiung der algebraischen Be- trachtungen auf mehrdimensionale Gebiete erfolgt nach bestimmten, allgemein anerkannten Gesetzen, und im Uebrigen kommt es nur noch daiauf an, die Eigebnisse der Rechnung in die Sprache dei' Geometrie zu ber- tragen. Denn ebenso, wie man aus melireren aufein- andei'folgenden Gliedern einer gesetzmssig gebildeten Zahlenreihe, z. B. 1, 4, 9, 16 . . . oder 1, 3, 6, 10 . . . auf die Grsse aller folgenden scliliessen kann, ebenso ist auch das Verfahren, durcli welches man aus der Ge- stalt der (Jleichungen mit 1, 2 oder 3 vernderlichen Grssen auf die Existenz und die Eigenschaften der ihnen entsprechenden geometrischen Gebilde scliliessen kann, vorbildlich fr die Untersuchung von Gleichungen mit noch mehr Vernderlichen und die durch sie darge- gestellten Gebilde. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Beziehungen zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. Professor G. Haberlandt in Graz hat ber das im Titel genannte Thema ein interessantes Buch (.Jena 1887) verffentlicht. Er bietet in demselben eine Zu- sammenfassung und abgerundete ausfhrliche Dai'stellung desselben Gegenstandes, ber den er schon in der ersten Hlfte des vorigen Jahres in den Berichten der Deutschen botanischen Gesellschaft eine vorlufige Mitteilung ge- macht hat. Der berhmte Botaniker C. Ngel i hat in seinem Werke Mechanische Theorie der Abstammungslehre" den Begriff des Idioplasma aufgestellt mit der Vorstel- lung, dass dieses derjenige Teil des Gesamt-Plasmas sei, dui'ch welcheu der Organismus die Gesamtheit seiner Eigenschaften bei der Fortpflanzung verei'be: das Idio- plasma ist also der Trger der vereiljlichen Eigenischaften des Organismus. Nach Ngel i tritt das Idioplasma strang- frmig, je nach der Form der Zelle verschiedengestaltig auf. Es wird in den grsseren Pflanzenzellen gewhnlich innerhalb der Membran die Oberflche berziehen, ferner auch hufig durch den Zellraum verlaufen und besonders auch im Kern zusammengedrngt sein. Dem Idioplasma gegenber steht das Ernhiungsplasma. Der Kern wird als ein Magazin von Idioplasma und Ernhrungs- plasma angesehen. Die vom Kerne ausgehenden und zu demselben zurckkehrenden Plasma -Strmchen deuten nach dem genannten Autor ohnehin darauf, dass sich hier ein Centrum von Stofl" und Kraft befindet. Sehr bald sprachen sich jedoch mehrere Gelelute: 0. Hertwig, Wasmann, Klliker, dahin aus, dass das Idioplasma ausschliesslich in den Zellkernen vorhanden sei, eine Ansicht, die sich auf Grund der Beobachtung gebildet hat, dass der Befruchtungsvorgang allein auf dei- Ver- schmelzung des Eikernes mit dem Spermakerne beruht. Dazu kam dann noch die Entdeckung Pflger 's, dass der Krper des Eies aus gleichartigen Teilen besteht, so dass also nicht bestimmte Organe des Embryos aus ganz bestimmten Teilen des Eiki'pers hervorgehen. Haberlandt glaubt ebenfalls, dass die Zellkerne die alleinigen Trger des Idioplasmas sind. Sie sind es, welche die besondere Entwickelungsrichtung in den Organismen bedingen und die besondere Ausgestaltung jedes einzelnen Organes, Gewebes und jeder Zelle an- regen und beheiTschen. Wenngleich nicht ohne weiteres behauiitet werden darf, dass in einem knstlichen keinlosen Teilstck einer Zelle der Einfluss des Zellkernes auf das kernlose Plasma aufgehoben ist, da er ja mglicherweise eine Nach- wirkung" ausbt, so sprechen doch N'ersuche, welche zeigen, was solche ihres Kernes befreite Plasmateile leisten knnen, ein gewichtiges Wort mit. M. Nuss- baum und A. Gruber haben solche knstliche Teihmgs- versucho an Infusorien voi genommen, und es hat sich als Hauptresultat ergeben, dass kernlose Teilstcke von Infusorien unfhig sind, verloren gegangene Teile zu ersetzen, Neubildungen zu erzeugen und so eine voll- stndige Regeneration zu einem normal gebauten Indi- viduum zu erfahren, daher Gruber den Kern als den arterhaltenden Bestandteil der ^elle" bezeichnet. Mit Pflanzen sind entsprechende Experimente von G. Klebs ausgefhrt worden. Ei- brachte meist Algen-Zellfden in 16 bis 25iirozentige Rohrzuckerlsung, in welcher Plasmolyse der Zellen eintritt, d. h. der Zellsaft giebt einen grossen Teil seines Wassers an die Lsung ab, was sich durch Zusammenballen des Plasmas und Zurck- ziehen desselben von der Wandung kund tliut. Bei dieser Zusammenziehung des Plasmakipers durchschnrt sich derselbe hufig und zerfllt in zwei Tee, von denen der eine den Kein enthlt, der andere kernlos ist. Es zeigte sich nun, entsprechend den Beobachtungen an Infusorien, dass nur die kernhaltigen Teilstcke im Stande sind, Sich mit einer neuen Zellwandung zu umkleiden, in die Lnge zu wachsen und berhaupt die ganze Zelle voll- stndig wiederzubilden. Was nun die jeweilige Lage des Kernes in seiner Ni-. Naturwissenscliaftliclie Wochensclirift. 45 Zellr anbetiiift, so ist diese iceineswegs beliebig- sondern stellt mit seiner Punktion in Bezielumg, ebenso wie aucli die Lage der CloiopliyHkrper in den assimilierenden Zellen von bestimmten Verhltnissen abhngig ist. Mit Ngeli stellt sich Haberlandt die Wirkungsweise des Idiojilasmas im Kern auf das brige Plasma ausserhalb des Kernes, das Cytoplasma, dynamisch vor, nnd berck- sichtigt man, dass eiue Uebertragung von Bewegungs- zustnden um so gesicherter und vollstndiger sein nuiss, je kleiner die Entfernung zwischen den in Bewegung gesetzten Teilen und dem dynamisch wirkenden Apparat ist, so kann es keineswegs gleichgiltig sein, welche Lage der Zellkern in der sich entwickelnden Zelle einnimmt. In der That zeigt denn auch Haberlandt au vielen Beispielen im speciellen Teil" seines Buches, dass sich der Kein in grsserer oder geringerer Nhe jener Stelle in der Zelle findet, wo besondere Wachstumsvorgnge einzuleiten sind. Die Lage des Kernes in sich ent- wickelnden Zellen ist also hufig keineswegs regellos wie man stiUscln\'eigend frher annahm , vielmehr nimmt der Kern in jungen Geweben und Zellen eine je nach der Ali derselben verschiedene, ganz bestimmte Lage ein. Er betindet sich in grsserer oder geringerer Nhe derjenigen stelle, wo das Wachstum der ganzen Zelle und speciell auch wie unsere Figuren zeigen wo ein Dicken- oder Flchenwachstum der Zellhaut Fig. 1. Stark versriJssevtfe Kpidtnmiszelleii des Laubblattes von Cypripediuiu in- signe. stark vergrsserte, nahezu vollkommen ausgebildete Epi- dermiszelle der Sameuschale von Scopolina atropoldes. Innenwand und teil- weise auch die Seiten- wnde sehr stark verdickt. statttindet. Ist iiielir als eine Stelle im Wachstum be- vorzugt, so nimmt der Kern eine solche cen- trale Lage ein, dass er von den Orten aus- giebigsten Wachstums ungefhr gleich weit ent- fernt ist. In der aus- gebildeten Zelle zeigt der Kern meist eine unbestimmte La- gerung. Bezglich der Funktion des Zell- kernes schliesst Haberlandt aus den beobachteten Tiiatsachen, dass dieselbe liauptschlicli mit den Entwickelungsvorgngen zusammenhngt, und dass der Kern beim Wachstum der Zelle, speciell beim Dicken- und Flchenwachstum der Zellhaut eine Rolle spielt. Da- mit ist nicht ausgeschlossen bemerkt unser Autor aus- drcklich , dass er in dei' ausgebildeten Zelle eventuell noch andere Funktionen zu erfllen hat. Als Hauptergebnis seiner Arbeit stellt Haberlandt den Satz auf: ,.Die Lage des Kernes in sich entwickelnden Pflan- zenzellen steht in der Regel in Uebereinstimmung mit der Funktion des Zellkernes als Trgers des die Ent- wickelung beherrschenden Idioplasmas." H. P. Kleinere Mitteilungen. Eine Reise nach dem Jana -Lande und den Neu- Sibirischen Inseln. Blu-oh Eduard v. Toll bericlitetc in der ' am 3. Mrz d. J. abgelialteiien Sitzung der Gesellschaft fr Erd- kunde zu Berlin ber seine, in Begleituntr des Dr. Bunge nach ; den Neu-Sibirischen Inseln unternommene Reise. Die Reisenden ' veressen im Dezember 1884 Petersburg, am .5. Mrz des folgenden Jahres Irkutsk am Baikal-See. gelangten ber Jakutsk die Lena i abwrts bis zu dessen stlichem Zuflsse Aldaii, den sie eine Strecke weit verfolgten, nnd passierten dann nordwrts einen Pass, um da.s noch wenig bekannte Tlial der Jana, welche in das Eismeer mndet, zu besuchen. Das Tliermometer zeigte hier am 26. April .38" 0. '. Im Winter sinkt das (Quecksilber oft bis tief unter 50" herab. Fr die weitere Reise nordwrts, die schnell im Schlitten zurckgelegt wurde, musste die l'elzbekleidung der zunehmenden Klte wegen bedeutend vermehrt werden, [n der von Jakuten .sprlich bewohnten Gegend sind Stationen nur alle 20 bis 24 Stunden anzutreffen. Am L Mai war Wercho.jansk erreicht, welcher Ort schon jenseits des Polarkreises liegt. Die Jana wurde am 1. .Juni eisfrei. Im August befanden sich die Reisenden an der Mndung dieses Flusses und an der Kste des Eismeeres. Hier liegt der Ort Kasatsclije. Von demselben aus wurde in westlicher Richtung ein Ausflug quer durch die Tundra nach Bnlun an der Lena unternommen. Der arktische .Sommer machte sich hier durch die unermesslich vielen Mcken in empfindlicher Weise bemerkbar. Die Reisenden schtzten sich gegen diese Plage durch Rauch und doppelte Schleier. Zurckgekehrt nach der Jana richteten sie ihre Winterquartiere ein. Die Nhe des Meeres milderte die Klte, welche im Binnenlande viel inten- siver ist; nur zweimal im Winter stand das Thermometer tiefer als 50" C. Im April 1886 wurde die Reise fortgesetzt, zunchst um den Mammutplatz aufzusuchen, der unter 71" n. Br. 35 Meilen Ostlich von Kasatsclije liegt. Man sah den wohlerhaltenen Kadaver eines Mammuts teilweise in gefrorenem Lehm steckend auf einer mchtigen Bisschicht liegen; die Weichteile waren so gut erhalten, dass einer von den Eingeborenen Fleischstcke von den Gelenk- kapseln der Ulna behaglich verspeiste Vermittelst Hundeschlitten fuhr man alsdann zum Kap Swjatoi Noss und erreichte von hier aus bald die 10 Meilen vom Kap entfernte Ljachofski-Insel, die nchste der Neu-Sibirischen Inseln, wohin die Schlitten in neun Stun- den gelangten. Die Expedition blieb auf den Inseln bis zum Winter und benutzte die Zeit zu wissenschaftlichen Sammlungen und Beob- achtungen. Am 10. Juli war das Thermometer auf -f- 10" C. ge- stiegen. Der Pfl.mzenwuchs der Inseln ist sehr gering. Insekten sind zahlreich. Auch die Vogelwelt ist reich vertreten. Von Suge- tieren wurden Bisbren, Eisfchse und wilde Renntiere gefunden. Auf der Ljachofski-Insel befinden sich die Kiwchenlager ausge- storbener Tiere, die namentlich vom Mammut. Nashorn und Moschus- ochsen herrhren. Die Mammutzhne locken viele Elfenbeinsammler nach den Inseln, die den ganzen Sommer auf diesen zubringen. Mitte Dezember 1886 kamen die Reisenden wieder in Kasatschje auf dem Kontinent an und kehrten nach Petersburg zurck. Das ber diese Reise ausgearbeitete Werk, betitelt Expedition nach den Neu-Sibirischen Inseln und dem .Jana-Lande", bildet den in diesem Jahre in St. Petersburg erschienenen III. Band der dritten Folge der Beitrge zur Kenntnis des russischen Reichs" und ent- hlt sechs Karten. H. J. Kolbe. lieber die giftigen Spinnen Russlands, von denen drei ein besonderes Interesse haben, hielt Prof. Dr. Kobert in einer der letzten .Sitzungen der Dorp. Naturf -Ges. einen Vortrag. I. Die Solpuge, Galeodes araneoides Pall.. wird, da es kein eigentliches russisches Wort dafr giebt. vom Volke Phalaug genannt, ein Wort, welches Aristoteles fr giftige Spinnen ber- haupt eingefhrt hat, und das von Linne dafr acceptiert wurde. Die erste genaue Kunde und zugleich leider auch die letzte stammt von dem Akademiker Pallas (1778). Danach soll sie ausserordent- lich giftig sein und Menschen und Tieren gefhrlich werden. Es ist aber jetzt wieder in Frage gestellt, ob sie giftig ist oder nicht. Experimente wurden ber die Giftwirkung wenigstens nie angestellt und von keinem Zoologen die Anwesenheit der Giftdr.se nachge- wiesen. Dass ihr Biss eine starke Verwundung setzt, ist bei der Grsse des Tieres natrlich selbstverstndlich und soll nicht be- stritten werden. IL Die Tarantel. Trochosa singoriensis Lax., ist mit der italienischen nicht identisch und scheint weniger giftig als diese zu sein. In Berichten des vorigen Jahrhunderts wird zwar oft von der giftigen Tarantel" gesprochen, es ist jedoch nur sehr selten 46 Naturwissenschaftliche Woehenschi-ift. Nr. 6. darunter die Trochosa zu verstehen. Wenn sie berhaupt dem Menschen gefhrlich wird, so ist dies in den Monaten Juli und August der Fall. In anderen ist sie so wenig bsartig, dass in manchen Gegenden die Kinder mit ihr spielen knnen. An der Existenz ihrer Giftdrsen ist nicht zu zweifeln ; pharmakologische "V'ersuche ber das Gift liegen aber nicht vor. Hofi'entlioh findet sich noch Gelegenheit, solche in Dorpat anzustellen. III. Die Malmignatte, Lathrodectus tredecimguttatus Walk., kommt in Russland in einer bunten und einer schwarzen Varietilt vor. Letztere wird Kara kurt, d.h. schwarzer Wolf, in anderen Gegenden auch schwarze Wittwe genannt, llit Un- recht hat Prof Kessler dieses Tier als ungiftig bezeichnet, da.sselbe ist vielmehr, wie beispielsweise MotschuLski behauptet hat. enorm giftig und ist dadurch schon den Schriftstellern des Altertums auf- gefallen. 1839 wurden von ihr an der unteren Wolga 7000 Rinder gettet. Pur Pferde und Kamele ist sie aber noch viel gefhrlicher, so dass in manchen Gegenden 33 Prozent aller Kamele daran zu Grunde gehen. Auch Berichte ber Todesflle nach ihrem Biss bei Menschen liegen bereits aus Spanien. Italien und Russland (z. B. von Ucke) vor. Vortragender untersuchte die Wirkung des Giftes der leben- den und der toten Spinne an Ratten, Vgeln, Katzen, Hunden und Frschen. Fr alle diese Tiere ist dasselbe gleich gefthrlich; selbst der Igel kann demsalben nicht widerstehen. Ob das .Schaf es ver- mag, ist noch nicht ausgemacht, nach den Berichten der Reisenden aber denkbar. Kobert verbreitete sieh weiter ber das Zustande- kommen der Wirkung, die das Blut und das Herz .sowie wahrschein- lich auch das Zentralnervensystem betrifft. Das Gift lhmt die ge- nannten Organe noch bei mehr als millionenfacher Ver- dnnung und ist hinsichtlich der Strke seiner Wirkung nur mit dem Schlangengift zu vergleichen. Wie dieses, ist es bei innerlicher Darreichung ganz unwirksam. Wahrend aber das Schlangengift sich nur in der Giftdrse und nicht im brigen Krper findet, wird das Malmignattengift im ganzen Krper und selbst in den Beinen und in den unentwickelten Eiern ange- troffen. Seiner chemischen Zusammensetzung nach ist es eine Ei- weisssubstanz und zwar ein sogenanntes Ferment. Daher wird es durch Kochen vernichtet, whrend das Schlangengift selbst bei mehr- minutlichem Kochen seine Wirksamkeit behlt. An eine Identitt beider Gifte kann also gar nicht gedacht werden. s. Der grsste Ammonit. Im Mnsterlande ist, wie Prof Landois in derZeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. mitteilt, im vorigen Sommer ein Ammonit (Ammonites Coesfeldensis) gefunden worden, der durch seine Grsse gerechtes Staunen erregt und das grsste bekannte Weichtier berhaupt bilden drfte. Whrend die gr.ssten bisher gefundenen Ammoniten etwa 1 m Durchmesser hatten, zeigt dieser bei 35 cm Dicke 1,50 m Durchmesser. Da daran nun auch noch die mindestens V2 Umfang einnehmende Wohukaramer fehlt. ,so muss das Gehuse des lebenden Tieres mindestens 2,40 m Durch- messer besessen haben. Das Gewicht des versteinerten Restes be- trgt 25 Centner 1 Denkt man sich das ausgewachsene Gehuse gestreckt, so wrde schon der letzte Umgang eine Lnge von mehr als 7,5 m haben. Was wollen gegen solche Rie.senformen die grssten, versteinerten Formen der zweiten Cephalopodenabteilung, die 2 ni langen Orthocer>^n sagen? Der genannte Riesenanimonit fand sich in der obersten Kreide, und es hat von je Wunder genommen, dass gerade in dieser Schichtengruppe. in welcher die Ammoniten auf der ganzen Erde pltzlich ausstarben, die grssten Individuen auftreten. Eine Erklrung hierfr ist bisher nicht gegeben. Vermutungsweise hat Carus Sterne ausgesprochen, dass diese Tiere einen Meister in der Gefrssigkeit gefunden haben knnten in dem verwandten Stamm der gehuselosen Tintenfische, welcher sich seitdem mannig- facher entfaltete und sie aus dem Felde drngte. Sind doch von diesen Tintenfischen (Polypen") Exemplare beobachtet worden, die mit ausgestreckten Armen 30 Fiiss msten. Dr. B. Zimmermann. Donner und Blitz. Bekanntlich kann aus der Zeit, welche zwischen dem Sichtbarwerden eines Blitzes und dem Hrbar- werden des darauffolgenden Donners verstreicht, auf die Ferne der heranziehenden Entladungssteile (die Entfernung des Gewitters) ge- schlossen werden. .Jede Sekunde, die nach einem Blitze donnerlos verluft, entspricht nach dem Gesetze der Schallbewegung annhernd einer Entfernung von 330 m, so dass -- da man mehrfach 40 Se- kunden zu zhlen vermochte der Halbmesser des ganzen Schall- kreises eines Blitzschlages eine Lnge von nahezu 2 Meilen ^ 15 fcw haben kann; nach einigen Angaben betrug derselbe bisweilen sogar 3, ja 4 Meilen; der Kreis des Blitz seh ein es in der Nacht ist bei weitem grsser (sein Halbmesser kann 30 Meilen = 225 km betragen), da das Licht der Gewitterwolke von den hchsten Cirruswolken zurckgeworfen werden kann. Da der Donner lngs der ganzen Blitzbahn entsteht und zwar wegen der grossen Blitzgesohwindig- keit, die sich fr 1 km nur auf zehntausendstel Sekunden belauft. inneihalb sehr kurzer Zeit, weil aber ferner die Fortplianzung des Schalles verhltnismssig langsam geschieht, so werden wir das- jenige Donnergerusch zuerst hren, welches an der uns zunchst gelegenen Stelle der Blitzbahn entsteht, whrend die weiteren Schall- wellen in drm Masse spter nachfolgen werden, als sie an ferneren Stellen ihren Ursprung nehmen. Deswegen knnen wir auch aus der Dauer eines Donnerschlages einen gewissen Schluss auf die Lnge der Blitzbahn machen (genauer zunchst nur auf die Lnge des Teiles der Bahn von dem dem IJeobacliter am fernsten bis zu dem ihm am nchsten gelegenen Punkte), wenn wir ausserdem die Richtung der Bahn in Betracht ziehen. Als grsste Lnge hat sich so SdOOm, als durchschnittliche 1000 m ergeben. Die Ursache der Lufter- schtterung, welche sich uns als Donner kundgiebt, hat man in der Wrmeausdehnung der Luft erblicken wollen. Ueber eine solche selbst ist aber nichts bekannt; es ist noch sehr zweifelhaft, ob der Blitz, welcher in festen Krpern eine grosse Erhitzung zu erzeugen ver- mag, wie es insbesondere die Blitzrhren lehren, in dnnen oder lockeren Stoffen, welche ausweichen knnen, auch nur entfernt hn- liche Wirkungen nach sich zieht. So wird z. B. trockenes Schiess- pulver durch einen Blitzschlag auseinander gestreut, ohne zu znden. Zudem msste, damit ein Schall entstehen konnte, die Luft nach der Ausdehnung pltzlich wieder an Dichte zunehmen, die Wrme also pltzlich verlieren, was nicht anzunehmen ist. In dem vorigen Jahr- gange (1887) der Zeitschrift Das Wetter" wird daher die Ansicht ausgesprochen, dass die Ursache des Donners in der pltzlichen mechanischen Ausdehnung und in dem ebenso pltzlichen Zu- sammenschlagen der Luft lngs der ganzen Bahn zu suchen ist. Diese Ansicht sttzt sich auf die Thatsache, dass der Blitz auf die von ihm getroffenen Krper mechanisch zerreissend, zersprengend wirkt. Kme es bei der Entstehung des Donners bloss auf Er- hitzung an, so msste derselbe auch bei Meteoriten zu hren sein, die in der Atmosphre bis zu 6000" C. erhitzt werden, whrend bei ihnen doch nur ein kurz dauerndes Gerusch unterschieden werden kann, das vielleicht von einer Explosion herrhrt. Dr. K. F. Jordan. Ausnutzung des Niagarafalles zur Elektricitts- erzeugung. Die von Dr. William Siemens vor lngerer Zeit gegebene Anregung, die Wassertalle zum Betriebe von dynamo- elektrischen Motoren zu benutzen, ist nach dem Centralblatt fr Elektrotechnik" bei den berhmten Niagarafllen ausgefhrt worden. Die Anlage wird den umliegenden Ortschaften gi'ossen Vorteil ge- whren, da die Kosten sehr geringe sind. Dabei ist der Bezirk, welcher von dieser Stelle aus mit Elektrioitt versehen werden soll, ein sehr ausgedehnter, denn sogar das 32 h entfernte Buft'alo ver- langt allein ein Zehntel der gesamten Kraft zum Betriebe der elek- trischen Beleuchtung. Vorlufig wird den Fllen nur ein Prozent des Wassers entzogen, doch wird man wohl in krzerer oder lngerer Zeit eine neue Anlage machen mssen, da die Anfragen wegen des Anschlusses an das elektrische Stromnetz sich ausserordentlich hufen. A. G. Das grsste astronomische Fernrohr der Erde. Fr die Lick-.Sternwarte in Kalifornien ist von den Mechanikern Warner und Swassey in Cleveland (Nord-Amerika), wie die Zeitschrift fr Vermessungswesen mitteilt, ein Ferni'ohr hergestellt worden, dessen Grsse alles hnliche in den Schatten stellt. Das Fernruhr wird von einer quadratischen gusseisernen Sule getragen, die nicht weniger als 360 Zentner wiegt und fr sich die Hhe eines dreistckigen Gebudes besitzt. Diese Sule trgt zunchst einen 80 Zentner schweren Aufsatz, innerhalb dessen sich eine 28 Zentner wiegende Stahlaxe von 10 Puss Lnge befindet, welche der Erdaxe parallel gerichtet ist. An dieser befindet sich wieder die 10 Puss lange und 23 Zentner schwere Deklinationsachse. Die letztere wieder hat das Rohr zu tragen, welches, bei einer Lnge von 50 Puss, aus dnnem Stahlblech hergestellt ist. Das Objektivglas, dessen Durchmesser 36 Zoll und dessen Gewicht 638 Pfund betrgt, lsst eine 4000fache Vergrsserung zu. Die verschiedenen Teilkreise werden durch elek- trisches Glhlicht beleuchtet und knnen vom Okularende des Fern- rohres abgelesen werden. Desgleichen kann man jede dem Instru- mente zu erteilende Bewegung vom Okularende aus bewirken. Damit der beobachtete Himmelskrper immer in der Mitte des Sehfeldes bleibt, wir das Fernrohr durch ein genau reguliertes Uhrwerk um seine Achse gedreht, so dass es der Bewegung des Objekts folgt. Wenn das Instrument nach dem Zenith gerichtet ist, so hat das Objektivglas eine Hhe von 22 m ber dem Sulenfuss. Das Ge- wicht des ganzen In,strumentes betrcr 650 Zentner. A. Gutzmer. Astronomischer Kalender. Am 2. Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 26 Minuten, sie geht unter um 7 Uhr 26 Minuten; Mondaufgang 2 Uhr Minuten frh, Untergang mittags 11 Uhr 5 Minuten. Am . Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 14 Minuten, sie geht unter 7 Uhr 38 Minuten; Moudaufgang nachmittags 4 Uhi- 14 Minuten, Untergang abends 7 Uhr 38 Minuten. Am 2. Mai nachts Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. 47 12 Uhr 40,7 Jliiuiton Irrzres Viertel. Um ilie biiri^rrliclic Zeit aus der wuhrt'U Sinmenzeit zu erluilteii, muss man vmi der letzteren ab- ziehen am '2. Mai '^ Minuten 15.9 Sekunden, am 9. Mai .'! Minuten 44.4 .Sekunden. Dr. V. I'lat. Fragen und Antworten. An welcher Stelle sagt Darwin in seinen Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die brigen abstammen sollen, dass diese von Gott geschaffen worden seien"? (Vergl. Naturwissensehaftliche Woehenschrit't" Bd, 1 .Seite 181). Auf .Seite 488 der ersten deutschen Uebersetzung des Darwin- schen liuche.'i ber die Entstehung der Arten, die wir H. G. Bronn verdanken (E. Schweizerhart. .Stuttgart 1860), findet sich der folgende Satz: .... Daher ich annehme, dass wahrscheinlich alle organi- schen Wesen, die jemals auf dieser Erde gelebt, von irgend einer Urform abstammen, welcher das Leben zuerst vom Schpfer einge- baucht worden ist." In spteren Auflagen (z. B. Seite .57.3 der 6. deutschen von J. Victor Carus besorgten Auflage. Stuttgart 1876) lsst Darwin an dieser Stelle jedoch den Schpfer weg und der ent- sprechende Satz lautet hier folgendermassen : . . . . Und wenn wir dies zugeben, so mssen wir auch zu- geben, dass alle organischen Wesen, die jemals auf dieser Erde ge- lebt haben, von irgend einer Urform abstammen." Allein der Anfang des Schlusssatzes des ganzen in Rede .stehenden Werkes lautet in allen Auflagen : .... Es ist wahrlich eine grossartige Ansicht, dass der .Schpfer den Keim alles Lebens, das uns umgieht, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, ...."" Litteratur. Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elementar- buch, Griindzge des Griechischen zur Einfhrung in das Verstndnis der aus dem Griechischen stammenden Fremd- wrter. Berlin, S. Reimer 1887. Preis gebunilen 3,20 JC. Das vurliegende Buch enthlt eine praktische und theuretische Widerlegung der Ansicht, dass ohne die auf den humanistischen Gj-m- nasien gebotene Kenntnis der griechischen Sprache die Erklrung und das Verstndnis der wissenschaftlichen Nomenklatur berhaupt unmglich sei. Es wre ja auch klglich, wenn man eines so rein usserlichen Zweckes willen die edle Sprache der Hellenen auf den Gymnasien 6 .Tahre hindurch gelernt wrde. Ist ja doch auch in jeder Wissenschaft die Sachkenntnis das eigentlich wesentliche und wichtige, whrend die Wortkenntnis nur V'okabelwert besitzt. Schwalbe zeigt, dass die Deutung der aus demGriechischen stammen- den termini technici auf einfachere und leichtere, aber doch rationelle Weise erreicht werden kann. Er zeigt aber auch, dass in der Medizin, Mathematik, Naturbeschreibung, besonders aber in der Chemie und Physik neugebildeten Worte keineswegs alle mit dem Primaner- griechisch zu erklren sind, dass die meisten Klassizisten sich mit der Empfindung begngen, da.ss das Wort aus dem Griechischen stammt." (_Wie viele Philologen werden in diesen Wochen um die Erklrung des Wortes Perichondritis" auch von klassisch Ge- bildeten" angegangen worden sein!'?). Es ist sehr dankenswert, dass Schwalbe mit grosser Sorgfalt und Umsicht aus der Summe der griechischen Sprachkenntnis heraus, wie sie auf dem Gymnasium erlangt wird, dasjenige zusammenstellt, was fr das Wort Verstndnis des gewhnlichen Lebens und der wissenschaftlichen Nomenklatur von Wichtigkeit ist"; er leistet damit auch uns gymnasial Gebildeten einen grossen Dienst. Aber noch mehr haben ihm diejenigen fr das Buch zu danken, welche einen realistischen Bildungsweg zurckgelegt haben; denn sie gewinnen daraus jedes wnschenswerte Wortverstndnis fr die dem Griechi- schen entlehnte Nomenklatur Diese Nomenklaturen sind brigens grossenteils recht willkrlich -gewhlt und erfordern die Kenntnis der verschiedensten Sprachen, wie Schwalbe u. a. in seinem Vortrage auf der deutschen Naturforscherversamralung 1886 dargethan hat. Die Grundstze, nach welchen er sein Elementarbnch ausge- arbeitet hat, legt der Verfasser im Vorworte ausfhrlich dar; wir knnen denselben nur beistimmen. Auch an der Ausfhrung des Planes im Einzelnen drfte wenig auszusetzen sein Die Beispiele fr die Lese- und Uebersetzungsbungen sind recht passend gewhlt; erwnscht aber wre die Hinzufgung einer kurzen Quellenangabe. Die interlineare Uebersetzung knnte fr wissenschaftlich Gebil- dete etwas freier gestaltet sein. Und so htte der eine vielleicht dieses, der andere jenes zu wnschen. Aber jeder wird den grossen Wert dieser ebenso mhevollen als verdienstlichen Arbeit freudig und bereitwillig anerkennen. Das zuverlssige Register macht das Ele- menrarliiieh brigens auch zu einem wertvoMen Nachschl.agebuch fr jeden hln'r Gel)ildetcn. insbesondere fr den .Jnger der Natur- wissenschaft. Dr Th. Bach. Direktor des Falk-Real-Gymnasiums zu Berlin. Amsel, H., (Imndzijc der anorganischen und organischen Chemie als Leitfaden und zu Uepetitionen fr Mediziner, Pharmazeuten, Chemiker etc. 8'\ Preis i JC 60 .f. R. Friedlnder & Sohn in Berlin. Bungartz, J., Kaninchen-Rasse^}. Illustriertes Handbuch zur Be- urteilung der Kaninchen-Rassen. 8". Preis 2 JC. Creutz'.sche Buchh in Magdeburg. Emmerig, A., Unser nchtlicher Sternenhimmel. 8". M. lUustr. u. 1 Karte. Preis kart. 2 JC. Buchner'sche Verl. -Buchh. in Bamberg. Erde, die, in Karten nnd Bildern. Hand-Atlas in 60 Karten u. 800 lllustr. 25. Lfg. Fol. M. 1 Karte. Preis 80 ,j. A. Hart' leben's Verlag in Wien. Hoppe, J. J., Erklrung der Sinnestuschungen (Hallucinationen und Illusionen aller fnf Sinne) bei Gesunden und hei Kranken. Beitrag zur Lehre von den Geisteskrankheiten. 4. Aufl. gr. 8". Preis 5 JC. Adalbert .Stuber's Verlagsh. in Wrzburg. Israel-Holtzwart, K., Beitrge zur nu-endung unendlicher Reiheti im Gebiete der Bahnhercchnung der Planeten u. Kometen, gr. 8". Preis '2JC 40 ..f .J. F. Bergmaiui in Wiesbaden. Krieger, R., Gnmdriss der Zoologie. Fr hhere Lehranstalten. 2. Aufl. gr. 8^V M. lllustr. Preis 1 JC 60 4, kart. 1 JC 80 4. F. A. Brockhaus in Leipzig. Krist, J., Anfangsgrnde der Naturlehre. Ausg. f. Rejilschulen. 5. Aufl. gr. 8*). 264 S. Preis geb. 2 JC 50 4. Wilhelm Brau- mller in Wien. Leuckart, R., u. H. Nitsche, Zoologische Wandtafeln zum Ge- hrauche an Universitten und Schulen. 26. Lfg. Taf. 57, 62 u. 63. 4 Blatt. Lith. u kolor. Fol. Mit Text. 4". Preis 9 .. F. Aufziehen auf Leinw. m. Rollen ^ Taf. 3 JC. Theodor Fischer in Kassel. Pietsch, J., Herleitung und Aussprache der wissenschaftlichen Namen in dem E. F. v. Komeyer'schen Verzeichnisse der Vgel Deutschlands, gr. 8". Preis 2 JC. Carl Gerold's Sohn, Ver- lagsbuchh. in Wien. Rabenhorst's L., Kryptogamen-Flora von Deutschland, Oester- reich und der Schweiz. 2. Aufl. 3. Bd. Die Farnpflanzen oder Gefttssbndelkryptogamen v. Ch. Luerssen. 11. Lfg. gr. 8". Preis "2 JC 40 ..(. Eduard Kummer in Leipzig. Rahmer, S., Physiologie oder die Lehre von den Lehensvorgngen im menschlichen und tierischen Krper. 8. u. 9. Lfg. gr. 8". M. lllustr. Preis pro Lfg. .50 4. Otto Weisert in Stuttgart. Schubert, A., Pflanzenhunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen-Seminare. 1. Teil. gr. 8". M". lllustr. Preis geb. 2 JC. Panl Parey in Berlin. Settegast, Die Lehre der Tierzucht, vertreten in der zootechnisoheu Abteilung d. Museums der konigl. landwirtschaftl. Hochschule in Berlin durch Sammlungen. 3. Aufl. gr. 8". M. lllustr. Preis 1 JC. Paul Parey in Berlin. Steinthal, H., L>er Ursprung der Sprache im Zusammenhange mit den letzten Fragen alles Wissens. 4. Aufl. gr 8". Preis 8 JC. Ferd. Dmmler's Verlagsbuchh. in Berlin. Vogel, H., Schulnaturgeschichte. Ausg. B. Ein Wiederholungs- buch fr Schler. 2, Heft. gr. 8". Preis 36 .^. H. W. Schlimpert in Meissen. Wchter, Gh., methodischer Leitfaden fr den Unterricht in der Zoologie. 1. u. 2, Tl. gr. 8". Preis 3 jfC 50 4. Inhalt: 1. Die Wirbeltiere. (XIX, 215 S. m. lllustr.) Preis 2 JC. 2. Die wirbellosen Tiere. (IX, 140 S. m. lllustr.) Preis l JC 50 4. Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig. Gegen Einsendung des Betrages (mich in BiHef- niarken) liefei'n wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin S>V. 48. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Herrn L. u. a. Wir beschrnken uns der Richtung unseres Blattes entsprechend in unserer Rubrik Fragen und Antworten" auf die Beantwortung von Fragen aus den Gebieten der Naturwissenschaften. 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. fi. Sm^^g'a'b namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bcheranzeigen linden weiteste und passendste Verbreitung", Ifir empfehlen unser Jilatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebote Sachfruge und Tausch nUurwis8nschaftlicher Sammlungen ete. vermitteln. In Ernst Gnther's Verlag in Leipzig rrsclninr; Tkie iiieiiNciilicIic M^aiiiilie naoii ihrer Entstehung' und natrlichen Entwir-khing von Hellwald. eferungen zu 1 Mark. wir folgende Uebersicht folgen: 9) Exogamie und Clanbilduiig. 10) Das Matriarchat etc. 11) Polyandrie u. verw. Erscheinungen. 12) Der Frauenraub und seine Folgen. 13) Die Kaufehe und ihre Verbreitung. 14) Das Patriarchat. 15) Die antike Familie. 17) Die vaterliche Familie der neueren Zeit etc. etc. Die Expedition der Naturwissenschaftliehen Wochen- schrift'' ist in den Stand gesetzt, die erste Lieferung vorzulegen und Bestellung auf die Fortsetzung entgegen zn nehmen. Friedr, v. In 10 monatlichen Li Aus dem reichen Inhalt lassen 1) Die Geschlechter u. d. Paarungstrieb. 2) Werbesitten, Geschlechtsverkehr im Tierreich. 3) Die Familie im Tierreich. 4) Natur- und Urmensch. 5) Das Schamgefiihl u. dessen Aeusse- rungen. 6) Kuss und Liebe. 7) Der Geschlechtsverk. in der Vorzeit. Grundzttge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter nach den neuesten Forsolmngen gemeinfasslich dargestellt von H. MOHN Professor der Meteorologie an der Universitt zu Christiania, Direktor des norwegischen meteorologischen Instituts. I>ent$ehe Original-Ansgabe. Vierte verbess. Auflage m. 23 Karten u. 36 Holzschnitten. 1887. ^^-^^a Preis gebunden Mar Je. : Zu liahen hei der Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift", Berlin SW. 48. Gegen Einsendmii; von 1 ^1/ 20 ,( pro Band (:iiieli iu Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine WitternngskundH. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die In.sekten nach ihrem Nntzen und Si'hadi'ii Mit 70 Alibildnngen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- liildiin<;('n. I'^lfg. geb. Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- l)ilduiit;en. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Li.lit nd Wrme. Bieg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., Di' Fixsterne. Mir 69 Abbildungen. Kleg. gell. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Xillimder. Eleg. geh" Valentiner, Kumeten und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. L, Die Elektricitat und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernhrung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb, Berlin SW. 48. Riemann & mller. Neue Preisliste ber Coleopteren ist erschienen u. wird an kauti'nde SanunlHrgriiti.'; m. fraiiku eingesandt. K. V. Steigerwald, Entomologe [80] in Choteboi- (P.uhemia). Von Aqiiariefl, Terrarie, Fontnen, Felsen, Fischen, ReDlilien, Pflanzen, Laubfrosch- u. Wetterliusclien, Bienenzuchtge- rtlien vers. iihistr. Preisliste gratis W. Siebeneck, Blannheim. (.m) Verbreitung durch Empfehlung treuer Kunden an Freunde fand tausendfach der vorziigl. Holland. Tabak. 10 Pfd. franko 8 M bei B. Becker in Seesen a. Harz [32] MP~ Der heutigen Xuramer unserer Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" liegt ein Prospekt von A. Pichler's Wwe. & Sohn in Wien ber empfehlenswerte Bcher, Lehrmittel etc. bei. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in Briefmarken) fran- 1 ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Eiseudimg' von M 2,10- (In Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 -j. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. ber 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich fr jeden Gebildeten. ^^ g MEYERS Konversations-Lexikon Z VIERTE AUFLGE. Das 1. He und den 1. Band liefert jede Buchhandlung ^\ zur Ansicht, 25G Hefte 50 Pfennig. 16 Halbfranzbnde 10 Mark. Zu hezieheii dur< ii Riemann & nller in Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 22fi. Inserate fr Nr. 8 Bei Benutzung der der Naturwissenschaftlichen Inserate bitten Wir un- "Woehenschrift" mssen si)te- Sere Leser hflichst, auf stens bis Sonnabend, 12. Mal in die Naturwissenschaftliche unseren Hnden sein. WOChenSChfift" Bozug neh- Die Expedition. man zu wollen. Inhalt: Dr. V. Schlegel; Ueber den sgenannten vierdimensionalen Raum. Ueber die IJeziehnng-en zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. (Mit Abbild.) Kleinere Mitteilungen: Eine Reise nach dem Jana-Lande und den Neu-Sibirischen Inseln. Ueber die giftigen Spinnen Russlands. Der grosste Ammunit. Donner und Blitz. Ausnutzung des Niagarafalles zur Klektricitts-Erzeugung. Das grs.ste astronomische Fernrohr der Erde. Astronomischer Kalender. Fragen und Antworten : An welcher Stelle sagt Darwin in seinen Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die brigen abstammen sollen, dass diese von Gott geschaffen worden .seien"? Litteratur: Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elenieutarliui.di, (iriindziige des Griechischen zur Einfhrung in das Verstndnis der ans dem Griechischen stammenden Fremdwrter. Bcherschau. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. Verlag: Riemann & Moller. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 18. Mai 1888. Nr. 7. Abonnement: Mau abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- -^i- Inserate: Die viergesjialtene Petitzeile 30 -;. Grssere Auftrge anstauen, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsjireis ist M 2. ; G^p entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 1.') ^ extra. A annhme bei allen Aunoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck iit nnr mit vollstndiger <{nellenang;abe gettattet. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) Schwieiif,'er wird der Fortschiitt in.s Mehrdimensionale i und Kanten jede.smal gleich viele Grenzkrper zusammen- da, wo die rechnerische Begrndung dieses Fortschrittes ' treffen. Solcher Gebilde giebt es sechs, und zwar sind nach der Natur der Sache ausgeschlo.ssen oder nur kn.st- die Grenzki-per in drei Fllen Tetraeder, in je einem lieh zu erlangen ist. Ein Beispiel fr diesen Fall bietet > Falle Hexaeder, Oktaeder und Dodekaeder. Dehnt man die Frage nach der Anzahl und Beschaffenheit der so- genannten regulren Gebilde, zunchst im vierdimen- sionalen Rume. Man weiss, dass es in der Ebene re- gulre Vielecke von jeder behebigen Seitenzahl giebt, die das gemeinsame Merkmal haben, dass ihre Flchen von lauter gleichlangen Strecken begrenzt werden, von denen immer je zwei in einem Eckpunkte, und zwar unter lauter gleichen Winkeln zusammenstossen. Die entsprechenden Gebilde des Raumes sind die regelmssigen Krper, die von kongruenten regelmssigen Vielecken begrenzt werden, von welchen in jeder Ecke des Krpers eine gleiche Anzahl zusammenstsst, Avhrend in allen Kanten je zwei Flchen unter gleichen Winkeln zu- sammentreffen. Solcher Krper giebt es bekanntlich nur fnf. Unter diesen werden drei von gleichseitigen Drei- ecken begrenzt, von welchen in jeder Ecke drei (beim Tetrai'der) oder vier (beim Oktaeder l oder fnf (beim Ikosaeder) zu.sammenstossen ; einer (der Wrfel oder das Hexaeder) wird von Quadraten, einer (das Dodekaeder) von regelmssigen Fnfecken begrenzt, wobei jedesmal drei Grenzflchen um eine Ecke gelagert sind. Es ist nun nachgewiesen, dass auch der vierdimensionale Raum ganz analoge regelmssige Gebilde besitzt, die ihrerseits wieder von regelmssigen Krpern begrenzt werden, und zwar so, dass bei jedem dieser Gebilde in allen Ecken diese Betrachtungen auf Rume von beliebig vielen Dimen- sionen aus, so findet sich, dass drei Arten regelmssiger Gebilde in jedem dieser Rume vertreten sind. Die erste Reihe von Gebilden beginnt in der Ebene mit dem gleichseitigen Dreieck, begrenzt von drei kon- gruenten Strecken ; dann folgt im dreidimensionalen Rume das regelmssige Tetraeder (Vi er flach), begrenzt von vier kongruenten gleichseitigen Dreiecken, und im vier- dimensionalen Rume das sogenannte Fnfzeil, begrenzt von fnf kongruenten regelmssigen Tetraedern. Die zweite Reihe beginnt in der Ebene mit dem Quadrat (Viereck), begrenzt von vier kongruenten Strecken, setzt sich im dreidimensionalen Rume fort mit dem Wrfel (S echsflach I, begrenzt von sechs kongruenten Quadraten, und im vierdimensionalen Rume mit dem Achtzeil, begrenzt von acht kongruenten Wrfeln. Die dritte Reilie beginnt in der Ebene ebenfalls mit dem Quadrate; es folgt im gewhnlichen Rume das Oktaeder (Achtflach), begrenzt von acht kongruenten Dreiecken, und im vierdimensionalen Rume das Sechzehnzell, begrenzt von sechzehn Tetraedern. Das Bildungsgesetz dieser drei Reihen von Gebilden Ist nach diesen Angaben auch fr die hheren Rume leicht zu erkennen. Aber so einfach auch fr das abstrakte Denken der Fortschritt in den vierdimensionalen Raum sich oft ge- 50 Natuiwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 7. staltet, immer wieder macht, sich dt-v Mangii an An- schaulichkeit bei allen Begriffen und Stzen, welche diesen Raum betreffen, auf das Strendste geltend, und selbst gebte Forscher sind Irrtmern aus diesem Anlass nicht entgangen. Man hat daher auch nach verschiedenen Richtungen berlegt, wie wohl diesem Mangel abzuhelfen sei. Die grndlichste Abhilfe wre freilich die, dass es uns gelnge, unsei'e geometrische \'()r>tellungskraft in der Weise auszubilden, dass es uns mgiicii A\rde, vier- dimensionale Gebilde uns im Geiste ebenso vorzustellen, wie es mit den dreidimensionalen Gebilden der J*'all ist. Mau knnte nmlich so argumentieren: Dasjenige Sinnes- organ, welches in erster Unie uns geometrische An- schauungen vermittelt, das Auge, giebt uns ursiirnghch auch nur die Eindrcke von Flchen, also zweidimen- sionalen Grssen. Nicht anders steht es mit dem das Auge untersttzenden Tastsinn. Trotzdem erwerben wir uns vom Beginn unseres Lebens au allmhlich die Fhig- keit, die uns umgebende Krperwelt als eine dreidimen- sionale zu erkennen, und ebenso auch nach Belieben, ohne Zuhilfenahme des Auges, uns di-eidimensionale Ge- bilde aller Art so anschaulich vorzustellen, wie wir es zum Zwecke geometrischer Einsicht nur \ erlangen knnen. Dass im brigen diese letztere Fhigkeit, sich rumliche Dinge vorzustellen, je nach dem dai'auf verwandten Masse von Hebung eine sehr verschiedene sein kann, thut hier nichts zur Sache. An diese Thatsache Hesse sich nun die Ei'wartung knpfen, dass, w(;nn nicht das Auge, so doch vielleicht die geometrische IMiantasie das ei'\\hnte Vorstellungsvermgen so ausbilden knnte, dass zu dem hinzuerworbenen Sinne fr die dritte Ausdehnung auch noch der fr die vierte treten knnte. Es ist aber leicht einzusehen, dass dieser Gedanke gnzlich hoff- nungslos ist. Dasjenige nmlich, was unsere Wahr- nehmungsfhigkeit fr dreidimensionale Dinge erzeugt und ausbildet, ist erstens die Erfahrung, welche wir teils mittelst des Auges durch die Bewegungserschei- nungen unseres eigenen Krpers und der uns umgebenden Welt, teils mittelst unseres Tastsinnes erlaugen, zweitens unser Urteil, welches die durch Sehen und Fhlen ge- 'onnenen Erfahi'ungen combiniert, und die immer nui' zweidimensional bleibenden Wahrnehmungen des Gesichts- nnd Tastsinnes zu einem der objektiven Wirklichkeit entsprechenden Bilde vereinigt.*) Alier erst diese ge- steigerte Fhigkeit des Gesichtssinnes befhigt uns auch *) Die Hilfe, welche das stereo.skopisohe Sehen mit zwei Augen gewhrt, kommt natrlich ehentalLs in Betracht. Wie sehr brigens selbst fr ein normal ausgebildetes Auge in besonderen Fallen der Mangel jener Erfahrung und jenes Urteils das objektive Sehen beeintrchtigen kann, und wie unbehilliich das Auge in solchen Fllen wird, bemerken wir am besten, wenn wir vom Gipfel eines hohen Berges eine tief unter uns liegende Landschaft betrachten. Dieselbe wird unserem Auge verhltnissmssig eben erscheinen, und so berraschend der durch diesen Umstand gesteigerte Eindruck der Hlii' unseres eigenen Standpunktes ist, ebenso berraschend wird beim Abstieg die Entdeckung von allerlei frmlich unter unseren Augen anwachsenden Unebenheiten sein, von deren Vorhandensein wir oben keine Ahnung hatten. Aehnlichen Tuschungen ist namentlich das Auge des Bewohners der Ebene im Gebirge auch beim horizon- talen Sehen ausgesetzt. zur Bildung von \'orstellungen dreidimensionalen Inhalts, denn mit der Wahrnehmungsfhigkeit wiid gleichzeitig unser Voi'stellungsvei'mgen ausgebildet, welches bestndig Veranlassung hat, die Gegenstnde dei' Wahrnehmung- innerlich (vor dem geistigen Auge") zu reproduzieren. Vergleichen wir mit diesen Thatsachen die Bedingungen, unter welchen eine Vor.stellung von vierdlmensionalen Gebilden mglich wie, so ist vor allem klar, dass hier die wesentliche Grundlage vollstndig fehlt, nmlich das Vorhandensein einer vierdlmensionalen Aussenwelt, aus welcher wir die Erfahrungen schpfen knnten, welche die ursprngliche Thtigkeit unserer Sinneswerkzeuge ergnzen wrden. Es ist daher auch dem Geiste un- mglich, sich irgend welche Voi'stellungen auf diesem Gebiete zu bilden. Denn wenn der Geist auch frei schaffen und sich Dinge vorstellen kann, die das Auge nie gesehen hat, so bleibt doch dieses Schaffen stets in die aligemeinen Grenzen gebannt, die auch der Wahr- nehmung des Auges gesteckt sind. Mit anderen Worten: wiv knnen uns nur solche Gegenstnde und Gebilde vorstellen, von denen wu', wenn wiv sie nicht schon ge- sehen haben, doch ^\enigstens begreifen, dass wir sie sehen knnten. Muss nun auf eine direkte Wahrnehmung und Vor- stellung von Gebilden mit mehr als drei Dimensionen endgilti.g verzichtet werden, so kann man zunchst ver- suchen, die vierte Dimension durch irgend ein Surrogat der Vorstellung nher zu l)ringen. Gesetzt, wir betrachten die gewhnliche pei'spektivisehe Zeichnung eines undurch- sichtigen Wrfels, bestehend aus einem Quadrat mit zwei anstossenden Parallelogrammen. Ein im Betrachten solcher Zeiclmungen ungebtes Auge wird im vorliegenden Falle vielleicht nur die eben erwhnten ebenen Figuren sehen, nicht aber eine Darstellung des rumlichen Krpers. Denn es ist eben bei dieser Abbildung eines Krpers auf einer Ebene eine Dimension verloren gegangen. Erscheint aber etwa das Quadrat in hellgi'auer Frbung, und die beiden Parallelogiainme in zwei abgestuften dunkleren Farbentnen, so kann die Frbung jedes einzelnen Punktes der Zeichnung gewissermassen als ein Surrogat der fehlen- den dritten Dimension angesehen werden, so dass wh' statt mit Lnge, Breite und Dicke 'nunmehr zu thun haben mit Lnge, Breite und Farbe. Der Nutzen dieses Surrogats bewhrt sich sogleich darin, dass es dem Auge dadurch leichter wird, in der Zeichnung die Dai'stellung eines krperlichen Gebildes zu erkennen, weil ein wirk- Ucher Wrfel untei' gewhnlichen Beleuchtungsverhlt- nissen hnliche Abstufungen in der Frbung seiner sicht- baren Flchen zeigt. In hnlicher Weise knnte man allgemein sagen, dass bei einem in Farben ausgeflnten Gemlde die fehlende dritte Dimension fr das Auge durch die Farben ersetzt wird, bei einem Holzschnitt oder Kupferstich durch die Schattierungen, whi-end eine nui' die Umrisse der Gegenstnde bietende Skizze die Vorstellung des Krperhhen am unvollkommensten her- vorrufen wird. Wenn trotzdem solche Skizze, von der Nr. 7. Natiirwissenscliaitliclie Wo(,-lieiiscliiii't. 51 Flaiul eines Meisters hervorgebracht, grossen W(!rtii haben i > - - >- - > - - - - - - - - -< -c - - -C -C - - - < mikroskopische Prparate und Mikroskope [73] smtliehe Utensilien zur Milirosliopie. Kataloge grati). Gegen Einsendung von 1 M 20 ..( pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterungskunde. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden, Mit 70 Abbildungen. Eleg. geh. Taschenberg, Dr. Otto, JJie Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. 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Im Oktober 1884 beobiu- (Stuniiis vulgiuis I..) und es fiel mir dabei auf. dass einer daranter \on einem andern gefttert wurde. Da das Fttern der jungen Staare dureli die .Uten um diese Zeit langst auf- geiirt liat, so vermutete ich gleicli, dass der also geftterte Staar in innera Zustande sich befinden msse, der iiim eine Selbst- ernhrung unmglich mache. Um mir Gewiss- heit darber zu vei'schaffen, schoss ich ihn, leider abei- mit so dickem Schi-ot, dass nui' der Kopf unversehrt blieb. Der untere Sclmabel weicht um 32" nach rechts ab, wodurch sich meine obige Vermutung besttig- te. Bei der Untersuchung /.u Hause stellte sich her- aus , dass es ein altes Weibchen war. Das ^Jnn- chen hatte also schon seit .lahren nicht nur seinem ATeibchen, sondern auch den itete Vdii Oberfurster Melsheimev ich einen Fliifi- Staaiv Mit in Linz um Rhein. Avi'lcjiem Eifer es SICH Liebesarbeit unterzog CL^ l Tungen Nahrung zugetragen. Manne dieser ging aus dem beraus wolil- genlnten, feisten Zustan- de des Weibchens hervor, wie ich es frher beim Staare nie Avahrgenommen liabe. Fig. a stellt den Kopf dieses Staarweib- chens in natrlicher Grsse dar. Nachdem ich vorstellen- des in der Herbstversamm- lung des Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalens vom Jahre 1886 unter Vor- zeigung des betreffenden Kopfes mitgeteilt hatte, kam tags darauf, am 4. Oktober, mein Sohn Leo- pold zu mir und sagte, es sitze ein Spatz (Passer domesticus L.) auf einem Baume, der von einem an; deren gefttert wrde. Ich liess ihn den geftterten Spatz mittelst einesFlobert- tiintchens herabschiessen und fand, dass es ein altes diesmal von seinem Weibchen ge- 58 Natiin\-isen.sc]iaftliche Wochenschrift. Nr. S. fttert worden i>t. Her obere Schnabel ist fast ganz verkmmert, so dass eine Selbsternhrung auch hier ganz ausgeschlossen erscheint, wie Fig. '< in natrliche)- Grsse veranschaulicht. Spter im Dezember erliielt ich von meinem Bruder aus Andernach eine Saatkrhe (Corvus frugilegus L.) zu- geschickt, deren Kopf in natrlichei' Grsse in Fig. / abgebildet ist. Hier erscheint der Oberschnabel 1 ^ 2 cn> ber den untenan herabgebogen, der untere aber gegen den oberen linksseitig kahnfrmig heraufgebog'en, so dass zwischen beiden eine rechtsseitig 1 mm, linksseitig 2 mm weite nach vorn und hinten spitz zulaufende Oetfnung sich befindet. Allem Anscheine nach war auch diese '< Krhe nicht im Standr-, sich selbst zu ernhren und er- ! hielt ihre Nahrung ebenfalls von einer anderen zugetragen. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) Gleichwohl Ijraucht man das eben beschriebene Ver- fahren nur von der berflssigen und strenden Zuthat dessen zu befreien, was die vierte Dimension ersetzen soll, um ein auf dem Boden der reinen Mathematik >vurzelndes Anschauungsmittel zu erlangen, welches alles das leistet, was man Mer der Natur der Sache nach berhaupt von einem solchen verlangen kann. Es ist bei'eits hervorgehoben worden, wie eine ebene Zeichnung sehr wohl als Abbildung eines gewhnlichen Krpers gelten kann, wobei zwai' eine Dimension verloren geht. aber durch unser Yorstellungsvermgen wieder hineinge- tragen wird. Das Verfahren, durch welches eine solche Zeichnung zu stnde kommt, ist die Projektion, ber deren Begriff hier wohl nichts errtert zu wei'den brauc-ht. Nehmen wir nun die schon oben erwhnte Zeichnung des Wrfels wieder vor, nur mit dem Unterschiede, dass der Wrfel jetzt als durchsichtig gelten soll, wodurch also smtliche Ecken und Kauten in der Zeichnung zum Vorschein kommen. Gesetzt, es sei jemand, der diese Zeichnung betrachtet, nicht im stnde, sie als Abbildung eines Krpers zu erkennen, indem sein rumliches Vor- stellungsvermgen ihn lerbei im Stich Hesse. *) Er wird gleichwohl, wenn er wenigstens weiss, was sie vorstellt, aus der Zahl der Ecken, Kanten und Flchen, und der Art ihier Verteilung aneinander im stnde sein, allerlei Angaben ber den Krper zu machen, und so von der Figiu- Nutzen zu ziehen. Werden, wie es in der dar- stellenden Geometrie geschieht, in gesetzmssiger Weise zwei oder drei solcher Projektionszeichnuugen hergestellt, so knnen dieselben sogar berhaupt zur wissenschaft- llcheu Erforschung der Eigenschaften des dargestellten Krpers benutzt werden. In ganz entsprechender Weise kann nun auch von einem vierdimensionalen Gebilde, namentlich wenn es von gewhnlichen, ebenflchigen Krpern begrenzt ist, eine Projektion im dreidimensionalen Rume hergestellt werden. Wie bei der gewhnlichen ebenen Projektionszeichnung eines Krpers, so werden auch bei der Hei'stellung der Projektion eines vierdimen- sionalen Gebildes nur die Kanten, und zwar dui-ch Drhte, resp. Fden zui' Darstellung gebracht, so dass die Pro- jektion sich als ein rumliches Liniennetz darstellt. Auf *) Dies kann auch einem gebteren Beobachter leicht begegnen, wenn die Zeichnung den Krper in einer ungewohnten Stellung zeigt. diese Weise hat z. B. der Verfa.ssei- die oben erwhnten regelms.sigen Krper des vierdimensionalen Raumes zur Anschauung gebracht. Das einfachste dieser Projektions- modelle besteht aus einem Draht-Tetraeder, in ^\'elchem ein innerer Punkt durch Fden mit den vier Ecken ver- bunden ist. Wie es nun berhaupt mglich ist, von Gebilden, die man sich nicht einmal vorstellen kann, erstens die theoretische Existenz zu beweisen, und zweitens zuverlssige Projektionen dei'selben herzustellen, diese Frage kann in dem Rume dieses Aufsatzes nicht be- antwortet werden, wrde auch zu sehi' in das specielle Gebiet der Mathematik hinbergreifen. Es ist im all- gemeinen von diesen rumlichen Projektionsgebilden nur noch zu sagen, dass genau so, wie bei den oben be- schriebenen Projektionszeichnungen, eine Dimension des dargestellten Gebildes verloren geht, dass aber diese Dimension nicht durch unser rumliches Vorstellungs- vermgen ersetzt werden kann, weil uns eben dieses Vermgen hinsichtlich der vierten Dimension im Stich lsst. Sie leisten also dem Beobachter dieselben Dienste wie jene Zeichnungen, vorausgesetzt, dass die letzteren vom Verstnde als richtige Abbildungen begrien, vom Auge aber nicht als solche erkannt Averden. Die im Vorstehenden gelegentlich mitgeteilten Proben Aierdimensionaler Gebilde knnen als Bausteine zu einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes angesehen werden. Und nachdem wir in der Projektion dieser Gebilde auf den dreidimensionalen Raum auch ein Hilfsmittel der Anschauung gewonnen haben, wie wir es in analoger Weise auch in der Stei'eometrie benutzen, wenn wir ebene Zeichnungen der betrachteten Raumgebilde anfertigen, so sehen wir, dass die wissenschaftliche Entwickelung einer solchen vierdimensionalen Geometrie keineswegs ausser dem Bereich der Mglichkeit liegt. Thatsclich ist auch in den letzten beiden Jahrzehnten auf diesem Gebiete nach allen Richtungen, sowohl in niederer wie in hherer Geometrie, so vieles geleistet worden, dass der Abschluss wenigstens der elementaren Geometrie des viei'dimen- sionalen Raumes nicht mehr fern zu liegen scheint. Diese Zukunftsgeometrie" wird allerdings mangels jeder Anwendbaikeit auf Verhltnisse der Wirklichkeit niemals die Wichtigkeit und Bedeutung der Geometrie der Ebene und des Raumes erlangen, und auch in ihi'er Nr. 8. Natui'wissi'iiscliartlielii' Woclieiisclirif't. Kigensehaft als loiniales liilclunirsmittel unseren chulen fernbleiben, fs ni^stc d''nn sein, dass in einei- knt'tiiien (ieneration die Mntlastun,' von unmodernem Lehrstoff eine norli un.-eahnte Steigerung des \'orstellungs- und Abstraktions\erni()gens zur Folge htte. Dahingegen ist der rein wissenscliat'tiiche Nutzen dei- geometrischen Betrachtungen und Resultate auf vier- wie auf mehrdimensionalem (Jebiete keineswegs gering anzuschlagen. Denn nicht nur wiid der Zusammenliang analoger Wahrheiten in den (Tebieten dei' geraden Linie, dci' Kiiene und des gewhnlichen Kauiiu's besser be- iiritfen, wenn wir diese Gebiete als Anfangsglieder einer ganzen Keihe von (iebieten kennen lernen; wir vermgen aucli aus Resultaten der melu'dimensionalen Geometrie durch Specialisieiung und andere Mittel neue Wahrheiten der ge- whnliclien Geometrie abzuleiten, zu denen ein andererWeg n\u- schwer aufzutinden wre. Dazu kommt, dass jede Fort- entwickelung eines Zweiges der nwthematischen Wissen- schaft auch auf andeie Zweige befiuchtend und frdernd einwirkt, die mit jenem, sei es als Anwendungsgebiete, sei es als Hilfswis-senschaften, zusammenhngen. Ans dem, was wir bisher bei' den vierdimensionalen Raum gesagt liaben, ist nun wolil ersichtlich, dass er das Interesse des Mathematikers erregen kann; allein die weite Verbreitung, welclie wenigstens die Kenntnis seines Namens im gi'sseren Publikum eilangt hat, wide sich hieraus noch lange nicht erklren. Denn naturgemss sind es niclit die Resultate der reinen Wissenschaft, sondern erst ihre Anwendungen auf Verhltnisse der Wirklich- keit, welclie die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zielien. Und es ist vorhin ausdrcklich betont worden, wie sehr gerade die vieidimensionale Geometrie von ] iraktischen Anwendungen entfernt ist. Wie nun trotz- dem der Begriff des vieidimensionalen Raumes mit ge- wissen Problemen, die uns im Weltrume begegnen, theoretisch zusanuiienhngt, diesei' Fi'age wollen wii- im Folgenden nher tiefen. Zimchst giebt es Probleme der ebenen Geometiie, die sich nicht in der Ebene allein erledigen lassen, sondern nur unter Zuhilfenahme des di'eidimensionalen Raumes. Legen wir z. P. zwei einseitig schwarz gefrbte ]-'apier- bltter so auf einander, dass die schwarzen Seiten oben liegen, schneiden gleichzeitig aus beiden ein ungleich- seitiges Dreieck aus, und legen dann diese beiden Drei- ecke, die schwarzen Seiten wieder nach oben gewendet, auf eine Ebene, so knnen dieselben durch einfaches Verschieben in der Ebene zu vollstndige]- Deckung ge- bracht werden. Man nennt sie in diesem Falle kon- gruent. Lagen dagegen die Pajjierbltter etwa so auf- einander, dass die schwarzen Seiten einander von innen berhilen, so knnen die beiden (in diesem Falle sym- metrisch genannten) Dreiecke, wenn sie ebenso wie oben auf die Ebene gebracht worden sind, nicht mehr durch blosse Verschiebung zur Deckung gelangen. Man muss vielmehr das eine derselben vorher so umklappen, dass die weisse Seite oben liegt, und diese Umklappung ist nur dadurch mglich, dass das Dreieck aus der Ebene in den Raum hinaus gebracht, dort umgewendet, und endlich wieder in die Ebene zurckversetzt wird. Eine ganz analoge Anfgabe bietet der Raum selbst. Ziehen wir nmlich auf den weissen Seiten zweier Rapier- bltter der vorigen Art von einem Punkte des Randes aus zwei Linien, welche mit dem Rande auf beiden Blttern gleiche Winkel bilden, falten dann beide Bltter lngs dieser Linien so, dass die schwarzen Flchen nach aussen kouunen, und befestigen die offenen Rnder jedes Blattes aneinander, so entstehen z\\ei kongiueute drei- seitige E(;ken, die so in einander geschoben werden knnen, dass Scheitelpunkte, Kanten und Flchen der einen sich mit denen der andern vollstndig decken. Faltet man dagegen das eine der beiden Bltter lngs derselben Linien so, dass die weisse Flche nach aussen kommt, so sind die beiden Ecken symmetrisch, d. h. sie lassen sich trotz Gleichheit allei' ihier Winkel nicht mehr in einander schieben. Man schliesst nun durch Analogie wie folgt: Geiade so, wie eins von zwei symmetrischen Dreiecken dadurch zui- Deckung mit dem andern gebracht werden kann, dass man es erst aus der gemeinschaft- lichen Ebene herausnimmt, in den dreidimensionalen Raum bringt, dort umkehrt (d. h. Ober- und Unterseite ver- tauscht) und dann wieder in die Ebene zurcktransportiert, geradeso knnten wir, wenn uns ein vierdimensionaler Raum zur Verfgung stnde, und die Mglichkeit, Gegen- stnde in denselben hinein zu veisetzen, gegeben wre; die eine von zwei sjTiimetrischen Ecken erst aus unserem Weltrume in diesen vierdimensionalen Raum bringen, dort umkehren (d. h. Innen- und Aussenseite vertauschen) und dann in unseren Raum zurckbiingen, worauf die Deckung der beiden Ecken durch Ineinandeischieben gelingen wrde. Diese Operation wrde mglich sein, ohne irgendwie die Gestalt der Ecke zu ndern und nachtrglich wieder herzustellen. Wenn freilich dieses letztere Verfahren zugestanden wird, dann kann eine solche Papierecke, selbst ohne den Zusammenhang ihrer Oberflche zu zerstren, auch im gewhnlichen Rume umgekehlt werden. Sehr nahe liegt hier der Vergleich der beiden symmetrischen Ecken mit einem Handschuh- paar, dessen ebenfalls sjTmnetrisch gestaltete Glieder dadurch kongruent gemacht werden knnen, dass man durch Umkehrung die Innenseite des einen zur Aussen- seite, und so z. B. aus dem linken Handschuh einen zweiten rechten macht. Ein geschickter Taschenspieler knnte, indem er den linken Handschuh verschwinden lsst, und dann statt desselben einen zweiten rechten produziert, uns glauben machen, er habe die Umkehrung auf die vorher beschriebene Weise im vierdimensionalen Rume vollzogen oder vollziehen lassen, wohin unser Blick natrlich nicht reicht. Alles selbstverstndlich unter der Voraussetzung, dass wii- entweder den Glauben an die wirkliche Existenz des vierdimensionalen Raumes schon mitbringen, oder durch dieses Experiment uns in diesen Glauben versetzen lassen. Theoretisch wre unter dieser 60 Naturwissen.-icliaftlicliP Wochenschrift. Nr. S. Toraiissetzuiig- nichts gegen die voi'gebraclite Erklrung einzuwenden. Ein anderes Beispiel. Zeichnen wir einen Kreis auf der Ebene, setzen die Spitze der Feder, die uns einen Punkt bedeuten soll, in das Innere des Kreises, und lassen, indem wir die Spitze der Fedei' auf dem Papier \'orwrts rcken lassen, diesen Punkt sich bewegen. Wollen wir den Punkt aus dem Innei'n des Kreises herausbringen, ohne dass er die Ebene verlassen soll, so rau-ss er notliwendig irgendwo die Kreislinie passieren, d. h. die Spitze der Feder muss die Kreislinie kreuzen. Heben wir aber die Feder vorher auf und setzen ihre Spitze ausserhalb der Kreisflche auf dem Papier nieder, so ist Unser Punkt von innen nach aussen gekommen, ohne die Kreislinie zu passieren, er hat dieselbe offenbar dadurch umgangen, dass er sich aus der Ebene in den Raum hinausbewegte, um nach erfolgter Umgelunig in die Ebene zurckzukehren. Dabei ist zu beachten, dass der Uebergang in den Raum an jeder beliebigen Stelle der Kreisflche erfolgen kann, und dass dei' Punkt fr ein Auge, welches ihn nur in der Ebene sucht, so lange verschwindet, als er ausserhalb derselben im Rume ver- weilt. Denken wir uns jetzt eine vollstndig geschlossene hohle Glaskugel, und innerhalb derselben einen beweg- lichen Punkt; derselbe mag durch ein Schi'otkorn dar- gestellt sein. Offenbar kann diesei' l*unkt aus dem von der Kugelflche eingeschlossenen Rume nur dadurch nach aussen kommen, dass die Kugelflche irgendwo durchbrochen wird. Htten wir aber einen vierdimen- sionalen Raum, so wrden wh' dieselbe Wirkung ohne Verletzung der Kugelflche erzielen knnen, wenn wir den l'unkt da. wo wir ihu gerade vorfnden, in den vierdimensionalen Raum versetzten, ihn hier die Kugel- flche umgehen lies'sen, und ihn endlich ausserhalb der- selben irgendwo in den gewhnlichen Raum zurckver- setzten. Ohne Schwierigkeit ist liieraus das Receipt zu entnehmen, nach welchem de)- Taschenspieler, der uns dieses Wunder vorfhi-en will, zu verfahren hat, indem er nmlich zwei usserlich ganz gleiche Kugeln, von denen die eine das Schrotkorn enthlt, mit einander \'erwechselt. Eine dritte, sehr bekannt gewordene und viel- umstrittene Aufgabe mge als letztes Beispiel dienen. Man kann in einem mit zwei offenen Enden versehenen Stck Band eine einfache Sclinge oder einen Knoten anbringen, und ebenso diese Gebilde wieder auflsen. Sind dagegen die beiden Enden an einander befestigt, so dass das Band die Gestalt einer geschlossenen oder in sich zurckkehrenden Linie hat, so ist weder das eine noch das andere mglich. Auch diese, im di'eidimen- sioualen Rume unlsbaren Aufgaben knnten, natrlich ohne die Geschlossenheit des Randes aufzuheben, oder sonst hgendwie den Kern der Aufgabe zu umgehen, im vierdimensionalen Rume gelst werden, und das in den Weltraum zurck\'ersetzte Band wi'de im ersten Falle mit dei- Schlinge versehen, im zweiten von derselben befreit, wieder in die Erscheinung treten. Dei' Beweis fr die theoretische Richtigkeit dieser Behauptung ist auf streng mathematischem Wege erbracht worden, und jeder Mathematiker kann sich ohne Schwierigkeit durch Verfolgung der gar nicht weitluftigen, allerdings ler nicht mitteilbaren Rechnung davon berzeugen. Auch sonst hlt es eben nicht schwer, mancherlei im gewhn- lichen Rume unlsbare Raumprobleme anzugeben, die unter Zuhilfenahme des vierdimensionalen Raumes ihre Erledigung flnden wrden. Aber ebenso leicht ist auch einzusehen, dass alle diese Lsungen nur in der geometrischen Phantasie be- stehen knnen. Dort freilich sind sie gleichwertig mit zahllosen anderen Konstruktionen und Lsungen von Aufgaben, die man eben auch nur in Gedanken ausfhrt, wie (um nur einige ganz einfache Beispiele anzufhren) das Legen einer Ebene durch drei ] 'unkte des Raumes, die Konstruktion einer Kugelflche mit gegebenem Radius aus einem Punkte des Raumes. Ja selbst unsere Zeich- nungen von Linien und Figuren auf einer Ebene ent- sprechen ja keineswegs genau den reinen geometrischen Konstruktionen unserer Phantasie, sondern sind nur mehr oder wenigei- grobe Verauschaiichungsmittel fr das Auge. Und der einzige Unterschied zwischen den eben genannten Arten von Konstruktionen und denjenigen, welche den vierdimensionalen Raum zu Hilfe nehmen, besteht darin, dass wir uns die letzteren eben nicht vorzustellen und daher auch nicht, ihrer richtigen Beschaffenheit ent- sprechend, zu veranschaulichen im Stande sind. Indem wir nun insbesondere die mathematischen Gesetze, welche wir an den von uns ausgedachten und durch Zeichnungen oder Modelle veranschaulicliten Krperformen entdecken, in der uns umgebenden Krperwelt \er^virklicht und besttigt finden, so geben auch umgekehrt die noch un- erklrten Erscheinungen dieser Krperwelt uns Anlass, verborgenen mathematischen Gesetzen nachzuspren, und j ebenso veranlassen uns Aufgaben, welche A\irklich vor- handene Kr])er aller Art betreflen, die Lsungen dieser Aufgaben an den entsprechenden mathematischen, d. h. gedachten Krpern auf mathematischem Wege zu suchen. SoU nun eine so gefundene Lsung in die Wirklichkeit umgesetzt, d. h. an wirklich vorhandenen Krpein aus- gefhrt werden, so ist es eine unerlssliche Voraus- setzung, dass dazu nur das uns allein zugngliche Gebiet des Weltraums in Anspruch genommen wird. Reicht dieses Gebiet zur Lsung einer solchen i iraktischen Auf- gabe nicht aus, muss vielmehi- der vierdimensionale Raum dazu herangezogen werden, so ist die Aufgabe eine fr uns absolut unlsbare. Werden dennoch vor unseren Augen solche im \^'eltraum unlsbai'e Aufgaben, wie die oben beschriebenen, gelst, so handelt es sich eben um eine Tuschung unserer Gesichtswahrnehmung, d. h. um ein mehr oder weniger interessantes Taschenspieler- kunststck. (Scliluss folgt.) Nr. K; Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 61 Paraffin-Einbettungs-Methode fr pflanzliche Objekte. Villi Dl'. Dniigla In der letzten Zeit sind Versuclie gemacht worden [ dit^ von den Zoologen mit so grossem Erfolge gebrauchte I Methode der Paraffin-Einbettung solcher zarteren Organe, die zur anatomischen Untersuchung dui'chschnitten werden mssen, auch fr das Durchschneiden zarter jiflanzlichei' (rewebe zu verwenden. Bei embryologischen Untersuchungen, die ich an- gestellt habe, envies sich mir die genannte Methode als usserst brauchbar, jedoch habe ich weder die von S. S'-hnland (Bot. Centralblatt 1S87 Nr. 22), noch die von .1. W. Moll (Bot. Gazette. Jan. 1888) angegebenen Verfahren allein benutzen knnen, sondern habe beide verbunden und modifiziert. Wenn die ZeUmembran nicht cuticularisiert ist, kann man Alkohol-Mateiial benutzen, ist sie aber cuticula- risiert wie bei der Macrospore von Pilularia . so ziehe ich dem Alkohol eine einprozentige Chromsure- | Lsung odei- das auch von Moll empfohlene Flemming- sehe Gemisch von Chromsure, Osmiumsure und Essig vor; mit Alkohol gehrtete Sporen machen das Durch- dringen des Paraffins durch das Exosporium fast un- | mglich. Zur Einbettung empfelile ich ein Paraffin mit dem ' Schmelzpunkt von etwa 50" C, weil das leichter schmelz- bare zu wenig fest ist, um gute Schnitte zu bekommen s H. CanipliHll. Im Gegensatz zu Schnland habe ich nie gefunden, dass eine Temperatur von .50 .5.5" C. im inindesten schdlich auf die Pflanzenobjekte wirkte. Das Verfahren der Einbettung, das ich anwende, ist das folgende: Ich nehme zur Herstellung eines Papierkstchens fr die Einbettung, einen Papierstreifen, wickele diesen um einen Flaschenkorken und klebe das freie Ende mit Gummi fest: bis das Gummi trocken geworden ist, be- festige ich das freie Ende mit einer Stecknadel. Zur Fertigstellung des Kstchens entfernt man den Koi'k und legt ein kreisfrmiges, festes Stck Papier als Boden in den l'apiercylinder hinein. Der einzubettende Gegen- stand wird dann auf den Boden gebracht und das Kst- chen mit geschmolzenem Paraffin gefllt. Darauf stellt man das Ganze in ein mit Paraffin geflltes Schlchen, welches 8 10 Stunden lang in einem Wrmschrnkchen in einer Temperatur von 50 55" C. verbleiben muss, um ein vollstndiges Eindringen des Paraffins in das zu untersuchende Objekt zu erreichen. Um Luftblasen zu vermeiden, muss die Abkhlung mglichst pltzlich er- folgen. Sobald daher die Obeiflche des Kstcheninhaltes mit einer dnnen Paraffinhaut bekleidet ist, tauche man dasselbe in kaltes Wasser. Kleinere Mitteiliingen. Ueber MassenvertUgung von Vgeln. Als das nun- mehr erschienene und demnchst in Kraft tretende Reichs-Vogel- schutzgesetz Gegenstand der Verhandlungen des Reichstages war, liildete den am meisten besprochenen und von allen mglichen Seiten errterten Punkt derjenige Paragraph, welcher vom Fang der Krammets- vgel handelte. Von den Cxegnern des Krammetsvogelfanges wurde besonders hervorgehoben, dass durch die ausserordentlich grosse Zahl der gefangenen Drosseln diese ntzlichen Vgel stark vermindert werden mssten. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, dass es barbarisch und unsthetisch sei, einen Singvogel massenweise in Schlingen zu fangen und zu verspeisen. Es msste ferner besonders dies dem Zustandekommen eines internationalen Vogelschutzgesetzes hinderlich sein; denn wenn z. . von den Italienern verlangt wrde, sie sollten keine Singvgel und Wachteln in der bisher blichen Weise fangen, so drften in Deutschland auch keine Drosseln auf dem Dohnenstrich gefangen werden. In vielen Zeitschriften und Tagesblttern kam man bei dieser Gelegenheit wieder auf das un- erquickliche Thema des Vogelfanges in den Mittelmeerlndern. All- bekannt, genugsam beklagt und (umsonst) bekmpft ist die Art und Weise, in der speciell in Italien den Zugvgeln nachgestellt wird. Ob eigentlicher Jagdvogel oder Singvogel, das ist dem Italiener gleich- giltig. Was Federn trgt, sei es Drossel, Schwalbe, Xachtigall, das wird erlegt, in Netzen gefangen, erschlagen und wandert in die Kche. Unzhlbar sind die Scharen der auf diese Weise getteten Vgel und mit Recht schreibt man es diesem Verfahren zum grossen Teil zu. wenn von ,Jahr zu Jahr die Zahl vieler Vogelarten bei uns abnimmt. Wenn wir aber anderen Nationen vorwerfen, dass sie in ber- triebenem Masse zur Verminderung der Vgel beitragen, so mssen wir auch im eigenen Lande Umschau halten, ob sich nicht hnliches auch in Deutschland findet. Zwar sind Finlienherde und eine ganze Reihe anderer Einrichtungen zum Fange kleinerer und ntzlicher Vgel wohl fr immer verschwunden; vom Dohnenstrich ist mit Sicherheit und zahlenm.ssig nachgewiesen, dass er eine Verminderung der Drosseln nicht herbeigefhrt hat. Aber wir haben noch an unseren Ksten besonders in Ostfriesland, ferner auf den Inseln an den Ksten Schleswig-Holsteins in den Entenkojen Vorrichtungen, in denen ein wichtiger Vogel der Niederjag-d, die Stockente, nebst vielen ihrer Verwandten (Pfeif-, Krick-, Eis-, Samt-, Trauerenten etc.) in geradezu erstaunlichen Mengen gefangen wird. E . Pfannen- s c h m i d fhrt in einem kleinen Aufsatz im Weidmann" (1888, Nr. 27) Zahlen an, fr die in einem Jahr durch die Entenkojen und durch unter Wasser an den Ksten errichtete Netze gefangenen Enten. (Es werden nmlich vielfach die Tauchenten durch unter der Ober- ' flche des Wassers befindliche Netze gefangen, in welche sie beim Tauchen geraten, um darin zu ersticken). Nach einer glaubwrdigen Notiz sind auf Fhr im vergangenen Jahre gegen 32000 Stck er- beutet worden. AufFehmarn und an verschiedenen Orten der Kste, wo unter Wasser" gefangen wird, drfte die Kopfzahl mindestens 50,000 betragen; wir hier an der ostfriesisohen Kste nehmen unser bescheidenes Teil. d. h. weidmnnisch, wenn es hoch kommt alles in allem mit ungefUhr 10,000 Stck weg. Streiche ich auf Sylt und Fhr selbst diverse Tausende und schtze ich den Fang auf den beiden Inseln zusammen jhrlich auf 50.000. Fehmarn mit der Kste auf 50,000, in Ostfriesland auf 10,000, so beluft sich die Gesamt- ausbeute an der deutschen Nord- und Ostseekste auf 110,000 Stck Enten .... Muss es da nicht Wunder nehmen, wenn es berhaupt noch Enten giebt?" .... In der That ist es klar, dass die Entenkqjen zur Verminderung der Enten ausserordentlich viel beitragen, und es erscheint gerecht- fertigt, wenn die Frage angeregt wird, ob nicht etwa dieser lassen- fang etwas eingeschrnkt werden knne oder msse, etwa durch Ver- krzung der Fangzeit oder vielleicht durch ein Verbot des Unter- Wasser-Fangens. Nicht nur, dass diese Methode durchaus unweid- mnnisch ist, sondern das Wildpret wird sehr oft durch das lange Liegen im Wasser fr die Kche total unbrauchbar. Freilich ist der Entenfang ein altes friesisches Recht, welches die zhen Ksten- bewohner nicht werden aufgeben wollen. Es knnte aber schliess- lich dahin kommen, dass die Kojen von selbst ausser Betrieh gesetzt werden, weil es an gengender Beute fehlt. Dr. Ernst Schaff. 62 Natuiwissensi-liaftllehe Woohenschiift. Nr. 8. Kloake" beim Haussehwein. G. Lurze teilt in dem Zoologischen (iarteii" (Mrz 1888) die Beobachtung', einer Miss- bildung am Verdanungskanale eines Haiissch weines mit. Das Tier, vielleicht ein halbes Jahr alt, 150 Pfd. schwer und zum Schlachten bestimmt, hatte keine besondere Afteroftnung, sondern der Mastdarm mndete etwa einen Zoll von der Vulva in die .Scheide ein. so dass in dieser Vereinigung ein Analogon zur Kloake der Monotrematen erblickt werden kann. Eine neue Erklrung des Polarlichtes. Auf .Seite 30 Bd. II der Naturw. Wochenschrift" habe ich kurz ber die inter- essanten Versuche von Arrhenius ber das Leitungsvermgen beleuchteter Luft lieriohtet und am Schlsse angedeutet, dass diese Untersuchungen mit denen von Hertz und Wiedemann neue Aufschlsse ber die Elektricitt der Luft erwarten Hessen. Dieses hat sich nun berraschend schnell schon whrend des Drucks jener Nummer besttigt, denn in Nr. 16 des Naturforscher" benutzt l>r. P. Andries die erwhnten Thatsachen zur Erklrung des Polarlichtes. Neuere Untersuchungen haben mir Sicherheit dar- gethan. dass unsere Atnio.sphre stets Eisnadelschichten enthlt und diese verwertet nun Dr. Andries fr seine Auti'assung. Es lsst sich nmlich experimentell nachweisen, dass die Sonnenstrahlen im Eise Elektricitt hervorrufen, und daher kann man wohl schliessen, dass durch die Bestrahlung der Eisnadelschichten durch d-ie Sonne elektrische Strome in denselben erregt werden. Die Luftsiliicht auf derjenigen Seite, welche von der Sonne beleuchtet wird (Tag- .seite), befindet .sich, da Beleuchtung und Leitungsvermgen eines fiases ja in Zusammenhang stehen, im Zustande grsster Leitungs- fhigkeit. Zur selben Zeit findet aber in den Eisnadelschichten die Elektricitiitsentwicklung .statt und zwar am strksten da, wo die Sonne im Zenitli steht. Von dieser Stelle der strksten Beleuchtung und Elektricittsentwicklung wird daher die Elektricitt nach allen Dichtungen strmen, so dass an der Beleuchtungsgrenze die Dichtig- keit derselben wchst. Denkt man sich nun die Erde als aus zwei zum Erdmittelpunkt konzentrischen Kugelschalen bestehend, von denen die eine mit freier positiver Elektricitt geladen ist. und sich an der Grenze der Atmosphre befindet, whrend die andere, mit negativer Elektricitt geladene, sich in der Erdrinde befindet, so kann man sich von den elektrischen Vorgngen der Erde und Luft eine Vorstellung machen. Unter dieser Annahme erklrt Dr. An- dries das Nordlicht als den Ausgleichungsprozess zwischen der ErdobeiHche und jener elektrischen Kugelschicht der Atmosphre". Hat die Elektricitt in der Luft eine gewisse Spannung erreicht, so wird dieser Ausgleich vor sich gehen, wobei die untere At- mosphre durch ihren Widerstand hemmend wirkt. Die Folge ist, dass in hheren Schichten Strahlen auftreten, die Nordlichtstrahlen, welche also nur die Strome darstellen, die den Ausgleich bewirken. Bei dieser sehr interessanten iM'kliiing des Nordlichtes ist das Auftreten lokaler Polarlichter ohne weiteres erklrlich, es wird dies dajin gescheheji, wenn der Leitungswiderstaiul der Luft aus irgend welchen Grnden an einem Orte verringert ist, hier wird alsdann jener Ausgleich stattfinden, d, h. ein Nordlicht zum Vorschein koinmen. Nimmt man diese Erklrung an, so sieht man sofort ein. dass einerseits die Erdstrme sehi' stark vom Nordlicht beeintlusst werden mssen, und dass anderseits das letztere von den Vernderungen der Beleuchtungsgrenze und der Beleuchtungsintensitt alihngt. Die Grenze ndert sich sowohl tglich als auch jhrlich, es wii'd also der Nordlichtgrtel, d. h. das Gebiet, in welchem Nordlichter auftreten, eine tgliche und jhrliche Vernderung oder Verschiebung erleiden. Von der Beleuclitungsintensitt hngt ferner die mehr oder minder grosse Strke und Hufigkeit des Polarlichtes ab, und zwar weiss man, dass hierin eine eltjhrige Periode herrscht. Da aber die Inten.sitt der Sonnenstrahlen ohne Zweifel mit der grsseren oder geringeren Zahl der Sonnenflecken in Zusammenhang steht und in dem Auftreten der letzteren eine eltjhrige Periode kon- statiert ist. so wird jedem der hier herrschende urschliche Zu- sammenhang einleuchten. Wir mssen es uns versagen, diese interessante und einfache Erklrung jener geheimnisvollen und rtselhaften Lichterscheinung weiter zu verfolgen, wie dies Dr. Andries in seinem Aufsatze thut. Der .Schleier des Geheimnisvollen ist von dem Phnomen des Polarlichtes gezogen worden, welches dazu bestimmt sein sollte, dem Bewohner der Polargegenden whrend der langen Nacht des Winters das rosige Licht zu ersetzen, ist aber der Zauber der Wirklichkeit" dadurch verringert worden? A, Gutzmer. Ueber die Regenverhltnisse der westliehen Staaten der nordamerikanischen Union .sind von dem General Greely Untersuchungen angestellt worden, welche vor allen Dingen beweisen, dass es in Nordamerika keine regenlosen Gebiete giebt, wie so oft behauptet worden ist. Je mehr Stationen in Thtigkeit traten, desto mehr zogen sich die Trockengebiete auf den Karten zusammen und das Gebiet des mit weniger als 125 mm geschtzten jhrlichen Niederschlages ist fast ganz verschwunden. Dass berhaupt die Existenz umfangreiclier Troekengvbiete so lange als sicher angenommen wurde, hat zum Teil seinen Grund darin, dass man von der irrigen Ansicht ausging, zur Kulturfhig- keit der beregten Landstrecken gehre eine jhrliche Niederschlags- menge von mindestens 500 mm Hhe, .ledocli ist die Regenhhe allein nicht massgebend, wie die Erntestatistik von Dakota beweist, woselbst die durchschnittliche Kegenhhe 1885 und 1887 nur 3^0 resp. 384 mm betrug. Der Schluss von der Kulturtahigkeit des Landes auf das notwendige Minimum des Niederschlages ist daher unzulssig, da sehr viel von der Jahreszeit abhngt, in welcher die Hauptmasse des Niederschlages fllt, sowie von der grsseren oder geringeren Verdunstungsfahigkeit des Bodens. Die in frheren Jahren gemeldeten niedrigen Ilegeinnengen erklren sich zum Teil durch den Umstand, das,'; eine gr^s^^ Zahl der Stationen an der Zentral-Pacitic-Eisenbahn gelegen war. welche gerade den allertrockensten Teil des Landes durchschneidet, sodass der Durchschnitt fr das Land infolgedessen viel zu gering ausfallen musste. l)r. Ernst Wasner. Astronomisches. 1. Astronomische Neuigkeiten. Neuer Planet. l)er uneimdliche Planetenentdecker, Palisa hat die Anzahl der kleinen Planeten wieder um ein Exemplar vermehrt, es ist dies bereits der 276. seiner Gattung. Aufgefunden wurde er am 17. April im Sternbilde der Jungfrau. Seiner Helligkeit nach ist er der elften Grssenklasse zuzuzhlen. Komet Sawerthal. Der neue Komet gewhrt einen ausser- ordentlich schnen Anblick im Fernrohr. Engelhardt berichtet aus Dresden nnterni 15. und 19. April, der Komet ist sehr hell. Der Schweif welcher am 15. eine Lnge von 40 Bogeuminuten hatte, ist am 19. bereits bis auf 75 Bogeuminuten angewachsen. Anlang- lich schmal, erweitert er sich allmhlich und ist an dem Ende etwa dreimal breiter als am Kopfe. Vom Kopfe bis zur Mitte des Schweifes ist in demselben ein heller, linienfOrmiger Streifen sicht- bar, welcher genau in der Schweifaclise liegt. Der Kern war am 15, von gelblich-weisser Farbe und doppelt. Der Hauptkern ist scheibenfrmig, sein Begleiter ist kleiner, sternartig und geht dem Hauptkerne sdlich voran. Die Kerne liegen in einer kleinen, ge- meinschaftlichen, ov.ilen, hellen Hlle, welche von einer zarten Nebel- hlle umgeben ist. Am 19. war die Hlle gelblich und so hell, wie die Kerne selbst, dass die 1'eilkerne in unscharfer Trennung erschie- nen. Die Entferiumg der beiden Kerne betrug 6,3 Bogensekunden. H. Astronomischer Kalender. Am 18. Mai Sonnenauf- gang 4 Uhr 1 Minute, Sonnenuntergang 7 Uhr 52 Minuten; Mond- aufgang nachts 1 Uhr 4 Minuten, Untergang mittags 10 hr 23 Minuten, Am 25, Mai Sonnenaufgang 3 Uhr 52 Minuten, Unter- gang 8 Uhr 2 Minuten; Mondaufgang abends 7 Uhr 53 Minuten, Untergang nachts 4 Uhr 9 Minuten. Am 18. Mai 11 l'hr 58.7 Minuten erstes Viertel, am 25. Mai 2 Uhr 33.7 Minuten A'ollmond. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 18. Mai 3 Minnten 47.2 Sekunden, am 25. Mai 3 Minuten 15,5 Sekunden. Dr. F. I'lato. Denaturierter Spiritus. Die unter dem Publikum noch immer bestehende Abneigung gegen den Gebrauch von denaturiertenj Spiritus im Haushalte, sowie zu gewerblichen Zwecken, llirt, wie die Chemiker-Zeitung vom 18. April d. J. ausfhrt, zum grossen Teil daher, dass anfangs die zur Ungeniessbarmachung dienenden Zusatzstoffe in einem anderen Mischungsverhltnis und in zu grosser Jlenge angewandt wui'den und dass der so denaturierte, ziemlich stark riechende Spiritus gegenwrtig noch nicht vllig im Kleinhandel abgesetzt worden ist. Das zuerst angewandte Verfahren bestand darin, dass man zwei Raumteile Holzgeist mit einem Raumteil Pyridin mischte und von diesem Gemisch 3/ auf 100 ! 100 prozentigen Alko- hol anwandte. Das Pyridin (C5H5N). eine farblose, stark basische, bei 117" ('. siedende Flssigkeit, ist nebst anderen Pyridin-Basen namentlich in dem durch trockene Destillation entfetteter Knochen gewonnenen animalischen Teer enthalten. Es ergab sich nun schon nach den ersten Monaten, dass die zugesetzte Menge des Pyridins zu hoch gegriffen war. Infolgedessen hat man durch Bundesratsbeschluss vom 15. Dezember v. J. ab das Denaturierungsverfahren derartig abgendert, dass man 4 Teile Holz- geist mit einem Teil Pyridin mischt und den Zusatz auf 2V2 ' fr 100 / lOOprozentigen Alkohol ermssigt. Auf diese Weise untrink- bar gemacht, drfte er den billigen Anforderungen des Publikums entsprechen, da er durch den Zusatz die Verwendbarkeit zu allen sonstigen Zwecken behlt, whrend der gegen frher weit schwchere Holzgeist- und Pyridin-Geriic-h bei einiger Lftung ziemlieh rasch verfliegt. W. Fragen und Antworten. Gesammelte Exemplare von Neerophorus germanieus fand ich mit einer Menge von Milben besetzt. In welchem Ni'. s. Natiu'wLssenschaftlidie Wocliensclirift. 63 Verhltnis stehen diese zu dem Kfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. Dil' aiil iliT Krpi>robfrrtclu' Vdii Necruphorus ,i;eMii:uii<'us uiid alliieren Aiteii ilersellioii (iattmig lii'tiiiillii'luMi MiHii'ii neliiirT'ii zu (ramasus coU'optratd rum L. (Uaniusiilae, Klasse Arai'linoiilea"). Es sind keine eiyt'iitlielien Sclimarotzer, da sie aiit' dem Ivilrper der Kfer -iitzen, oliiie sioli t'estzusaug'en. Sie leben vielnielir in faulen- den Substanzen (Aas. Kotauswurf) und benutzen die an gleichen Orten lebenden KUfer, z. B. die eben j^enanuteu. nur als Vehikel. Aui'h Mistkfer ((xeotrypes) sind si'wOhnlii'h mit diesen Milben be- haftet. Kiillie. Litteratur. A. Schubert: Pflanzenkunde fr hhere .Mdchen- schulen und Lehrerinnen-Seminare. 'IVil I. (Erster und zweiter IvursusV Mit 104 Holzschnitten. Verlag von Paul Parev in 15erlin. 1888. Preis geb. 2 J(. Weitgehender Arbeitsteilung verdankt unsere Zeit die raschen Fortschritte auf vielen Gebieten der Kultur. Aus unzhligen Quellen Hies.^t der Strom unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die l'dagogik kann uiul darf sich nicht der allenlinu iwierigen Auf- gabe entziehen, die leitenden Ideen ihrer Zeit fr die T<>ziehung und Bildung der .lugend soweit fruchtbar zu machen, als aus ihnen ein gesicherter Bildungsinhalt von bleibendem Werte sieb gewinnen liisst. An der Verniittelung dieses Bildungsinhaltes nimmt heutzutage das weibliche Geschlecht einen stets wachsenden Anteil. Dass aber die derzeitige Mdchenerziehung dafr berall gengende Grundlagen geschati'en htte, wird kaum jemand zu behaupten wagen. Am schwchsten ist es erfahrungsmssig mit der Befhigung bestellt, auch nur die Elemente naturkundlichen Brkennens richtig und zweck- mssig der Erziehung- dienstbar zu machen. Die Schuld trgt hutig eine Art der Unterweisung, welche die Natur nicht beim Geiste zu fa-ssen versteht. Wie wenig insbesondere der liotanisclie Schulunter- richt den modernen Standpunkt der Wissenschaft bercksichtigt, lehrt zur Genge ein Blick auf die noch vielfach in Jldchensoliulen demselben zur Grundlage dienenden sogenannten Leitfden, welche meist den Eindruck hervorbringen, als htte die botanische Forschung seit Linne's Zeiten einen hundertjhrigen Schlaf geschlafen und nie- mals Mnner wie Darwin, Mller, Ngeli, Sachs. Bichler, Schwendener u. a. in ihren Reihen gehabt. Diesem Mangel ab- zuhelfen, den unerschpdichen Bildungsgehalt der Pflanzenwelt dem Teile der Menschheit besser zu erschliessen, dem mehr und mehr die Aufgabe zufallen muss, den heranwachsenden Geschlechtern schon vor der Schulzeit durch die erste Anleitung und Beleh- rung die Grundlagen einer vernnftigen Weltanschauung vorzu- bereiten: das ist der Zweck des im Titel genannten Buches. Es sucht denselben zu erreichen durch Untersttzung bei einer ein- gehenden und grndlichen Betrachtung pflanzlicher Individuen, durch mannigfaltige Anregung zur Naturbeohachtung, durch stete Bezugnahme auf den Zusammenhang zwischen Form und Punktion der Organe, durch Hinweis auf die Wechselwirkungen in der organischen Welt, durch Anbahnung des Verstndnisses der die Vernderungen in der organischen Gestaltuiig bedingenden lokalen und klimatischen Verhltnisse u. s. w. Die Form, in welcher der angedeutete Inhalt dargeboten wird, bercksichtigt in geschickter Weise die Mdchennatur und trgt dem jugendlichen Verstndnisse Rechnung, ohne sich soweit zu verriachen. dass sie aufhrte, be- stndige Denkarbeit herauszufordern. Schubert hat mit Begeisterung fr seine Sache die Arbeit aufgenommeu und bei den gediegenen Kenntnissen, die ihm zur Verfgung stehen, trefflich ausgefhrt. Fr die Schule, welche die Zukunft des Men.schengeschlechtes in Hiulen hat. hst das Beste gerade gut genug'". Schubert's Pflanzenkunde ist das dem Rezen- senten bekannte beste Buch seiner Art: mchte es den Schund (ich linde kein besseres Wort), den man den Kindern vielfach zu bieten wagt, verdrngen helfen I Breuer, A., Konstruktive Geometrie der Kegelschnitte auf Grund der Fokaleigenschafien. gr. 8". (V, 110 S.) Preis \ jW m ^. .1. Bacmeister in Eisenach. Ceechi, A., Fnf Jahre in Ostafrika. Reise durch die sdlichen Grenzlnder Abes.siniens von Zeila bis Kaffa. gr. 8*^. (XI, 541 S. :n. Illustr.) Preis 15 Jt.\ geb. 17 JC. Julius Bohne in Berlin. Damm, L. A., Xeura Handbuch der Medicin fr Aerzte und gebildete Nichtrzte. 1. Bd. 6. Lfg. gr. 8". (S. 145176.) Preis SO ..j. Staegmayr'sche Verlagsh.-(Ant. Carl Staegmeyr) in Mnchen. Darwin, Gh., Gesammelte Werke. Aus dem Engl, bersetzt von .1. V. Carus. 112. u. 113. (Schlus.s-)Lfg. gr. 8". (10 Bd. S. 2-57 Ins 402.) l'reis a 1 JC 20 ..j. E. Schweizerbart'sche Verlagshdlg. (E. Koch) in Stuttgart. Drechsel, E., Leitfaden in das Studium der chemischen Reaktionen und :ur qualitativen Analyse. 2. Aufl. gr. 8". (VIII, 126 S.) Preis geb. 3 M. Johann Ambrosius Barth in Leipzig. Engler, A., u. K. Prantl, Die natvliehen Pntizenfamilien nehst ihren Gattungen und wichfigeren Arten, insbesondere den Xuttpflanzen. 18. Lfg. gr. 8". (3 Bog. m. Illustr.) Sul)3kr.-Pr. 1 .K ."i(l .(; Kinzi'lpr. 3 Jt'. Wilhelm Engelmann in Leipzig. Ettingshausen, C. Frbr. v., u. F. Krasan, Beitrge zur Er- forschung der atavistischen Formen an lebenden P/lanzen und ihrer Beziehungen :u den Arten ihrer Gattung. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (12 ,S. m. 4 Taf.i In Komm. Preis 2 JC 20 j. G. Freytag in Leipzig. Everett, J. D., l'hgsikalisrhe Einheiten und Konstanten. Den deutschen Verhltnissen angepasst durch P- Chappuis u. I>. Kreioh- gauer. gr. 8". vV, 120 S.) Preis 3 JC. J. A. Barth in Leipzig. Erk, F., Der Fhn. Eine meteorolog. Skizze. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (19 S- m. 4 Karten.) Preis 1 JC. Literarisch-artistische Anstalt (Theodor Riedel) in Mnchen. Griebsch, P., Beitrge zur Keiuitnis der physikalischen Isomerie einiger Hgdro.rgUiminderivate. 8". (44 S.) Preis 1 .'(C. Grfe und Unzer in Knigsberg in Pr. Haeekel, E., Sijsteni der Sipltonophoreii. auf phylogenet. Grund- lage entworfen. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (46 S.) Preis 1 JC 20 4. Ciustav Fischer in .lena. Hansen, A., u G. Khne, Die Pfaiizemoelt. 9. Lfg. gr. 8". (2 Bog.) Preis 40 .(. Otto Weisert in Stuttgart. Hauck, G., Lehrtiuvh der Stereometrie. Auf Grund v. F. Kommerell's Lehrbuch neu bearb, 6. Aufl. gr. 8. (XVI, 226 S. m. Illustr.^ Preis 2 JC 40 .j. H Laupp'sche Buchh. in Tbingen. Hertwig, O., Lehrbuch der Entivickehingsgeschichtc d. Menschen u. der Wirbeltiere. 2 Aufl. gr. 80. (XII, 519 S. m. Illustr.) Preis 11 JC. Gustav Fischer in Jena. Hann, J., Resultate d. L .Jahrganges der meteorologischen Be- obachtungen auf dem Sonnhlick (3095 m.) (Sep.-Abdr.) gr. 8". (34 .S.) In Komm. Preis 60 ..j. G. Frevtag in Leipzig. Hempel, A., Ue/;-r elektrische Induktion.' i^. (18 S.) Preis U<^. R. Grtner in Berlin. Hollenberg, A., Stcke aus der Physik. Ein Wiederholungsbucli fr Schler der Vidk.sschulen. 3. Aufl. 8". (32 S.) Preis 20 .4. J. W. Spaarmann in Moers. Klscher, F. M. A., Die naturwissenschaftliche Weltansicht in Beziehung auf Religion und Staat, Erwerb und Ehe. Kritik V. M. Nordau's konventionelle Lgen etc. gr. 8". (127 S.) Preis 2 JC 40 .(. Friedrich Andreas Perthes in Gotha. Httmann, Jastram, Mrten, Weltkunde. Leitfaden d. Geographie, Geschichte, Xatur>;eschichte, Physik und Chemie 12. Aufl. Be- arbeitet V. Httmann, Mrten, Renner, gr, 8". (394 S.) Preis l ^'IC 00 -.11. Helwing'sche Verlags-Buchhandlung (Th. Mierzinsky) in Hannover. Hoesch, L., lieber die Koefficienten d. Ausdrucks z]"x'' u. einige ni. ihnen verwandte Zahlenverbindungen. 4". (22 S.) Preis 1 JC. R. Grtners Verlag in Berlin. Kerner v. Marilaun, A., Studien ber die Flora der Diluvial- zeit in den stlichen Alpen. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (33 S.) In Komm. Preis 60 .j. G. Freytag in Leipzig. Kleneke, H., Das Weib als Gattin. Lehrbuch ber die physischen, seel. u. sittl. Pflichten, Rechte u. Gesundheitsregeln der deutschen Frau im Eheleben. 9. Aufl. 8. (XV, 506 S.) Preis 6JC; geb. 6 JC. Eduard Kummer in Leipzig. Krebs, G., Grmidriss der Physik fr hhere realist. Lehranstalten. 2. Aufl. gr. 8". (VI. 524 S.) Preis 5 JC. Veit & Comp, in Leipzig. Landois, L., Lehrbuch der Phi/siologie der Menschen. 6. Aufl. 3. Abt. gr. 8". (S. 481720.) Preis b JC. Urban & Schwarzen- berg in Wien. Mitteilungen, Botanische, aus den Tropen, hrsg. v. A. F. W. Scliimper. 1. Heft. gr. 8. Preis 4 ./^^ bO 4 Inhalt: Die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen u. Ameisen im tropischen Amerika, Von A. F. W. Schimper. (96 S. m. Illustr.) G. Fischer in Jena. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken} liefern tvir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten tvir uns bestens euijifolilen. Berlin 8W. 48. Die Kxpedition der ,,iratnrwisseiischaf'tlichen Woehensflirift". Briefkasten. Herrn William Baer. Denaturierter Spiritus kann auch zum Konservieren naturhistorischer Objekte verwendet werden. Vergl. die kleinere Mitteilung in dieser Nummer der Naturw. Wochenschr. Herrn Hayn. Die Beantwortung Ihrer Frage finden Sie in dem Buch von G. A. Ziegeler: ,Die Analyse des Wassers" (Stutt- gart 1887). 64 Natnrwissetii'haftlii'he Wodit^nschritt. s. 1^P^.%, namentlich Anzeigen aller optischen, chemisclien, physikalischen etc. Gertscliaften, Naturalien, Clit-mikalien, sowie Bcheranzeigen linden weiteste und passendst<^ Yeibre'itiini.'-. H'ir ftnitt'chlcH unser liUitt xiif Insertion von Stellen- Gesuchen iinil -Angeboten, sowie xu Anseigen. u-elrhe An- gebot. XaefiJ'ruffe und Tausrli naturu-issensrhuftlieher Saintnlunf/en etr. vermitteln. Herder'sehe Verlagshandlung, Freiburg im Breisgau. Siirhfii ist ersihiciit'ii u. ilmcli allf IJuclihaiulliiii^^fii zu luv-ii-hfii : Jahrbuch der Naturwissenschaften, "l'^^^tr Eiitlialtoml die liei-vrragt'iidsteii Furtsflirittc auf ili'U (ieliieteu : Physik, t'heniie und i-iieiiiisohe 'iVi-lmologie; Jleohaiiik; Asrro- uuniie und mathematische Gengraphip; Meteorohjgie nnil physi- kalische (ieograpliie; /oohigie und Jiotanik. Forst- und Land- wirtschaft ; Mineralogie und (ieologie; Anthropologie und g^i t^rgeschiclite; Gesundheitspflege. Medizin und l'liy Biologie; 0, liiindcr- und Vlkerkunde; Handel, Industrie und Verkehr. T^nter litwirkung von FachniJinnern herausgegeben von Dr. Max Wildermann. Mit 24 in den Text gedruckten Holz- schnitten. 8". (XX u. 6.5 S.) J(!- (j; in Original-Einhand. Lein- wand mit Deckenpressung i/^ 7. Die Einbanddecke alleiTi 10 4. hieses Jahrbuch fhrt in gemeinverstndlicher, anregender Sprache die wichtigsten Errungenschaften vor, die das verflossene Jahr auf dem Gesomtgebiet der Xatnrwissenschaften gebracht hat. Die beiden frheren Jahrgnge haben eine beraus gnstige Auf- jrahnie gefunden. L^uj gg mehr ist dies von dem vcjrliegenden. in mehr- facher Tir-ziel: ziehuna' verv llkomnineten neuen Jahrgang zu erwarten. Balbi-ArendS, Allgemeine l^Irdbi-srhreibung oder Hausbuch des gengr. Wissens, (i Aufl. '2 starke Hnde. Lex. 8". 2424 Seiten mit vielen lllustr. 187s. In 2 eleg. Ganzleinenbnden. Statt M. 30, nur M. 10,. Bernstein, A., .Naturkraft und Geisteswalten. 1876. broch. Statt M ."., nur M. 3,. Diercks, 6., thitwicklungsgeschichte des Geistes der Menschheit. 2 Bde. 1882 Statt M. 10, nur M. 5,. Haeckel, E., (iesammelte populre Vortrge aus dem Gebiete der Ent- wickelungslehre. 2 Bde. mit 82 Abbild. Lex. 8". 1879. broch. Statt n. 8 nur BI. 5,. Harms, F., Die l'bilosophie in ihrer Geschichte. 2 Bde. 1879/80. Statt .AI. 18.50 nur 111. 7,. , (leschichfc der I'svchologie. 2. Aufl. 1879. Statt M. 7.50 nur M. 5,-. , Gescliichte der Logik. 1881. Statt M. . nur M. 4,. Horaeyer, E. F. V., Die Wanderungen der Viigel. 1881. broch. Statt M s. - nur M. 4,. , Ornitliologische Briefe, gr. 8. 1881. broch. Statt M(i. nur 111.2, . Vorstehende Bcher sind zu den beigesetzten bedeutend ermssigten Preisen von uns franko zu beziehen. Berlin SW. 48, Rieiiiaiin &. Mller. l-'riedrichstrass,- 22ii. Buchliandl'jnp fr Naturwissenschaft und verwandte Fcher. ber 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich fr jeden Gebildeten. =^ " MEYERS KONVERSAriONS-LEXIKON Xotariollo Kewtti;;aiig i'S tausendfarhcn Lolies l>er den lolUind. Tabak v. B. Kecker in Seesen a. Harz 10 1'fd. f ko. S Mk., haben die versch. Zeitungsexpedi- tioneii eineespheii. r.=?4] ti. 10. 'Tausend. Dr. "Wilh. Medicus, iliiisrri'-rtes mit 183 fein kol. Kferbuch ^S:"^;,. 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Dr. V. Schlegel: Ueber den sogenannten vierdiniensionalen R;iuni. (Fortsetzung.) Dr. Douglas H. Campbell: Paraftin-Einbettungs-Jlethode fr pflanzliche Objekte. Kleinere Mitteilungen: Ueber Massenvertilgung von Vgeln. Kloake" beim Hausschwi'in. Eine neue F>klarung des Polarlich- tes. -- Teller die Regenverhilltnisse der westlichen Staaten der nordamerikanischen Union. Astronomisches. Denaturierter Spmtus. Fragen und Antworten: Gesammelte Exemplare von Necrophorus germanicus fand ich mit einer .Menge von Milben besetzt. In welchem Verhltnis stehen diese zu dem Kfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. Litteratur: A. Schubert: J'flanzenkunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen-Seminare, Tl. 1. Bcherschau. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. Verlag: Riemann &, Mller. Druck: (irbrder Kiesau. Smtlich in Herliu. Verlag: Riemami & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. . Band. Sonntag, den 27. Mai 1888. Nr. 9. Abonnement : Man abonniert bei allen Buclihan.llungen iiuil Post- x Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 30 ..j. Grssere Auftrag austalteu, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsj)reis ist Je 2. ; (S entspreeliemlen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post l ^ extra. Jl annhme bei allen Annonceubureaux, wie bei der Expedition. Abdruck i!^t nur mit vollstndiger i^uellenangabe gestattet. Zechstein auf dem Kamm des Thringer Waldes und seine Bedeutung fr die Frage nach dem Alter des Gebirges. \'ii Dr. Er II .st Das eigentllclie Thringer Waldgebiige scheidet sich, wie jedem seiner zahlreichen Besucher sofort bei der An- nherung an dasselbe oder bei einem Au.sbliok vom Kamm aus auf das Vorland aufiaUt, von letzterem sehr scharf ab, sowohl durch die Hhe und Bodengestaltung, wie auch duich die Vegetation: Das Gebirge ist ein mchti- ger Krper aus hohen, dichtbewakleten Kegeln und Kuppen, die zum Teil nooii hoch ber den etwa 2300' hohen Kamm emporragen und durch tiefe Thalschluchten geti-ennt sind; das Vorland i.st ein feldbedecktes, flaches Tafelland von etwa 1400 bis weniger als 1100' Meeres- hhe, und von flachen TJialrinnen durchfurcht. Die Ur- sache dieses scharfen Unterscledes beruht auf dem eben- so sclu'o'en Gegensatz, den der geologische Bau beider Landesteile zeigt: Das Vorland ist lauter sedimentres Gebru", wie es V. v. Scheffel in seinem bekannten Lied vom Granit"' nennt, gebildet aus weithin horizon- ; talen oder schwachgeneigten Schichtentafeln der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), im Gebii-ge aber sehen wh- Eruptivgesteine, jenen Granit und die, wie j es im selben Liede, aber freilich wenig naturwahr heisst, \ von ihm zu Hilfe gerafenen wackeren Porphyre" mch- | tige Bergmassen zusammensetzen, und daneben noch deren j Epigonen, d. h. die aus ihrer mechanisciien und chemi- ' sehen Zertrmmerung und Veiarbeitung hervorgegangenen Tuffe, Konglomerate und Sandsteine in hervorragender, ! manchmal fast ausschliesslicher Weise am Gebirgsbau sich ! beteiligen ; es haben diese Bildungen Rotliegendalter, sonst waren im eigentlichen Thringer Walde bisher nur noch / iiiiiiifirmann. ltere, keinejngeren Gesteine bekannt. Der geologischen Bildungszeit nach ist nun zwischen RotUegend- und Bunt- sand.stein das Bindeglied der Zechstein, und dieser Rolle entsprechend findet sich dieser denn auch als fast un- unterbrochenes, wenn auch oft recht schmales Band am ganzen Fuss des Gebirges, d. h. also an der Grenze gegen das Vorland. Auch um den Harz herum bildet der Zechstein ein ebensolches Band. Er ist eine der ltestbekannten Formationen, ja von ihm ist ein gutes Teil der ersten geologischen Wissenschaft au.sgegangen, da in seiner untersten Schicht, dem Kupferschiefer, ein reicher Kupfei'- und Silbergehalt sich findet, seit alters der Segen des Mansfelder Bergbaues", von welch' letz- terem viele Bergleute und Geologen sich ihre Ausbildung geholt haben. Dieser Zechstein nun besitzt, wenn man nur wenig- stens ^/-i bis 1 hu vom Fuss des Gebirges entfernt ihn durch Bergbau aufgeschlossen vor sich sieht, ebenso wie die Trias eine ziemlich horizontale oder nur schwach vom Gebirge weg geneigte Lagerung, und so schloss man, dass das letztere vor .seiner Bildung entstanden war und nun als Festland aus dem Meere herausragte, dessen er- hrtete Kalk- und Mergelschlammabstze eben nun als Zech- stein bezeichnet weiden. Bei dieser Annahme ist aber schAver zu erklren, woher dann die steile bis senkrechte Schichtenaufrichtung des Zechsteines, ebenso aber auch der Trias an der unmittelbaren Grenze gegen das Rot- liegende komme; ebenso ist schwer zu erklren, warum nicht Gerolle, welche die Flsse aus jenem Festland doch 66 Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. 9. bringen mussten, nicht im Zechstein, Buntsandstein u. s. w. ; zu finden sind; endlich litten doch, wenn das jetzige Thiinger Waldgebirge Festland von der Zechsteinzelt an war, die Wittemngseintlsse (Frost und Hitze, Luft, Regen und Flsse) im Laufe der seitdem verflossenen Milonen von .Tahien Zeit genug gehabt, das Gebirge zu zerstren, wo doch die Flsse jetzt noch aUjhrlich ungeheuere Mengen von Schutt daraus fortfliren. Man sah sich deshalb zur Aufstellung einer anderen Theorie ber das Alter des Gebirges gentigt. Man sagte : das- selbe habe zur Zeit des Zechsteines und der ganzen Trias noch nicht als solches existiert, sei vielmehr damals unter i Meer getaucht gewesen und von dessen Sclamm- und i Sandabstzen berdeckt worden, sodass man sich das in : Fig. 1 dargestellte schematische Bild des Schichtenbaues , machen knne, wie es etwa am Ende der Triaszeit in j dem Gebiete, wo heute der Thringer Wald sich ei'hebe, I bestanden habe. Man nahm dann weiter an, dass spter (man hat Grund zu der Vermutung, dass es zur Zeit der Norddeutschen Braunkolenbildung geschehen sei) entlang von zwei gewaltigen, am ganzen jetzigen Gebkge beider- seits hinlaufenden Spalten .4,1 und BB in Fig. 2 das jetzige Vorland um wenigstens 2000 bis 2500' in die Tiefe gesunken und so das Gebhge erst als Hervorragung entstanden sei. Ursprnglich war es dann natrlich noch von der ganzen Sclchtenreihe des Zechsteines und der Trias bedeckt, aber diese Decke ist im Laufe der oben erwhnten Jahrmillionen abgesplt worden; ebenso hat die Absplung auch im Vorland gewirkt, wenngleich natrlich nicht so mchtig, und so mussten in der Zeich- nung durchpunktierte Linien die eliemals vorhandenen Lager, die jetzt nicht mehr vorhanden sind, ergnzt werden. Bei Gelegenlieit des Niedersinkens wurden die Rand- partien dei- Senkungsfelder geschleift und so ihre Schichten in steile Stellung gebracht. Man muss dieser Theorie, welche den Thringer Wald als einen zwischen gesunkenen Tafeln stehen ge- bliebenen Horst" ansieht, grosse Einfachheit und eber- einstimmung mit allen beobachteten Thatsachen, also grosse Wahrscheinlichkeit zusprechen ; aber sie bheb doch einigermassen immer noch Theorie gegenber der anderen, dass der Thringer Wald schon zur Zechsteinzeit aus dem Meere emporgeragt habe, bis nicht zusammenhngende Lager oder wenigstens einzelne Reste der vorauszusetzen- den ehemaligen Sedimentrdecke auf der Hhe des Ge- birges gefunden waren. Diese erst konnten Beweis fr die Richtigkeit der Horsttheorie efern. Und solche Reste finden sich in der That. Bekanntlich ist eine sehr charakte- ristische Tierform, welche zur Zechsteinzeit gelebt hat, ein muschelartig, zweiklappiges Tier mit langen Stacheln, welches den Namen Productus horridus fhrt. Die von mir bewirkte geologische Aufnahme des beliebten herr- lich gelegenen Luftkurortes Oberhof unweit des grossen Brandleitetunnels lehrte auf einem IS-IO' hohen Berg- gipfel bei dem Chausseehaus Wegscheid nrdhch von Oberhof, und in einigen Thlchen, die von da nach ver- schiedenen Richtungen ausgehen, beraus zahlreiche und bis ber centnerschwere Gesteinsblcke kennen, von denen einzelne ziemlich hufig jenen Productus samt seinen Stacheln enthielten. Diese Blcke lagen also ungefhr 450' ber dem Fuss des Gebirges, und nur etwa 250' unter dessen Kamm ; und ihre Beweiskraft war eigentlich schon gross genug; aber es fanden sich spter im Schnabel- bach sdstlich von Oberhof noch ebensolche Blcke in nur 1 km Entfernung vom Kamm, mussten also gerade- zu auf diesem selbst ursprnglich gelegen haben, wenn man in Betracht zieht, dass sie nicht mehr fest anstehen und somit schon ein Stck am Bergabhang von den Wssern hinabgefhrt worden sind. An letzterem Orte fanden sich freilich keine Productus im Gestein vor, und zudem zeigt dieses und das ist der zweite Grund, warum der Zechstein auf dem Kamm des Thringer Waldes ein ganz besonders hohes Interesse verdient eine solch himmelweit abweichende Ausbildung, dass wohl selbst kein Geolog, wenn er nicht die Gesteinsbergnge in die ebenfalls sehr stark, aber doch noch nicht ganz so stark abweichende Muttermasse der oben erwhnten Productus sehen knnte, an die Zechsteinnatur jener Blcke glauben wide. Es ist nm- lich im Schnabelbach ein sehr grobkrystallinischer, dunkel- brauner, dem Eisenkiesel linlicher Quarzit, der usserst hart und zh ist, am Stahl Funken giebt und nicht die Spui' von Kohlensure enthlt, whrend alle sonst be- kannten Zechsteingesteine ziemlich weich, kalkig, dolo- mitisch oder mergelig sind, und mit Salzsure befeuchtet stets lebhaft aufbrausen und Kohlensure entwickeln. Auch das produktusfhiende Gestein au der Wegscheid ist ein solcher Quai-zit, aber nicht so grobkrystallinisch. Unter dem Mikroskop zeigt das Gestein beider Fund- orte eine berraschende, beraus charakteristische Struktur, auf die hier nicht nher eingegangen werden kann; aber diese ist so eigentmlich, dass der Beweis fr das Zech- steinalter der Schuabelbacher Blcke trotz des Productus- mangels unumstsslich ist. Es ist nicht anzunehmen, dass der Quarzit ursprnglich als solcher entstanden, sondern durch kieselhaltige Quellen aus Kalkstein um- gewandelt ist. Nheres ber die interessanten Blcke findet man in den Erluterungen zur geologischen Special- karte \on Preussen und den Thringischen Staaten, Blatt Crawinkel. Nr. 9. Naturwissenscliaftliche Wocliensclirift. G7 Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Sclilegel. (Schlussj Diircli die letzten Betracht ung-en liaben wir uns der (Jrenze genhert, wo die Kompetenz der exacten Wissen- schaft in Sachen des vierdimensionalen Raumes auflirt, und das freie unbegrenzte Feld beginnt, auf welchem sich willkrlich und ohne zwingenden Grund erdachte Hypothesen tummeln, aberglubische Vorstellungen, welche den Inhalt dieser Hypothesen als Wahi'heit beti-achten, und endlich gewissenlose Spekulationen, welche sich be- mhen, wider besseres Wissen jene aberglubischen Vor- stellungen zu verbreiten. Ist nmlich der Mann, welcher vor unseren Augen das Schrotkorn aus der geschlossenen Kugel heraus- eskamotiert, ehrlich, so zeigt er uns entweder, wie er die Tuschung durch natiiiche Handgriffe in unserem Rume zu stnde gebracht hat, oder er lsst uns wenig- stens die Ueberzeugung, dass er unsere Wahrnehmung auf eine wenn auch von uns niclit begriffene Weise ge- tuscht hat. Will er sein Kunststck wrzen, so kann er dazu einen Vortrag halten, etwa wie folgt: Verehrtes Publikum, Thr gesunder Menschenverstand sagt Ihnen, dass weder ich noch ein anderer Sterblicher im Stande ist, das Schrotkorn, welches Sie in dieser Glaskugel liegen sehen, oder, wenn ich schttle, klappern hren, aus der Kugel heraus zu bringen ohne irgendwo die Kugel zu ffnen. Ich wrde es knnen, wenn ich im Stande wre, die Kugel mitsamt ihrem Inhalt fr einen Augenblick in den vierdimensionalen Raum zu versetzen." (Folgen die oben mitgeteilten Grnde.) Dieser vierdimensionale Raum existiert nun allerdings, und wiid, geradeso wie unser Weltraum, von denkenden und fhlenden Wesen bewohnt, welche einen vieidimensionalen Krper besitzen, geradeso wie Sie selbst einen dreidimensionalen. Diese Wesen sind keine anderen als die Geister unserer Ab- geschiedenen, welche dort in einer hhei'en Existenz weiter leben. Fr einen solchen Geist ist es ebenso leicht, unsichtbar fr uns, an jeder beliebigen Stelle in unseren Raum einzugreifen, und dort Dinge zu voll- bringen, die uns, weil sie die Gesetze der natrlichen Weltordnung verletzen, als Wunder erscheinen, wie es fr uns selbst ist, in jedem beliebigen Punkte der Papier- flclie die Federspitze aufzusetzen, daselbst Zeichnungen auszufhren, und die Spitze der Feder wieder von der Papiei-flche verschwinden zu lassen. Wre die Papier- Hche von zweidimensionalen Wesen bevlkert, so wrde diese Zeichnung fr sie ein ganz gleiches Wunder sein." (Folgt als Vorbereitung auf das zu erwartende Kunst- stck die Schilderung des oben beschriebenen zweidimen- sionalen Wunders, wie ein Punkt aus dem Innern eines Kreises herauskommt, ohne die Kreislinie zu passieren.) Ja noch mehr, ebenso, wie Sie selbst auf einer Ebene einen zweidimensionalen Schatten werfen, so venngen auch die vierdimensionalen Leiber jener Geister sich in unseren dreidimensionalen Raum zu projizieren, und so als dreidimensionale Gebilde Ihnen sichtbar zu werden. Es giebt nun besonders veranlagte Menschen, zu denen auch meine Wenigkeit gehrt, welche im stnde sind, die Geister zu solchen Eingriffen in unseren Raum zu veranlassen. Ich werde demnach die Ehre haben, diese Kugel einem von mir eigens zu diesem Zwecke citierten Geiste zur Vei'fgung zu stellen, der Geist wird sie, uns selbst unsichtbar, ebenfalls zum Verschwinden bringen, indem er sie in den vierdimensionalen Raum versetzt, dort wird er sie von dem Schrotkorn befreien, und dann wird beides, die Kugel und das herausgenom- mene Schrotkorn, pltzlich wieder vor Ihren Augen er- scheinen." Ist nun nach dieser Vorbereitung das Kunst- stck geglckt, und hat der Knstler seinen Vortrag mit dem Humor und dem Tone der leisen Selbstironie ge- halten, welcher dem Zuschauer die Ueberzeugung giebt, dass der Knstler zwar im Ernste seine Augen, aber nur im Scherz seinen Verstand habe tuschen wollen, so werden die Zuschauer die oratorische Zugabe als eine passende geistige Wrze des Kunststckes betrachten. Sollte aber einer unter ihnen sein, der dem Redner alles aufs Wort geglaubt hat, und dem nun eine vorher un- geahnte Perspective in eine vierdimensionale Geisterwelt und einen mglichen Verkehr mit derselben aufgegangen ist, so ist dieser' Mann ein Spiritist geworden, und zwar' ein ehrlicher, der wirklich glaubt, was er' gesehen und gehrt, und was er' sell)st vielleicht andere glauben machen will. Wenn endlich der' oben erwhnte Knstler den Anspruch erliebt, dass alles, was er' zur' Erklr'ung seines Kunststckes sagt, von den Zuscharrer'n fr- wahr- gehalten werden soll, und wenn er' diese seine vermeint- lichen Ueberzeugungen auch im Ernste anderen bei- zubringen sucht, so ist er' ebenfalls ein Spir'itist, aber' einer' von der schlimmen Sorte derjenigen, welche unter' dem Deckmantel der Wissenschaft das in dieser Wissen- schaft nicht gengend bewanderte oder' sonst leicht- glubige Publikum zu tuschen ver'suclien. Wir knnen jetzt die Popularitt des vierdimensionalen Raumes begreifen. Denn wir sehen ja diesen Begriff dur'ch den Spiritismrrs in Zusammenhairg gebr'acht mit derjenigen Frage, die von jeher den denkenden Geist wie keine an- dere beschftigt hat und beschftigen wird, so lange es Menschen giebt: mit der Frage nach unserer' Fortexistenz nach dem Tode. Fassen wir' lediglich die eine Behaup- tung des Spiritismus, dass die Seelen im vierdimensionalen Rume weiterexistieren, als eine der zahlreichen Hypo- thesen auf, welche zur Beantwortung dieser Fr'age auf- gestellt worden sind, so ist die Annahme dieser Hypo- these, wie so vieles Andere, wofr kein direkter Beweis erbracht werden kann, eben Sache des Glaubens. Wenn aber wirklich jemand im Ernste die Verbreitung dieses Glaubens sich wollte angelegen sein lassen, dann wrde er' besser thun, ein ehrliches ignorabimus auszusprechenj 68 Naturwissenschaftliche Wochenschi'ift. Nr. 9. als wie der Spiiitist es macht, ein aller Wissenschaft und Erfahrung hohnsprechendes Beweisverfahren einzu- schlagen, welches nicht nur alle Augenblicke als Tuschung entlarvt wird, sondern selbst dem (ilubigen die Aussiclit auf eine Zukunft veileiden msste, in der er keinen Augenblick sicher wre, von seinen ehemaligen Mit- menschen citiert und zur Verbung von allerlei Unfug und Albei'nlieiten missbraucht zu werden. Ueberlassen wii' also den vierdiniensionalen Raum den Mathematikern, die schon seit einer ganzen Reihe von Jahren sich in demselben huslich eingerichtet und eine wahrhaft fruchtbringende und fr die Fortentwicke- lung der Wissenschaft ntzliclie Thtigkeit darin ent- faltet haben. Unterscheiden wir aber vor allen Dingen zwischen diesem rein abstrakten Gebilde geometrischer Ueberlegung, welches uns nirgends in Widersprche mit anerkannten Gesetzen verwickelt, und dem Raum der Spiritisten, welcher ohne weiteres als wiiklich existierend angenommen und mit unserem Weltraum in einen Zu- samuienhang gesetzt wird, der zwar zum Teil theoretisch richtig begiiindet ist, dagegen in seinem Anspruch auf wirkliclie Existenz mit den durch jahrtausendelange Er- fahrung besttigten Gesetzen unserer Weltordnung in Widerspruch gert und daher zu verwerfen ist. Mit dieser Gegenberstellung drfte der Begriff des vier- dimensionalen Raumes hinreichend geklrt sein. Ueber die niedrigste Temperatur der folgenden Nacht und die Mitteltemperatur des knftigen Tages. Von Franz Bendt. Es ist eine bekannte Erscheinung, dass durch eine einzige kalte Nacht zuweilen die gesamte Ernte der Weinberge einer Gegend vernichtet werden kann. Auch der Grtner hat jene launige Eigentmlichkeit der Witte- rung zu frchten, diu'ch welche besonders im Frhling und im Herbst nach einem milden Tage die Temperatur der Nacht pltzlicli unter den Gefrierpunkt sinkt. Es drfte daher von Interesse sein, mit einer voi' kurzem von dem Genfer Astronomen A. Kammermann gegebenen Me- thode bekannt zu werden, welche es ermglicht, die tiefste Tempei-atur der folgenden Nacht schon am Nachmittage vorausbestimmen zu knnen. Eine fr die Land- whtschaft hchst bedeutungsvolle Frage", schreibt der- selbe, ist im Frhling unzAveifelhaft die Vorausbestim- mung der tiefsten Nachttemjjeratur, und gei'ade diese knnen die meteorologischen Centralstationen fr einen bestimmten Ort unmglich beantworten. Es ist ja lngst bekannt, dass zwei nui- wenige Meilen oder noch weniger von einander entfernte Orte zwei sehr verschie- dene Nachtminima aufweisen knnen und meist auch aufweisen. Diese Bestimmung ist also nur durch rtliche Beobachtungen mglich, und zwar, wie ich zeigen werde, mit ziemlich grosser Annhe- rung, schon um 1 Uhr Nachmittags." Es erschien anfangs, als ob der Beobachter, welcher sich der Kammer man n'schen Methode bedienen wollte, gezwungen sei, eine bestimmte Konstante fr seinen Ort zu ermitteln. Durch sptere Untersuchungen von Troska ist aber festgestellt worden, dass die Zaiden fr Genf allgemeine Giltigkeit haben. Wir gehen nun zur Schilderung des hchst einfachen Verfahrens ber: Man bedient sich zur Vorausbestiinmung der tiefsten Temperatur des feuchten Thermometers", welches folgende Einrichtung hat. Ein gutes Celsius-Thermometer mit mglichst grosser Gradeinteilung wird an seiner Kugel mit einer Hlle von Musselin oder Leinwand in einfacher Lage umwickelt und aus einem daninter aufgestellten. mit Wasser angefllten Gefsse andauernd feucht ge- halten. Dies auf dem Wege kapillarer Leitung zu ver- mitteln, dient ein entsprechend langes Bndel von etwa zehn Baumwollenfden, welche oberhalb der Thermometer- kugel zusammengescWungen. im brigen Verlaufe zu- sammengeflochten werden und in das mit Wasser gefllte Gefss hineinhangen. Die Musselinhlle, sowie die Baum- wollenfden mssen vor dem Gebrauche in warmem, weichen Wasser ausgewaschen und fernerhin sehr sauber gehalten werden; gut ist ein monatlicher Wechsel. Das feuchte Thermometer ist sodann an einem Orte auf- zustellen, wo es vor den Sonnenstrahlen und auch vor der Ausstrahlung des Hauses geschtzt ist, am besten inneihalb eines weiss angestrichenen Kastens, dessen Inneres mit der Luft mglichst frei zirkuliert, wie solcher zu diesem Zwecke von den Mechanikern verfertigt wird. Man wird bemerken, dass ein feuchtes Thermometei' um einige Grade tiefer steht, als ein trockenes und zwar um so mehr je trockener die Luft ist. Die wichtige Thatsache nun, welche Kammer mann fand und auf welche sich die Prognose grndet, ist, dass die tiefste Temperatur der nchsten Nacht um 4C. niedriger ist, als die Temperatur, welche das feuchte Ther- mometer am Nachmittage des vorhergehenden Tages zeigt. Um die Prognose fr die kommende Nacht zu stellen, hat man daher von der Temperatur, welche das feuchte Thermometer am Nachmittage zeigt 4 " zu subtrahieren; ergiebt die Differenz eine Temperatur unter Null, dann ist Nachtfrost zu erwarten. * Durch eine hnliche Methode, wie die soeben ge- schilderte ist es Dr. Troska, dem oben bereits ge- nannten Gelehrten, auch gelungen, die mittlere Tem- peratur" des nchsten Tages vorausbestimmen zu knnen. Er zeigte nmlich, dass die niedrigste Tempe- ratur der Nacht im allgemeinen in bestimmter gesetz- Nr. !t. Natiiiwissensdiaftliche Woclieiischrift. 69 massiger Beziehung zu der Temperatur um 8 Uhr moigens des darauf folgenden Tages stellt. Die Temperatur um 8 Uhr morgens ist aber erfahrungsgeniss gleich der mittleren Temperatur desselben Tages. Zur Bestimmung des nchtlichen Minimums bediente sich Tros'ka der Taupunktmethode. Unter Taupunkt versteht man bekanntlich den Temperaturgrad, bei welchem sich die atmosphrische Feuchtigkeit kon- densiert: in jedem Elementarlehibueh der Physik findet man Methoden zu seiner Bestimmung. Wir wollen uns merken, dass beim oben be.schriebenen feuchten Ther- mometer die Temperatur des Taupunktes in der warmen Jahreszeit i" C, in der kalten Jahreszeit 3" C. unter dem Stande desselben liegt. Es zeigt sich also, dass die niedrigste Temperatur der Nacht gleich der Temperatur des Taupunktes ist. Gehen wir nun zur Schilderang der Vorhersagung selbst ber. . Es ist eine bekannte Regel, dass auf eine kalte Nacht ein khler Tag und auf eine warme Nacht ein noch wrmerer Tag folgt. Kann man aber, wie soeben gezeigt, schon am Nachmittage oder am Abende das Minimum dei- Nacht bestimmen, dann muss es auch mglich sein, die wahrscheinliche Temperatur fr 8 Uhr am Morgen des nchsten Tages zu ermitteln. Das ncht- liche Minimum tritt regelmssig etwas vor Sonnenaufgang ein und von da an bemerkt man ein Ansteigen dei' Temperatur. Dr. Troska fand liierfr folgende Regel: Die Temperatur um 8 Uhr morgens (= der mitt- leren Tagestemperatur) bersteigt die des ncht- lichen Minimum um soviel Grade, wie Stunden seit dem Aufgange der Sonne verflossen sind. An einem Beispiele mag jetzt gezeigt werden, wie eine Prognose mit Hilfe dieser Regel zu stellen ist: Man bestimme die Temperatui' des nchtlichen Minimum (Tau- punktes) am Nachmittage; sie sei gleich 9 " G. Die Sonne gehe um 6 Uhr auf. Dann ist die Mitteltempe- ratur des folgenden Tages = 9 + (86) = 11" C. Kleinere Mitteilungen. TJeber die geographische Verbreitung des Moschus- ochsen (Ovibus moschatus) in Europa whrend der Quartrzeit machte Struckmanii geli-gHutlich eines Fundes von Resten dieser Art bei Hameln iliifeihing (Zeitseljr. d. deutscl). geolog. Gesellsi'h. 1888 S. 6U1- 604). Hier wurde in einer 10 m unter der l Oberflche befindliehen Kiessehicht ein Sclidelt'rogment entdeckt, i welches liotisclie als zum JJoschusoch.-en gehrig erkannte. Die- | selbe Schicht enthielt Reste des Mammuts (Elephas primigenius), des wdllhaarigen Nashorns (Rbinoceros ticliorhinus), des Kdelbirsches (Cervus ehtphus), des Wisent (Bison priscus). des Auerochsen (Bos primigenius) und des Pferdes (Eqiius caballus). l)iese Fauna gehorte der lteren Diluvialzeit an. Fossile Reste des Moschusochsen sind in Deutschland nur selten, aber weit auseinanderliegend gefunden. Man kennt Knochen desselben vom Kreuzberge bei Berlin, aus Schlesien, von Merseburg, Dmitz, Jena, Unkelstein am Rhein, Langen- brunn im oberen Donauthale, JInselwciss bei (.'oblenz, V'allendar am Rhein und jetzt auch von Hameln an der Weser, Nach Dawkins ist die Art auch ber eineu grossen Teil von Frankreich und Eng- land nnd ber Sibirien verbreitet gewesen. Hchst wahrscheinlich ist es, dass der Moscliusuchs noch zur Zeit des Menschen in Mittel- europa vorhanden war. Man schliesst das aus Funden in der Hhle von Thayingen und aus den von Boyd-l>a wkins nach englischen Hhlenfunden zusammengestellten TiiatsachcMi, sowie aus den von S chaaflhausen an einem Schdel von Moselweiss beobachteten knstlichen Einschnitten, Gegenwrtig lebt der Moschusochs nur noi-h in den hnclinordisi-hen Lndern und Inseln Nordamerikas, Die Vergesellschaftung von jetzt nur in der Nhe des Nordpols lebenden Tieren mit dicht behaaj-ten Verwandten (Mammut, Rhinozenjs) von Solchen, die gegenwrtig nur der heissen Zone angehren, weist auf ein sehr raulies Klima in unseren Breiten hin, was durch die gleich- zeitige Ausdehnung grosser Gletscher besttigt wird. H. J. Kolbe. Steppenhhner in Deutschland. Ein fr rnithL logen hchst bemerkenswertes Ereignis vollzieht sich in den letzten Wochen in Deutschland, Es wandern nmlich, wie schon einmal in grsserer Zahl im Jahre 1863, Steppen- oder Fausthhner (Syrrhaptes paradosus Fall.) bei uns in Deutschland ein. Diese eigentmlichen Vgel haben ihre Heimat in den Steppengegenden Asiens, stlich vom Kaspischen Jleer, in den tartariscen Steppen bis hinauf zum Altai, . stlich bis nach China hinein. Hier leben sie im Frhjahr in kleinen, im Herbst aber in grossen Flgen von oft mehreren hundert Stck; sie nhren sich von Smereien und zarten, grnen l'Hanzenteilen. In ihrer usseren Erscheinung bieten die Steppenhhner manche Eigentmlichkeiten, Der ganze Habitus erinnert teils an Tauben, teils auch an Feldhhner, hinsichtlich der .spitzen Flgel an dieBrach- scliwalben (Glareola). Die erste Schwinge ist wie das mittlere Paar der Schwanzfedern sehr lang und dabei usserst lein zugespitzt, weit feiner noch als bei der Rauchschwalbe. Die Beine sind einschliess- lich der Zehen befiedert; eine Hinterzehe ist nicht vorhanden, die drei Vorderzehen sind in eigentmlicher Weise miteinander ver- wachsen, so dass der Fuss von unten gesehen eine einzige Sohle bildet, aus welcher vorn die drei stumpfen Krallen hervorragen. Die Frbung der Vgel passt sich vortrefflich der des Bodens an: sie ist auf der Oberseite sand- oder lehmfarbig mit kleinen, dunklen Flecken, unten isabellfarben, am Bauch dagegen schwarz. Am Kopf finden sich rostbraune Partien, welche beim Weibchen weniger schn und krftig sind, als beim Mnnchen, Letzteres ist ausserdem noch durch ein feines, schwarzes Band quer ber die Unterbrust kenntlich. Im Fluge sollen die Steppenhhner nach Berichten, welche mir durch Augenzeugen zugingen, viel Aehnlichkeit mit Regenpfeifern haben; auch lassen sie whrend des Fliegens bestndig ein eigentmliches Geschrei hren, welches sich schwer beschreiben lsst. Die asiatischen Gste sind seit den letzten acht Tagen in Posen, Schlesien, der Mark, Sachsen, Hannover, Westfalen etc, bis nach dem Elsass und Lauenburg beobachtet worden. Bei Liegnitz wurden mehrere Ketten bemerkt, welche sich schliesslich zu einem Fluge von etwa 150 .Stck zusammenschlugen. Eine Anzahl der Steppenhhner hat sich durch Anfliegen an Tele- graphendrhte ttlich verletzt. Die Kgi. landwirtschaftliche Hoch- schule in Berlin erhielt durch die Redaktion der Deutschen Jger- zeitung" (Neudamm) ein Weibchen, welches in der erwhnten Weise den Tod gefunden hatte. Der Eierstock war ziemlich stark ent- wickelt, sodass anzunehmen ist, das Tier wrde in einiger Zeit reife Eier produziert haben. Es wre von grossem Interesse, wenn die Steppenhhner dies- mal bei uns brteten und es muss daher mit allen Krften danach gestrebt werden, dass sie mglichst wenig beunruhigt, besonders nicht beschossen werden. Jeder, welcher Gelegenheit hat, in dieser An- gelegenheit thtig zu sein, sollte auf mglichste Schonung der .Steppenhhner dringen. Dr. Ernst Schaff. Ein fruchtbarer Bastard zwischen Wolf und Hund. Ein Bastard zwischen Wolf und Hund, der in dem Londoner Zoo- logischen Garten erzielt worden war, starb, wie The Field" vom Mrz d. J. mitteilt, dieser Tage, ohne dass er sechs vollstndig aus- gebildete Junge wegen eines Fehlers im Becken htte zur Welt bringen knnen. Schon whrend der Zeit der Trchtigkeit war es dem Beobachter W. Lort aufgefallen, dass das trchtige Tier nur geringen Umfang in den Flanken hatte, dass aber die Rippen stark ausgedehnt waren. Der Vater der ungeborenen .lungen war ein Skya Terrier von der ungefhren Grsse des Bastards. Ueber das Eindringen des Lichtes in das Wasser des Genfer Sees hatte Forel bereits 1873 auf photographischem Wege festgestellt, dass die Grenze absoluter Dunkelheit fr das Chlorsilber im Sommer 45 w, im Winter lO m unter der Oberflche liegt. .Seitdem sind von Asper, Pol u. a. teils ebenfalls im Genfer See, 70 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 9. teils in anderen schweizerischen Seen diese Versuche wiederholt worden, nnd sie sind dabei zu dem Ergebnis g-eliommen, dass fr die ausserordentlich empfindlichen Platten von Monckhoven die Grenze erst in fast doppelter Tiefe liegt. Whrend der letzten Zeit hat Forel nun alle zwei Monate diese Versuche, welche fr die Tiefenfauna ein ganz besonderes Interesse haben, wiederholt. Er hat sich dabei wieder des durch Chlorsilber empfindlich gemachten Papiers bedient, welches sich fr diesen Zweck leichter anwenden lsst, als empfindliche Platten. Um eine Reihe von gleichzeitigen Beobachtungen in verschiedenen Tiefen zu erhalten, befestigte Forel an einem Tau. welches mit einem Senkblei versehen war, immer von 10 zu 10 m die photographischen Apparate; dieses Ganze wurde dann whrend der Nacht in 3,5 km Entfenmng vom Ufer bis zu 130 m Tiefe in das Wasser des Genfer Sees versenkt. Die Apparate blieben dort bis zu einem klaren, sonnigen Tage und wurden in der darauffolgenden Nacht wieder emporgeholt. Aus den Zahlen, welche Forel in den Comptes Rendus" verffentlicht, ergiebt sich, dass fr das Chlorsilber die Grenze absoluter Dunkelheit im Mrz 100110, im Mai 75 m. im Juli 45 w. im September 50 /, im November Februar 85 w( unter der OberfiUche des Wassers liegt. Dass die Durch- lssigkeit des Wassers fr Licht im Sommer betrchtlich kleiner ist als im Winter, schreibt Forel wohl mit Recht dem im Sommer in ausserordentlich grosser Menge suspendierten organischen Staube" zu. Ausserdem ergab sich noch, dass die photographisclie Wirkung nahe der Grenze absoluter Dunkelheit im Sommer in strkerem Grade abnimmt als im Winter. A. Gutzmer. Elektrische Erseheimingen an Bergkrystall und Glas- gewiehten. Bei Gelegenheit der Prfung von Gewichten aus Bergkrystall (Quarz) hat die Normal-Aichungs-Kommission eine eigen- tmliche Wahrnehmung gemacht. Diese Gewichte werden im all- gemeinen in Ksten aufbewahrt, die mit Leder, Sammet oder Seide gefttert sind. Nimmt man nun die Gewichte aus dem Kasten, so zeigen sich dieselben, wohl infolge der Reibung an der Stott'ftterung, elektrisch erregt, und zwar kann ihre Ladung so stark sein, dass selbst Krper mit kleiner Oberflche und einem Gewichte bis zu 50 ni[i an jeder Stelle der C4ewichtsstcke getragen werden. Da diese Ladung auch das Wagengehuse und die einzelnen Teile der Wage elektrisch erregt, treten fremde Krfte in Wirksamkeit, welche die Wgungsresultate unter Umstnden erheblich verflschen. Es empfiehlt sich daher, solche Gewichte, die wegen ihrer Un- vernderliol.keit mit Recht geschtzt werden, auf einem Glasteller unter einer illasglocke aufzubewahren, wenn man nicht genthigt sein will, nach Herausnahme der Gewichte aus dem Kasten mit der Benutzung so lange zu warten, bis die Ladung sich zerstreut hat. Das Letztere kann je nach dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft und der Unterlage, auf welcher das Gewicht steht, bis zu zehn Stunden und lnger dauern. Von Vorteil wird auch sein, vor der Benutzung die Oberflche des Gewichtes mit einem frei in der Hand gehaltenen Staniolblatt zu umfahren. Auf Glasgewiclite erstrecken sich die Wahrnehmungen der Kommission nicht, doch iverden sich diese hnlich verhalten. Aehnliche Beobachtungen sind frher gemacht von Regnault. Dumas, Boussignolt und Stas. Die Strke der Elektrisierung scheint noch von weiteren Umstnden abzuhngen, denn Wild und andere Forscher wollen bei der Anwendung von Quarzgewichten wenig von Strungen durch Elektrisierung empfunden haben, aller- dings olme dass erhellt, ob dies besonderen Vorsichtsmassregeln zu danken war. Dr. F. Plato. Elektrieitt und Mathematik. Die Elektricitt, die in unserem Jahrhundert sicherlich eine sehr grosse Rolle spielt, nimmt bekanntlich auch mathematische Kenntnisse von ihren Jiigern in Anspruch. Dafr scheint sie jetzt auch den Mathematikern etwas bieten zu wollen. Nicht zufrieden mit dem Nebengebiet der Elektro- therapie, hat sie nun auch das der reinen J\Iatheniatik betreten sie lst nmlich G 1 eich un gen auf In den Comptes rendus" der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 5. Mrz d, J. wird ein Verfahren von P. Lucas verffentlicht, durch welche sich alle algebraischen Gleichungen jedes Grades mit reellen, numerischen Coefficienten vermittels der Anwendung von Elektricitt auf graphi- schem Wege ohne irgend welche Rechnungen losen lassen, und zwar dergestalt, dass alle Wurzeln, reelle wie imaginre, bestimmt werden. Das wesentliche Resultat der Methode lsst sich in die Worte fassen: Die Knotenpunkte der quivalenten Potentiallinien sind die Wurzel- punkte eines Polynomes vom selben Gleichung,sgrad. Lucas sagt am Schluss seines Aufsatzes: So hoch auch der Grad einer alge- braischen Gleichung sein mge, eine einzige Operation gengt, um alle, reellen oder imaginren, Wurzeln zu erhalten. Dr. C. Ochsenius. Das Beharrungsgesetz. Auf Seite 184186 von Bd. I der .Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" finde ich einen Artikel: das Trgheitsgesetz ein Grundgesetz der Physik" von Dr. K. F. Jordan, in welchem der Verfasser die Unhaltbarkeit der Grnde nachweist, welche J. Hensel in seinem Buche; Das Leben, I.Teil: Die Fortdauer der Urzeugung", gegen das Gesetz der Beharrung geltend macht. Nach genanntem Artikel kulminieren die Einwnde, welche J. Hensel gegen das in Frage stehende Axiom erhebt, in der Betrachtung: dass Bewegung ein K raft-Aequi valent sei und daher fr ein endliches Mass von Kralt (im besonderen etwa Stosskraft) keine ewig dauernde Bewegung, d. b. kein unendliches Mass von Bewegung geleistet werden knne; wenn dennoch ein Korper in die Welt hinausgestossen werde, so knne er nur so lange fliegen, bis fr die angewendete Kraft genug Bewegung geleistet worden sei. " Im Anschluss an die Widerlegung des Herrn Dr. Jordan erlaube ich mir noch zu bemerken, dass, wenn Hensel die Bewegung fr ein Kral't-Aequivalent ausgiebt, dies in der theoretischen Mechanik nur insofern einen Sinn hat, als die Bewegung eines Krpers auf eine bestimmte Zeiteinheit bezogen wird, womit gerade das Gesetz der Beharrung und das der Erhaltung oder Energie in Kraft treten wrde, da ein xmal so grosser Stoss" denselben Krper in derselben Zeitgrsse auch xmal soweit bewegen msste. Dieser Voraussetzung gemss wrden wir nicht berechtigt sein, eine Ab- nahme der Geschwindigkeit bewegter Krper, viel weniger noch einen einstigen Stillstand derselben im absolut leeren Raum anzunehmen, indem kein Widerstand, auch nur ein Minimum des treibenden Agens, der aktuellen Kraft vergeht. Anders verhlt es sich, wenn wir nachfolgende ]5etrachtuug anstellen, die ich, ganz unabhngig von irgend welcher Beeinflussung Hensel 's, wie der Gang meiner Studie erweist, in der Natur" (Halle a,/S.) im vorvorigen Jahre verflentlicht habe. In dieser Studie: Erweiterungen im Kalkl der theoretischen Mechanik" betitelt, heisst es: Bei der Annahme des Axioms, dass ein im absolut leeren Raum sich bewegender Krper seine Geschwindigkeit ungeschwcht beibehlt, bersieht man jedoch, dass auch der innere Widerstand, den eine Materie als solche ihrer Fortbewegung entgegensetzt, dazu beitragen inuss, ihre Bewegung zu hemmen oder allmhlich zu vernichten, selbst wenn diese Hemmung oder diese Vernichtung auch rein phnonieneller Natur sein sollte. Fi' unsere Zwecke gengt es hier zu zeigen: wie die den Krper bewegende Kraft und sein Widerstand bei der Bewegung eine Resultierende veranlassen, die kleiner und immer kleiner wird, whrend nach den bisher b- lichen Ansichten in der Physik keine Bewegungsabnalime zulssig ist," Es folgt alsdann der auf dem Kalkl der theoretischen Mechanik fusseude Beweis fr die ganz allmhliche Abnahme der Geschwindig- keit eines sich im vllig leeren Rume bewegenden Krpers, wobei der Widerstand der bewegten Materie, wie es allein geboten ist, als eine unter ISO" kontinuierlich wirkende Kraft gvg'^n das den Krper vorwrts zu treiben suchende Agens aufgefasst wird. Ich muss diejenigen Leser dieser Zeitschrift, welche sich fr dieses Problem der theoretischen Mechanik interessieren, auf die Lektre der genannten Studie verweisen und greife hier nur noch den auf das in Frage stehende Problem Bezug nehmenden Schhiss- satz dieser Arbeit heraus, welcher das Resume meiner Spekulationen enthlt, nachdem ich den theoretischen Nachweis geliefert habe, dass das Trgheitsgesetz, obwdhl in Anbetracht sich bewegender Korper nicht mathematisch zutreffend, dennoch fr praktische Zwecke als giltig erachtet werden muss: Die angestellten Betrachtungen lehren also, dass zur Fortbewegung eines Krpers im vllig leeren Rume sowohl der rckwrts wirkenden Widerstandskraft der bewegten Materie ein Gleichgewicht zu halten als auch ein die Masse fortrckendes Agens erforderlich ist. Weil aber, wie gesagt, der Widerstand als eine kontinuier- lich wirkende Kraft un der der Materie mitgeteilten (momentanen) Kraft bestndig zehrt, so muss dem bisher angenommenen Beharrungsgesetze zuwider auch im vllig widerstandslosen Rume die Geschwindigkeit eines bewegten Krpers, wenngleich unmerklich, den- noch mit jedem Zeitteilchen abnehmen. " Dr. Eugen Dreher, weil. Dozent a. d. Universitt Halle. Unter dem vielversprechenden, aber eigentlich wenig bezeichnen- den Namen Polymeter" empfiehlt der bekannte Gttinger Mecha- niker Lambrecht ein Instrument, das der lokalen Wetterprognose besondere Dienste leisten soll. Dasselbe besteht aus einem Hygro- meter, welches in Verbindung mit einem Thermometer die relative Feuchtigkeit, den Dunstdruck und den Taupunkt durch einfache Ablesung der an dem Instrumente angebrachten Skalen zu bestimmen gestattet. Die Einfachheit der Handhabung lsst dieses Instrument fr meteorologische Dilettanten ganz ntzlich erscheinen, und wer ohnehin von der Unfehlbarkeit der Lokalprognosen berzeugt ist, findet in den der Gebrauchsanweisung beigegebenen Wetterregeln die ntige Strkung seines Glaubens. < b jedoch nach denselben die Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochensclirift. 71 Aufstellung einer Prognose bei den vielen wenn und aber" so ber- aus einlach sein drfte, ist eine andere Sarhe. Im brigen wrden wir auf das Polymeter nicht nher ein- gehen, da es durchaus nichts neues bietet, wenn nicht die Bemer- kungen des Herrn Lambrecht ber die Rsychroinetrie einige auf- klrende Worte niitig machten. Es macht auf Dilettanten bekannt- lich stets den Eindruck der .Schneidigkeit, wenn man den Meteoro- logen von Fach" eins anhngen kann. Letztere wissen aber sehr genau, dass das bekannte vielverbreitete Psychrometer nach August nur ein Nj. ' Hermann Schultze. Verlags-Cto. in Leipzig. Martini & Chemnitz, St/sfematisches Conchylien-Cahinet. Neu herausgegeben u. vervollstndigt von H. 0. Kster u. W. Kobalt. 358. Lfg. 4". (64 S. m. 6 Taf.) Preis 9 ^. Bauer & Raspe in Nrnberg. Medieus, L., Kurze Anleitung zur Mussanalyse. gr. 8". (IX, 144 S.) Preis iJC 40.^; geb. i JC. Buchh. in Tbingen. Michaelis, C. Th., Stuart Mills Zahlhegriff. 4. 1 ..tC. R. Grtners Verlag in Berlin. Nussbaum, J. N. v.. Neue Heilmittel fr Nerven. Vortrag. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (16 S.) Preis 60 .j. Eduard Trewendt in Breslau. Peschel, O., Physische Erdkunde. Nach den hinterlassenen Manuskripten selbstndig bearb. u. hrsg. v. G. Leipoldt. 2. Aufl. Neue Ausg. 1. I>fg gr. 8". (96 S.) Preis 1 JC 40 .j. Duncker und Humblot in Leipzig. Potonie, H., Elemente der Botanik, gr. 8". (323 S ra. 539 Illstr.) Preis 2.. .'^0^.; geb. 3 JC HO 4. Moritz Boas, Veri.-Buchh. in Berlin. Rausenberger, O., Lehrbuch der analytischen Mechanik 1. Bd. Mechanik d. materiellen Punkte. gr.S. (VIH, 316 S.) Preis 8 c^. R. G. Teubner in Leipzig. Schmidt, E., Anthropologische Methoden. Anleitung zum Beobachten und .Sammeln fr Laboratorium und Reise. 8". (IV, 336 S.) Preis () Jt. Veit & Co. in Leipzig. Seelhorst, G., Katechismus der Galvanoplastik und Galvanostegie. 3. Aufl. V. G. Langbein. (Webers illustr. Katechismen Nr. 62.) 8. (X, 187 S m^ Illustr.) Preis geb. 2 Jt. J. J. Weber in Leipzig. Semler, H., Die tropische Agrikultur. Ein Handbuch fr Pflanzer und Kaufleute. 3. Bd. gr. 8. (XII, 806 S.) Preis 15 JC. Hinstorfl'sche Hofbuchh., Verl.-Cto. in Wismar. SpeeiaUtarten, Geologische, des Knigreichs Sachsen. 1 : 25000. Hrsg. vom k Finanz-Ministerium. Bearb. unter der Leitg. v. H. Credner. Sect. 1820. Chromolith. gr. Fol Mit Eriutergn. gr. 8". Preis kHJC. Inhalt; 18. Grossenhain-Sksschen. Bearb. von O. Klemm. (27 S.) 19. Schnfeld-Ortrand. Bearb. von 0. Herrman. (57 .S.) 20. Schwepnitz. Bearb. von E. Weber. (23 ,S.) Wilhelm Engelmann in Leipzig. Stein, S. Th., Das Licht im Dienste vissenschaftlicher Forschung. 6. Heft. Die photographische Technik f. wissenschaftl. Zwecke. gr. 8". (2. Bd. XI u. S. 339462 m. lustrat.) Preis 3 JO. Wilhelm Knapp in Halle. Steiner, J., Grundriss der Physiologie der Menschen. 4. Aufl. gr. 8. (VIII, 452 S.) Preis '9 Jt\ geb. 10 JC. Veit & Co. in Leipzig. Still mark, H., Ueber Eicin. e. giftiges Ferment aus den Samen V. Ricinus comm. L. u. einigen anderen Euphorbiaceen. gr. 8". (121 S.) Preis 2 JC. E. J. Karow, Veri -Cto. in Dorpat. Gegen Einsendutig des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende U'erke franko. Zur Besorgung litterarisehen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. erlin SW. 48. I>ie Kx-pedition der IVatnrwissenscliaftlicheii Wochenschrift". Berichtigung. 1. Auf .Seite 55 ist in der Fragebeantwortung fr Famitzin zu setzen: Famintzin. 2. Da (Quecksilber bei 40'' C. erstarrt, muss es aufSeite45 in der Zeile 12 der ersten kleineren Mitteilung heissen: Im Winter sinkt die Temperatur oft bis tief unter 50" herab. Briefkasten. Unsere Post-Ahoiinenteii machen wir hierdurch darauf aufmerksam, dass die Post bei Bestellungen, die ihr nach dem 1. Tage im Quartal zugehen, die Nach- lieferung der bereits erschienenen Nummern nur auf Verlangen besorgt und dafr tarifmssig 10 Pfennig fr Porto erhebt. Sollten einige unserer Post -Abonnen- ten noch nicht alle Nvunmern des laufenden Quartals besitzen, so bedarf es nur einer diesbezglichen Rekla- mation bei der Bestell-Postanstalt. Naturwissenschaftliche Wochenschiift. Nr. 9. ^p^^% namentlich Anzeigen allei- optischen, chemischen, phj'sikalischen etc. Gertschaften, Naturalien. Chemikalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreituna-. lyir etHpt'chlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesttchen iintl -Angeboten, soirie zu Anzeigen . u-etehe An- gebot, Xae/ifruffe und Tausch naturu-issenschaj'tlicher Sannnlunffen etc. vermitteln. >|MMMMMMJ ^^MMM % Ein Seiteiistck zu Brelims Tierleben. Soeben erscheint in 28 Lieferungen zu je 1 Mark: Pflanzenleben von Prof. Dr. A. Kerner v. Marilaun. Das Hauptwerk lies berhmtenPflanzenbiologen! Glnzend t'esch rieben, ausgezeichnet durch hohen inneru Gehalt und !^'escliiiiiickt mit nahezu 1000 originalen Abbildungen im Text und 40 Aquarelltafeln von wisseuschaftlicbur Treue und knstlerischer Vollendung, bildet es eine prchtige Gabe fr alle Freunde der Pflanzenwelt, ein Hausbuch edelster Art. das in der populrwissenschattlichenLitteratur ohnegleichen dasteht. Preis in 2 Halbfranzbnde gebunden 32 Mark. Prospekte gratis durch alle Buclihanhingen. Verlag des Bibliograph. Instituts in Leipzig. ^flllfffffffff^ CD ; ^ M w B " i's^ s CD . ; Briugegeld bei der Post 15 .j extra. 'r Inserate: Die viergesiialtene Petitzee 30 -j. Grssere Auftrge e;i5 entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunl't. Inseraten- JL annhme bei allen Annoucenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist niu- mit voIlKtiidlg'er <{iiellenaii;al>e gestattet. Der Zweck der Naturwissenschaft und die Art und Weise wie sie heute betrieben wird.*) Dozent an di.T Iniversitt Halle. Haben nun die Naturwissenschaften unseren Geist in dem Masse gefrdert, wie unsere materielle Wolilfahrt durch sie gehoben worden ist? Die Frage muss leider verneint werden. Der geistige Gewinn bleibt weit, weit liinter dem materiellen zurck. Es wtn-de nicht schwer fallen, diese Behauptung nach allen Seiten hin zu begrnden und durchzufhren. Fr unsere Zwecke gengt es hier, sie dm-ch einige in die Augen fallende Beispiele zu sttzen. Man denke an die vielen, weitreichenden Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektricitt und an den sich jedem Fachmann auf- drngenden Mangel einer Theorie, sie m'schlich zusammen zu fassen. Man bcke sich um in der Chemie, welche fast tglich Stoife entdeckt, die fi- unsere Kultur in mannigfachster Beziehung von ganz hervorragender Be- deutung sind, und man beachte dabei die scliwachen, hinflligen Sulen des theoretischen Lehrgebudes, welche die Wucht des vorliegenden emp'ischen Materials tragen sollen. Man berzeuge sich von der Reichhaltigkeit unserer- heutigen Heilmittel und deren ben-asch ender Wirkung, und frage nach dem Wie des Zustandekom- mens der ungealinten Erfolge. Man betrachte die inter- essanten Produkte der Tier- und Pflanzenzucht und be- merke, wie wenig noch der darwinistische Gedanke, vor allem bei dem Systematiker, Eingang gefunden hat! Mit Recht erwecken die uneiwarteten Aufschlsse der Spektralanalyse, welche ihre Macht auf die Sternenwelt wie auf den Mikiokosmus ausdehnt, das grsste Staunen. Die Vorgnge jedocli, welche die charakteristischen Licht- phnomene, die verschiederartigen Spektren erzeugen, ob \'on Dr. Eugen Dreher, weil. Die grossartigen emiiirischen Eriungenschaften, welche die Naturwissenschaft fast" in allen ihren Zweigen in den letzten Decennien aufzuweisen hat, Erfolge von derartiger Tragweite, dass unser ganzes Kulturlelien dadurch eine wesentliche Frderung und Hebung eifahren hat, legen dem besonnenen Denkei- um so mehr die Pflicht auf, zu fragen: ob auch der liierdurch erworbene rein geistige Gewinn diesen glnzenden usseren Vorteilen eutsiiricht. Dass die Naturwissenschaften als ihre Hauptaufgabe die Klrung des LTteils, die Herausbildung des Verstandes, die Erweiterung unserer Erkenntnis, die Befreiung vom Aberglauben und von den mit uns nur zu oft verwachseneu Vorurteilen zu betrachten haben, wozu .sich noch das Erwecken der Lust zu einem sinnigen und gemtsvollen Vertiefen in die Wunder der Schpfung gesellt, unterliegt fr denjenigen keinem Zweifel, welcher das Streben nach dem Ideal als die hchste Aufgabe des Lebens erachtet. Dass aber diese rein ideale Besti-ebung uns nicht der Wirklichkeit entfremdet, sondern vielmehr darauf hinweist: wie auch die ussere Seite des Lebens an- genehm und vorteilhaft zu gestalten ist, die wir wegen ihrer (Quellen reichhaltigen Genusses und wegen ihrer Rckwirkung auf unseren Geist nicht unterschtzen difen, leuchtet jedem ein, der nicht, in blder Einseitig- keit befangen, berall diejenigen Gi'enzlinien schaut, die er sich seiner Bequemlichkeit halber selbst gezogen hat. *) In dem obigen Artikel kmpft \'ert'a.sser gegen einige all- gemein angenommene Principien der Naturwissenschaft ; wir glauben aber der ehrlich gemeinten Kritik so lange sie rein sachlich bleibt unsere .Spalten nicht verschliesseii zu drfen. lied. 74 Natui-wissenschaftliche VVocliensclirift. Nr. 10. atomistische, ob molekulare Prozesse sie bedingen, sind in Dunkel gehllt. Fragen wir jetzt nach dem Grundi^ fr die That- sache: dass die Praxis der Tlieorie so unverhltnismssig voiausgeeilt ist, so knnte es auf den ersten Blick scheinen, dass dies seine volle Begrndung in dem Wesen der Forschung finde, insofern der Foischer angewiesen ist, der Natur ihre Gesetze abzusphen und abzulauschen, was nur langsam und mhevoll geschieht, und den ge- fundenen Thatsachen gemss s'eine Hypothesen und Theorien aufzustellen, und nicht, wie viele Naturphilo- sophen bedauerlicher Weise gethan haben und noch thun: Gesetze. Phnomene und das ihnen zu Grunde liegende Weltprinzip zu erdichten, wo es sich um die heiligsten Fragen handelt. Wie sehr diese in der Philosophie hufige Entweihung der Wissenschaft : vor- zugeben, das Rtsel des Daseins g^j^st zu haben, die nur aus grsster Selbsttuschung oder aus uiederera Egoismus fliessen kann, den Fortschiitt der Wissenschaft nicht nur hindert, sondern auch demoralisierend wirkt, ist leicht zu beweisen. Dass in der angefhrten Entschuldigung der Thai- sache, dass die Theoi'ie der Praxis nachhinkt" ein gut Teil Wahrheit liegt, kann niemand in Abrede ^stellen, der auch niu' eine Ahnung von dem beiaus reichhaltigen widerstrebenden Stoff hat, welchen der Forseher urschlicl; verknpfen soll, und der die Schvvieiigkpit zu wrdigen weiss, befriedigende, zeitgemss erschpfende Erklrungen fr Naturerscheinungen auszusinnen. Sehr wrde man jedoch irren, wollte man diesem Umstnde allein die Ungleichheit des praktischen und theoretischen Fort- schiittes beimessen. Ein viel mehr Aussehlag gebender Grund, warum die Praxis der Theorie vorausgeeilt ist, hegt zweifelsohne in dem geringen wissenschaft- lichen Idealismus unserer Zeitrichtung, die in wissen- schaftliclier Beziehung den usseren Erfolgen den Vorzug vor den Innern einrumt und im mhelosen Fluge die geistigen Gter als nicht gerade zu entbehrendes Bi'i- werk zu erhaschen whut. Dass unserer Zeit der Schwung dei- wissenschaftlichen Geistesbewegung fehlt, die, Ende des vorigen Jaliriuinderts mit veralteten Traditionen brechend, eine der Vernunft entspringende moralische Weltordnung zu grnden traclitete, kann nicht geleugnet werden; und der Umstand, dass dieser hohe Ideenflug, den an ihn gericliteten Anforderungen nicht gewachsen, in den seichten Materialismus umschlug und so den Stoff statt des Geistes zum Trger der Weitordnung ei'hob, kann mit zur Entschuldigung dienen, dass unsere Zeitrichtung mit wenig Zutrauen dem Idealismus ent- gegen kommt. Die Tliatsache ferner, welche namentlich fr- unser Vaterland gilt: dass der blosse Idealismus dem Volksbewusstsein entfremdet ist, indem er uns von den durch Geburt und ^^aterland zunchst Stehenden mehr als thunlich isoliert, insofei'n er die Ideenwelt als das einzig Schtzenswerte vorspiegelt, kann gleichfalls mit zur Recht- fertigung unserer Zeitlichtung angefhrt werden. Was aber an vllige)' Reclitfertigung noch fehlt, muss den Irrtmern und der in mancher Beziehung oberflclilichen und denktrgen Richtung unserer Zeit zugeschrieben werden, die gern anerkannten Autoritten ohne Vor- behalt glaubt, um sie!) die M])e zu spaien, selbst prfen und urteilen zu mssen, die den Eiwob idealer Gter vernachlssigt, um dem materiellen um so besse)' nach- jagen zu knnen. Sehr zutreffend sagt E. du Bois-Rey]i)ond in seinem Vortrage: Kultui'geschichte und Natuiwissenschaft", wo ei' von der in Ame]ika horschenden enghei'zigen Ntz- lichkeitslehre spricht: Aber wie? Sehen wi)' nicht, indem wir ber amoikanische Kultur uns eiheben, den Sytlitter in unseres Binders Auge, und \\-eiden nicht gewahr des Balkens in unserem Auge? Wie steht es mit dem Widerstnde, den die im Vergleich zur ameri- kanischen so alt gesiche)te, so fest gegrndete deutsche Kultu)' jenen bediolilichen Stiebungen entgegensetzt? Wollen wir uns nicht einer der neuerlich bei uns beliebt gewoi'denen Selbsttuschungen hingeben, so mssen wir gestehen, dass wir in der Ameiikanisierung schon be- unruhigende Fortschritte gemacht haben. U. s. w." Es soll in der folgenden N)'. der NatuiAv. Wochenschr. meine Aufgabe sein: die nicht gengende Grndlichkeit unserer modernen wissenschafthchen Rich'.ung an einigen Fllen, die zu den hervorragendsten gehren, eingehend nachzuweisen. (Schluss folgt.) Ueber Stigmaria. V"on Dr. Henry P o t o n i e. Unsere liycopodiaceen, Brlappgewchse, sind kleine ' alles nur kleine Gewchse Pflanzen. Die meisten Arten dauern zwar mit ihren obei'ii'dischen Organen aus, erreichen aber niemals auch nur annhiernd die Grsse von Bumen; in den Tropen knnen sie mehrere Fuss hoch werden, unsere ein- heimischen Arten jedoch erheben sich nicht weit ber den Erdboden, auf welchem .sie meist als Schlangen- moos" weit hinkriechen. Ihnen nahe verwandt sind die Psilotaceen, seltene Gewchse der Tropen, die Selaginella- ceen und die hufig unter Wassei' lebenden Isoetaceen: Diese vier Familien fasst man als Lycopodineen zusammen, da sie sich von den anderen Pteiidophyten (Farugevvchsen im weitesten Sinne) durch besondere gemeinsame Merkmale wohl abgliedern. Ihre Laulibltter sind einfach; die Sporenbehlter sitzen meist einzeln auf der Obeiseite oder in den Winkeln von Blttein, und die Wurzeln sind gabelig verzweigt. Diese chaiakteristisclien Meikmale besitzen auch jene baumfrmigen Pteiidophyten der Vorwelt, besondei's der Steinkohlenzeit, welche namentlich die Gattungen Lepi- Nr. 10. Natuiwissenschaltliclie Woclienschrift. 75 dodendron und Sii^illaria bilden. Die meisten Autoren rech- nen denn aueli diese schon so Vduge vom p]idboden verscliwundenen und uns nur in i-n ;prenkelt. der Rcken dunkel grn- schillernd. Zugleich nahm die Ente die (.Tewo!uilieiteii eines Enterichs sogar den brigen Enten gegenber an Die Sektion ergab eine starke Verkrzung und Vi-rknimerung des Eileiters. Der Eierst'jck war zu einem 15 mm langi'ii und 4 mm breiten Krper am oberen Rande der Niere gewoidi-n; er bestand in seiner Hauptsache aii.s dichtem Bindegewebe, E Zellen waren ni<-ht mehr vorhanden. Der Eierstock konnte also knine Eier mehr erzeugen und die Hahnen- fedrigkeit'" hngt hier demnach mit der bei liohem Alter eingetretenen Unfruchtbarkeit der Ente zusanunen Dieser Fall erinnert an die Wirkungen der Kastration, bei der ebenfalls eine Vernderung des einen Geschlechts nach dem anderen hin stattfindet. Ancli bei Krabben, deren innere Geschlechtsorgane durch die Einwirkung V(m Schmarotzerkrebsen (Bopyrus u. a.) eine Rckliildung erfahren, nhern sich infolgedessen die Weibchen in ihrer usseren Gest:ilinng de Mnnchen und umgekehrt. Das- selbe findet bei manchen Erdbienen (Andrena) statt, die von Stvlops befallen werden. A Giard, der die letzterwhnten Erscheinnngen beschreibt, be- zeichnet dieselben als paras'tilre Kastration". Darwin behauptete das Vorbandensein laienrer Gesehlecl tscharaktere". Danach wrden beim Mnnchen die weililiclien, beim Weibchen die mnnlichen Charaktere latent vorhamlen sein, und diese latenten Geschlechts- charaktere knnen erst dann zur Au-bildung gelangen, wenn die eigentliche vorherrschende Gesclileehtsfnnktion des betreffenden Tieres aus irgend einem Grunde erloschen ist; bei der erwhnten Ente wrde dies mit der Entartung des Eierstocks infolge des Alters eingetreten sein. Dass aber auch die Hahnenfedrigkeit bei jungen, eierlegenden Vgeln vorhanden sein kann, lehrt z B. die in der Zeitsi'hrift Der zoologi.sche Garten" (.Talirg. VIJ. S IfjT) beschriebene und abgebil- dete Henne sowie die weiteren Notizen ber hnliche Vorkommnisse in Bd. IX, S. 94 und Bd. X, S. 63 und 9(1. Lathraea squamaria und Bartsia alpina sind keine fleischfressende" Pflanzen. A. Kerner und lt. Wettsteiu glaubten in einer in den .Siizung^beriiliien der Wiener k k. Aka- demie der Wissenscliafren (Die rhizoiKjdoiden Verdauungsorgane tier- fangender l'fianzen) nachgewiesen zu hahen. dass die in der Ueber- schrift genannten i'flanzenanen Tiere fangen und verdauen. Lathraea sqnaniaria, die Scliuppeiiwurz, blht von Mrz bis Mai und ist, wenn auch nicht gerade hufig, so doch auch nicht selten in ganz Deutschland anzutretieii und in Europa weit ver- breitet. Man sieht der l'tiauze sogleich an, dass sie zu den Schma- rotzern gehrt, da ihr ein Kohlensure- Assimilations-Apparafc, nm- lich grne Laubbltter vollstndig fehlen, und mau kann sich leicht berzeugen, dass sie in der That mit Baumwurzelu, vorzugsweise mit denen des Haselstrauches in organischer Verbindung steht. Ausser einer Aufnahme von Nahrung durch die Wurzeln nimmt nun die Lathraea nach den beiden genannten Autoren organische Nahrung durch Tierfang, welchen die dickfieischigen, .schuppigen Bltter des Uhizoms be.sorgen, zu sich. Die Rhizomschuppen werden nmlich (vergl. die Figur auf Seite 15 Bd. I der N. W.) von 513 in der Lngsrichtung des Blattes verlaufende, lngliche Kammern durch- zogen, welche am Grunde, an der Rckenseite der Schuppen Bin- gangsffnungen fr den Eintritt kleinerer Tiere, vorwaltend Infu- sorien, besitzen. Sobald ein Tierchen in die Kammer gelangt ist, soll dasselbe (hnlich wie die Pseudopodien der Rhizopoden ihre Beute festhalten) von l'rotoplasmafden, die von besonderen Drsen ausgehen, umklammert und am Entschlpfen verhindert werden. Die Eiweissteile sollen verdaut und nur z. B. Chitinsubstanzen zurck- gelassen werden. A. Scherffel weist nun in einer krzlich erschienenen Ab- handlung, betitelt Die Drsen in den Hhlen der Rhizomschuppen Von Lathraea squamariaL." (Mitteilungen des botanischen Instituts zu Graz, Heft II), nach, dass .jene Deutung intmlich ist. Die vermeintlichen Plasmafden haben sich nmlich als Ketten von Stb- chen-Bakterien erwiesen, sodass nach Scherffel die Hohlen der Rhizomschuppen mit dem Tierfange nichts zu thun haben. Es ist hingegen eine offene Frage, ob die der Hhlenwand ansitzenden liakterien nicht irgend eine Rolle bei der Ernhrung der Lathraea spielen oder ob nicht gar ein symbiotisches Verhltnis zwischen beiden Organismen besteht. Es ist nicht so unwahrschein- lich, dass in den Hhleu Stofi'e ausgeschieden werden, die diese Bakterien veranlassen, sich hauptschlich auf den Hhleuwnden an- zusiedeln, ntid dass sie vielleicht chemische Vorgnge einleiten, aus denen die Lathraea dann Nutzen zieht. Dann nisste man die Drsen der Hhlenwand in der That nicht nur als secernierende, sondern auch als absorbierende Organe ansehen. Auch Bartsia alpina, die im arktischen Gebiete und in der Flora der Hochgebirge durch fast ganz Europa verbreitet ist und bei uns nicht selten in den hheren Regionen des Riesengebirges vorkommt, wo sie im Juni und .Tuli blht, ist nacdi Kern er und Wettstein's Darstellung dadurch besonders bemerkenswert, als sie ihre Nahrung auf viererlei Weise zu sich nimmt: nmlich durch Aufnahme von Kohlensure vermittelst der Laubbltter, ferner durch die Wurzeln, die sowohl aus der Erde als auch schmarotzend aus Pflanzen ihrer Umgebung Nhrstoffe beziehen und endlich durch Tierl'ang, Letzterer soll ebenfalls von unterirdischen Schuppen be- werkstelligt werden, welche im Herbste entstehende Sprssehen be- kleiden, die im nchsten Frhjahr zu einem oberirdischen Stengel auswachsen. Der Tierfang soll in derselben Weise von statten gehen, wie bei der Lathraea, nur werden die Schuppen nicht in ihrem Innern von Kammern durchzogen, sondern besitzen ihre rhizopoiden" Zellen an den nach rckwrts riunig zurckgebogenen beiden seitliclien Rndern. Die so entstehenden Rinnen werden von den tieferstehenden Schuppen gedeckt, sodass auch hier von oben 78 Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 10. Ijer zugangliehe, niorpliologisch allerdings mit denen von Lathraea nicht vergleichbare Kramerchen gebildet werden. Auf Veranlassung des Herausgebers der Mitteilungen des bo- tanischen Instituts zu Gr.iz, des krzlich verstorbenen Prof. Lei t geb. hat nun der Assistent desselben, Dr. Heinriclier, auch die Bartsia einer Nachuntersuchung unterzogen, der nunmehr ebenfalls zu dem Resultate kommt, dass die der Bartsia alpina zugeschriebene , tier- fangende" Eigenschaft in hohem Grade unwahrscheinlich ist. Es scheinen dieser Pflanze selbst die vermeintlichen rhizopoVden V'er- dauungsorgane". welche bei Lathraea also als den Drsen aufsitzende Bacterien erkannt wurden, zu fehlen. Die einzige Uebereinstimmung zwischen Lathraea und Bartsia bestellt in dem Besitz der gleichen Drsentypen auf ihrer Blattunterseite; diese tindet aber in der nahen Verwandschaft der beiden Rhinantideen. welche von Bentham als Angehrige der gleichen Gruppe, der Euphrasieae. betrachtet werden, ihre gengende Erklrung. H. P. Ueber Liebreieh's toten Raum". Auf der JWeutschen Naturforscher- Versammlung zu Herlin machte Liebreich Mitteilung von einigen Erscheinungen, fr welche er eine Erklrung gab, die, im Falle ihrer Richtigkeit, im stnde gewesen wre, eine totale Um- wlzung unserer Anschauungen ber chemische Reaktionen hervor- zurufen. Er glaubte gefunden zu haben, dass einige Reaktionen nicht vllig gleichmssig durch die ganze Reaktionsmasse hindurch verlaufen, sondern dass ein Teil der Mischung, der tote P>aum", sich der Reaktion entziehe. Den experimentellen Nachweis suchte er durch zwei Reaktionen zu fhren: a) Umsetzung von Chloral- hjdrat und Natriumcarbonat zu Chloroform und Xatriumformiat, b) Jodausseheidung durch berschssige .Todsure auf schweflige Sure. Seine Ansichten fasst er folgendermassen zusammen: 1. In Flssigkeiten wird der Raum der chemischen Reaktion durch eine reaktionslose Zone (den toten Raum) begrenzt und zwar da. wo die Flssigkeit mit der Luft in Berhrung oder von der Luft durch eine feine Membran getrennt ist, 2. In engen Rliren tritt die Reaktion langsamer ein als in weiten Rhren. 3. Kapillai-rume sind im stnde, chemische Reaktionen vollkommen aufzuheben. Nachdem v. Fuchs die betreffenden Erscheinungen ohne Ex- perimente matliPiratisch-physikalisch zu erklren versucht hatte, weist neuerdings Dr. R. G arten meister (Liebig's Annalen der Chemie, Band 245, 230) nach, dass sie sich vollkommen durch bekannte Gesetze erklren lassen, und die Hypothese Liebreieh's ber- fl.ssig sei. Gleiche Volume 20prozentige Chloralhydrat- und 14prozentige Natrinmcarbonatlo.sung wurden im verschlossenen Gla.se miteinander gemischt, dann das Reagensglas umgekehrt und stehen gelassen. Es findet eine Zerlegung des Chloralhydrats statt, gemss der Formel: 2CCI3 . CH . H2O + Na.,C03 = 2CCI3 . H + 2CHC ) . ONa -f H/i + COo. Chloralhydrat. Chloroform. Natriuniformiat. Die gebildete Kohlensure wii'd von dem berschssigen Na- triumcarbonat absorbiert, so dass keine Gasentwickelung sichtbar wird. Nach 5 Minuten beginnt die nebelartige Ausscheidung von Chloroform, Es bleiben aber die der r)berflche zunchst gelegenen Schichten (der tote Raum") zuerst vllig klar, trben sich aber allmhlig, so dass die klare Zone immer kleiner und kleiner wird und endlich dauernd verschwindet. Die Erscheinung erklrt sich folgendermassen: Die Reaktion geht allmhlig vor sich; das Chloro- form wird zuerst in der Flssigkeit gelst und scheidet sich nach vollendeter Sttigung derselben aus. In den oberste]) Schichten finden zugleich zwei physikalische Vorgnge statt: Verdunstung des Chloroforms von der Oberflche atis, und Diffusion desselben ans den tieteren nach den oberen Schichten. In letzteren tritt bei Gleichheit von Verdunstung und Neubildung des Chloroforms ein konstanter Zustand ein. .lede Schicht wird durch Diffusion um dieselbe ' 'hloroformmenge rmer, die sich durch die chemische Zer- setzung neu bildet. In den tieferen Schichten nimmt der Gehalt an Chloroform zu, bis der Sttigungsgrad erreicht ist, und dann die sichtbare Ausscheidung beginnt, und zugleich die Diffusion aufhrt. Die Hhe der klar bleibenden .Schicht wird kleiner mit der Abnahme der in der Zeiteinheit gebildeten (.'hloroformmenge und mit der Ab- nahme der Verdunstung zu der Obeiiiche. Ist die ber dem Ge- menge befindliche Luftschicht mit Chloroform gesttigt, so hrt die Verdunstung desselben auf. statt dessen findet seine Ausscheidung in der bis dahin klar gebliebenen Schicht statt; es ist dann die Flssigkeit glei<-hmssig getrbt. Feine Membranen heben die Verdunstung nicht auf; daher findet die Bildung von Liebreieh's totem Raum auch in diesem Falle statt. Dass in der That im toten Raum Chloroformbildung stattfindet, weist Gartennieister in der Weise nacli, d.ass er die verdnnten Losungen in einer Hhe von 2 nini in ein weites Gefss mit ebenem Boden bringt und das Gettlss versehliesst. Die Flssig- keit bleibt vllig und dauernd klar, whrend die ( 'h'oroformbildung sich unzweifelhaft an dem Geruch kenntlich niai'ht. Auch in Kapillarnihren konnte G artenmeister die Chloroform- bildung unter dem Mikroskop au dem .auftreten von Trpfchen erkennen. Aehnlich wie bei der Chloroformbildung erwiesen sich die Ver- hltnisse bei der Reaktion von .lodsure auf schweflige Sure. .\uch hier knnen die von Liebreich zur Begrndung seiner Hypothese geltend gemachten Erscheinungen mit Hilfe bekannter physikalischer Gesetze erklrt werden, so dass die Hypothese vom toten Raum" als abgethan angesehen werden Kann. Dr. M. Bragard, Assistent am chemischen Laboratorium der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Diamant in einem Meteorstein. In den Verhandlungen der Russischen Kaiserl. .Alineralog Gesellschaft verft'ent liehen M. Jetofe.jeff und P, Latschinoff eine Arbeit ber den im .Sep- tember 1886 bei Nowo-Urei, Gouv, Pensa in Russland, gefallenen Meteorstein, der ausserordentliches Interesse wegen seines Gehaltes an Diamant beansprucht. Der Stein, etwa 190U g schwer, besteht zum grsseren Teil aus Olivin; geringer treten Augit und Nickel- eisen auf und 2,26 Prozent betrgt der Gehalt an Kohlenstoff, wo- von 1.26 Prozent auf Kohle, 1 Prozent auf Diamant kommen. Der- selbe tritt in Form von sogenanntem Carbonat auf, d. h. nicht in Krystallen, sondern in derben, schwrzliehen Krnern von rauher Oberflche. Chemische Natur (^C), specifisches Gewicht (= 3,1 im Mittel), Hrte (^ 9) und opti.sches Verhalten charakterisieren diese Krner als Diamant. Partsch und Haidinger haben 1846 in dem Meteoreisen von Arva kleine Wrfel aufgefunden, die aus graphit- artiger Substanz bestanden und ber die Gustav Rose bemerkte, dass sie vielleicht Pseudomorphosen nach Diamant seien. Neuerdings fand L. Fletscher ganz entsprechende Wrfel im Meteoreisen von Joundegin (Westaustralien), deren specifisches Gewicht = 2,12, deren Hrte = 2,5 sie vom Graphit .scheiden. Er nannte den Stoff Cliftonit, eine regulre Form des Graphitkohlenstoffes. Diese Funde gewinnen nun neues Interes.se. Wir wissen, dass Diamant bei starker Er- hitzung und unter Luftabschluss in Graphit bergeht. Es liegt sehr nahe, in den Wrfeln graphitischer Natur umgewandelten Diamant zu sehen. Dr. R. Scheibe. Astronomischer Kalender. Am 3. ,Iuni Sonnenaufgang 3 Uhr 43 Minuten, Sonnenuntergang 8 Uhr 13 Minuten; Mondauf- gang niichts 1 Uhr 42 Minuten, Untergang mittags 1 Uhr 27 Mi- nuten. Am 9. .Juni Sonnenaufgang 3 Uhr 40 Minuten, Untergang 8 Uhr 18 Minuten; Mondanfgang vormittags 3 Uhr 53 Minuten. Unter- gang nachmittags 7 Uhr 55 Minuten. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 3. .Juni 2 Minuten 3 Sekunden, am 9. .Tuni Minuten 57 Se- kimden. Am 9. .luni 5 Uhr 28 Minuten nachmittags Neumond. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. loh erbitte eine Vorschrift zur Dngung von Zimmer- und Gartenpflanzen. Die I'hario. Zeit." vom 26. Mrz 1887 giebt die folgende Vorschrift. Man nehme 40 Teile Ammonium nitricum = NHjNO,, 20 phosphoricum = (NH4)3 PO4 25 Kali nitricum ^ KNO3 5 Ammonium chloratum = NH4CI 6 Calcium sulfuricum = -'aS04 4 Ferrum sulfuricum = FeS04 oder: 5 Kali nitricum = KNOg 5 Calcium carbonioum = CaCOg 5 Natrium chloratum = Na Ol 5 Calcium phosphoricum = Ca3(P04)2 5 Natrium silieum = Na2Sir)3 1,5 Ferrum sulfuricum = FeS04, Die einzelnen Prparate werden als grobe Pulver mit einander gemischt. Auf eine Giesskanne von etwa 5 Liter Inhalt beinitzt man einen Theeltt'el voll und begiesst die Blumentpfe etwa 2 3 Mal wchentlich mit der Lsuns-. Litteratur. Engler undPrantl: Die natrlichen Pflanzenfamilien. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Bis jetzt 18 Liefe- rungen. 1887 1888 ii 1,50 ^li als .Subskriptionspreis und 3 ..H als Einzelpreis. Dieses ausgezeichnete Werk mit seinen zahlreichen, trefflichen Abbildungen (von denen die Figuren 2 und 4 in dieser Nummer der Naturw. Wochenschr." I'roben geben) soll etwa 300 330 Bogen Nr. 10. Naturwissenschaftliche Woclienschrift. 79 in IjcxikDii S" iuisniachiMi, vdii dcMU'ii J;ilirHch i'twa M liogen in Lit't'eruiisi'" ^'"" '^ Bogen ersclieinen. Dil' Hfliandlmig der einzelnen Faniilini erfolgt im wesentlichen nach folgender Vorlage; 1. Wichtigste Litteraturangaben. 2. Merknulle jeder Familie in knapper Form und allgemeinverstnd- licher Darstellung. 3. Hesprcchung der Vegetationsorgane mit llcksicht auf die Existenz- bedingungen. Hervorhebung besonders wichtiger anatomischer N'erhltnisse. 4. Jiesprechung der HltenverhUltnisse mit Rcksicht auf Fjntwicke- lung und Hcstuhungseinrichtungen. 5. ISesprechung von Frucht und .Samen mit llcksicht auf Ent- wickelung und namentlich auf \'erbreitungsmittel. ti. (ieographi.sche Verbreitung. 7. Kurze Errterungen ber die verwandtschaftlichen Beziehungen der F'amilie. 8. Einteilung der Familie in Unterfamilien, (irup|)en und Gattungen. 9. Anfhrung aller bekannten Gattungen, zwar ohne Diagnosen, aber mit kurzer Angabe der wirklich unterscheidenden Merkmale, Sowie des Vorkommens und der Artenzahl. 10. Anfhrung der Arten, welche an der Vegetationsdecke der Erde hervorragenden Anteil nehmen, der Nutzpflanzen und schd- lichen Arten. 11. Ausfhrliche Besprechung der Nutzpflanzen und ihrer l'rodukte, sowie der besonders schdlichen Arten. Die Reihenfolge der I'flanzenabteilungen geschieht nach dem von Engler in einigen Punkten zeitgemiiss umgestalteten natrlichen System, welches wir hier in seinen grosseren Abteilungen anfhren; I.Abteilung. i\l ycetozoa. Klassen: Acrasiei. Myxogasteres, Phytomyxini. 11. Abteilung. Thallophyta. i. Unterabteilung Schizophyta. 2. Unterabteilung Algae. Klassen: Bacillariaceae ([>iatoma'-eae), t'hlorophyceae inkl. Characeae, I'haeophyceae, Rhodophyceae (Florideae). 3. Unterabteilung. Fungi. Klassen ; l'hycomycetes. Ustilaginei, Ascomycetes (inkl Lichenes z. T.), Uredinei, Basidioraycetes (inkl. Lichenes z T ). in. Abteilung. Embryophyta zoidiogaraa (Archegoniatae). 1. Unterabteihmg. Bryophyta (Muscinei). Klassen; Heparicae. Miisci foliosi. 2. l'nterabteilung. Treridophyta. Klasse: Filicinae. Unterklassen: Filicinae isosporae und Filicinae heterosporeae (Hydrupterides). Equisetinae. l'nterklassen: Equisetinae isosporae und hetero- sporae (letztere fos-^il). .Sphenophyllinae (fossil). Lycopndinae. Unterklassen: Lycopodinae isosporae und heterosporae IV. Abteilung. Embryophyta s ipli onogama. 1. l'nterabtei- lung. Gymnospermae Klassen; Cycadinae, CordaVtinae (fossil), lloniferinae. Gnetah'.s. 2. Unterabteilung. Angiospermae. Klasse : Monocotyledoneae. Dicotyledoneae. 1. Unterklasse: Arehichlamydeae. 2. Unter- klasse; Sympetalae Besonders wichtig erscheint die Teilung der Arbeit unter be- Avhrte Systematiker. von denen die meisten monographisch gearbeitet haben; es kann somit vieles zuverl.ssiger geboten werden, als z. B. in der von einem einzigen wenn auch sehr tchtigen Autor bearbeiteten, prchtig illustrierten Histoire des plantes des uner- mdlichen Baillon. Uass andererseits aus diesein (Trunde der Gegen- stand in den natrlichen l'tlanzenfamilien im (iegensatz zu der Histoire des i)hintes eine ungleichmssigere Hearbeitung findet, ist erklrlich aber nur von untergeordneter Jiedeutung Es drfte geboten sein, eine Uebersicht von dem zu geben, was bis jetzt erschienen ist: 'An Ende gebra<-ht sind die Familien der Juncaceen (durch Buchenau). Stemonaceen. Liliaceen. Flagellariaceen , Mayacaceen, Xyridaceen. Rapateaceen. Tyjihaceen. Sauiurai-een, Piperaceeii, ('hlo- ranthaceen. Ijacistemaceen, (.'asuarinaceen, .Inglandaceen. Myrica<'een, Leitneriaceen. t'eratophyllaceen, Lactoridaceen, Philydiaceen. Ulmaceen (durch Enirler). Cycadaceen, Coniteven und Gnetaceen (durch Eichler). Palmen und Cyclanthaceen (durch IJiude). Haeinidoraceen, Amarj'Ili- d: ceen, \'i-lloziaceen, Tarcaceen, Dioscoreaceen. Salicaceen, Cyperaceen. Iridaceeii (durch Pax), Restionaccen. rVntro|c]iidaceen, F^riocaulaceen (durch Hieronynuis). P.andanacecu (diiich H. (irafi-n .Sohns), Betula- ceen, Magnoliaceen, Trochodendraceen. Myristicaceen, Fagaceen (durch l'rantl). Nymphaeacecn (durch Caspary), (iraniineen (durch Hackel). Bromeliaceen (durch Wittniack). Coinmelinaceen u. Pontederiaceen (durch .Schnland). Angefangen sind die F""amilien der Araceen, Sparganiaceen, Moraceen (durch Engler), Ranuuculaceeu (durch Prantl). Ausserdem bieten uns die bisher erschienenen Lieferungen zwei Abschnitte allgemeineren Inhaltes aus der Feiler Engler's, ber- schrieben: Embryophyta siplioiHjgaina" (das sind also die l'hanero- gamen) und Angiospermae. In dein erstg'enannten Abschnitt bietet der Verfasser auch einen IJeberhlick des von ihm angewandten Systemes bezglich der grosseren Abteilungen, welches wir oben zum Abdruck gebracht haben. Die Autoren und die Verlagshandlung halten wie das bri- gens bei dem guten Klange der Namen derse